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Wednesday, December 12, 2018

Seenotrettung

"Those we've rescued at sea have names, faces, families, friends, dreams, strengths & flaws.
They're more than numbers & simply don't deserve to drown."
Médecins Sans Frontières (MSF) on Twitter @MSF, 8. Dez. 2018

Da mir mit dem durchaus recht aufwändigen Projekt meines niedlichen MERRY XMAS CHARITY PIN-UP CALENDER ein bisschen die Zeit davon läuft, fasse ich mich zur zweiten Spende heute eher kurz. Es handelt sich trotz des süßen Titelphotos, für das ich mich entschieden habe, um ein sehr ernstes Thema.
Ich finde allerdings auch, dass es nicht allzu viel zu diskutieren gibt, wenn Tausende von Menschen in ihrer offenkundigen Verzweiflung beim Versuch, sich nach Europa zu retten im Mittelmeer ertrinken und es wunderbare Menschen gibt, die keinen Aufwand und Mühen scheuen, möglichst viele von ihnen zu retten. Trotzdem sind auch in diesem Jahr wieder mehr als 2119 flüchtende Menschen an den europäischen Außengrenzen im Mittelmeer gestorben!
Und da auch ich lieber eine Frau der Tat bin, als meine wertvolle Zeit mit Diskussionen über sowieso unverbesserliche Rassist*innen zu verschwenden, versuche ich mit meinen beschränkten und doch auch vielfältigen Mitteln (Öffentlichkeits- und Kulturarbeit hier und fast täglich auf Twitter, Demonstrieren, Spenden...) lieber zu helfen und die zu unterstützen, die Leben retten, anstatt nutzlose Debatten über oder gar mit Menschenfeinden zu führen. Ohnehin ist – und das war die vielleicht erfreulichste Botschaft zahlloser und oft riesiger antirassistischer Mobilisierungen von Griechenland bis Barcelona, von München bis Hamburg und Berlin (#ausgehetzt #Seebrücke #unteilbar etc.) in diesem sogar in Deutschland politisch turbulenten Jahr – die Zeit der gelähmten Schockstarre nach dem rassistisch-rechtsextremen Höhenflug nun wirklich vorbei, denn es bleibt dabei: #wirsindmehr!

Es gibt verschiedene Organisationen der im Mittelmeer und vor der libyschen Küste aktiven zivilgesellschaftlichen Seenotrettung. Zunächst wollte ich mich für eine entscheiden, aber nachdem ich mich auf Twitter nach Unterschieden oder Präferenzen erkundigt habe und von den drei zur Wahl stehenden Initiativen supernette und solidarische Antworten mit dem Tenor "Die Spenden sind bei allen genannten Organisationen gut aufgehoben" (Antwort von Sea-Eye) erhalten habe, habe ich nun beschlossen, den geplanten Gesamtbetrag von 48 € salomonisch zu je 16 € unter diesen drei Initiativen aufzuteilen: Sea-Watch, Mission Lifeline & Sea-Eye.
Das Gute daran ist auch, dass die Formulardaten für künftige Spenden damit gespeichert sind (von verschiedenen Formen des 'Online-Banking' halte ich mich aus politischen Gründen eher fern), da ich Nummern- & Zahlentippereien ziemlich lästig finde und das manchmal die größte Hürde für eine spontane kleine Spende ist.

Da mein Gesamtbudget für mein Charity-Kalender-Projekt leider begrenzt ist, wird dies dennoch die größte Spende pro Kalenderblatt sein. Und wie mir Gorden Isler, der Sprecher von "Sea-Eye", auf meine Andeutung hin, dass meinerseits kein allzu großer 'Geldregen' zu erwarten sei, richtig schrieb: "Jeder Betrag hilft". Auch auf der Webseite von "Mission Lifeline" heißt es:
"Schon ein kleiner Betrag von 5 Euro ist ein wichtiger Beitrag".

Für 5 € kann z. B. Sea-Watch eine Person mit Essen und Trinken versorgen, für 6 € kann eine Rettungsweste gekauft werden (Mission Lifeline), für 15 € Rettungsschwimmwesten, für 35 € ein Rettungsring und für nur 1 € (!) eine Rettungsdecke als erste Hilfe gegen Unterkühlung an Bord (Sea-Watch), so dass ich mit meinen 48 € rechnerisch entweder einen Rettungsring plus eine Rettungsschwimmweste finanzieren, 10 Menschen mit erstem Essen & Trinken versorgen oder 48 Menschen in Form von Rettungsdecken Wärme schenken kann...
[Ich erwähne all diese Summen in meinem Kalender übrigens absichtlich so genau, um auch andere Menschen mit geringem Einkommen oder in eher prekären Lebensverhältnissen zu Kleinspenden für unterstützenswerte Projekte zu ermuntern.]

Ihr, liebe Leser*innen, seid also herzlich eingeladen, meine Spenden noch ein wenig aufzustocken. Laut "Sea-Eye" waren sie übrigens statistisch gesehen in den Jahren 2016 & 2017 in der Lage, mit einem durchschnittlichen Betrag von nur 48 € (also meiner Gesamtsumme) ein Menschenleben zu retten. Wenn das keine Motivation ist!
(auch wenn mir bei diesem 'Betrag' für das (Über-)Leben eines Menschen, der*die nicht das Glück hatte, in Europa geboren worden zu sein, ganz schummrig wird, da er auch zeigt, wie krass diese rassistisch-kapitalistische Weltordnung ist und wie wenig unseren herrschenden Klassen nicht-europäische Menschen wert sind!)

#Europe 2018 in einer Karikatur zusammengefasst.
Die westlichen Industrieländer beuten und plündern seit Jahrzehnten Afrika aus, heizen mit ihren Rüstungsgeschäften und Kriegen nicht nur im Nahen Osten Konflikte an, unterhalten extrem unfaire Handelsbeziehungen, zerstören das Klima – aber den betroffenen Menschen wird das Recht auf Bewegungsfreiheit genommen, die Einreise verweigert und Tausende von Menschen ertrinken jährlich auf der Flucht im Mittelmeer.
Text von mir, Karikatur via Sea-Eye-Sprecher Gorden Isler @gorden_isler, Twitter 29. Sept. 2018

Seenotrettung

Hier sind die Webseiten, Twitter-Accounts und Überweisungsdaten
der Seenotrettungs-Organisationen:

Sea-Watch
Berlin


"Wir retten Menschen auf der Flucht vor dem Ertrinken."

SPENDENKONTO:
IBAN: DE77 1002 0500 0002 0222 88
BIC: BFSWDE33BER
Kreditinstitut: Bank für Sozialwirtschaft Berlin
Kontoinhaber: Sea-Watch e.V.

Weitere Infos & Online spenden:
Twitter: @seawatchcrew (22,7 Tsd. Follower*innen)

Nach Eigenangaben hat Sea-Watch bereits 35.000 Menschen das Leben gerettet!


Mission Lifeline
Dresden

"Private Seenotrettungshilfe aus Dresden zur Rettung Schiffbrüchiger im Mittelmeer.
Gegen Abschottung, für legale Einreisewege. Jeder Cent hilft Leben zu retten!"

MISSION LIFELINE e.V.
IBAN: DE85 8509 0000 2852 2610 08
BIC: GENODEF1DRS
Volksbank Dresden e.G.

Weitere Infos & Online spenden:
Twitter: @SEENOTRETTUNG (18,1 Tsd. Follower*innen)

Bei Mission Lifeline habe ich auf die Schnelle keine Zahlen zu den Geretteten gefunden, anderseits gab und gibt es gerade zu dieser Organisation und ihrem bekannt gewordenen Kapitän Claus-Peter Reisch eine breitgefächerte Presseberichterstattung. Wir sollten bei diesem Stichwort allerdings nicht vergessen, dass in allen drei hier vorgestellten Organisationen eine Vielzahl von Frauen* und Männern* größtenteils ehrenamtlich tätig sind, denn es braucht nicht nur Kapitän*innen, sondern auch Ärzt*innen, Sanitäter*innen & Rettungsassistent*innen, Köch*innen & Übersetzer*innen in den Crews auf dem Meer, aber auch Projektmanager*innen, (Graphik- & Web-)Designer*innen und schließlich nicht zuletzt Fundraiser*innen & Spendensammler*innen an Land. Da helfe ich doch gern!


Sea-Eye
Regensburg

"Zivile Seenotrettung im zentralen Mittelmeer. Civil Sea Rescue."

Sea-Eye e. V.
Bankverbindung: Volksbank Regensburg,
IBAN: DE60 7509 0000 0000 0798 98
BIC: GENODEF1R01

Weitere Infos & Online spenden:
Twitter: @seaeyeorg (5,9 Tsd. Follower*innen)

Sea-Eye hat nach Eigenangaben bereits über 14.000 Menschen das Leben gerettet!


Spenden

⛴️ ⛴️ ⛴️

Die Spenden sind bei allen drei gemeinnützigen Organisationen steuerlich absetzbar. Für die Zusendung der Spendenquittung Anschrift im Verwendungszweck angeben, bei Spenden von über 200 € an Sea-Eye die Email-Adresse (mit „-at-“ anstelle von „@“) für eine Eingangsbestätigung und eine Spendenbescheinigung für das Finanzamt.
Genereller Vorteil einer klassischen Überweisung: es entstehen weder den Spender*innen noch den Organisationen Gebühren, während zum Beispiel PayPal eine Gebühr von 1,5 % + 0,35 € verlangt und betterplace 2,5% Transaktionskosten einbehält. Und wie gesagt: einmal angelegt, habt Ihr die Tipperei für immer hinter Euch und könnt die Überweisungsformularvorlage immer wieder benutzen und braucht nur den Betrag zu ändern.
Über Daueraufträge freuen sich die Organisationen natürlich auch – alles dazu auf den verlinkten Webseiten.
Und wer schließlich so wirklich gar keinen Cent über hat, kann den Organisationen zumindest kostenlos auf Twitter (Facebook, YouTube, Instagram & Co.) folgen und damit ihre Reichweite und ihren politischen Einfluss weiter erhöhen (das gilt auch für alle anderen unterstützten Projekte meines Kalenders). Oder einfach selbst Spenden sammeln, Infos verbreiten oder anderweitig aktiv werden. Ein paar weitere konkrete Vorschläge von Mission Lifeline gibt es zum Beispiel hier.


Keine Nummern, keine Zahlen

"Europa lässt im Mittelmeer keine Nummern und Zahlen ertrinken, sondern Menschen. Sie haben Freunde und Familie, Ängste und Träume. Sie sind Menschen wie du und ich. Sie sind auch #unseretoten."
~~~~~~~~~
"It's not numbers and figures that Europe is letting drown in the Mediterranean, it's people. They have friends and family, fears and dreams. They are people like you and me. They are #ourdead too."

Sea-Watch @seawatchcrew
#HumanRightsDay
Twitter 11 Dec 2018







...
Learn more here: http://www.our-dead.eu


Seebrücke & Offene Grenzen

Aber Spenden ist natürlich nicht alles. Es geht auch und letztlich sogar vor allem darum, den politischen Druck für sichere Fluchtwege zu erhöhen, denn natürlich ist das alles kein Zustand, der so bleiben kann. Die in vielen Städten dieses Jahr in ganz Europa stattgefundenen, teilweise riesigen Demonstrationen für eine Seebrücke, sichere Fluchtwege, offene Häfen und solidarische 'Refugee-Cities' waren hierfür ein toller Anfang! Und deshalb möchte ich zum Abschluss auch noch auf die Webseiten der internationalen Seebrücke-Bewegung hinweisen, wo Ihr die bundesweiten Termine für die nächsten Aktionen und Demonstrationen erfahren könnt:

SEEBRÜCKE


"Wir bauen eine Brücke zu sicheren Häfen"
 Twitter: @_Seebruecke_
(es gibt in fast allen größeren Städten Seebrücke-Ortsgruppen, meist auch mit eigenen Twitter-Accounts, einfach nachschauen)

SEEBRÜCKE Berlin


"Berliner Ortsgruppe der Bewegung für sichere Häfen und solidarische Städte.
Build Bridges, Not Walls!"
Twitter: @SeebrueckeB

"Die SEEBRÜCKE ist eine internationale Bewegung, getragen von verschiedenen Bündnissen und Akteur*innen der Zivilgesellschaft. Wir solidarisieren uns mit allen Menschen auf der Flucht und erwarten von der deutschen und europäischen Politik sofort sichere Fluchtwege, eine Entkriminalisierung der Seenotrettung und eine menschenwürdige Aufnahme der Menschen, die fliehen mussten oder noch auf der Flucht sind – kurz: Weg von Abschiebung und Abschottung und hin zu Bewegungsfreiheit für alle Menschen."

LOVE safe passage HATE borders
Unser Schlachtruf heißt retten
#BuildBridgesNotWalls
Kein Mensch ist illegal, Bleiberecht überall!
via Seebrücke Berlin @SeebrueckeB, Twitter 18. Okt. 2018



Magenta ist #unteilbar

Auch das war in diesem politisch bewegten Jahr: die unendlich große #unteilbar-Demo am 13. Oktober 2018 mit sagenhaften über 250.000 Menschen in Berlin!
Da ich es mag, die vielen verschiedenen Kämpfe für ein besseres Leben zu verbinden, hatte ich mal wieder meine syrisch-kurdische YPJ-Fahne spazieren geführt, was immer wieder Leute zum Lächeln, Jubeln, Winken & Strahlen gebracht hat. Leider gibt es keine Outfit-Photos von mir (ein anderes Mal!) – Eure *scherz* 'Lieblings-Modebloggerin' Magenta hatte sich für ein verspieltes rosa-farbenes Mini-Röckchen und magenta-pinke Glitzer-Pumps (Mary Janes mit Riemchen) mit schwarzen Strumpfhosen & schwarzem Top und meiner auf kurdischen Demos schon obligatorisch gewordenen rosa 'Kirschblüte' im kupferroten Haar entschieden und auch dafür habe ich mehrere Komplimente von zuvor unbekannten lesbischen und queeren Frauen bekommen (was mich als Femme-Lesbe natürlich besonders gefreut hat). Aber irgendwie waren ob des bombastischen Erfolges ohnehin alle happy!
Die kommunikative Demo war auch ein Ort der Begegnung und es wurde dann nach einem in jeder Hinsicht endlosen Tag entsprechend auch noch ein ziemlich langer schöner Abend – und hinein in die Berliner Nacht. So waren dann mehrere mir wichtige Anliegen vereint. So soll es sein!

Hier ein paar Impressionen aus den absolut enthusiastischen, gleichzeitig wundervoll fröhlichen und super kämpferischen letzten Stunden der größten politischen Demo auf der ich jemals war (und ich war schon auf einigen...).
Es sind alles Screenshots vom offiziellen #unteilbar-Video, der an Ort und Stelle auf Großbildleinwänden übertragen wurde, sprich, ich konnte mich zu jeder Zeit live mit meiner – viele soziale, antirassistische & antifaschistische, säkulare, feministische, queere und ökologische Themen der Demo vereinenden – YPJ-Fahne 'ins Bild rücken'. Aber sie war auch nicht zu übersehen! (^.^)

Am Ende der nicht enden wollenden Riesendemo #unteilbar am 13. Okt. 2018 gelang es mir bei den Abschluss-Konzerten an der Siegessäule, meine Fahne der nordsyrischen Frauenverteidigungseinheiten YPJ in die erste Reihe und direkt in die Übertragungskameras zu bugsieren.
:-)

Viva Rojava bei #unteilbar!
Auch von den nur wenige Meter entfernten 'VIP's' auf der Bühne gab es positive Reaktionen!
:-)




Schaut in diese Gesichter - schaut auf diese Gesten!
Wie der Aufschrei der "schweigenden Mehrheit", auf den wir alle so lange gewartet haben...
die Stimmung war am Ende fast am Explodieren!

Selbst von weiter weg super zu erkennen – und dazu in fast jeder Einstellung auf den Großbildleinwänden links und rechts!
Frauen* aller Länder, wir erobern uns die Nacht zurück!

If anyone wondered who managed to bring a Kurdish women freedom fighters #YPJ flag right into the very 1st row & the super big screens of the enthusiastic end of >250,000's #unteilbar – with smiling faces of a lot of the wonderful VIP's on stage:
It was just me, Magenta. Ooops.

 🇬🇫


Refugees Welcome

Schließen möchte ich mit einem herzlichen Dank an alle, die sich auch 2019 weiterhin für eine offene Gesellschaft einsetzen werden, mit einem entschlossenen "Refugees Welcome" und meinem Lieblingszitat von Bundeskanzlerin Angela Merkel (!): "Wir schaffen das!".
Na klar schaffen 'wir' das, wir sind schließlich nicht nur "mehr",
wir sind auch – wie wir erst vor wenigen Wochen mit über 250.000 Menschen auf den Straßen von Berlin gemeinsam bewiesen haben – #unteilbar!

Nieder mit der "Festung Europa"!
#keinMenschistillegal

Refugees Welcome!

Kuss Kuss
xxx
Eure "Bloggerin für Flüchtlinge" Magenta


Dies war quasi die Rückseite des zweiten Kalenderblattes meines wundervollen, säkular-atheistischen Merry Xmas Charity Pin-up Calendar. Hier geht's zur hübschen Vorderseite von Teil II/V mit Pin-ups, Nikoläus*innen, Keksen & Musik!

💖💖💖


Blog-Artikel zu Rassismus, Nationalismus, EU & Refugees (Auswahl):

Grenzenlos. Feministisch. Solidarisch ★ Kampf der AfD! #Blockupy IV (Sept 2016)
Merkel & die EU zwischen AfD und AKP (März 2016) (zum EU-Türkei-Deal)
Alle faschistischen Deutschen (AfD)… (März 2016)
Herbst im Moor (Nov 2015) (Kapitel "Moos ohne Grenzen" ff. über Rassismus in der Provinz)
Pop & Elend (Okt 2015) (Über Refugees & Musik)
Keine Feiertage: 3. Oktober, 9. November (Okt 2015)
Wie Toyah Diebel in 3 Minuten Pegida abschminkte (Febr 2015)

Blog-Artikel zu Rojava (endlos viele, exemplarisch):

Nieder mit der AKP ★ Solidarität mit Rojava ★ Blockupy III (Sept 2016)
Der kürzeste Weg nach Tall Abyad (Juni 2015)
Die Rückkehr des zivilen Lebens in Kobanê (Mai 2015)
Mit Pferdeschwänzen gegen Terroristen (März 2015)

Lesbische Blog-Artikel (exemplarisch):

Lesbians at the Prom ♥ Frauen gehen mit Frauen zum Ball (Mai 2016)
Girls loving Girls (April 2015)

Wednesday, December 5, 2018

Make Rojava Green Again

Make Rojava Green Again! Picture Gallery – June 2018 – Internationalist Commune

Vom Hambacher Forst nach Rojava - Klimaschutz ist global!

Eines der großen Themen in diesem politisch bewegten Jahr war der immer dringlicher werdende Klimaschutz, wie die sich häufenden Umweltkatastrophen von schweren Unwettern, Hurrikans, Überschwemmungen oder Waldbränden erneut dramatisch deutlich machten.
In Deutschland blickten alle in den Hambacher Wald, wo die unermüdlichen #Hambibleibt-Aktivist*innen den Kohlekonzern RWE mit ihren Aktionen, Baumhäusern, Besetzungen und Blockaden in die Verzweiflung trieben und treiben. Gleichzeitig schickte im September diesen Jahres eine Aktivistin, die sich lange im Widerstand im Hambacher Forst befand und mittlerweile in Rojava lebt, einen die nur scheinbar weit entfernten Kämpfe verbindenden Solidaritätsbrief aus Rojava, der auf der Webseite der kurdischen Nachrichtenagentur ANF nachzulesen ist:
Initiativen wie #EndeGelände machen bundesweit und auch in Berlin regelmäßig mit Anti-Kohle-Protestaktionen auf den Klimaschutz aufmerksam.
Immer wieder habe ich darüber auch auf dem STYLE! IT! TAKES! Twitter-Account @magentanetzwerk berichtet, der in diesem Jahr mit über 1.300 Follower*innen eine neue persönliche Rekordmarke erreicht hat. :-)


Make Rojava Green Again - Rojava wieder grün machen

Für den ersten Teil meines fünfteiligen, säkular-atheistischen, dafür winterlich-glamourösen "Merry Xmas Charity Pin-up Calendar" und den damit verbundenen kleinen 'Spendenmarathon' habe ich mich bezüglich dieses ökologischen Themenfeldes trotz der erwähnten, erfreulich-hartnäckigen Proteste in Deutschland – doch selbstverständlich mit Blick auf die Zukunft unseres antarktisch-schönen Pin-ups und ihrer beiden Pinguine! ^.^ (siehe dazu die 'Vorderseite' dieses I. Kalenderblattes) – dennoch für eine andere Kampagne entschieden, denn letztlich ist Klimaschutz eine globale Angelegenheit und es spielt keine Rolle, wo der Klimaschutz in die eigenen Hände genommen wird.

Da ich bekanntlich seit inzwischen mehr als 4 Jahren die großartige Revolution im nordsyrischen Rojava unterstütze, ging die erste kleine Spende in Höhe von 25 € also an die dortige, gemeinsam von der "Internationalist Commune of Rojava" und dem Ökologie-Komitee des Kantons Cizîrê gestartete Kampagne "Make Rojava Green Again". Es geht zunächst unter anderem um die Wiederaufforstung der von Monokulturen und Krieg ökologisch zerstörten Region.
Der Hintergrund wird kurz in diesem Flugblatt zusammengefasst:


This same leaflet & flyer (front & back, in Colour / Black & White, various sizes)
is availabe for free download also in English, Spanish,
French to read, print and spread them!

Infos zu den aktuellen Projekten von MAKE ROJAVA GREEN AGAIN (auf Englisch)
Infos about the current projects of MAKE ROJAVA GREEN AGAIN (all in English):

Planting trees ~ Support us reforesting Rojava
http://makerojavagreenagain.org/portfolio/reforestation/

Reusing water ~ Help us to build a grey water and black water system!
http://makerojavagreenagain.org/portfolio/reuse-water/

Harnessing wind ~ Help us constructing a wind turbine in Rojava
http://makerojavagreenagain.org/portfolio/wind-energy/



~ Impressionen ~

Make Rojava Green Again! Pictures gallery – April 2018 – Co-operation in Mesopotamia

"Azadî ji bo daran ~ Freiheit für die Bäume"
Make Rojava Green Again (MRGA) preparing plants & trees to be planted in Rojava,
the autonomous Democratic Federation Northern Syria


Independent newspaper article: Why we’re planting trees in northern Syria

Rojava 2018 10 22 ~ La CNT se suma a la campaña 'Make Rojava green again' (ANF)

Rojava 2018 10 24 ~ CNT schließt sich "Make Rojava Green Again' an (ANF)


Rojava in March 2018 ~ Revolutionary Ecological Campaign #MakeRojavaGreenAgain

~ More photo galleries & infos also on the page of the Internationalist Commune ~

Internationalist Commune
Derik (al-Malikiya)
Rojava, Federation of Northern Syria
contact@makerojavagreenagain.org


Ökologische Revolution

Doch das ist nur der Anfang dieses ehrgeizigen Projektes. Letztlich geht es um nichts weniger als um eine ökologische Revolution, die entlang der unter anderem vom inhaftierten PKK-Mitbegründer Abdullah Öcalan entwickelten, stark von dem US-amerikanischen Anarcho-Ökologen Murray Bookchin beeinflussten philosophisch-praktischen Linie der revolutionären Bewegung ("Demokratischer Konföderalismus" genannt) mit Basisdemokratie und Geschlechtergleichheit einher geht. Dazu gehört auch die Entwicklung eines ökologischen Bewußtseins in der nordsyrischen Gesellschaft – weg von der kapitalistischen Wegwerf-Mentalität.

Schon kurz nach der Befreiung vieler nordsyrischer Städte und Dörfer durch die den IS vertriebenen revolutionären YPG- & YPJ-Einheiten (Kurd*innen & multiethnische Verbündete verschiedenster Religionen) wurde damit begonnen, nicht nur den Kriegsschutt zu beseitigen, sondern auch gemeinsam die Straßen, Wege, Grünflächen und Felder von Müll, aber auch von überall verstreuten Kriegsspuren wie Minen und Sprengfallen, zu befreien (siehe dazu auch meinen Blog-Artikel Die Rückkehr des zivilen Lebens in Kobanê vom Mai 2015).

So werden nicht nur alle Teile der Gesellschaft in die konkrete Verbesserung ihres Lebensumfeldes einbezogen, sondern auch ganz sinnlich das Gefühl geschärft, die eigene Umgebung nicht zu vermüllen und zu verschmutzen. Es gibt lokale Basisversammlungen, in der die Bevölkerung über die dringlichsten Probleme diskutieren und Entscheidungen treffen kann, wie sie gelöst werden sollen. Dabei geht es oft um ganz elementare Dinge wie die Wasser- und Stromversorgung, aber natürlich auch nach wie vor um den Wiederaufbau der Dörfer und Städte, die grüner werden sollen und von einer nachhaltigeren Landwirtschaft in der überwiegend ländlich geprägten Region umgeben sein sollen.

Ehrgeizige Pläne und Projekte also, aber alles, was ich mitbekomme (und ich bekomme aufgrund meiner Kontakte sehr viel mit), klingt wundervoll und ist wunderschön anzusehen – von der bereits zu großen Teilen wieder neu aufgebauten Stadt Kobanê, die nach der erbitterten Schlacht gegen den IS noch Anfang 2015 ein einziger Trümmerhaufen war, über das wunderschöne neue Parlament in Derîk oder die Pläne der im Aufbau befindlichen Universität von Rojava. Und dies alles (leider) ohne jegliche Unterstützung der reichen, westlichen Länder oder großen, globalen Hilfsorganisationen, aus eigener Kraft. Die Revolution von Rojava macht Hoffnung und Mut!


Das Buch - The Book

Internationalist Commune of Rojava: MAKE ROJAVA GREEN AGAIN
Foreword by Debbie Bookchin. UK 2018
Das ganze Buch ist wirklich wunderschön gemacht, hat außen wie innen ein recht ungewöhnliches, markantes Design mit hohem Wiedererkennungswert und ist eine wunderbare Einführung in den Themenkomplex.

Um die ehrgeizige Philosophie, die Gedanken, Visionen und Ziele der sozial-ökologischen Revolution in Rojava in der ganzen Welt zu verbreiten, haben die Genoss*innen von der "Internationalist Commune of Rojava" neben den bereits kurz vorgestellten praktischen Projekten auch noch das schöne Buch "Make Rojava Green Again" geschrieben, Debbie Bookchin (die Tochter des im letzten Kapitel erwähnten Anarcho-Ökologen Murray Bookchin) für ein Vorwort gewonnen, es wurde in England layoutet und über eine Crowdfunding-Kampagne vorfinanziert und schließlich in der Arbeiter*innen-Kooperative Calverts Ltd in East London gedruckt und jetzt über den englischen anarchistischen Verlag/Mailorder Dog Section Press (Direktbestellungen für £6.00 plus Porto/Verpackung hier: https://dogsection.bigcartel.com/product/make-rojava-green-again) weltweit vertrieben. Das ist alles in allem doch ein ziemlich kohärenter Produktionsprozess von der Kommune in Rojava bis zu den Genoss*innen in England ein Buch quasi komplett in antikapitalistischen Kollektiven zu schreiben, zu gestalten, zu drucken und zu vertreiben. Wow!

Bisher gibt es die englische Originalausgabe, aber das Buch soll sobald die Finanzierung gewährleistet ist auch in zahlreiche andere Sprachen übersetzt und vielleicht auch gedruckt werden. Alle Gewinne des Buches (und späterer Übersetzungen) gehen direkt in die Unterstützung der Arbeit der "Internationalist Commune of Rojava".
Es steht auch Online als PDF zum Lesen und Durchblättern zur Verfügung (Link wird nachgereicht).


Hier könnt Ihr das wunderschöne, informative und lesenswerte
Vorwort von Debbie Bookchin lesen (auf Englisch):

Here you can read the beautiful, informative
Foreword by Debbie Bookchin which is highly worth reading:

☆ "Make Rojava Green Again" by Debbie Bookchin

Eine grobe, in den Revolutionsfarben gelb-rot-grün gefärbte Karte von Rojava (hier gelb dargestellt, den Farben der kurdisch-multiethnisch-alliierten Befreiungseinheiten SDF) und generell zur Lage der Demokratischen Föderation Nordsyrien, die nördlich an die Türkei und südöstlich an den Irak grenzt.
Das von den SDF, YPG & YPJ befreite Gebiet ist aber sogar noch deutlich größer und umschließt auch die ganze Region von der Mitte der Karte bis einschließlich der südlich  liegenden, eher arabisch geprägten Großstadt Raqqa und weitere, südöstliche Gebiete.
Umgekehrt ist seit Anfang 2018 der zu Rojava gehörende Kanton Afrîn (ganz links im Westen der autonomen Föderation Rojava) von Erdogan's Türkei und seinen verbündeten Dschihadisten brutal besetzt.


Rojava in Berlin

Die revolutionäre Fahne von Rojava in Berlin-Kreuzberg
am Ende der Demo gegen das PKK-Verbot am 1. Dezember 2018
Da nicht nur kurdisch-türkische PKK-Fahnen, sondern sogar die in Berlin längst durchgesetzten und wieder erlaubten Fahnen der nordsyrischen YPG & YPJ von der Polizei im Kontext mit der Demo verboten wurden, schrieb ich dazu auf Twitter:

"Für eine PKK-Fahne hat das Geld leider nicht gereicht,
meine YPJ-Fahne durfte ich ja nicht tragen (bin immernoch grummelig deshalb),
also eine Fahne für alle - EINE FAHNE FÜR ROJAVA!
Die hat mir ein kleines kurdisches Mädchen geschenkt!
😃
#WegmitdemPKKVerbot"
Snapshot by

So war es dann trotz allem doch noch eine gute Demo, für die ich sogar extra in Rojava-Grün gekommen bin. Dazu außerdem meine schon obligatorische rosa Kirschblüte (hier nur bei genauem Hinsehen zu entdeckende Haarblume links oben)
– ohne die gehe ich auf keine kurdische Demo!
(^.^)
🌸


Zur schwankenden Weltkugel

Buchladen zur schwankenden Weltkugel, Kastanienallee 85, Prenzlauer Berg

Nach der beliebten Devise "Think global - act local" habe ich ergänzend zu meiner Überweisung beschlossen, mir zur Unterstützung meiner Genoss*innen aus der englischen Kurdistan-Solidarität die Buchausgabe von "Make Rojava Green Again" in meinem linken Berliner Lieblingsbuchladen mit dem zum Ökologie-Thema passenden, lustigen Namen Zur schwankenden Weltkugel im ex-besetzten Haus in der Kastanienallee in Prenzlauer Berg zu besorgen. Der als Kollektiv geführte Buchladen wurde 2002 als zweiter Laden des Schwarze Risse Buchladen-Kollektivs eröffnet, seit der Teilung des Kollektivs im April 2012 trägt er seinen neuen Namen.

Zu meiner Überraschung hatten sie das gesuchte Buch aber nicht und kannten es auch noch gar nicht. Wahrscheinlich stecke ich so tief im Thema, dass ich dachte, die ganze Welt spricht über dieses Buch, über dessen Veröffentlichung ich schon so oft auf Twitter berichtet habe. (^.^)
Offenbar haben auch noch keine meiner Genoss*innen aus der Kurdistan-Solidarität eine Kiste zum Weiterverkauf auf Kommission vorbeigebracht, wie es zum Beispiel Zeitschriftenkollektive (ich kaufe dort z. B. immer meine linke Lieblingszeitung wildcat), Gruppen und Herausgeber*innen von Broschüren, die es am Kiosk nicht zu kaufen gibt, machen, denn die Weltkugel ist auch Drehscheibe für Flugblätter, Infomaterial, Plakate und Bustickets zur nächsten Demo.

Die supernette Buchhändlerin ließ sich also von mir aufklären und wir schauten uns gemeinsam die Kampagnen-Webseite an. Dann rief sie sogar die Kolleg*innen bei Schwarze Risse in Kreuzberg an, und auch die hatten noch nicht davon gehört.
Und jetzt haben wir vereinbart, dass die schwankende Weltkugel das Buch für mich in England bestellt (es wird wie schon erwähnt über den linken englischen Vertrieb Dog Section Press verbreitet), aber nicht nur für mich, sondern gleich mehrere Exemplare! Ist das nicht wundervoll?
Ich bekomme Bescheid, sobald die Bücher eingetroffen sind und werde Euch dann ebenfalls hier und auf Twitter Bescheid geben, dass Ihr das Buch jetzt auch im zu Unrecht 'verrufenen' schönen Prenzlauer Berg bekommen könnt (ein bisschen Kiezpatriotismus wird mir hoffentlich zugestanden, denn ich lebe gerne hier).
Denn je mehr der Bücher verkauft werden, desto wahrscheinlicher wird die Finanzierung einer Ausgabe in anderen Sprachen gewährleistet.
Und es ist natürlich auch ein prima Weihnachtsgeschenk für politisch interessierte Menschen (wer es eilig hat, die Online-Bestellmöglichkeit bei Dog Section Press habe ich ja schon verlinkt).

Und nach Eurem Buchladen-Besuch könnt Ihr dann entweder im direkt nebenan liegenden Café Morgenrot oder – mein Tipp – im unweit entfernten, ebenfalls linken Kneipenkollektiv Kultur- & Schankwirtschaft BAIZ (in der Schönhauser Allee 26A / Ecke Wörther Str., 10435 Berlin), die immer mehr zu meiner Stammkneipe mutiert, was Trinken gehen. Ja, ich mache jetzt hier mal ein bisschen Werbung für meinen Kiez und seine Wunderbarkeiten!


Buchladen zur schwankenden Weltkugel
Kastanienallee 85
10435 Berlin
Öffnungszeiten
Montag - Freitag 11.00 Uhr - 19.00 Uhr
Samstag 11.30 - 18.00 Uhr
Telefon: 030 4409158
E-Mail: info@buchladen-weltkugel.de


Photo via www.kollektiv-betriebe.org


Spenden * Donating

Für alle, die vielleicht auch eine Kleinigkeit an das Projekt "Make Rojava Green Again" spenden wollen, hier noch einmal die Bankverbindung, dann könnt Ihr sie per Copy & Paste in ein Formular eingeben:



Kontoinhaber: Xarxa Autogestió Social SCCL
IBAN: ES43 1491 0001 2420 8685 5729
BIC/SWIFT: TRIOESMMXXX
Bank: Triodos Bank (Spanien/Spain)
Überweisungszweck / Payment reference: deposit P3NIA

* Bitte den Überweisungszweck genauso angeben
* Please use exactly this payment reference




Rosa Grüße aus Berlin! * Pink Greetings from Berlin!

Auch in Rojava mögen Menschen rosa:
noch unfertiges Wandbild in einem Jugendzentrum in der Nähe der Stadt Amude (Cizîrê Kanton, Rojava)
"Jin, Jiyan, Azadi" ist eine kurdische Parole und bedeutet "Frauen, Leben, Freiheit"!
~*~*~*~*~
Mural in a youth centre near the city of Amude in #Rojava
created by members of the Internationalist Commune
"Jin, Jiyan, Azadi" is a Kurdish slogan meaning "Women, Life, Freedom"!

Während ich also noch auf mein Buch warte und mich darauf freue, das dann frisch erstandene Stück an hoffentlich ruhigen Wintertagen zu lesen, und hoffe, dass meine kleine Spende noch heile in Rojava ankommt, bevor Erdogan wieder alles in Schutt und Asche legt, was mühevoll und mit viel Liebe aufgebaut wurde, wünsche ich den Freund*innen in Rojava weiterhin viel Kraft, Optimismus & Erfolg und verabschiede mich für heute von Euch.

Weiter geht es hier mit dem II. und III. Kalenderblatt und damit auch den nächsten beiden Soli-Spenden. An wen die gingen, erfahrt Ihr ebenfalls hier im Blog.

Kussi
xxx
🌸🌸🌸
Eure Magenta

STYLE! IT! TAKES! Twitter-Account
Magenta Netzwerk @magentanetzwerk

Link zur Vorderseite des ersten Teils meines * Link to the front page of the first part of my


~ I ~

Friday, May 29, 2015

Sparkasse Saarbrücken kündigt Spendenkonto für Rojava!

 

[English Summary at the end of this post!]

Seit November 2014 werbe ich in diesem Blog für Unterstützung für die von den terroristischen Dschihadisten des 'Islamischen Staates' (IS, ISIL oder besser: Daesh) angegriffenen Menschen in Syrien und im Irak. Als besonders widerstandskräftig hat sich die mehrheitlich kurdische, mittlerweile immer globaler und multi-ethnischer zusammengesetzte Bevölkerung in der nord-syrischen Region Rojava gezeigt, die seit 2011/12 in dem vom Bürgerkrieg zerrüttelten Land eine säkulare, basisdemokratische, multi-ethnische und feministische Revolution vollzogen hat / vollzieht / verteidigt und die wir seither mit unseren Herzen und unserer praktischen Solidarität unterstützen.

In Deutschland unterzeichneten im Oktober 2014 über 400 Personen, viele aus Kunst, Journalismus und Kultur, einen Aufruf des kurdischen Studentenverbandes YXK und der Interventionistischen Linken (siehe: http://rojava-solidaritaet.net). Seither sind Spenden für die Selbstverteidigungskräfte in Rojava gesammelt worden – und es kamen inklusive unserer Kampagne "Nachtleben für Rojava" immerhin über 107.000 € zusammen.

Während in Rojava immernoch tagtäglich Menschen im erbitterten Kampf gegen die erbarmungslosen Terroristen sterben und auch Zivilist*innen (sofern es solche noch geben kann) z. B. immer wieder von deren überall hinterlassenen Minen und Sprengfallen getötet werden, hat die Sparkasse Saarbrücken jenes Spendenkonto für Rojava trotz wiederholter Proteste zum 31. Mai gekündigt - eine skandalöse Entscheidung, denn die Menschen dort brauchen dringend jegliche nur erdenkliche Unterstützung, um den dschihadistischen Terrorbanden standzuhalten und die inzwischen befreiten, meist aber von Daesh vollkommen zerstörten Dörfer und Städte wiederaufzubauen.

  
Bei der Teil-Kampagne "Nachtleben für Rojava", an der sich unser Berliner Fashion & 'Stadtverschönerungs'-Blog STYLE! IT! TAKES! mit zahlreichen anderen Projekten, Konzertveranstalter*innen, Kneipen, Bars & Clubs in Berlin, Bremen, Hamburg und weiteren Städten beteiligt hat, sind im Winter 2014/15 über 20.000 € zusammengekommen.
Rechts ein "Kobanê Libre" aus einer der sich solidarisierenden Bars. ♥

Sicherlich ließe sich ein neues Spendenkonto bei einer anderen Bank finden (obgleich auch schon mehrere andere Sammelkonten in Deutschland gekündigt wurden!), aber dennoch ist es einfach widerlich, dass eine öffentlich-rechtliche deutsche Bank (bei der vor allem die 'kleinen' Leute Kund*innen sind) mit dieser Maßnahme indirekt die islamistischen Terroristen unterstützt, die in Syrien und im Irak Menschen für das Rauchen einer Zigarette enthaupten (leider kein Witz), die massenhaft junge, vor allem jesidische Mädchen vergewaltigen, Frauen auf Sklavenmärkten verkaufen, 'Ungläubige' an den Strang hängen, öffentlich auspeitschen, erschießen oder in Käfigen eingesperrt bei lebendigem Leib verbrennen, die 'Homosexuelle' von hohen Gebäuden werfen und unten tot angekommen noch steinigen. All das passierte im Irak und in Syrien in großem Maßstab und findet weiterhin täglich statt (ich habe lediglich von Anfang an beschlossen, meine lieben Leser*innen mit Photos und Videos all dieser unendlichen Grausamkeiten zu verschonen, zumal Daesh sie auch noch zu Propaganda-Zwecken benutzt). Dass die dschihadistischen Mörderbanden nebenbei auch Tausende Jahre alte Menschheits-Kulturgüter mit dem Presslufthammer zerstören, komplett in die Luft sprengen oder auf dem Schwarzmarkt verkaufen ist gegen die genannten Verbrechen mittlerweile bei aller Liebe zum kulturellen Gedächtnis der Menschheit sogar sekundär.

Denn wie der Saarländische Flüchtlingsrat und die Aktion 3. Welt Saar vollkommen richtig schreiben:

"Tatsache ist: Die Menschen in Rojava verteidigen ein säkulares und
selbstverwaltetes Projekt gegen den Terror des 'Islamischen Staates'. Tatsache ist auch, dass sie dafür politische und finanzielle Unterstützung brauchen. Deswegen wurde das Spendenkonto eingerichtet.

Der Sparkassen-Vorstand begründete die Konto-Kündigung damit, dass nicht zweifelsfrei erwiesen sei, ob das Geld für humanitäre Zwecke eingesetzt werde. Es drängt sich die Frage auf, was an der Verteidigung gegen den 'Islamischen Staat' ein nicht humanitärer Zweck sein könnte."



Blutiges Ende eines fröhlichen Tages

Newroz-Tag, 20. März 2015:
Die Opfer des Dschihadisten-Massakers in Al-Hasaka (Rojava).
R.I.P.


Mindestens 45 Menschen – mehrheitlich Frauen und Kinder – wurden am 20. März 2015 bei zwei blutigen Selbstmordanschlägen der IS-Terroristen in der nord-syrischen Großstadt Al-Hasaka in den Tod gerissen. Die Bomben explodierten in einem kurdischen Stadtviertel, in dem sich die Anwohner zu den Newroz-Feiern versammelt hatten. Das Fest wird von Kurd*innen und anderen Völkern des Nahen und Mittleren Ostens traditionell zu Frühlingsbeginn gefeiert.


Wären die kurdischen Volksverteidigungskräfte YPG / YPJ besser ausgestattet und würden sie mehr internationale Unterstützung erfahren, könnten diese Menschen vielleicht noch am Leben sein! Denn erst Ende Mai gelang es nach schweren Kämpfen, die Daesh-Dschihadisten (teilweise) aus diesem Teil von Rojava zu vertreiben. Traurige Tatsache: Das Zaudern und Lavieren vieler Leute in Deutschland kostet täglich Todesopfer.


Victims of the Newroz Day terrorist attack by ISIL in #Hasakeh, #Kurdistan.
Mostly women and children. RIP.
Pic via Twitter@W_Kurd89, 23 Mar 2015



Das ganze Vorgehen wird noch absurder wenn wir hören, dass die Sparkasse Saarbrücken Spendenkonten für die rechtspopulistische AfD und die neonazistische NPD unterhält. Zusammengefasst bedeutet das, dass die von SPD-Mitgliedern kontrollierte und gelenkte* Sparkasse Saarbrücken sich nicht nur zu Handlangern islamistischer Terroristen macht, sondern gleichzeitig auch noch Neonazis unterstützt.

* Es handelt sich dabei immerhin um die Saarbrückener Oberbürgermeisterin Charlotte Britz und Regionalverbandspräsident Peter Gillo (beide SPD). Gillo ist Verwaltungsratschef der Sparkasse, Britz seine Stellvertreterin.

Weniger Verständnis zeigte die Bank für ein paar kurdische Jugendliche, die Mitte Mai aus Protest eine friedliche Sitzblockade in der Sparkasse abhielten: anstatt in den eingeforderten Dialog zu treten, wurde die Polizei gerufen und der Sparkassenvorstand hat Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs erstattet. Gegen die 19 Besetzer*innen laufen nun Ermittlungsverfahren! (Q)



So hat das Vorgehen der Sparkasse Saarbrücken insgesamt deutliche Parallelen zu der zum Himmel stinkenden Nahost-Politik der deutschen Sozialdemokratie:

Obwohl Spendenempfänger*in die (schon lange nicht mehr nur kurdischen) nord-syrischen Volksverteidigungskräfte YPG / YPJ sind, hatte die Sparkasse die Kontokündigung mit der Unterstützung der in Deutschland und der EU verbotenen türkisch-kurdischen PKK begründet. Es sei außerdem nicht mit den Ethik-Vorschriften des öffentlich-rechtlichen Finanzinstituts vereinbar, dass mit dem Geld möglicherweise Waffen gekauft würden. Sagen Politiker*innen einer Partei, die (im Namen deutscher Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie) bekannt für ihre Genehmigungen von Panzer- und anderen Waffenlieferungen an Menschenrechte mit Füßen tretende Staaten wie Katar ist. Und die – entgegen aller politischen Zeichen der Zeit – gleichzeitig immernoch verbissen an einem Verbot der PKK festhält (wie auch die Bundestagsdebatte über eine Aufhebung des Verbotes im Februar wieder gezeigt hatte). Einem Partei-Verbot, welches Anfang der 1990er Jahre von einem CDU-Hardliner (Innenminister Kanther) sehr zur Freude des dauerhaft Menschenrechte verletzenden und Krieg-führenden NATO-Partners Türkei ausgesprochen wurde.

Ignoriert wird dabei, dass die PKK eine umfassende Erneuerung ihrer politischen Ausrichtung hinter sich hat, dass sie sich in einem Waffenstillstand und Friedensverhandlungen mit der Türkei befindet, dass sie letztes Jahr Zehntausenden von den islamistischen Daesh-Terroristen bedrohten Jesid*innen (eine kurdische religiöse Minderheit) im irakischen Shingal-Gebirge das Leben gerettet hat und in Syrien wie im Irak gemeinsam mit den auch von der Bundesregierung mit Waffenlieferungen unterstützten irakisch-kurdischen Peschmerga an vorderster Front gegen die Terroristen kämpft (siehe hierzu meinen Post "The Politics of the Future").

Demgegenüber vertrat unsere Kampagne einen basisdemokratischen und anti-kolonialen Standpunkt: es gab eben keine Auflagen der Initiatoren bezüglich der Verwendung der Gelder. Das revolutionäre Projekt eines selbstverwalteten Rojava respektierend, sollten und sollen die Menschen vor Ort in ihren Entscheidungsstrukturen selbst entscheiden, woran es am Dringendsten fehlt und was mit dem gesammelten Geld finanziert wird.


Saarbrücker*innen sollten sich vor dem Hintergrund der skandalösen Behandlung der jungen Kurd*innen, der Spendenempfänger*innen in Syrien und ihren bundesweiten Unterstützer*innen bei gleichzeitiger Unterhaltung von AfD- und NPD-Konten eine Konto-Kündigung dringend überlegen.

Den Kampf gegen die Daesh-"Satanisten" (Zitat des französischen Kurden Cahit Storm, der bekannt geworden ist, als er sich wochenlang in einem Pfefferoni-Feld (!) nahe der von den Dschihadisten belagerten Stadt Kobanê versteckte und von dort Augenzeugenberichte der Bombardierungen in die Welt twitterte) wird die Sparkasse Saarbrücken mit ihrem Vorgehen glücklicherweise nicht aufhalten und auch das Geld wurde zum Großteil bereits über eine Brüsseler Bank nach Nord-Syrien überwiesen und ist dort auch angekommen. Zu einer Hilfsgefährtin des islamistischen Terrors aber hat sich die Sparkasse damit allerdings trotzdem gemacht.

Pfui Teufel!!!


Schlussbemerkungen:

Die Stadt Kobanê ist bekanntlich seit Januar von den Selbstverteidigungseinheiten befreit (siehe dazu meinen ausführlichen Artikel), aber noch immer findet in Nord-Syrien täglich ein lebensgefährlicher Kampf zur Befreiung der kurdischen Kantone Kobanê, Cizîrê und Efrîn von den brutalen Dschihadisten statt, der von den Spendenempfänger*innen, den kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG und YPJ (Fraueneinheiten), mittlerweile zusammen mit Verbündeten aus aller Welt geführt wird, bis die menschenverachtenden Daesh-Terroristen aus jeder Ecke Syriens und Iraks vertrieben sind. Neben der von den USA-angeführten Anti-IS-Koalition gehören dazu Teile der gegen das kaum minder brutale Assad-Regime im Aufstand befindlichen 'Freien Syrischen Armee' (FSA), oftmals von der YPG/J eigens ausgebildete jesidische, christliche, assyrische, arabische usw. Selbstverteidigungseinheiten, immer mehr mutige Freiwillige aus aller Welt und - last but not least - natürlich auch die ach so böse PKK. Sie alle setzen ihr Leben auch für unsere Freiheit auf's Spiel.

Die Initiative "Solidarität mit Rojava" hat sich übrigens entschieden, kein neues Spendenkonto mehr zu eröffnen. Der STYLE! IT! TAKES! Blog möchte sich daher an dieser Stelle bei den Organisator*innen der Spendenkampagne und allen bedanken, die mitgemacht und gespendet haben, ganz besonders unseren Kolleg*innen und den spendenden Gästen aus dem Berliner "Nachtleben für Rojava". Über andere, neue Spendenmöglichkeiten informiere ich Euch in meinem nächsten Post.

Abschließend bleibt der bittere Nachgeschmack, dass die Sparkasse Saarbrücken und Teile der SPD im Saarland mal wieder bewiesen haben, was wir eigentlich schon seit 1918/19 (siehe Ende jenes verlinkten Posts) wissen: mit der 'Sozialdemokratie' ist keine Revolution zu machen, nur eine Konterrevolution.

Das Peperoni-Feld bei Kobanê, in dem sich der Kurde Cahit Storm im Herbst 2014 versteckte,
um von der brutalen Dschihadisten-Belagerung und den alliierten Luftangriffen zu berichten
The pepper field nearby of Kobanê in which French Kurd Cahit Storm was hiding in autumn 2014 to report and tweet about the brutal siege of the jihadists and the airstrikes of the allied forces
Photo by CahitStorm via Twitter, ca. Okt. 2014


Wir aber bleiben dabei, den Daesh-Dschihadisten mit 'scharfen Peperonis' aller Art
gemeinsam & global das Leben zur Hölle zu machen:

Biji Berxwedana Rojava!
(Es lebe der Widerstand in Rojava)


Mehr zum Thema in diesem Blog:

Schon Revolutionssteuer gezahlt? (Dez. 2014)
Unser Spendenaufruf für Rojava
(hier findet sich auch eine Liste der beteiligten Berliner Clubs, Bars und Veranstalter*innen)

The Politics of the Future (deutsche Version) (Jan. 2015)
Hintergrundartikel zum kurdischen Kampf um Befreiung

Befreiung & Wiederaufbau der Stadt Kobanê (Febr. 2015)

Mit Pferdeschwänzen gegen Terroristen (März 2015)
Über die unvollständige Befreiung der kurdischen Kantone Kobanê, Cizîrê und Efrîn (Nord-Syrien)



English summary:

This post is about the German donation campaigns "Solidarity with Rojava" & its sub-campaign "(Berlin) Nightlife for Rojava" (were our blog & project took part along with many other clubs, bars and concert organizers) to collect money for the people in the Northern Syrian region of Rojava threatened by the jihadist Daesh ('Islamic State') terrorists and namely for the (not only) Kurdish People's Defense Units YPG / YPJ there.

Despite of several protests, now the public and communal bank "Sparkasse" in the town of Saarbrücken cancelled the bank account of the solidarity campaign to the end of this month, claiming they are afraid that weapons could be bought from the donations in opposition to the terms and conditions of the bank and questioning the requested 'humanitarian cause' of the matter. The article strongly criticizes the decision of the bank, which on the other hand holds accounts of the German Neonazi party NPD and another right-wing party called AfD! It totally turns to a scandal in the light of the fact that the controllers of the bank are members of the Social Democratic Party of Germany (SPD) (one of the two even also is mayor of the town!), a party which is known to approve weapon deliveries to human rights violating countries like Qatar in the national German coalition government with the conservative party CDU.


Der Terror der Daesh (IS) - Dschihadisten hält die Welt in Atem...
Daesh (ISIL) jihadists terrorize the world...
via PUKmedia.com (Autonome Region Kurdistan (Irak) / Iraqi-Kurdistan)

Everything suits well to the general politics of the social democrats who (as well as the bank in its justification), despite of all changings, still point their fingers to the PKK and still are opposed to delist them from the German and EU terror list, but now use them as an excuse against any supporting of the YPG / YPJ, too.

The article argues that support for the defense against the barbaric Daesh jihadists and for rebuilding the villages and towns destroyed by them still is urgently needed, so the struggle should continue in multiple ways.

The campaign which now is finished raised over 107.000 € which successfully found their way to the YPG in Rojava. New ways to help will be announced in my next post. Finally, we thank all the organizers of the campaign and those who took part in it and donated something and, of course, the YPG / YPJ and their allies for their heroic fight against barbarism and for humanity.

We stick to jointly & globally
damn the Daesh jihadists straight to hell
with 'hot peppers' of all kinds:

Biji Berxwedana Rojava!
(Long live the resistance in Rojava)

... und die Kraft, die sie bisher am erfolgreichsten zurückschlagen konnte:
die kurdischen Volksverteidigungseinheiten der YPG und ihre Frauenverbände der YPJ

... and the force which most successfully repulsed them so far:
the Kurdish People's Defense Units YPG and their Women's Units YPJ
From Social Media: Female Kurdish Fighters in #Kobane and ISIS
(via Mutlu Civiroglu, Twitter, 3. Febr. 2015)


More about this topic in this blog:

The Rojava donation call of our STYLE! IT! TAKES! blog
(contains a list of the Berlin clubs, bars and concert organizers taking part in the campaign "Nightlife for Rojava")

The Politics of the Future (English Version) (Jan 2015)
Background article about the Kurdish liberation struggle in Syria, Iraq & Turkey


About the incomplete liberation of the Kurdish Cantons of Kobanê, Cizîrê and Efrîn (Northern Syria)


Dokumentation
Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!
Schreiben der Initiative "Solidarität mit Rojava"