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Wednesday, December 12, 2018

Seenotrettung

"Those we've rescued at sea have names, faces, families, friends, dreams, strengths & flaws.
They're more than numbers & simply don't deserve to drown."
Médecins Sans Frontières (MSF) on Twitter @MSF, 8. Dez. 2018

Da mir mit dem durchaus recht aufwändigen Projekt meines niedlichen MERRY XMAS CHARITY PIN-UP CALENDER ein bisschen die Zeit davon läuft, fasse ich mich zur zweiten Spende heute eher kurz. Es handelt sich trotz des süßen Titelphotos, für das ich mich entschieden habe, um ein sehr ernstes Thema.
Ich finde allerdings auch, dass es nicht allzu viel zu diskutieren gibt, wenn Tausende von Menschen in ihrer offenkundigen Verzweiflung beim Versuch, sich nach Europa zu retten im Mittelmeer ertrinken und es wunderbare Menschen gibt, die keinen Aufwand und Mühen scheuen, möglichst viele von ihnen zu retten. Trotzdem sind auch in diesem Jahr wieder mehr als 2119 flüchtende Menschen an den europäischen Außengrenzen im Mittelmeer gestorben!
Und da auch ich lieber eine Frau der Tat bin, als meine wertvolle Zeit mit Diskussionen über sowieso unverbesserliche Rassist*innen zu verschwenden, versuche ich mit meinen beschränkten und doch auch vielfältigen Mitteln (Öffentlichkeits- und Kulturarbeit hier und fast täglich auf Twitter, Demonstrieren, Spenden...) lieber zu helfen und die zu unterstützen, die Leben retten, anstatt nutzlose Debatten über oder gar mit Menschenfeinden zu führen. Ohnehin ist – und das war die vielleicht erfreulichste Botschaft zahlloser und oft riesiger antirassistischer Mobilisierungen von Griechenland bis Barcelona, von München bis Hamburg und Berlin (#ausgehetzt #Seebrücke #unteilbar etc.) in diesem sogar in Deutschland politisch turbulenten Jahr – die Zeit der gelähmten Schockstarre nach dem rassistisch-rechtsextremen Höhenflug nun wirklich vorbei, denn es bleibt dabei: #wirsindmehr!

Es gibt verschiedene Organisationen der im Mittelmeer und vor der libyschen Küste aktiven zivilgesellschaftlichen Seenotrettung. Zunächst wollte ich mich für eine entscheiden, aber nachdem ich mich auf Twitter nach Unterschieden oder Präferenzen erkundigt habe und von den drei zur Wahl stehenden Initiativen supernette und solidarische Antworten mit dem Tenor "Die Spenden sind bei allen genannten Organisationen gut aufgehoben" (Antwort von Sea-Eye) erhalten habe, habe ich nun beschlossen, den geplanten Gesamtbetrag von 48 € salomonisch zu je 16 € unter diesen drei Initiativen aufzuteilen: Sea-Watch, Mission Lifeline & Sea-Eye.
Das Gute daran ist auch, dass die Formulardaten für künftige Spenden damit gespeichert sind (von verschiedenen Formen des 'Online-Banking' halte ich mich aus politischen Gründen eher fern), da ich Nummern- & Zahlentippereien ziemlich lästig finde und das manchmal die größte Hürde für eine spontane kleine Spende ist.

Da mein Gesamtbudget für mein Charity-Kalender-Projekt leider begrenzt ist, wird dies dennoch die größte Spende pro Kalenderblatt sein. Und wie mir Gorden Isler, der Sprecher von "Sea-Eye", auf meine Andeutung hin, dass meinerseits kein allzu großer 'Geldregen' zu erwarten sei, richtig schrieb: "Jeder Betrag hilft". Auch auf der Webseite von "Mission Lifeline" heißt es:
"Schon ein kleiner Betrag von 5 Euro ist ein wichtiger Beitrag".

Für 5 € kann z. B. Sea-Watch eine Person mit Essen und Trinken versorgen, für 6 € kann eine Rettungsweste gekauft werden (Mission Lifeline), für 15 € Rettungsschwimmwesten, für 35 € ein Rettungsring und für nur 1 € (!) eine Rettungsdecke als erste Hilfe gegen Unterkühlung an Bord (Sea-Watch), so dass ich mit meinen 48 € rechnerisch entweder einen Rettungsring plus eine Rettungsschwimmweste finanzieren, 10 Menschen mit erstem Essen & Trinken versorgen oder 48 Menschen in Form von Rettungsdecken Wärme schenken kann...
[Ich erwähne all diese Summen in meinem Kalender übrigens absichtlich so genau, um auch andere Menschen mit geringem Einkommen oder in eher prekären Lebensverhältnissen zu Kleinspenden für unterstützenswerte Projekte zu ermuntern.]

Ihr, liebe Leser*innen, seid also herzlich eingeladen, meine Spenden noch ein wenig aufzustocken. Laut "Sea-Eye" waren sie übrigens statistisch gesehen in den Jahren 2016 & 2017 in der Lage, mit einem durchschnittlichen Betrag von nur 48 € (also meiner Gesamtsumme) ein Menschenleben zu retten. Wenn das keine Motivation ist!
(auch wenn mir bei diesem 'Betrag' für das (Über-)Leben eines Menschen, der*die nicht das Glück hatte, in Europa geboren worden zu sein, ganz schummrig wird, da er auch zeigt, wie krass diese rassistisch-kapitalistische Weltordnung ist und wie wenig unseren herrschenden Klassen nicht-europäische Menschen wert sind!)

#Europe 2018 in einer Karikatur zusammengefasst.
Die westlichen Industrieländer beuten und plündern seit Jahrzehnten Afrika aus, heizen mit ihren Rüstungsgeschäften und Kriegen nicht nur im Nahen Osten Konflikte an, unterhalten extrem unfaire Handelsbeziehungen, zerstören das Klima – aber den betroffenen Menschen wird das Recht auf Bewegungsfreiheit genommen, die Einreise verweigert und Tausende von Menschen ertrinken jährlich auf der Flucht im Mittelmeer.
Text von mir, Karikatur via Sea-Eye-Sprecher Gorden Isler @gorden_isler, Twitter 29. Sept. 2018

Seenotrettung

Hier sind die Webseiten, Twitter-Accounts und Überweisungsdaten
der Seenotrettungs-Organisationen:

Sea-Watch
Berlin


"Wir retten Menschen auf der Flucht vor dem Ertrinken."

SPENDENKONTO:
IBAN: DE77 1002 0500 0002 0222 88
BIC: BFSWDE33BER
Kreditinstitut: Bank für Sozialwirtschaft Berlin
Kontoinhaber: Sea-Watch e.V.

Weitere Infos & Online spenden:
Twitter: @seawatchcrew (22,7 Tsd. Follower*innen)

Nach Eigenangaben hat Sea-Watch bereits 35.000 Menschen das Leben gerettet!


Mission Lifeline
Dresden

"Private Seenotrettungshilfe aus Dresden zur Rettung Schiffbrüchiger im Mittelmeer.
Gegen Abschottung, für legale Einreisewege. Jeder Cent hilft Leben zu retten!"

MISSION LIFELINE e.V.
IBAN: DE85 8509 0000 2852 2610 08
BIC: GENODEF1DRS
Volksbank Dresden e.G.

Weitere Infos & Online spenden:
Twitter: @SEENOTRETTUNG (18,1 Tsd. Follower*innen)

Bei Mission Lifeline habe ich auf die Schnelle keine Zahlen zu den Geretteten gefunden, anderseits gab und gibt es gerade zu dieser Organisation und ihrem bekannt gewordenen Kapitän Claus-Peter Reisch eine breitgefächerte Presseberichterstattung. Wir sollten bei diesem Stichwort allerdings nicht vergessen, dass in allen drei hier vorgestellten Organisationen eine Vielzahl von Frauen* und Männern* größtenteils ehrenamtlich tätig sind, denn es braucht nicht nur Kapitän*innen, sondern auch Ärzt*innen, Sanitäter*innen & Rettungsassistent*innen, Köch*innen & Übersetzer*innen in den Crews auf dem Meer, aber auch Projektmanager*innen, (Graphik- & Web-)Designer*innen und schließlich nicht zuletzt Fundraiser*innen & Spendensammler*innen an Land. Da helfe ich doch gern!


Sea-Eye
Regensburg

"Zivile Seenotrettung im zentralen Mittelmeer. Civil Sea Rescue."

Sea-Eye e. V.
Bankverbindung: Volksbank Regensburg,
IBAN: DE60 7509 0000 0000 0798 98
BIC: GENODEF1R01

Weitere Infos & Online spenden:
Twitter: @seaeyeorg (5,9 Tsd. Follower*innen)

Sea-Eye hat nach Eigenangaben bereits über 14.000 Menschen das Leben gerettet!


Spenden

⛴️ ⛴️ ⛴️

Die Spenden sind bei allen drei gemeinnützigen Organisationen steuerlich absetzbar. Für die Zusendung der Spendenquittung Anschrift im Verwendungszweck angeben, bei Spenden von über 200 € an Sea-Eye die Email-Adresse (mit „-at-“ anstelle von „@“) für eine Eingangsbestätigung und eine Spendenbescheinigung für das Finanzamt.
Genereller Vorteil einer klassischen Überweisung: es entstehen weder den Spender*innen noch den Organisationen Gebühren, während zum Beispiel PayPal eine Gebühr von 1,5 % + 0,35 € verlangt und betterplace 2,5% Transaktionskosten einbehält. Und wie gesagt: einmal angelegt, habt Ihr die Tipperei für immer hinter Euch und könnt die Überweisungsformularvorlage immer wieder benutzen und braucht nur den Betrag zu ändern.
Über Daueraufträge freuen sich die Organisationen natürlich auch – alles dazu auf den verlinkten Webseiten.
Und wer schließlich so wirklich gar keinen Cent über hat, kann den Organisationen zumindest kostenlos auf Twitter (Facebook, YouTube, Instagram & Co.) folgen und damit ihre Reichweite und ihren politischen Einfluss weiter erhöhen (das gilt auch für alle anderen unterstützten Projekte meines Kalenders). Oder einfach selbst Spenden sammeln, Infos verbreiten oder anderweitig aktiv werden. Ein paar weitere konkrete Vorschläge von Mission Lifeline gibt es zum Beispiel hier.


Keine Nummern, keine Zahlen

"Europa lässt im Mittelmeer keine Nummern und Zahlen ertrinken, sondern Menschen. Sie haben Freunde und Familie, Ängste und Träume. Sie sind Menschen wie du und ich. Sie sind auch #unseretoten."
~~~~~~~~~
"It's not numbers and figures that Europe is letting drown in the Mediterranean, it's people. They have friends and family, fears and dreams. They are people like you and me. They are #ourdead too."

Sea-Watch @seawatchcrew
#HumanRightsDay
Twitter 11 Dec 2018







...
Learn more here: http://www.our-dead.eu


Seebrücke & Offene Grenzen

Aber Spenden ist natürlich nicht alles. Es geht auch und letztlich sogar vor allem darum, den politischen Druck für sichere Fluchtwege zu erhöhen, denn natürlich ist das alles kein Zustand, der so bleiben kann. Die in vielen Städten dieses Jahr in ganz Europa stattgefundenen, teilweise riesigen Demonstrationen für eine Seebrücke, sichere Fluchtwege, offene Häfen und solidarische 'Refugee-Cities' waren hierfür ein toller Anfang! Und deshalb möchte ich zum Abschluss auch noch auf die Webseiten der internationalen Seebrücke-Bewegung hinweisen, wo Ihr die bundesweiten Termine für die nächsten Aktionen und Demonstrationen erfahren könnt:

SEEBRÜCKE


"Wir bauen eine Brücke zu sicheren Häfen"
 Twitter: @_Seebruecke_
(es gibt in fast allen größeren Städten Seebrücke-Ortsgruppen, meist auch mit eigenen Twitter-Accounts, einfach nachschauen)

SEEBRÜCKE Berlin


"Berliner Ortsgruppe der Bewegung für sichere Häfen und solidarische Städte.
Build Bridges, Not Walls!"
Twitter: @SeebrueckeB

"Die SEEBRÜCKE ist eine internationale Bewegung, getragen von verschiedenen Bündnissen und Akteur*innen der Zivilgesellschaft. Wir solidarisieren uns mit allen Menschen auf der Flucht und erwarten von der deutschen und europäischen Politik sofort sichere Fluchtwege, eine Entkriminalisierung der Seenotrettung und eine menschenwürdige Aufnahme der Menschen, die fliehen mussten oder noch auf der Flucht sind – kurz: Weg von Abschiebung und Abschottung und hin zu Bewegungsfreiheit für alle Menschen."

LOVE safe passage HATE borders
Unser Schlachtruf heißt retten
#BuildBridgesNotWalls
Kein Mensch ist illegal, Bleiberecht überall!
via Seebrücke Berlin @SeebrueckeB, Twitter 18. Okt. 2018



Magenta ist #unteilbar

Auch das war in diesem politisch bewegten Jahr: die unendlich große #unteilbar-Demo am 13. Oktober 2018 mit sagenhaften über 250.000 Menschen in Berlin!
Da ich es mag, die vielen verschiedenen Kämpfe für ein besseres Leben zu verbinden, hatte ich mal wieder meine syrisch-kurdische YPJ-Fahne spazieren geführt, was immer wieder Leute zum Lächeln, Jubeln, Winken & Strahlen gebracht hat. Leider gibt es keine Outfit-Photos von mir (ein anderes Mal!) – Eure *scherz* 'Lieblings-Modebloggerin' Magenta hatte sich für ein verspieltes rosa-farbenes Mini-Röckchen und magenta-pinke Glitzer-Pumps (Mary Janes mit Riemchen) mit schwarzen Strumpfhosen & schwarzem Top und meiner auf kurdischen Demos schon obligatorisch gewordenen rosa 'Kirschblüte' im kupferroten Haar entschieden und auch dafür habe ich mehrere Komplimente von zuvor unbekannten lesbischen und queeren Frauen bekommen (was mich als Femme-Lesbe natürlich besonders gefreut hat). Aber irgendwie waren ob des bombastischen Erfolges ohnehin alle happy!
Die kommunikative Demo war auch ein Ort der Begegnung und es wurde dann nach einem in jeder Hinsicht endlosen Tag entsprechend auch noch ein ziemlich langer schöner Abend – und hinein in die Berliner Nacht. So waren dann mehrere mir wichtige Anliegen vereint. So soll es sein!

Hier ein paar Impressionen aus den absolut enthusiastischen, gleichzeitig wundervoll fröhlichen und super kämpferischen letzten Stunden der größten politischen Demo auf der ich jemals war (und ich war schon auf einigen...).
Es sind alles Screenshots vom offiziellen #unteilbar-Video, der an Ort und Stelle auf Großbildleinwänden übertragen wurde, sprich, ich konnte mich zu jeder Zeit live mit meiner – viele soziale, antirassistische & antifaschistische, säkulare, feministische, queere und ökologische Themen der Demo vereinenden – YPJ-Fahne 'ins Bild rücken'. Aber sie war auch nicht zu übersehen! (^.^)

Am Ende der nicht enden wollenden Riesendemo #unteilbar am 13. Okt. 2018 gelang es mir bei den Abschluss-Konzerten an der Siegessäule, meine Fahne der nordsyrischen Frauenverteidigungseinheiten YPJ in die erste Reihe und direkt in die Übertragungskameras zu bugsieren.
:-)

Viva Rojava bei #unteilbar!
Auch von den nur wenige Meter entfernten 'VIP's' auf der Bühne gab es positive Reaktionen!
:-)




Schaut in diese Gesichter - schaut auf diese Gesten!
Wie der Aufschrei der "schweigenden Mehrheit", auf den wir alle so lange gewartet haben...
die Stimmung war am Ende fast am Explodieren!

Selbst von weiter weg super zu erkennen – und dazu in fast jeder Einstellung auf den Großbildleinwänden links und rechts!
Frauen* aller Länder, wir erobern uns die Nacht zurück!

If anyone wondered who managed to bring a Kurdish women freedom fighters #YPJ flag right into the very 1st row & the super big screens of the enthusiastic end of >250,000's #unteilbar – with smiling faces of a lot of the wonderful VIP's on stage:
It was just me, Magenta. Ooops.

 🇬🇫


Refugees Welcome

Schließen möchte ich mit einem herzlichen Dank an alle, die sich auch 2019 weiterhin für eine offene Gesellschaft einsetzen werden, mit einem entschlossenen "Refugees Welcome" und meinem Lieblingszitat von Bundeskanzlerin Angela Merkel (!): "Wir schaffen das!".
Na klar schaffen 'wir' das, wir sind schließlich nicht nur "mehr",
wir sind auch – wie wir erst vor wenigen Wochen mit über 250.000 Menschen auf den Straßen von Berlin gemeinsam bewiesen haben – #unteilbar!

Nieder mit der "Festung Europa"!
#keinMenschistillegal

Refugees Welcome!

Kuss Kuss
xxx
Eure "Bloggerin für Flüchtlinge" Magenta


Dies war quasi die Rückseite des zweiten Kalenderblattes meines wundervollen, säkular-atheistischen Merry Xmas Charity Pin-up Calendar. Hier geht's zur hübschen Vorderseite von Teil II/V mit Pin-ups, Nikoläus*innen, Keksen & Musik!

💖💖💖


Blog-Artikel zu Rassismus, Nationalismus, EU & Refugees (Auswahl):

Grenzenlos. Feministisch. Solidarisch ★ Kampf der AfD! #Blockupy IV (Sept 2016)
Merkel & die EU zwischen AfD und AKP (März 2016) (zum EU-Türkei-Deal)
Alle faschistischen Deutschen (AfD)… (März 2016)
Herbst im Moor (Nov 2015) (Kapitel "Moos ohne Grenzen" ff. über Rassismus in der Provinz)
Pop & Elend (Okt 2015) (Über Refugees & Musik)
Keine Feiertage: 3. Oktober, 9. November (Okt 2015)
Wie Toyah Diebel in 3 Minuten Pegida abschminkte (Febr 2015)

Blog-Artikel zu Rojava (endlos viele, exemplarisch):

Nieder mit der AKP ★ Solidarität mit Rojava ★ Blockupy III (Sept 2016)
Der kürzeste Weg nach Tall Abyad (Juni 2015)
Die Rückkehr des zivilen Lebens in Kobanê (Mai 2015)
Mit Pferdeschwänzen gegen Terroristen (März 2015)

Lesbische Blog-Artikel (exemplarisch):

Lesbians at the Prom ♥ Frauen gehen mit Frauen zum Ball (Mai 2016)
Girls loving Girls (April 2015)

Monday, March 16, 2015

Mit Pferdeschwänzen gegen Terroristen

Kurdische YPJ-Kämpferinnen bereiten sich auf eine militärische Zeremonie in Qamischli vor
Kurdish YPJ fighters preparing for a military ceremony in Qamishlo – 30. Dez. 2014
Photo by Delilsouleman


“Die Niederlage von Daesh (= 'Islamischer Staat') in Kobanê
wird der Anfang vom Ende für die Gruppe sein.”
~ YPG-Erklärung zur Befreiung der Stadt Kobanê am 26. Januar 2015 ~
aus dem englischen Original

[English below]

Monatelang haben unzählige Menschen weltweit gebannt und zitternd auf die Meldungen zu den Kämpfen um die nordsyrische Stadt Kobanê geschaut, bis schließlich zu vieler Überraschung am 26. Januar 2015 die Befreiung der Stadt von den Angriffen der IS-Dschihadisten verkündet werden konnte (siehe meinen letzten Post zu diesem Thema). Kobanê ist also tatsächlich – wie ich bereits im November 2014 in diesem Blog am Ende eines Artikels 'vorgeschlagen' hatte – zum 'Stalingrad' für die Daesh-Terroristen geworden (erst später habe ich übrigens erfahren, dass die Kurd*innen ihre Stadt mittlerweile auch selbst so nannten!). Wie wir wissen, hatten Frauen einen entscheidenden Anteil an diesem Erfolg.

Mit Pferdeschwänzen gegen die Terroristen
Ponytails against terrorists
#BijiBerxwedanaKobane #KobaneAzade
Congrats to all our Kurdish friends for the Liberation of #Kobane
via Beth@Ijustthink1, Twitter 26. Jan. 2015

Kurdisch lernen mit STYLE! IT! TAKES!
Learning Kurdish with STYLE! IT! TAKES!:
biji bedeutet "Es lebe...", "hoch lebe..." / means "Long live..."
berxwedan bedeutet "Widerstand" / means "resistance"
azadî bedeutet "Freiheit" / means "freedom"


With Ponytails against Terrorists

Junge Frauen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPJ in Syrisch-Kurdistan (2013)
Young women of the Kurdish female defence forces YPJ in Syrian Kurdistan (2013)
Photo: ANF

“The defeat of Daesh (= 'Islamic State') in Kobanê will be the beginning of the end for the group.”
(YPG statement about the liberation of the town of Kobanê on 26th of January 2015)

For months, myriads of people all over the world have traced, mesmerized and trembling, the news about the fightings for the Northern-Syrian town of Kobanê, till – to the surprise of many – on the 26th of January 2015 the liberation of the town from the attacks of the ISIL jihadists finally could be announced (see my last post about this topic). So Kobanê really turned out to become the 'Stalingrad' for the Daesh terrorists, like I already had 'suggested' in this blog in November 2014 at the end of an article (only later I have learned after all that also the Kurds themselves were now calling their town by that name!). As we know, women made a major contribution to this success.

Kurdische Kämpferinnen, vermutlich von der PKK (Archiv-Bild)
Female Kurdish fighters, presumably of the PKK (Archive Pic)
via No Pasaran Kobane
Zöpfe der Kämpferinnen flechten (Archiv-Bild)
Braiding the pigtails of the fighters (Archive Pic)
Cut-out from a pic via Agit Hüseyin, Twitter 24. Sept. 2014


Die unvollständige Befreiung des Kantons Kobanê

Seit den kurdischen Kämpfer*innen der Durchbruch in Kobanê gelungen ist, ging es Schlag auf Schlag. Täglich wurden neue Dörfer und Gemeinden von den allierten Verbänden der syrisch-kurdischen YPG/YPJ, der türkisch-kurdischen PKK, der irakisch-kurdischen Peschmerga und den kooperierenden Einheiten der aufständischen syrischen FSA befreit, in mittlerweile direkter Koordination mit den Luftangriffen der US-geführten Anti-IS-Koalition. Seit der Befreiung der Stadt Kobanê am 26. Januar 2015 wurden laut YPG allein bis zum 7. Februar fast 130 umliegende Dörfer befreit (mittlerweile sind es deutlich mehr) und an diesem Tag erreichten die kurdischen und verbündeten Einheiten bereits die Gegend am Euphrat im Südwesten (siehe die zweite Karte unten). Hier die Karten vom rasanten Voranschreiten der Befreiungskräfte. Wie Ihr sehen könnt, muss Chuck Pfarrer, der diese großartigen Karten erstellt, immer weiter herauszoomen, um die grün eingefärbten, zurückeroberten Gebiete zu erfassen. Weiter so, wir wollen Riesen-Karten!!! (^.^)

The incomplete liberation of the Canton of Kobanê

Since the Kurdish fighters succeeded in their breakthrough in Kobanê, everything went quickly. Every day new villages and small towns have been liberated by the allied units of the Syrian-Kurdish YPG/YPJ, the Turkish-Kurdish PKK, the Iraqi-Kurdish Peshmerga and the cooperating units of the insurgent Syrian FSA, in meanwhile direct coordination with the airstrikes of the US-led anti-ISIL coalition. According to the YPG, since the liberation of the town of Kobanê on the 26th of January 2015 only until the 7th of February nearly 130 surrounding villages have been liberated (by now it's a lot more) and on this day the Kurdish and allied units already reached the area on Euphrates river in the southwest (see the second map below). Here are the maps of the rapid advances of the liberation forces. As you can see, Chuck Pfarrer – who makes these great maps – has to zoom out again and again in order to capture the green-colored, retaken areas. Right on, we want large-scale maps!!! (^.^)

Kobanê Situation Map 2nd February 2015

Kobanê Situation Map 8th February 2015
Wir sehen jetzt zum ersten Mal links den Euphrat.
Now for the first time we can see Euphrates river on the left side.

... und schließlich, noch weiter herausgezoomt:
... and finally, zooming out again:

Kobanê Situation Map 11th March 2015
Die Kurd*innen haben die Daesh-Terroristen im Westen bis zum Euphrat vertrieben.
Kurds have pushed out the Daesh terrorists in the West till Euphrates river.

Am 14. März hat der IS dann einen Teil der Qara Qawazk-Brücke gesprengt und sich auf die westliche Seite des Flusses zurückgezogen. Schwere Gefechte im Süden und Osten.
On 14th of March ISIL blew up a part of the Qara Qawazk bridge and retreated to the Western side of the river. Heavy fighting in the South and East.

! Wichtige Updates zur letzten Karte !
Die Region um die Kleinstädte Sal, Jil, Madik & Hamdun sowie Nur Ali weiter westlich sind seit April befreit. Inzwischen sind östlich und südlich noch weitere Gebiete befreit, darunter seit Mitte Juni überraschenderweise auch die große Grenzstadt Girê Spî (Tall Abyad) (Stand vom 11. Juli 2015).

! Important Updates to the last map !
The region of the small towns Sal, Jil, Madik & Hamdun as well as Nur Ali further in the West are liberated since April. By now even further eastward and southward regions are liberated, among them since mid-June surprisingly also the huge border town Girê Spî (Tell Abyad) (as from 11th of July 2015).


Das ist, kaum zu glauben, ein guter Teil des Kantons Kobanê, innerhalb von wenigen Wochen durch unermüdlichen und lebensgefährlichen Einsatz zurückerobert und befreit aus den Händen der mörderischen Daesh-Dschihadisten. Glückwunsch, YPG, YPJ, PKK, Peschmerga, FSA und internationale Anti-IS-Koalition!

Und trotzdem dürfen wir uns nichts vormachen. Wie wir auf der Karte auch erkennen können, ist der befreite Teil des Kantons Kobanê von südlicher, westlicher (der trennende Euphrat ist leider kein sicherer Schutz allein) und östlicher Seite bedroht und die Kämpfe kosteten vor allem in den letzten Tagen wieder viele Todesopfer. Die IS-Terroristen schicken immer wieder neue Verstärkung und starten permanent Gegenangriffe, wie auf der letzten Karte oben die Schneise der zwischenzeitlich bereits von den YPG eingenommenen Städte Sal und Jil, die aktuell wieder von Daesh gehalten werden (Update: seit April von YPG & YPJ zurückerobert!; Stand: 11. Juli 2015). Auch die Rückeroberung der Stadt Sarrin etwas weiter südwestlich am Euphrat ist bislang ein Unterfangen außer Reichweite für die Kurd*innen, aber von immenser Bedeutung, da von dort immer neue IS-Angriffe ausgehen. Gefahr lauert auch permanent von östlicher Seite und aus dem immernoch riesigen, bis vor die Tore der Großstadt Aleppo reichenden IS-Territorium südwestlich des Euphrat. Tatsächlich erstreckt sich der Kanton Kobanê noch weit in südwestliche und südöstliche Richtung, das sind riesige Gebiete, die es noch zurückzukämpfen gilt. Und umso größer die zu verteidigenden Frontlinien werden, umso mehr Kämpfer*innen brauchen die Kurd*innen und ihre Verbündeten, um sie auch zu halten. Solange Daesh nicht aus der gesamten Region vertrieben ist, wird es immer wieder Rückschläge und weitere Todesopfer geben. Doch schon von einem Angriff auf die nächstgelegenen größeren Städte Girê Spî (Tall Abyad) (auf der Karte rechts unter der Legende) oder von Dscharabulus (Jarabulus) (ganz oben links) auf der anderen Seite des Euphrat im Nordwesten wagt im Moment noch nicht einmal jemand zu träumen. Kein Grund zu Euphorie also, eher dazu, die Kurd*innen noch mehr zu unterstützen (siehe das Ende dieses Artikels).

Nachtrag vom 11. Juli 2015: 
Sal & Jil und zahlreiche weitere Dörfer und Städte sind seit April (wieder) befreit. Überraschenderweise konnte Mitte Juni 2015 auch das strategisch immens wichtige Girê Spî (Tall Abyad) von gleichzeitig aus dem kurdischen Kanton Kobanê und dem östlich gelegenen kurdischen Kanton Cizîrê anrückenden YPG/YPJ-Einheiten zunächst eingekreist und dann befreit werden! :-)
Sarrin ist jetzt umkämpft, aber noch in den Händen von Daesh.
Auch auf Daesh-Stellungen in Dscharabulus gibt es immer wieder Luftangriffe der USA.

Largest village of #Kobane, Sheran was liberated by #YPG today. Total of 40 villages liberated (3. Febr. 2015)
via Mutlu Civiroglu, Twitter, 3. Febr. 2015

That is, nearly unbelievable, a good part of the Canton of Kobanê, recaptured and liberated from the hands of the homicidal Daesh jihadists within a few weeks through sedulous and extremely dangerous commitment. Congratulations, YPG, YPJ, PKK, Peshmerga, FSA and international anti-ISIL coalition!

But nevertheless we mustn't deceive ourselves. As we can also see on the map, the liberated part of the Canton of Kobanê is threatened from the southern, western (unfortunately, the separating Euphrates river isn't a secure protection on its own) and eastern side and especially in the last days the fightings cost many victims once more. Again and again, the ISIL terrorists despatch new reenforcement and constantly are starting counter attacks, like on the last map above the swath of the towns of Sal and Jil, which intermediate already have been captured by the YPG, but currently are held by Daesh again (Update: since April, both towns are retaken by YPG & YPJ!; as from 11th of July 2015). Also the recapture of the town of Sarrin (a bit further in southwestern direction on Euphrates river) is an undertaking out of reach for the Kurds so far, but of extreme importance, since from there again and again further attacks from ISIL are started. Danger is also lurking constantly from the eastern side and from the still vast territory held by ISIL southwestern of Euphrates, reaching till the gates of the major city Aleppo. Actually, the Canton of Kobanê extends far out in southwestern and southeastern direction, these are vast areas which still have to be recaptured. And the longer the front lines which have to be defended get, the more fighters the Kurds and their allies need to hold them, too. As long as Daesh isn't chased off from the whole region, there will be setbacks time and again and even more casualties. But at the minute, nobody would even dare to dream of only an attack on the nearest bigger towns of Gre Spi (Tall Abyad) (on the map to the right below the key) or of Jarabulus (on the very top left) on the other side of Euphrates in the Northwest. So no reason to fall into euphoria, but rather a reason to support the Kurds even more (see the end of this article).

Postscript from 11th of July 2015: 
Sal & Jil and many further villages and towns are liberated (again) since April.
Surprisingly, in mid-June 2015 also the strategically extremely important Girê Spî (Tell Abyad) could be first encircled and then liberated by YPG/YPJ units advancing both from the Kurdish Canton of Kobanê as well as from the eastward located Kurdish Canton of Cizîrê! :-)
Sarrin now is embattled, but still in the hands of Daesh.
From time to time there are airstrikes by the USA at Daesh positions in Jarabulus, too.


Hochpolitisches Absurdes Theater:
Die Evakuierung von Sulaiman Schah

Das türkische Mausoleum von Sulaiman Schah an seinem ehemaligen Standort am Euphrat
im syrisch-kurdischen Kanton Kobanê
The Turkish mausoleum of Suleyman Shah on its former location on Euphrates river
in the Syrian-Kurdish Canton Kobanê
Photo via weltfokus.tk

Zu einem bemerkenswerten Intermezzo kam es am 22. Februar 2015. Die Türkei beschloss, eine seit 1921 zu ihrem staatlichen Territorium gehörende Enklave in Syrien mit dem Grabmal von Sulaiman Schah, dem (angeblichen) Großvater von Osman I (Gründer des Osmanischen Reiches), zu evakuieren – ein absurdes Szenario. Besorgt um die Unversehrheit des türkischen 'Nationalheiligtums', das inmitten der Frontlinie zwischen den kurdischen Einheiten und den bekanntlich generell Grabmal-feindlichen Daesh-Mörderbanden lag, und auch aus Sorge um die Sicherheit der das Monument bewachenden türkischen Soldaten, durchquerten an jenem Tag über 500 türkische Soldaten mit etwa Hundert Militärfahrzeugen, darunter allein 39 Panzer, den unter Kontrolle der syrisch-kurdischen YPG stehenden Kanton Kobanê. Wohlgemerkt unter vorheriger Information und Absprache sowohl mit der US-geführten Anti-IS-Koalition als auch mit den kurdischen YPG-Kräften, die in der Türkei als Ableger der türkisch-kurdischen PKK immernoch als 'Terroristen' (!) geächtet sind, während die IS-Terroristen in türkischen Krankenhäusern gepflegt und über die türkisch-syrische Grenze gelassen werden, um gegen die Menschen in Syrien zu kämpfen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass auch Daesh vorher von der Türkei über die Operation informiert worden sein könnte.


Highly political Theater of the Absurd:
The Evacuation of Suleyman Shah

Das Grabmal von Sulaiman Schah an seinem ehemaligen Standort am Euphrat im syrisch-kurdischen
Kanton Kobanê
The tomb of Suleyman Shah on its former location on Euphrates river in the Syrian-Kurdish
Canton Kobanê
Photo via weltfokus.tk

A remarkable intermezzo happened on the 22nd of February 2015. Turkey decided to evacuate an enclave in Syria, belonging since 1921 to its state territory, with the tomb of Suleyman Shah, the (alleged) grandfather of Osman I (founder of the Ottoman Empire) – an absurd scenario. Anxious about the integrity of the Turkish 'national shrine', which was located amidst the front line between the Kurdish units and the Daesh gang of killers who are famously generally hostile against tombs, and also in worry about the security of the Turkish soldiers guarding the monument, on that day more than 500 Turkish soldiers with about one hundred military vehicles, including 39 tanks, crossed the Canton of Kobanê controlled by the Syrian-Kurdish YPG. Notabene with previous information and agreement both with the US-led anti-ISIL coalition as well as with the Kurdish YPG forces, who are – as offshoot of the Turkish-Kurdish PKK – still outlawed as 'terrorists' (!) in Turkey, while the ISIL terrorists are in well care in Turkish hospitals and are allowed to cross the Turkish-Syrian border to fight against the people of Syria. It's not unlikely, that Daesh may have been informed about the operation ahead by Turkey, too.

Die Evakuierung im Detail / The evacuation in detail
Map by Chuck Pfarrer via Twitter 22 Feb 2015

Die YPG (YPG Kobanê @Kobane_YPG) erklärte zu der Operation am 22. Febr. 2015 auf Twitter:
On the 22nd of February 2015, the YPG declared about this operation on Twitter:

“Turkish army's Suleiman Shah operation was carried out within the information and approval of our general command. Our units in Kobane Canton are also actively participated this operation upon the Coalition and Turkish state's governmental request.”

Das Ganze verlief ohne feindlichen Zwischenfall und die türkischen Soldaten fuhren mit dem ganzen Tross zurück und bauen das Grabmal jetzt nahe der türkischen Grenze, aber ebenfalls im Kanton Kobanê gelegen, wieder auf. Nun wehen in unmittelbarer Nähe eine von der YPG aufgehängte Fahne mit dem Bild des in der Türkei in Isolationshaft befindlichen PKK-Gründers Abdullah Öcalan und die von den türkischen Soldaten gehisste türkische Fahne, türkisches Militär und kurdische Volksverteidigungseinheiten 'friedlich' in Sichtweite, das ganze Unternehmen eskortiert von dem 'Todfeind' der Türkei, der kurdischen YPG. Seither kann niemand mehr behaupten, die Kurd*innen würden die Rechte des türkischen Staates nicht akzeptieren - ein auch in der Türkei vielbeachteter diplomatischer Sieg für die YPG. Es ist zu hoffen, dass diese Erfahrung der Keim von künftig besseren nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen einem befreiten syrisch-kurdischen Kanton Kobanê und der Türkei werden wird.

The whole operation proceeded without hostile incident and the Turkish soldiers drove back with the whole convoy and now are building up again the tomb close to the Turkish border, but also located in the Canton of Kobanê. Now a flag raised by the YPG with the portrait of PKK founder Abdullah Ocalan, who is being held imprisoned in Turkey incommunicado, and the Turkish flag set up by the Turkish soldiers are waving in immediate vicinity, Turkish military and Kurdish People's Defense Units 'peacefully' within sight, the whole operation escorted by the 'arch foe' of Turkey, the Kurdish YPG. Since then, nobody can argue anymore the Kurds wouldn't accept the rights of the Turkish state – a diplomatic victory for the YPG, much-noticed also in Turkey. We can only hope that this experience will be the seed of better neighborly relations between a liberated Syrian-Kurdish Canton of Kobanê and Turkey in future.

Die zweite Neuansiedlung des Sulaiman Schah Grabmals / The second relocation of Suleyman Tomb (large view)
Map via CNN Turk

Fahne mit PKK-Gründer Öcalan mit zwei kurdischen YPG-Kämpfern, im Hintergrund der neue Ort für das Grabmal mit türkischer Fahne, im syrisch-kurdischen Kanton Kobanê nahe der türkischen Grenze
Flag with PKK founder Ocalan with two Kurdish YPG fighters, in the background the new location for the tomb with the flag of Turkey, in Syrian-Kurdish Canton of Kobanê close to the Turkish border

Eine lesenswerte politische Einschätzung dieses in den türkisch-kurdischen Beziehungen beispiellosen Vorgangs:
 A political assessment of this – in the Turkish-Kurdish relations unprecedented – occurrence worth reading:
by turkeywonk.wordpress.com, 22. Febr. 2015

Und kurz: / And in short:
(ANF News, 22. Febr. 2015)


Die Rückeroberung von Tal Hamis

Am 27. / 28. Februar 2015 kam es zu einer weiteren Sensation. Den Kurd*innen gelang die Eroberung der im Nordosten Syriens im syrisch-kurdischen Kanton Cizîrê gelegenen IS-Hochburg Tal Hamis (manchmal auch Tel Hamis, Til Hamis oder Til Hemis geschrieben), einer strategisch wichtigen Kleinstadt mit einem hohen Anteil arabischer Bevölkerung. Auch die weiter südwestlich liegende Stadt Tal Barak konnte befreit werden.

The Recapture of Tal Hamis

A further sensation happened on the 27th / 28th of February 2015. The Kurds succeeded in the recapture of the ISIL stronghold Tal Hamis (sometimes also written Tel Hamis, Til Hamis or Til Hemis) in the Syrian-Kurdish Canton of Cizîrê in the Northeast of Syria, which is a strategically important small town with a high ratio of Arabic population. Also the town of Tal Barak, located further southwest, could be liberated.

Ein weiterer kurdischer Sieg gegen den IS in Tal Hamis
A further Kurdish victory against Daesh in Tal Hamis
Photo by Delil Souleiman (via Mutlu Civiroglu, Twitter 27. Febr. 2015)

Ein YPG-Kämpfer entfernt ein IS-Plakat nach der Befreiung der Stadt Tal Hamis
A #YPG fighter is taking down an ISIS flag after the town of Tal Hamis was liberated
via Mutlu Civiroglu, 27. Febr. 2015

Weiter östlich vom Kanton Kobanê liegt der syrisch-kurdische Kanton Cizîrê (Karte vom 27. Februar 2015, kurz vor der Eroberung von Tal Hamis und Tal Barak)
Further East of the Canton of Kobanê lies the Syrian-Kurdish Canton of Cizîrê (Map from 27th of February 2015, shortly before the capture of Tal Hamis and Tal Barak)
via Cahit Storm, Twitter 27 Feb 2015

Die drei syrisch-kurdischen Kantone Efrîn (Afrin), Kobanê (Kobani) und Cizîrê (Cizre). Wie wir beim Vergleich mit der Cizîrê-Karte oben erkennen können, variieren die Schreibweisen der Städte zum Teil erheblich
(Hesice / Haseke, Qamshlo / Kamisli etc.).
The three Syrian-Kurdish Cantons Efrîn (Afrin), Kobanê (Kobani) and Cizîrê (Cizre). As we can see by comparing it to the Cizîrê map above, the spelling of the towns are partly strongly varying
(Hesice / Haseke, Qamshlo / Kamisli etc.).

Die Befreiung von Tal Hamis und Tal Barak wurde an vielen Orten gefeiert, im nahen Qamischli (ebenfalls Kanton Cizîrê), der inoffiziellen kurdischen Hauptstadt Syriens...

The liberation of Tal Hamis and Tal Barak has been celebrated in many places, in nearby Qamshlo (also in the Cizîrê Canton), the inofficial Kurdish capital of Syria...

Jubel kurdischer Unterstützer*innen in der nordsyrischen Stadt Qamischli 
Landbrücke zwischen den vom IS kontrollierten Gebieten in Syrien und Irak
Cheering Kurds in Northern-Syrian town of Qamshlo 
land bridge between the ISIL controlled areas in Syria and Iraq
Photo: AFP, 28.2.2015

... in der weit entfernten, südlich des Efrîn-Kantons gelegenen Großstadt Aleppo...
... in the big city of Aleppo, located far away South of the Canton of Efrîn...

Gewohnt bunte Feierlichkeiten in kurdischen Vierteln von Aleppo nach der Befreiung von Tal Hamis & Tal Barak
Colourful celebrations in Kurdish neighborhoods of Aleppo after the liberation of Tal Hamis & Tal Barak
via Twitter of @curdistani, 1. März 2015

#ALEPPO Celebrations in Kurdish neighborhoods after liberated #TilHemis & #TilBerek
via Twitter of @curdistani, 1st of March 2015

... und sogar im ganz fernen Damaskus, der Hauptstadt Syriens unter Diktator Assad.
... and even in very far away Damascus, the capital of Syria under dictator Assad.

Kurds in Damascus celebrate Til Hamis liberation by #YPG
27. Febr. 2015, via Twitter @curdistani


Noch lange nicht am Ziel

Doch trotz vieler guter Nachrichten sind 'wir' noch lange nicht am Ziel. Und die Zeit läuft gegen die Menschen: Jeder Tag, an dem die IS-Dschihadisten auch nur irgendein Gebiet auf der Welt kontrollieren, ist ein Tag, an dem Menschen bestialisch hingerichtet, gefoltert, brutal unterdrückt oder grausam vertrieben, Frauen versklavt, Kinder zu Mördern gemacht und außerdem immer mehr Jahrtausende alte Kulturdenkmäler zerstört werden. Und die Verteidigung gegen Daesh, auch die heute beschriebenen Kämpfe, kostet jeden Tag neue Todesopfer unter denen, die auf Seiten der Menschlichkeit stehen.

Far from being at the finish

But despite many good news, 'we' are far from being at the finish. And time streams against the humans: Every day on which the ISIL jihadists control even any region in the world is a day on which humans are brutish executed, tortured, brutally oppressed or terribly expelled, where women are enslaved, children are turned into murderers and besides that, more and more thousands-of-years-old cultural relics are being destroyed. And the defense against Daesh, also the fightings described today, every day brings new casualties and death to those who stand on the side of humanity.


Forderungen der Stunde

Aufhebung des PKK-Verbotes in Deutschland, der EU und den USA

Internationale Hilfen für die Räumung von Bomben, Blindgängern und IS-Sprengfallen in den befreiten Gebieten
(Spezialist*innen, Roboter, Fahrzeuge, Minensuchgeräte etc.)
Keine Bomben in Kobanê: Schafft einen sicheren Ort für Kinder
Petition an die Vereinten Nationen, die Europäische Union
und alle zuständigen humanitären Organisationen
Bitte unterzeichnen!

Internationale Hilfe beim Wiederaufbau der Stadt Kobanê
Kobanê Reconstruction Board
http://helpkobane.wordpress.com/2015/01/31/reconstruction-kobane-board/

Medizinische Versorgung und politische Anerkennung kurdischer & internationalistischer Freiheitskämpfer*innen in den westlichen Ländern

Internationale Hilfe für den Kampf gegen die Dschihadisten an alle kurdischen Einheiten, auch die YPG, YPJ und PKK


Demands of the moment

Lift the ban of the PKK in Germany, in the EU and in the USA

 International help for the removal of bombs, blind shells and ISIL booby-traps in the liberated regions (specialists, robots, vehicles, mine detectors etc.)
No Bombs in Kobanê: Create a safe place for children
Petition to the United Nations, the European Union

and all concerned humanitarian organisations
  Please Sign!

 International aid for the reconstruction of the town of Kobanê
Kobanê Reconstruction Board
http://helpkobane.wordpress.com/2015/01/31/reconstruction-kobane-board/

Health care for and political recognition of Kurdish & internationalist freedom fighters
in the Western countries

International aid for the fight against the jihadists to all Kurdish units, including the YPG, YPJ and PKK


Geballte Faust, Pferdeschwanz und Siegeszeichen -
eine Mauer der Verteidigung gegen den IS-Terror
Clenched hand, ponytail and victory sign -
a wall of defense against the terror of ISIL
via PUKmedia.com (PUK is a social-democratic Iraqi-Kurdish Party)


Biji Kurdistan!


Nachfolgeartikel: Der kürzeste Weg nach Tall Abyad (Juni 2015)
Follow-up article: The shortest way to Tell Abyad (June 2015)