Showing posts with label Syrien. Show all posts
Showing posts with label Syrien. Show all posts

Wednesday, December 5, 2018

Make Rojava Green Again

Make Rojava Green Again! Picture Gallery – June 2018 – Internationalist Commune

Vom Hambacher Forst nach Rojava - Klimaschutz ist global!

Eines der großen Themen in diesem politisch bewegten Jahr war der immer dringlicher werdende Klimaschutz, wie die sich häufenden Umweltkatastrophen von schweren Unwettern, Hurrikans, Überschwemmungen oder Waldbränden erneut dramatisch deutlich machten.
In Deutschland blickten alle in den Hambacher Wald, wo die unermüdlichen #Hambibleibt-Aktivist*innen den Kohlekonzern RWE mit ihren Aktionen, Baumhäusern, Besetzungen und Blockaden in die Verzweiflung trieben und treiben. Gleichzeitig schickte im September diesen Jahres eine Aktivistin, die sich lange im Widerstand im Hambacher Forst befand und mittlerweile in Rojava lebt, einen die nur scheinbar weit entfernten Kämpfe verbindenden Solidaritätsbrief aus Rojava, der auf der Webseite der kurdischen Nachrichtenagentur ANF nachzulesen ist:
Initiativen wie #EndeGelände machen bundesweit und auch in Berlin regelmäßig mit Anti-Kohle-Protestaktionen auf den Klimaschutz aufmerksam.
Immer wieder habe ich darüber auch auf dem STYLE! IT! TAKES! Twitter-Account @magentanetzwerk berichtet, der in diesem Jahr mit über 1.300 Follower*innen eine neue persönliche Rekordmarke erreicht hat. :-)


Make Rojava Green Again - Rojava wieder grün machen

Für den ersten Teil meines fünfteiligen, säkular-atheistischen, dafür winterlich-glamourösen "Merry Xmas Charity Pin-up Calendar" und den damit verbundenen kleinen 'Spendenmarathon' habe ich mich bezüglich dieses ökologischen Themenfeldes trotz der erwähnten, erfreulich-hartnäckigen Proteste in Deutschland – doch selbstverständlich mit Blick auf die Zukunft unseres antarktisch-schönen Pin-ups und ihrer beiden Pinguine! ^.^ (siehe dazu die 'Vorderseite' dieses I. Kalenderblattes) – dennoch für eine andere Kampagne entschieden, denn letztlich ist Klimaschutz eine globale Angelegenheit und es spielt keine Rolle, wo der Klimaschutz in die eigenen Hände genommen wird.

Da ich bekanntlich seit inzwischen mehr als 4 Jahren die großartige Revolution im nordsyrischen Rojava unterstütze, ging die erste kleine Spende in Höhe von 25 € also an die dortige, gemeinsam von der "Internationalist Commune of Rojava" und dem Ökologie-Komitee des Kantons Cizîrê gestartete Kampagne "Make Rojava Green Again". Es geht zunächst unter anderem um die Wiederaufforstung der von Monokulturen und Krieg ökologisch zerstörten Region.
Der Hintergrund wird kurz in diesem Flugblatt zusammengefasst:


This same leaflet & flyer (front & back, in Colour / Black & White, various sizes)
is availabe for free download also in English, Spanish,
French to read, print and spread them!

Infos zu den aktuellen Projekten von MAKE ROJAVA GREEN AGAIN (auf Englisch)
Infos about the current projects of MAKE ROJAVA GREEN AGAIN (all in English):

☆ Planting trees ~ Support us reforesting Rojava
http://makerojavagreenagain.org/portfolio/reforestation/

☆ Reusing water ~ Help us to build a grey water and black water system!
http://makerojavagreenagain.org/portfolio/reuse-water/

☆ Harnessing wind ~ Help us constructing a wind turbine in Rojava
http://makerojavagreenagain.org/portfolio/wind-energy/



~ Impressionen ~

Make Rojava Green Again! Pictures gallery – April 2018 – Co-operation in Mesopotamia

"Azadî ji bo daran ~ Freiheit für die Bäume"
Make Rojava Green Again (MRGA) preparing plants & trees to be planted in Rojava,
the autonomous Democratic Federation Northern Syria


Independent newspaper article: Why we’re planting trees in northern Syria

Rojava 2018 10 22 ~ La CNT se suma a la campaña 'Make Rojava green again' (ANF)

Rojava 2018 10 24 ~ CNT schließt sich "Make Rojava Green Again' an (ANF)


Rojava in March 2018 ~ Revolutionary Ecological Campaign #MakeRojavaGreenAgain

~ More photo galleries & infos also on the page of the Internationalist Commune ~

Internationalist Commune
Derik (al-Malikiya)
Rojava, Federation of Northern Syria
contact@makerojavagreenagain.org


Ökologische Revolution

Doch das ist nur der Anfang dieses ehrgeizigen Projektes. Letztlich geht es um nichts weniger als um eine ökologische Revolution, die entlang der unter anderem vom inhaftierten PKK-Mitbegründer Abdullah Öcalan entwickelten, stark von dem US-amerikanischen Anarcho-Ökologen Murray Bookchin beeinflussten philosophisch-praktischen Linie der revolutionären Bewegung ("Demokratischer Konföderalismus" genannt) mit Basisdemokratie und Geschlechtergleichheit einher geht. Dazu gehört auch die Entwicklung eines ökologischen Bewußtseins in der nordsyrischen Gesellschaft – weg von der kapitalistischen Wegwerf-Mentalität.

Schon kurz nach der Befreiung vieler nordsyrischer Städte und Dörfer durch die den IS vertriebenen revolutionären YPG- & YPJ-Einheiten (Kurd*innen & multiethnische Verbündete verschiedenster Religionen) wurde damit begonnen, nicht nur den Kriegsschutt zu beseitigen, sondern auch gemeinsam die Straßen, Wege, Grünflächen und Felder von Müll, aber auch von überall verstreuten Kriegsspuren wie Minen und Sprengfallen, zu befreien (siehe dazu auch meinen Blog-Artikel Die Rückkehr des zivilen Lebens in Kobanê vom Mai 2015).

So werden nicht nur alle Teile der Gesellschaft in die konkrete Verbesserung ihres Lebensumfeldes einbezogen, sondern auch ganz sinnlich das Gefühl geschärft, die eigene Umgebung nicht zu vermüllen und zu verschmutzen. Es gibt lokale Basisversammlungen, in der die Bevölkerung über die dringlichsten Probleme diskutieren und Entscheidungen treffen kann, wie sie gelöst werden sollen. Dabei geht es oft um ganz elementare Dinge wie die Wasser- und Stromversorgung, aber natürlich auch nach wie vor um den Wiederaufbau der Dörfer und Städte, die grüner werden sollen und von einer nachhaltigeren Landwirtschaft in der überwiegend ländlich geprägten Region umgeben sein sollen.

Ehrgeizige Pläne und Projekte also, aber alles, was ich mitbekomme (und ich bekomme aufgrund meiner Kontakte sehr viel mit), klingt wundervoll und ist wunderschön anzusehen – von der bereits zu großen Teilen wieder neu aufgebauten Stadt Kobanê, die nach der erbitterten Schlacht gegen den IS noch Anfang 2015 ein einziger Trümmerhaufen war, über das wunderschöne neue Parlament in Derîk oder die Pläne der im Aufbau befindlichen Universität von Rojava. Und dies alles (leider) ohne jegliche Unterstützung der reichen, westlichen Länder oder großen, globalen Hilfsorganisationen, aus eigener Kraft. Die Revolution von Rojava macht Hoffnung und Mut!


Das Buch - The Book

Internationalist Commune of Rojava: MAKE ROJAVA GREEN AGAIN
Foreword by Debbie Bookchin. UK 2018
Das ganze Buch ist wirklich wunderschön gemacht, hat außen wie innen ein recht ungewöhnliches, markantes Design mit hohem Wiedererkennungswert und ist eine wunderbare Einführung in den Themenkomplex.

Um die ehrgeizige Philosophie, die Gedanken, Visionen und Ziele der sozial-ökologischen Revolution in Rojava in der ganzen Welt zu verbreiten, haben die Genoss*innen von der "Internationalist Commune of Rojava" neben den bereits kurz vorgestellten praktischen Projekten auch noch das schöne Buch "Make Rojava Green Again" geschrieben, Debbie Bookchin (die Tochter des im letzten Kapitel erwähnten Anarcho-Ökologen Murray Bookchin) für ein Vorwort gewonnen, es wurde in England layoutet und über eine Crowdfunding-Kampagne vorfinanziert und schließlich in der Arbeiter*innen-Kooperative Calverts Ltd in East London gedruckt und jetzt über den englischen anarchistischen Verlag/Mailorder Dog Section Press (Direktbestellungen für £6.00 plus Porto/Verpackung hier: https://dogsection.bigcartel.com/product/make-rojava-green-again) weltweit vertrieben. Das ist alles in allem doch ein ziemlich kohärenter Produktionsprozess von der Kommune in Rojava bis zu den Genoss*innen in England ein Buch quasi komplett in antikapitalistischen Kollektiven zu schreiben, zu gestalten, zu drucken und zu vertreiben. Wow!

Bisher gibt es die englische Originalausgabe, aber das Buch soll sobald die Finanzierung gewährleistet ist auch in zahlreiche andere Sprachen übersetzt und vielleicht auch gedruckt werden. Alle Gewinne des Buches (und späterer Übersetzungen) gehen direkt in die Unterstützung der Arbeit der "Internationalist Commune of Rojava".
Es steht auch Online als PDF zum Lesen und Durchblättern zur Verfügung (Link wird nachgereicht).

☆
Hier könnt Ihr das wunderschöne, informative und lesenswerte
Vorwort von Debbie Bookchin lesen (auf Englisch):
☆
Here you can read the beautiful, informative
Foreword by Debbie Bookchin which is highly worth reading:

☆ "Make Rojava Green Again" by Debbie Bookchin ☆

Eine grobe, in den Revolutionsfarben gelb-rot-grün gefärbte Karte von Rojava (hier gelb dargestellt, den Farben der kurdisch-multiethnisch-alliierten Befreiungseinheiten SDF) und generell zur Lage der Demokratischen Föderation Nordsyrien, die nördlich an die Türkei und südöstlich an den Irak grenzt.
Das von den SDF, YPG & YPJ befreite Gebiet ist aber sogar noch deutlich größer und umschließt auch die ganze Region von der Mitte der Karte bis einschließlich der südlich  liegenden, eher arabisch geprägten Großstadt Raqqa und weitere, südöstliche Gebiete.
Umgekehrt ist seit Anfang 2018 der zu Rojava gehörende Kanton Afrîn (ganz links im Westen der autonomen Föderation Rojava) von Erdogan's Türkei und seinen verbündeten Dschihadisten brutal besetzt.


Rojava in Berlin

Die revolutionäre Fahne von Rojava in Berlin-Kreuzberg
am Ende der Demo gegen das PKK-Verbot am 1. Dezember 2018
Da nicht nur kurdisch-türkische PKK-Fahnen, sondern sogar die in Berlin längst durchgesetzten und wieder erlaubten Fahnen der nordsyrischen YPG & YPJ von der Polizei im Kontext mit der Demo verboten wurden, schrieb ich dazu auf Twitter:

"Für eine PKK-Fahne hat das Geld leider nicht gereicht,
meine YPJ-Fahne durfte ich ja nicht tragen (bin immernoch grummelig deshalb),
also eine Fahne für alle - EINE FAHNE FÜR ROJAVA!
Die hat mir ein kleines kurdisches Mädchen geschenkt!
😃
#WegmitdemPKKVerbot"
Snapshot by

So war es dann trotz allem doch noch eine gute Demo, für die ich sogar extra in Rojava-Grün gekommen bin. Dazu außerdem meine schon obligatorische rosa Kirschblüte (hier nur bei genauem Hinsehen zu entdeckende Haarblume links oben)
– ohne die gehe ich auf keine kurdische Demo!
(^.^)
🌸


Zur schwankenden Weltkugel

Buchladen zur schwankenden Weltkugel, Kastanienallee 85, Prenzlauer Berg

Nach der beliebten Devise "Think global - act local" habe ich ergänzend zu meiner Überweisung beschlossen, mir zur Unterstützung meiner Genoss*innen aus der englischen Kurdistan-Solidarität die Buchausgabe von "Make Rojava Green Again" in meinem linken Berliner Lieblingsbuchladen mit dem zum Ökologie-Thema passenden, lustigen Namen Zur schwankenden Weltkugel im ex-besetzten Haus in der Kastanienallee in Prenzlauer Berg zu besorgen. Der als Kollektiv geführte Buchladen wurde 2002 als zweiter Laden des Schwarze Risse Buchladen-Kollektivs eröffnet, seit der Teilung des Kollektivs im April 2012 trägt er seinen neuen Namen.

Zu meiner Überraschung hatten sie das gesuchte Buch aber nicht und kannten es auch noch gar nicht. Wahrscheinlich stecke ich so tief im Thema, dass ich dachte, die ganze Welt spricht über dieses Buch, über dessen Veröffentlichung ich schon so oft auf Twitter berichtet habe. (^.^)
Offenbar haben auch noch keine meiner Genoss*innen aus der Kurdistan-Solidarität eine Kiste zum Weiterverkauf auf Kommission vorbeigebracht, wie es zum Beispiel Zeitschriftenkollektive (ich kaufe dort z. B. immer meine linke Lieblingszeitung wildcat), Gruppen und Herausgeber*innen von Broschüren, die es am Kiosk nicht zu kaufen gibt, machen, denn die Weltkugel ist auch Drehscheibe für Flugblätter, Infomaterial, Plakate und Bustickets zur nächsten Demo.

Die supernette Buchhändlerin ließ sich also von mir aufklären und wir schauten uns gemeinsam die Kampagnen-Webseite an. Dann rief sie sogar die Kolleg*innen bei Schwarze Risse in Kreuzberg an, und auch die hatten noch nicht davon gehört.
Und jetzt haben wir vereinbart, dass die schwankende Weltkugel das Buch für mich in England bestellt (es wird wie schon erwähnt über den linken englischen Vertrieb Dog Section Press verbreitet), aber nicht nur für mich, sondern gleich mehrere Exemplare! Ist das nicht wundervoll?
Ich bekomme Bescheid, sobald die Bücher eingetroffen sind und werde Euch dann ebenfalls hier und auf Twitter Bescheid geben, dass Ihr das Buch jetzt auch im zu Unrecht 'verrufenen' schönen Prenzlauer Berg bekommen könnt (ein bisschen Kiezpatriotismus wird mir hoffentlich zugestanden, denn ich lebe gerne hier).
Denn je mehr der Bücher verkauft werden, desto wahrscheinlicher wird die Finanzierung einer Ausgabe in anderen Sprachen gewährleistet.
Und es ist natürlich auch ein prima Weihnachtsgeschenk für politisch interessierte Menschen (wer es eilig hat, die Online-Bestellmöglichkeit bei Dog Section Press habe ich ja schon verlinkt).

Und nach Eurem Buchladen-Besuch könnt Ihr dann entweder im direkt nebenan liegenden Café Morgenrot oder – mein Tipp – im unweit entfernten, ebenfalls linken Kneipenkollektiv Kultur- & Schankwirtschaft BAIZ (in der Schönhauser Allee 26A / Ecke Wörther Str., 10435 Berlin), die immer mehr zu meiner Stammkneipe mutiert, was Trinken gehen. Ja, ich mache jetzt hier mal ein bisschen Werbung für meinen Kiez und seine Wunderbarkeiten!


Buchladen zur schwankenden Weltkugel
Kastanienallee 85
10435 Berlin
Öffnungszeiten
Montag - Freitag 11.00 Uhr - 19.00 Uhr
Samstag 11.30 - 18.00 Uhr
Telefon: 030 4409158
E-Mail: info@buchladen-weltkugel.de


Photo via www.kollektiv-betriebe.org


Spenden * Donating

Für alle, die vielleicht auch eine Kleinigkeit an das Projekt "Make Rojava Green Again" spenden wollen, hier noch einmal die Bankverbindung, dann könnt Ihr sie per Copy & Paste in ein Formular eingeben:



Kontoinhaber: Xarxa Autogestió Social SCCL
IBAN: ES43 1491 0001 2420 8685 5729
BIC/SWIFT: TRIOESMMXXX
Bank: Triodos Bank (Spanien/Spain)
Überweisungszweck / Payment reference: deposit P3NIA

* Bitte den Überweisungszweck genauso angeben
* Please use exactly this payment reference




Rosa Grüße aus Berlin! * Pink Greetings from Berlin!

Auch in Rojava mögen Menschen rosa:
noch unfertiges Wandbild in einem Jugendzentrum in der Nähe der Stadt Amude (Cizîrê Kanton, Rojava)
"Jin, Jiyan, Azadi" ist eine kurdische Parole und bedeutet "Frauen, Leben, Freiheit"!
~*~*~*~*~
Mural in a youth centre near the city of Amude in #Rojava
created by members of the Internationalist Commune
"Jin, Jiyan, Azadi" is a Kurdish slogan meaning "Women, Life, Freedom"!

Während ich also noch auf mein Buch warte und mich darauf freue, das dann frisch erstandene Stück an hoffentlich ruhigen Wintertagen zu lesen, und hoffe, dass meine kleine Spende noch heile in Rojava ankommt, bevor Erdogan wieder alles in Schutt und Asche legt, was mühevoll und mit viel Liebe aufgebaut wurde, wünsche ich den Freund*innen in Rojava weiterhin viel Kraft, Optimismus & Erfolg und verabschiede mich für heute von Euch.

Weiter geht es hier mit dem II. und III. Kalenderblatt und damit auch den nächsten beiden Soli-Spenden. An wen die gingen, erfahrt Ihr ebenfalls hier im Blog.

Kussi
xxx
🌸🌸🌸
Eure Magenta

STYLE! IT! TAKES! Twitter-Account
Magenta Netzwerk @magentanetzwerk

Link zur Vorderseite des ersten Teils meines * Link to the front page of the first part of my


~ I ~

Friday, September 9, 2016

Nieder mit der AKP ★ Solidarität mit Rojava ★ Blockupy III

Mit der Fahne der syrisch-kurdischen Frauenverteidigungseinheiten YPJ
auf dem Weg Richtung Brandenburger Tor
#Blockupy #Kurdistan #Demo Berlin 2 Sept 2016
Photo by XeKola @Xekola

Letzten Freitag startete beim Roten Rathaus am Neptunbrunnen in Berlins Mitte eine größere Demo gegen das AKP-Regime der Türkei unter Präsident Erdoğan. Besonders in der Kritik standen dabei die schmutzigen Deals Deutschlands und der EU mit dem türkischen Terrorregime, welches bekanntlich mit äußerster Brutalität gegen Kurd*innen und Oppositionelle aller Art vorgeht. Darüber hinaus wurde auch erneut Solidarität mit den im nordsyrischen Rojava gegen die von Erdoğan unterstützten IS-Terroristen kämpfenden Kurd*innen und ihre multi-ethnischen Alliierten (die Volks- und Frauenverteidigungseinheiten YPG & YPJ und die SDF (Syrian Democratic Forces)) demonstriert, weshalb ich mich dazu entschied, meine YPJ-Fahne, also die Flagge der dortigen Frauenverteidigungseinheiten, mit zur Demo zu nehmen, was im Nachhinein eine gute Idee war, auch wenn diese Fahnenstöcke vor und nach der Demo immer ein bißchen nerven.

Organisiert wurde die Demonstration im Rahmen des #Blockupy-Wochenendes gemeinsam von der Interventionistischen Linken (IL) und den wichtigsten kurdischen Gruppierungen in Deutschland: dem kurdischen Dachverband NAV-DEM (Demokratisches Gesellschaftszentrum der KurdInnen in Deutschland e.V.), dem kurdischen Studierenden-Verband YXK und dem mit der prokurdischen und linken 'Regenbogen'-Partei HDP (Partei der Völker) verbundenen Dachverband HDK (Peoples' Democratic Congress, türkisch: Halkların Demokratik Kongresi) aus der Türkei, der – wie auch die HDP selbst – mit diversen in der Türkei lebenden Minderheiten, linken, grünen, feministischen Gruppen und der LGBTIQ-Community assoziiert ist.

Mobilisiert hatten noch weitaus mehr Gruppen, darunter neben dem breiten Blockupy-Bündnis zum Beispiel die umtriebige North East Antifa (Prenzlauer Berg - Weißensee - Pankow ...), die in letzter Zeit auch in Berlin aktive ÖkoLinX-Antirassistische Liste, aber natürlich auch unser kleiner aber feiner Style! It! Takes! Twitter-Account {@magentanetzwerk}, der mittlerweile mit steigender Tendenz immerhin auch schon über 500 Follower*innen hat. :-)

Angesichts der aufrufenden Gruppen war der (mutmaßlich) 'kurdische' Anteil der Demo – etwa im Vergleich zu der Berliner Demo im Januar – leider eher überschaubar, das 'Blockupy-Spektrum' dominierte den Zug diesmal deutlich, während im Januar die 'deutsche' Linke noch durch weitgehende Abwesenheit geglänzt hatte. Dabei war das freundliche und trotz des ernsten und traurigen Themas manchmal fast fröhliche Miteinander von (vermutlich) kurdisch-türkisch-syrisch-stämmigen, deutschen, europäischen und nicht-europäischen Linken eines der Highlights der Demo, das Lust auf weitere gemeinsame Aktivitäten machte!

Und so zogen bei so gar nicht zum düsteren Thema passenden, strahlendem Sonnenschein ca. 800 - 1000 Menschen in einem sehr farbenfrohen und bunten Zug Richtung Brandenburger Tor, begleitet von Parolen gegen deutsche Rüstungsexporte, für die Refugees und gegen die Festung Europa und natürlich gegen Erdoğan und sein Terrorregime.

"Kein schmutziger Deal mit der Türkei! Menschenrechte, Demokratie und Frieden sind nicht verhandelbar" stand auf dem großen Front-Transparent. Dahinter YPJ- & Kurdistan-Fahnen, Öcalan-Flaggen, rote, 'anarchistische' und 'kommunistische' Fahnen aller Art, bunte Schirme, die lila-farbenen Fahnen der kurdischen Frauengruppen, sogar eine Gruppe von 'Piraten' und überhaupt Menschen aller Altersgruppen waren anwesend... auch wenn ich dennoch viele Leute, Kreise und Gruppierungen vermisst habe...
Photo by Tim Lüddemann @timluedde Berlin 2 Sept. 2016

Hintergründe und Themen der Demo – präsent in Form von Transparenten, Flugblättern und zahlreichen, meist guten und auch akustisch gut zu verstehenden Redebeiträgen – waren:

* die unglaubliche Repressionswelle in der Türkei mit Berufs-, Ein- und Ausreiseverboten, Massenentlassungen und Massenverhaftungen von mittlerweile bald 100.000 politisch missliebigen Personen, Zerschlagung der Presse- und Meinungsfreiheit, Rückkehr der Folter bis hin zu Ermordungen und einem vor der Tür stehenden Verbot der einzigen wirklichen Oppositionspartei, der linken, prokurdischen, multi-ethnischen, feministischen, LGBTQ-freundlichen HDP (Partei der Völker) als letzter 'Stolperstein' auf dem Weg hin zur Errichtung eines islamo-faschistischen Präsidialsystems als Diktatur des Autokraten und Möchtegern-Sultans Erdoğan.

Diese Brutalisierung der ohnehin immer schon schlimmen 'türkischen Verhältnisse' begann übrigens mit voller Wucht im Sommer 2015 und ist entgegen anderslautender Behauptungen keinesfalls Folge des gescheiterten Putschversuches mutmaßlicher Anhänger der 'Gülen-Bewegung' vom 15. Juli 2016, der nur die Steilvorlage für die Erklärung des jetzigen, im Grunde schon die ganze Zeit geltenden 'Ausnahmezustands' war.

* Protest gegen die täglich neuen Gewalteskalationen in der Türkei, insbesondere den ebenfalls seit Sommer 2015 laufenden erneuten Krieg gegen die Kurd*innen mit brutalen Dauer-Ausgangssperren und der Bombardierung und Zerstörung kurdischer Stadtviertel im Südosten der Türkei mit Hunderten von Toten (siehe hierzu meinen Artikel #TurkeysWarOnKurds, der das Ausmaß der Zerstörungen anhand zahlreicher Bilder dokumentiert). Seither wurden ganze Städte – darunter auch die zuvor als UNESCO-Weltkulturerbe eingestufte Altstadt von Diyarbakir (kurdisch: Amed) – von der türkischen Armee und ihren Panzern dem Erdboden gleichgemacht und Zehntausende Kurd*innen vertrieben.

* die brandgefährlichen außenpolitischen Kapriolen des türkischen Präsidenten Erdoğan und anderer Vertreter seiner AKP (vgl. auch meinen Post "Das Lied vom totalen Scheitern von Erdoğans Außenpolitik"), zuletzt etwa sein neues Bündnis mit Putin, die laufenden Maulkörbe für Deutschland (Stichworte: Klagen gegen die Satiriker*innen von extra3 und Jan Böhmermann, das Gezerre und die Drohungen um die Armenien-Resolution des Bundestages, Verhinderung von Abgeordnetenbesuchen der Bundeswehr in der Türkei, ein paar Tage nach der Demo dann die Beschlagnahme des Friedman-Interviews...), die ständigen türkischen Bombardierungen im Irak, der Einmarsch der türkischen Armee und mit ihr verbündeter Dschihadisten in Syrien.

* Solidarität mit Rojava (Nordsyrien), also den von Kurd*innen und ihren Alliierten von den IS-Terroristen (Daesh) befreiten und revolutionär-selbstverwalteten Gebieten, die – nachdem die von der Türkei unterstützten IS-Dschihadisten vertrieben wurden – laufend vom türkischen Militär angegriffen werden.

* die verschiedenen 'Deals' Deutschlands und der EU mit dem türkischen Regime, die dieses überhaupt am Leben erhalten (siehe die beiden nächsten Kapitel)


Ins 'Herz der Bestie'

Es war letztlich doch ein erfreulich langer Zug durch Berlins Mitte
Photo by Denis Bauer Berlin 2 Sept 2016 (via HDK-HDP Berlin)

Da die all diese Themen betreffenden Meldungen jeden Tag neue, traurige Höhepunkte erreichen, war ich regelrecht froh, dass es endlich wieder eine neue, größere Solidaritätsdemonstration in Berlin gab, die die Politik des menschenverachtenden AKP-Regimes in der Türkei und die hanebüchende Zusammenarbeit der Bundesregierung mit diesem entschieden verurteilt.
Der Fokus auf deren schmutzige Deals – wozu nicht nur der 'Flüchtlingsdeal' zwischen der EU und der Türkei gehört, sondern auch deutsche Waffenlieferungen, das auf Wunsch der Türkei auch in Deutschland und der EU geltende Verbot der PKK (Arbeiterpartei Kurdistans) mit der entsprechenden Repression gegen die kurdische Freiheitsbewegung auch in Deutschland, die enge wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit zwischen den Ländern und das mit all dem einhergehende tödliche Schweigen unserer Regierung und auch von staatsnahen Teilen der Medien – war für eine Demo 'im Herzen der Bestie' gut gewählt.

"Beautiful demo in #Berlin in front of the Brandenburger Tor (symbol of German imperialism)
#TwitterKurds #Rojava"
Photo by STYLE! IT! TAKES! Blog Berlin, text as shared on our Twitter-Account.
2 Sept. 2016


Gegen die Deals mit Erdoğans Terrorstaat

No Deals with the AKP regime - Peace & Freedom for Kurdistan
Banner @ Rojava solidarity rally Berlin 2. 9.
Photo by STYLE! IT! TAKES! Blog Berlin

Da die immer häufiger ins Absurde kippende "Abhängigkeit" (Politikername dieses Zitats kann selbst ausgefüllt werden) Deutschlands von der Türkei als "Bollwerk für die Abschirmung von Migrant_innen, die vor Krieg, Hunger und in ein besseres Leben fliehen" (aus dem gemeinsamen Aufruf von NAV-DEM / HDK / IL) und das damit einhergehende anhaltende Schweigen zu den täglichen brutalen Menschenrechtsverletzungen und der Kriegspolitik der Türkei vor allem mit dem von der Bundesregierung und der EU unter Federführung von Angela Merkel (CDU), Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Martin Schulz (SPD) eingefädelten 'Flüchtlingsdeal' mit der Türkei begründet wird, macht es Sinn, diesen ins Visier zu nehmen und seiner Grundlage zu berauben. Denn hinter all dem stehen ja letztlich die rassistische Stimmung in Deutschland / Europa und die Wahlerfolge rechter Parteien wie der AfD (siehe hierzu meinen Post "Alle faschistischen Deutschen (AfD)..."), die – zusammen mit den europäischen 'Architekten' des Flüchtlingsdeals und den mit Ausnahme der HDP vollkommen apathischen türkischen 'Oppositionsparteien', der kemalistischen CHP und der nationalistischen MHP – trotz ihres (nicht nur) anti-türkischen Rassismus und ihrer Islamophobie zu Erdoğans wichtigsten Steigbügelhaltern geworden sind.

Über Hintergründe und Details dieses tödlichen Pakts habe ich schon im März ausführlich berichtet (siehe "Merkel & die EU zwischen AfD und AKP"), weshalb ich es hier bei dem Hinweis belassen möchte, dass meine dort vertretende Einschätzung sich seither leider mehr als bewahrheitet hat. Meine These war, dass Gewinner dieses Deals nur die AKP in der Türkei und die AfD in Deutschland sein würden, während die Verlierer*innen die Flüchtlinge, die Kurd*innen und die Opposition in der Türkei (wie auch in Deutschland) sein würden. Und genau so ist es auch gekommen. Selten hat es mich mehr geärgert, Recht behalten zu haben.

Die aktive Mittäterschaft der SPD kann angesichts einer aufgrund der falschen Beweggründe schon lange mehr als fragwürdigen "Merkel muss weg"-Stimmung übrigens nicht oft genug betont werden, bevor sich der vollkommen unverständlich beliebte Außenminister und der Rest seiner Partei wieder als vermeintliche Menschenrechtspartei hinter der Kanzlerin verschanzen, während Parteichef und Vizekanzler Gabriel laufend Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien oder in die Türkei genehmigt...

Zu den wenigen im Bundestag vertretenen Parteipolitiker*innen, von denen immer wieder Kritik geäußert wird, gehören vor allem Vertreter*innen der Grünen (etwa Cem Özdemir) und der Linken (etwa Ulla Jelpke oder Katja Kipping). Dies ist übrigens keine Wahlwerbung, sondern schlicht und einfach eine Feststellung. Auf der Blockupy-Demo spielten Vertreter*innen dieser Parteien gegenüber linken, autonom-undogmatischen oder antirassistischen Gruppen allerdings meinem Eindruck nach übrigens keine größere Rolle, auch wenn einzelne präsent waren.

Wie schon in meinem genannten Artikel vorgeschlagen, kann der "abscheuliche Knoten" aus dem "Ineinandergreifen von innereuropäischem Rassismus, Abschottung der 'EU-Festung Europa' und AKP-Diktatur in der Türkei" nur in 'Handarbeit' aller, "denen Menschenrechte, Demokratie und Selbstbestimmung irgendetwas bedeuten", zerschlagen werden. Dazu zähle ich vor allem "Flüchtlingsunterstützer*innen, Human Rights Aktivist*innen, Antira- und Antifa-Gruppen, die kurdische Bewegung und ihre Unterstützer*innen" (alle Zitate aus "Merkel & die EU zwischen AfD und AKP"), also ziemlich genau die, die bei der Demo auf der Straße waren.

Eine von Aktivist*innen aufgebaute Info-Mauer informierte unter anderem über die tödlichen Folgen des EU-Türkei-Flüchtlingsdeals und der Festung Europa, aber auch die deutsch-türkischen Waffendeals und Wirtschaftsdeals (Photo weiter unten). Auf der Rückseite befand sich übrigens ein überdimensionales Photo eines kurdischen Kindes in einem von der türkischen Armee zerschossenen Stadtviertel im Südosten der Türkei. Solche und andere Gewalttaten des AKP-Regimes unter Erdoğan produzieren mittlerweile auch immer größere Zahlen von (vor allem kurdischen) Binnenflüchtlingen und ganz aus der Türkei fliehenden Menschen.
Die Türkei der AKP ist schon lange kein "sicherer Drittstaat" mehr, sondern selbst ein Fluchtgrund!
Photo by STYLE! IT! TAKES! Blog Berlin
2 Sept 2016


Solidarität mit Rojava


'Selfie' meiner YPJ-Fahne mit Fernsehturm beim Alexanderplatz im Hintergrund.
Ich fordere ja schon länger, dass Berlin (wie Rom) Partnerstadt von Kobanê
oder einer anderen kurdisch-geprägten Stadt in Rojava werden sollte.
Hat das schon jemand im Programm für die Wahlen am 18. Sept. in Berlin?
Photo by STYLE! IT! TAKES! Blog Berlin
2 Sept 2016

Während die Nachrichten aus dem nordsyrischen Rojava seit der Befreiung der Stadt Kobanê Ende Januar 2015 (wir berichteten ausführlich) in ihrem Verlauf insgesamt dauerhaft 'positiv' waren, weil es den kurdisch-alliierten Kräften seit Kobanê gelungen ist, immer weitere Teile Nordsyriens von den Schlächtern des dschihadistischen IS-Kalifats (Daesh) zu befreien (siehe auch die Artikel "Mit Pferdeschwänzen gegen Terroristen" und "Der kürzeste Weg nach Tall Abyad"), hat, um es auf den Punkt zu bringen, Erdoğan seither keine Gelegenheit ausgelassen, wieder alles zu vermasseln und die höchst erfreuliche Entwicklung (im wahrsten Sinne des Wortes wie auch im übertragenen Sinne) zu 'torpedieren'. Nach dem hoffnungsfrohen Wahlerfolg der HDP im Juni 2015 griff er zunächst die kurdische Bewegung in der Türkei an, die sich seit jenem Sommer (wie bereits ausgeführt) in rasenden Schritten auf eine Ein-Mann-Diktatur zubewegt hat. Parallel setzte er die brutale Entwicklung im eigenen Land aber auch im Nachbarland Syrien fort, zunächst mit der – der Weltöffentlichkeit wie auch den russischen, deutschen und anderen Nachrichtendiensten bekannten – türkischen Unterstützung der IS-Dschihadisten und anderer islamistischer Gruppierungen, dann mit wiederkehrendem Artillerie-Beschuss der unter großen Opfern von den IS-Barbaren befreiten Regionen über die Grenze hinweg.

Am 24. August 2016, also wenige Tage vor der Demo, ist die türkische Armee unterstützt von der Turkish Air Force und angeblichen 'Rebellen' (unter denen sich abermals zahlreiche islamistische Dschihadisten befinden) nun nach 5 Jahren brutalem Bürgerkrieg auch noch direkt im kriegszerstörten Syrien einmarschiert. Ziel der Operation ist nicht – wie teilweise behauptet – den IS zu zerschlagen, sondern, wen sonst, die äußerst erfolgreichen syrischen Kurd*innen und ihre multi-ethnischen, säkularen und multi-religiösen Verbündeten (darunter syrische Araber*innen, Assyrer*innen, Turkmen*innen, Muslime, Christ*innen, Alevit*innen usw.), die noch kurz zuvor gemeinsam die wichtige Stadt Manbij vom IS befreit hatten.

Mit der türkischen Intervention ist die bisher von den USA unterstützte, seit Kobanê anhaltende erfolgreiche kurdisch-alliierte Offensive gegen den IS (Daesh) vorerst zum Stoppen gebracht worden, während sich von Erdoğan unterstützte Dschihadisten und Islamisten als 'Ersatz' für den am Boden liegenden IS nördlich von Aleppo breit machen können. Erklärtes Ziel der Türkei ist eine vollständige Zurückdrängung der Kurd*innen auf das Ostufer des Euphrat, also eine komplette Aufgabe der mit US-Unterstützung unter lebensgefährlichem Einsatz im Laufe dieses Jahres befreiten Gebiete westlich des Flusses! Unverschämter geht es fast nicht mehr. Und 'die Welt' schweigt mal wieder.

Protest gegen die Menschenverachtung der IS-Dschihadisten
und
Erinnerung an die zentrale Rolle der Stadt Kobanê (Kobanî)
im Kampf um die Befreiung Rojavas
Photo by STYLE! IT! TAKES! Blog Berlin
2 Sept 2016

Gleichzeitig fährt die Türkei auch östlich des Euphrat fort mit einem – wie zu Befürchten steht ganz im Sinne des EU-Flüchtlingsdeals – Mauerbau (!) entlang der nordsyrisch-türkischen Grenze und auf zu Syrien gehörendem Territorium von Rojava (etwa dringend benötigte landwirtschaftliche Flächen in der Nähe von Kobanê, siehe hierzu auch "Die Rückkehr des zivilen Lebens in Kobanê" sowie die aktuellen Photos unten), denn so ganz ohne imperiale Grenzausdehnung der Türkei macht Erdoğan natürlich nichts. Die protestierenden Einwohner*innen Kobanês, die keine Mauer, sondern dringend einen humanitären Korridor für Hilfslieferungen benötigen, wurden in den letzten Tagen von der Türkei 'wie gewohnt' mit Wasserwerfern, Tränengas und Geschossen attackiert, wobei es neben Dutzenden Verletzten auch Tote gab. Als der IS Kobanê monatelang brutal belagerte, schaute die türkische Armee gelangweilt von der anderen Seite aus zu und die Grenze zur Türkei war sperrangelweit offen für Waffen-, Sprengstoff- & Rekrutentransporte der IS-Terroristen. Jetzt, wo die Dschihadisten vertrieben sind, greift der 'NATO-Partner' und 'strategische Verbündete' der EU die Zivilist*innen an:

Der nächste Mauerbau sponsored by EU: #TerroristTurkey
"Turkey military attacks #Kobane residents protesting the border wall w. tear gas-water cannons this morning #EU #US"
Both photos & English text via @nighttides 2 Sept 16

Der Westen, insbesondere die EU, die NATO und das US-geführte Anti-IS-Bündnis "Operation Inherent Resolve" (OIR), sollten sich langsam mal entscheiden, wen sie in diesem Krieg eigentlich unterstützen, nachdem Tausende ihr Leben für den Kampf auch um unsere Freiheit verloren haben. Unter diesen sind übrigens nicht nur Kurd*innen und andere freiheitsliebende Menschen aus Syrien, sondern auch Freiwillige aus aller Welt, darunter mittlerweile auch schon drei gefallene Internationalist*innen aus Deutschland. Das Trauerspiel der westlichen Türkei- und Syrien-Politik ist wahrlich zum Fremdschämen. Auch dagegen wollte ich mit meiner YPJ-Fahne ein Zeichen der Solidarität mit den tapferen und leidgeprüften Menschen in Rojava setzen, die dort trotz alledem ein "demokratisches, friedliches Miteinander aller Nationalitäten, Religionen und Geschlechter" aufbauen, in einem alternativen Gesellschaftsmodell, dessen "Freiheitsrechte, basisdemokratische Selbstverwaltung und Selbstbestimmung" einzigartig in der kriegsgeplagten Region sind und "den einzigen erfolgversprechenden Lösungsansatz für eine nachhaltige Befriedung des Nahen Ostens" darstellen (Zitate aus dem gemeinsamen Aufruf von NAV-DEM / HDK / IL). Ich bitte in diesem Zusammenhang und mit Blick auf das Photo oben rechts auch um Beachtung der Tatsache, dass in der autonomen Region Rojava Frauen selbst entscheiden können, ob sie zum Beispiel ein Kopftuch tragen und gleichberechtigter Teil der politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und auch militärischen Entscheidungen sind, während wir in der Türkei und teilweise auch in Europa (etwa das reaktionäre Frauenbild der AfD) einen anti-emanzipativen, anti-feministischen Backlash erleben...

Flagge zeigen vor dem Brandenburger Tor:
Die Frauenverteidigungseinheiten YPJ gehören zu den erfolgreichsten Gruppen im Kampf gegen die IS-Dschihadisten. Hier habe ich meine Fahne mal kurz für dieses Photo an eine Mitdemonstrantin ausgeliehen.
Photo by STYLE! IT! TAKES! Blog Berlin
2 Sept 2016


Die tödlichen Mauern zum Einsturz bringen

Deutsche Waffen, deutsches Geld, morden mit in aller Welt!
... und besonders in der Türkei!
"Well prepared: Activists built a wall @ Rojava Solidarity Rally Berlin informing abt
#Germany's arm trade to #Turkey"
Photo by STYLE! IT! TAKES! Blog Berlin, English text as shared on our Twitter-Account.
Berlin 2 Sept. 2016

Angesichts der dramatischen Situation in der Türkei und der türkischen Intervention im nordsyrischen Rojava bei gleichzeitigem, mittlerweile offen begründeten Stillschweigen der Bundesregierung und der EU muss Druck auf die Türkei vor allem 'von unten' kommen.

Dazu gehört ein vollständiger Tourismus-Boykott (auch dazu gab es übrigens ein gut gemachtes Flugblatt) und der Verzicht von Waren aus der Türkei, ganz egal ob es sich dabei um Mode / Textilien, Nahrungsmittel oder Dienstleistungen (Stichwort: Turkish Airlines) handelt.
Es geht dabei natürlich um Himmels Willen nicht darum, den sogenannten 'türkischen Gemüsehändler' oder 'Späti' um die Ecke zu boykottieren, denn abgesehen davon, dass es sich bei diesen auch öfters um Kurd*innen oder andere Landsleute handelt, ist normalerweise nur ein kleinerer Teil von deren Waren aus der Türkei. Spanische Oliven oder griechischen Schafskäse zu boykottieren bringt nicht nur nichts, sondern ist auch unfair den meist netten Läden gegenüber und es darf nicht dazu führen, das gewachsene Zusammenleben mit aus der Türkei stammenden Menschen in Europa zu stören. Also Augen auf bei den Beschriftungen (Feigen aus der Türkei gibt es z. B. auch in Supermärkten), denn die Wirtschaft in der Türkei kriselt schon länger, der Tourismus liegt am Boden (wie ich höre, gehen jetzt alle nach Bulgarien & Griechenland ♥), die Investitionen auch und ein weiterer Abschwung könnte den Rückhalt von Erdoğan verringern und die Chancen für ein Einlenken in Bezug auf Friedensverhandlungen mit der kurdischen Bewegung erhöhen, zumal diese Boykott-Kampagnen mittlerweile weltweit laufen.

Boycott #TurkeysWarOnKurds
No holidays in Turkey, no fashion from Turkey, no food from Turkey...!

  
Boycott 'Made In Turkey'
Pic via @KurdisCat (Spain)

Boycott Turkish Airlines
Anti Turkish Airlines Poster
"Proud sponsors of IS Terrorism"
der Kampagne #DontGoTurkey
via @AnilElbistanli


Jenseits dessen lauten die wichtigsten
Forderungen der Stunde
meiner Ansicht nach:

in Richtung Deutschland / EU:

Aufkündigung des Flüchtlingsdeals mit der Türkei
stattdessen mehr Hilfen für Griechenland und bessere Verteilung in der EU

Humanitäre Hilfen für die selbstverwaltete Region Rojava
und die Zehntausenden von Flüchtlingen, die sie aufgenommen hat

Stop jeglicher deutscher Rüstungsexporte in die Türkei

Abzug der Bundeswehr aus der Türkei
(falls die Bundesregierung nicht auf ihren Syrien-Einsatz verzichten will, gibt es übrigens auch Alternativen auf Flughäfen in Griechenland und Malta...)

Weg mit dem PKK-Verbot in Deutschland / EU
(das kann auch mit einer schrittweisen Entkriminalisierung erfolgen, etwa der Abschaffung von 'Propagandadelikten' etc. ähnlich wie in der Schweiz)


in Richtung Türkei:

Abzug der türkischen Armee aus Rojava & Syrien

Schluss mit dem Mauerbau entlang Nordsyriens

Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen in der Türkei

Schluss mit der Kriminalisierung der Opposition


Dem Abbau der Info-Mauer am Ende der Demo müssen weitere Taten folgen, denn
sämtliche tödlichen Mauern der Türkei und der EU müssen eingerissen werden:
die Mauern gegen Demokratie & Menschenrechte in der Türkei,
die türkische Mauer (und die damit zusammenhängende Wirtschaftsblockade) an der Grenze zu Rojava / Syrien und
die tödlichen EU-Außengrenzen der Festung Europa.
Photo by STYLE! IT! TAKES! Blog Berlin
2 Sept. 2016


Blicke in die Zukunft



Ach wären die echten Mauern nur so einfach zum Einsturz zu bringen wie die bisweilen etwas wacklige Info-Mauer, die ab und an sogar von uns Demonstant*innen 'gestützt' werden musste...
Alle drei Photos von Denis Bauer Berlin 2 Sept 2016 (via HDK-HDP Berlin)

Insgesamt war es eine tolle Demo, für mich aufgrund des mir sehr am Herzen liegenden Themas und besonders der netten Atmosphäre die Beste in Berlin seit langem. Nur die diesmal vergleichsweise schwache kurdische Beteiligung war ein bisschen schade. War der Blockupy-Rahmen für manche abschreckend oder waren schon alle auf dem Weg nach Köln? Dort demonstrierten am nächsten Tag fast 30.000 (vor allem) Kurd*innen auf einer Großdemonstration, auf dem gleichen Gelände auf dem wenige Wochen vorher eine ähnliche große Zahl (vor allem) türkischer AKP-Anhänger und Erdoğan-Fans demonstriert hatte. Anwesend waren dort auch Spitzenvertreter der wichtigsten kurdischen Parteien, Selahattin Demirtaş von der HDP und Salih Muslim von der syrisch-kurdischen PYD (der zu den YPG / YPJ gehörenden Partei). Im Gegensatz zu Nordrhein-Westfalen, wo z. B. auch im Dezember 2015 schon eine bundesweite kurdische Großdemonstration in Düsseldorf mit über 15.000 Besucher*innen stattgefunden hat (bei der Newroz-Demo in Hannover waren es im März immerhin auch über 12.000), tut sich Berlin scheinbar immer noch etwas schwer mit größeren Mobilisierungen zum Thema, auch wenn mir noch nicht ganz klar ist, woran es liegt.

Wenn wir diesbezüglich mehr Druck im 'Zentrum der Macht' ausüben wollen, müssen die kurdische Bewegung, die türkische, syrische, irakische etc. Linke (Stichwort: Flüchtlinge) und die hiesige linke, antifaschistische und antirassistische 'Szene' wohl noch stärker zusammen kommen, denke ich. Für Antifas sollte das Thema 'Türkei auf dem Weg in den Faschismus' doch auch relevant sein, für Antirassist*innen die rassistische Diskriminierung und Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsgruppen in der Türkei, für Flüchtlingsgruppen ist der 'Flüchtlingsdeal' ein zentraler Anknüpfungspunkt, für vor islamistischem Terror Geflüchtete (z. B. auch aus dem Iran) der Kampf gegen den IS, für Friedensinitiativen die deutschen Rüstungsexporte, für queer-feministische Gruppen die gewaltsame Niederschlagung emanzipatorischer Kämpfe in der Türkei, für linke Ökolog*innen, Gewerkschaftler*innen, Internationalist*innen, Feminist*innen und Revolutionäre das selbstverwaltete Projekt in Rojava... Soviele Berührungspunkte... und alles hängt eng miteinander zusammen. Es gibt also noch viel zu tun und zu vernetzen. Die Demo war aber ein guter und vielversprechender 'Anfang', der – das möchte ich zum Abschluss noch einmal betonen – überraschenderweise auch sehr viel Spaß gemacht hat.

Danke an die Organisator*innen und alle, die dabei waren!

♥

Straßentänze

Da ich mir sehr viel Mühe gegeben habe, mein Outfit in den 'kurdischen Farben' zu halten, war ich ganz froh, dass ich ein recht beliebtes Photo-Motiv wurde... Weil sich in meinem Kleiderschrank aber partout keine gelben Sachen finden, habe ich mir zu dem roten Blumentop und den (eigentlich zu warmen) grünen Stiefeletten mit einem gelblich-grünen Einkaufsbeutel beholfen... (^.^) Hat anscheinend funktioniert, jedenfalls gab's viel positives Feedback dafür und mehrere nette Photograph*innen, die es festgehalten haben...
Dieses Bild entstand beim Fahne schwenken während mir direkt gegenüber
Demonstrant*innen anfingen auf der Straße zu tanzen. :-)

Beide Photos sind von Denis Bauer und wurden auf der Facebook-Seite der HDK-HDP Berlin veröffentlicht,
wo es ein ganzes Album zur Demo gibt.

Ein Lob an dieser Stelle auch für die tolle, abwechslungsreiche und gut eingesetzte Lauti-Musik, die die bunte Demo gut widerspiegelte, indem neben eher üblicher linker 'Demo-Mucke' zum Beispiel auch traditionelle und zeitgenössische kurdische Musik oder Songs der (wie ich finde manchmal übertrieben kritisierten) in den USA lebenden kurdisch-irakisch-finnischen Latin/Middle East-R&B-Popsängerin Helly Luv (bekannt für Songs wie "Risk It All" (2014) und "Revolution" (2015)) liefen, was als Demo-Soundtrack übrigens verdammt gut kam!
[Eine Vorstellung von Helly Luv mit Photos und dem sehenswerten "Risk It All"-Video befinden sich übrigens am Ende meines Artikels "The Politics of the Future"].

Final 'flag selfies'
by
STYLE! IT! TAKES! Blog Berlin
2 Sept 2016


FUN FACT zum Abschluss:
Da die anderen YPJ-Fahnen während der Demo an Demonstrant*innen verteilt worden waren und am Ende wieder eingesammelt wurden, kamen nacheinander insgesamt sechs (!) verschiedene Leute aus dem Orga-Team zu mir und wollten auch meine Fahne 'einsammeln'.
Die hatte ich aber bei der Demo im Januar von Aktivist*innen gegen eine Soli-Spende
'ehrlich erworben', sie hängt seither bei mir hinter dem Schreibtisch und wohnt also quasi
bei mir zu Hause.
Ich durfte sie dann auch wieder dorthin zurückbringen.
(^.^)

... wobei es gar nicht nach Hause ging, womit wir wieder beim lästigen Herumtragen von Fahnenstangen wären. Aber das hatten wir schon.
;-)

Ende der Demo, Ende des Artikels,
für's Erste erschöpft.

xxx
Eure
Magenta
♥

Es folgt wohl noch ein Teil IV der kleinen 'Blockupy-Serie'.
Bisher erschienen sind:
Nieder mit der AKP ★ Solidarität mit Rojava ★ Blockupy III

... und hier ist auch der letzte Teil:
Grenzenlos. Feministisch. Solidarisch ★ Kampf der AfD! #Blockupy IV

Bei etwaigen Bitten um Entfernung eines Photos,
Anfragen oder Korrekturen:
Kontakt via Twitter-DM
Magenta
Ansonsten an dieser Stelle noch einmal
ganz herzlichen Dank an die Photograph*innen!
Falls jemand Bilder benutzen will,
bitte wie auch hier im Blog üblich
die Quellen und deren Namen nennen.