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Saturday, December 22, 2018

SIOUXSIE & THE BANSHEES ☆ Il est né le divin enfant

Das wunderschöne Cover der Siouxsie & The Banshees - Single * Such a beautiful cover!
Melt / Il Est Né Le Divin Enfant
1982
7", 45 RPM, Single
Design – Rocking Russian
Painting – Gill Thompson
Producer – Siouxsie And The Banshees
℗ & © 1982 Polydor Limited (London)

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Heute gibt es wie versprochen das Abschluss-Special zu meinem – die christlichen Traditionen brechenden – nicht vierteiligen, sondern natürlich fünfzackigen 'Adventskalender' – wie ein Stern!

Und heute wechseln wir ein bisschen das Genre, das heißt, heute gibt es keine Pin-ups aus den 1940er & 1950ern mit Soul-Musik aus den 1960er Jahren, sondern andere alte Held*innen. Und dabei kreuzen (!) wir nach unserem bewusst weltlich gehaltenen Kalender tatsächlich noch einmal den eigentlichen Anlass des Weihnachtsfestes: Christi Geburt, auch bekannt als Jesus (*lach*). Aber als Gegner*innen der Todesstrafe 'kreuzen' wir natürlich überhaupt niemanden, sondern wollen lieber ein bisschen feiern and glücklich sein!
Und das ist natürlich auch der eigentliche Grund für diesen Post.
Denn heute hören wir Musik meiner geliebten Siouxsie & The Banshees, der (neben vielem anderen, wie natürlich ihrer Musik & Texte, ihrer Moden & Styles) Band mit den schönsten Plattencovern, von denen wir hier nur eines von so vielen sehen!

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As I promised, today here is the final special of my atheist 'advent calendar' (which was made of lovely pin-ups by Gil Elvgren) which – breaking with Christian traditions – does not consist of four parts, but of course is five-pointed – like a star!

And finally, we also change the genre a bit, which means that today there aren't pin-ups from the 1940s & 1950s combined with soul music from the 1960s, but other old heroines & heroes. And as it happens, along with that we really cross (!) – after our deliberately worldly calendar – the actual occasion of the 'Christmas Festival': the Birth of Christ, also known as Jesus (*lol*).
But as opponents of the death penalty, of course we don't crucify anybody,
but instead want to celebrate a bit and be happy!
And this of course is the actual reason for this post!
Since today we listen to music of my beloved Siouxsie & The Banshees, the (among many other things like of course their music & lyrics, their fashion & styles) band with the most beautiful record covers, of which we see here only one out of so many!

Inside label of the single
Siouxsie And The Banshees: Melt - Il Est Ne Divin Enfant
Polydor - UK - POSP 539

Ich habe diesen Song (der auf einem traditionellen französischen Weihnachtslied beruht) einer meiner absoluten Lieblingsbands ‎immer geliebt (er ist aus ihrer Phase des wunderschönen "A Kiss In The Dreamhouse"-Albums 1982) und ihn manchmal ganz am Anfang oder ganz am Schluss eines DJ-Sets gespielt. Aber in all den Jahren hatte ich nie ein Video gesehen, denn es ist ein sehr seltener Song (viele von Siouxsie's Single-B-Seiten waren solche Meister*innenwerke!) und ich hatte ihn 'nur' auf der ziemlich raren 7" inch Single, die Ihr hier seht. Eines Tages hat meine Freundin Pezi von Dollbreak dieses Video hier aus dem französischen Fernsehen gefunden, und sogar das frühere Band-Mitglied Robert Smith (The Cure) spielt dort Percussion!
Sehr süßes Video:

I always loved this song (which is derived from a Traditional French Christmas Carol) from one of my favorite bands ever ‎(it comes from the era of their beautiful "A Kiss In The Dreamhouse" album 1982) and I sometimes played it very early or at the very end of a DJ-set. But in all that years I never saw this video, since it's a very rare track (many of Siouxsie's single B sides were such masterpieces!) and I 'only' got it on the quite rare 7" inch single you see here. One day, my friend Pezi from Dollbreak found this video from French TV, and it contains former band member Robert Smith (The Cure) on percussion in it! Very cute video:


SIOUXSIE & THE BANSHEES Il est né, le divin enfant
from 'Les Enfants du Rock - L' Embûche de Noël 82', French TV, 23 Décembre 1982


Il est né le divin Enfant!
Jouez, hautbois, résonnez, musettes;
Il est né le divin Enfant;
Chansons tous son avènement.
Depuis plus de quatre mille ans
Nous le promettaient les prophètes:
Depuis plus de quatre mille ans
Chansons tous en cet heureux temps


Die Rückseite der Siouxsie & The Banshees - Single * The back side of the single:
Melt / Il Est Né Le Divin Enfant (1982)
7", 45 RPM, Single

Nachdem wir schon mit Gil Elvgren's liebenswerten Pin-ups gefeiert haben,
süße schwarze Soul-Musik aus den 1960ern gehört haben,
können wir also die diesjährigen wunderbaren Feiertage mit meinen großartigen Held*innen Siouxsie & The Banshees beenden.
Himmel auf Erden!
Beinahe perfekt.
♥

So after we celebrated already with Gil Elvgren's lovely Pin-ups,
listened to 196Os sweet black soul music,
we can end this year's wonderful celebrations with my great hero*ines
Siouxsie & The Banshees.
Heaven on Earth!
Nearly perfect.
♥

Magenta wünscht Euch * Magenta wishes you


MERRY EVERYTHING
&
A HAPPY NEW YEAR!


Überblick meines ☆ Overview of my

Merry Xmas Charity Pin-up Calendar 2018


   

I ~ II

III ~ IV

 

V

Es gab auch eine * there also was a
Maxi-Single
Siouxsie & The Banshees: Melt // A Sleeping Rain / Il Est Ne Le Divin Enfant (1982)

Friday, October 9, 2015

Pop & Elend

"Burn down the disco, hang the blessed DJ!
Because the music that they constantly play, it says nothing to me about my life..."
(The Smiths: Panic, 1986).

Es gibt eine Geschichte, wonach die Smiths die Idee zu ihrem Stück "Panic" bekamen, nachdem ein BBC Radio One-DJ nach der Meldung von der atomaren Reaktorkatastrophe in Tschernobyl die Tanznummer "I'm Your Man" der Popgruppe Wham! aufgelegt hat und Smiths-Gitarrist Johnny Marr darauf hin zu Sänger und Textschreiber Morrissey gesagt haben soll:

"What the fuck does this got to do with people's lives? We hear about Chernobyl, then, seconds later, we're expected to jump around to 'I'm Your Man"
Johnny Marr, zit. nach Goddard, Simon: The Smiths: Songs That Saved Your Life, Reynolds & Hern Ltd., 2003, S. 193

Auch wenn die Exaktheit der Überlieferung später in Zweifel gezogen wurde, trifft die Geschichte für mich voll auf den Punkt. Nach einem insgesamt sehr politischen Jahr in diesem Blog ging es hier erst in den letzten Wochen nach langer Zeit überhaupt mal wieder um Musik. Meine diesbezügliche Zurückhaltung hatte Gründe. Angesichts des Schreckens der Kriege in Syrien, Irak und neuerdings auch noch in der Türkei (ich berichte hiervon, mit Schwerpunkt auf Nordsyrien, seit November 2014 laufend in diesem Blog und diese 'Themen' sind seitdem Teil meines täglichen Lebens geworden) sowie der gleichzeitigen widerlichen politischen Entwicklungen (nicht nur) in Deutschland (Pegida & Co., eine zutiefst rassistische staatlich-mediale 'Asyldebatte' gepaart mit Angriffen und Brandanschlägen auf Flüchtlinge und deren Unterkünfte etc.) ist auch mir die Lust und das Interesse am Musikhören und Ausgehen (und mehr noch am darüber schreiben) zwischenzeitlich ehrlich gesagt ein bißchen vergangen (*).

Außerdem lege ich an Musik, über die ich hier berichte, auch textlich und / oder bezüglich der politisch-künstlerisch-ästhetischen Verortung, recht hohe Maßstäbe an, um dieses weite Feld nicht in einem Sumpf der Beliebigkeit und Belanglosigkeit versinken zu lassen, was nicht so meine Art ist. Grundsätzliche und spezielle Gedanken dazu habe ich schon früh und immer wieder geäußert, etwa in meinen Artikeln zur grundsätzlichen Bedeutung von Punk, über das feministische Moskauer Punk-Kollektiv Pussy Riot (beide vom Dezember 2013), zu Popsimonova und Laibach (2014) oder zuletzt im September in meiner The Libertines - Einführung (2015) (eine ausführlichere Linkliste entsprechender Artikel findet sich am Ende dieses Posts). Dabei habe ich ganz unabhängig von den verschiedenen musikalischen Sparten immer versucht, auch einen Zugang zu den Inhalten der Musik zu finden und diese in kleine und größere, persönliche und gesellschaftliche Zusammenhänge zu stellen. Schließlich sollte gute Musik (und jede Art von Kunst) in meinen Augen auch die Welt spiegeln oder reflektieren, in der wir leben.

Umso erfreulicher, dass offensichtlich mittlerweile auch Teile der vielfältigen internationalen Musikszenen aufgewacht sind. Ja, es gibt wieder Musik, die mich berühren kann wie einst die Smiths, weil sie etwas zu sagen hat über mein, unser und anderer Menschen Leben! Daher heute für Euch ein paar aktuelle(re) Beispiele mit Bezug zu den (so tragisch das ist, vielleicht endlich!) auch vor unserer Haustür angekommenen Themen Krieg und Flucht, inklusive drei sehr unterschiedlicher Videos und einem taufrischen, international zusammengestellten Solidaritätssampler aus Österreich.


Elend Macht Pop

"Run for your life!!!"
Aufschrei der Laibach-Sängerin Mina Špiler im Song "Bossanova" (2014)
über ein kapitalistisches Weltsystem mit "the cold-blooded mind of a cannibal"

Über unterdrückte oder notleidende Personengruppen zu singen, denen mensch nicht selbst angehört, ist grundsätzlich niemals unproblematisch, weil es immer die Gefahr der Vereinnahmung oder der Bedienung von Klischees in sich birgt - erinnert sei prototypisch etwa an die "Band Aid" / "Live Aid" - Aktivitäten, zu denen ein kluger Kopf (ich glaube es war der Poptheoretiker Diedrich Diederichsen (Spex)) mit Blick auf Queen zumindest sinngemäß einmal treffend angemerkt hatte: "Gibt es etwas faschistischeres als auf einem Konzert für hungernde Kinder 'We are the champions, no time for losers' zu singen?" (sollte ich das erfunden haben, beantrage ich ab sofort Copyright auf diesen klugen Satz!). Auch der seit 1984 immer wieder neu (zuletzt 2014) mit unzähligen Popstars als Band Aid eingespielte Charity-Klassiker "Do They Know It's Christmas?" von Bob Geldof (Boomtown Rats) und Midge Ure (Ultravox) wimmelt von textlichen Unverschämtheiten ("Here's to you, raise a glass for everyone, here's to them underneath that burning sun"), kultureller Ignoranz ("Do they know it's Christmas?") und politischen Lügen ("Where nothing ever grows, no rain or rivers flow", "Feed the world"). Die anarchistische britische Punk-Pop-Band Chumbawamba hatte der radikalen Dekonstruktion der in solchen – in der subjektiven Intension von den Beteiligten und Spendenden sicherlich gut gemeinten – Hilfsprojekten stehenden, politisch aber fatalen Mythenbildungen einst ein ganzes Album mit dem bösen Titel "Pictures Of Starving Children Sell Records" (1987) gewidmet, welches dann konsequenterweise auch selbst ein solches auf dem Cover hatte, ansonsten aber von schlauen Analysen, reichhaltigen Informationen, sinnvollen Aufrufen und selbstkritischen Gedanken durchzogen war / ist. Es geht also, wie auch viele andere zurückliegende Beispiele der Pop-Geschichte zeigen (das wäre ein extra Thema), auch intelligenter als bei Band Aid, USA for Africa & Co.

Ein gelungenes Beispiel aus deutlich jüngerer Zeit für die Thematisierung der aktuellen Weltlage ist in meinen Augen das slowenische Projekt Laibach mit ihrer letzten Platte "Spectre" (2014), worüber ich letztes Jahr bereits ausführlich berichtet habe. Hier exemplarisch ein Live-Video von dem Song "Bossanova", in dem Laibach-Sänger Milan Fras die Sicht der Herrschenden verkörpert, als sei er selbst eine dieser tödlichen Figuren wie beispielsweise die vom Westen unterstützten Diktatoren General al-Sisi (Ägypten) und Präsident Erdogan (Türkei) oder der von Putins (nicht minder diktatorischem und korruptem) Russland unterstützte Präsident Assad (Syrien) höchstpersönlich:

"I want torture
Arms and corporations
No control, president or parliament
Feed my hunger with poverty
Feed my anger with children (...)
I’m having a good time (...)
Greet your victims with a smile"

... während Sängerin Mina Špiler die Betroffenen warnt und zur Flucht aufruft:

"Run for your lives
Blood is on the hook
Blood is on the hook!"

Der Unterschied zwischen dem Almosen-haften, Realitäten verzerrenden "Feed the world" (Band Aid) zur Benennung kapitalistischer Zusammenhänge ("Feed my hunger with poverty", Laibach) ist dabei ein Unterschied ums Ganze: Hunger, Kriege, Armut werden gemacht und sind kein Resultat schlechter klimatischer Bedingungen oder Wetterverhältnisse ("Where nothing ever grows, no rain or rivers flow", Band Aid).

Entsprechend sehen Laibach im Grunde auch nur zwei Auswege: Revolution ("Cut through the system’s rules / Less is more for the fucking fools / If you wanna take the prize / You got a world to fight / Go on ... You’ll need a sharp knife - Don’t wait!" wie es in "No History" vom selben Album heißt) - oder Flucht: "Run for your lives!"

Laibach - Bossanova (Spectre), live from Križanke, Ljubljana, 16.5.2014

Damit kommen wir den Realitäten jedenfalls schon deutlich näher.


Musik über Flüchtlinge

Darüber hinaus habe ich seit den Revolutionen in Tunesien und Ägypten 2011 und insbesondere seit ich mich irgendwann im letzten Jahr endgültig in den (Überlebens-) Kampf der Kurd*innen und deren Revolution in Rojava (Nord-Syrien) verstrickt habe damit begonnen, meinen Blick über die bekannte westliche Popmusik hinaus auszudehnen und auch anderswo nach musikalischen Beschreibungen der Welt zu suchen und dabei Neues zu entdecken.

Über das scheinbar nicht enden wollende Leid der Kurd*innen gibt es schon traditionell und bis heute viele Lieder, sowohl von direkt als auch von mittelbar Betroffenen (etwa Familienangehörige, Verwandte, Freund*innen, in alle Welt verstreute Migrant*innen im Exil etc.) und zwar aus allen Genres der Musik, von kurdischer 'Folklore' über Mainstream-Pop & R&B (etwa die von vielen gehasste, von mir geliebte irakisch-kurdische Sängerin Helly Luv, einst ein Flüchtlingskind, heute eine höchst stylische Diva, die ich Euch schon am Ende eines langen – im Netz aber sehr populären – Artikels von mir vorgestellt habe) bis zu deutschsprachigem HipHop. Beim Stöbern habe ich dann immer mehr gefunden, zumal Musik in den kurdischen Kulturen eine große Rolle spielt.

Besonders bewegt hat mich folgendes Video von Cüneyt Demir (der auch Regie geführt, die Musik und den Text geschrieben hat), in dem gleich 15 (mir zuvor unbekannte) Sänger und Sängerinnen gemeinsam ganz aktuelles kurdisches Leid, aber auch kurdische Hoffnungen besingen. Das Stück heißt "Mirina Sar (Rojava Şengal Kobanê)" ("Mirina Sar" könnte so etwas wie 'Kalter Tod' bedeuten, aber ich bin nicht sicher, denn es ist leider immernoch schwierig, ein brauchbares kurdisches Online-Wörterbuch zu finden. Auch Näheres zu den beteiligten Musiker*innen und Sänger*innen, dem Songtext und dem Video-Projekt war leider schwerlich herauszufinden).

Das Stück und die Bilder beschreiben das Leid der im Irak vor den dschihadistischen Schlächtern des IS ('Islamischer Staat' / besser abwertend: Daesh) ins Sindschar (kurdisch: Şingal oder Şengal)-Gebirge geflohenen Jesid*innen (eine religiöse kurdische Minderheit) und der monatelang von den gleichen IS-Mörderbanden in der nordsyrischen Stadt Kobanê (in der revolutionären, seit 2014 de facto autonomen kurdisch-multiethnischen Region Rojava) belagerten Kurd*innen, aber auch das Elend der Hundertausenden daraus resultierenden Flüchtlinge, die teils nur widerwillig von der angrenzenden Türkei über die Grenze gelassen wurden (siehe dazu auch den kurz zu sehenden imposanten Grenzdurchbruch in Minute 5:10 des Videos, Screenshot unten).

Hintergrund:
Bei der im Video immer wieder zu sehenden Massenflucht vor den IS-Dschihadisten durch das irakische Şengal-Gebirge drohte den vom IS eingekesselten Jesid*innen im Spätsommer 2014 der Hungertod. Sie konnten überhaupt nur durch das beherzte Eingreifen von Kämpfer*innen der syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG und ihrer Schwesterorganisation, der in den westlichen Ländern und der Türkei als 'terroristisch' verbotenen türkisch-kurdischen Arbeiterpartei PKK vor dem Völkermord durch die IS-Dschihadisten gerettet werden, in dem (mit Unterstützung der USA) ein Fluchtkorridor erkämpft wurde, der mindestens 35.000 (von insgesamt 50.000 eingekesselten) Jesid*innen die Flucht nach Syrien ermöglichte.

Die Dschihadisten-Belagerung von Kobanê (in Rojava / Nord-Syrien) war zum Zeitpunkt des Videos noch in ihren dunkelsten Stunden, die Stadt konnte erst Ende Januar 2015 (also erst deutlich nach Veröffentlichung des Videos) von vereinten kurdischen und verbündeten Kräften befreit werden. Im Video sehen wir unter anderem den (erst nach zähen Verhandlungen widerwillig genehmigten) durch die Türkei rollenden Fahrzeugkonvoi irakisch-kurdischer Peschmerga, die Ende Oktober 2014 zur Verstärkung und Unterstützung nach Kobanê kamen (ca. Minute 4:30 - 4:40), aber auch die von den Kurd*innen erbetenen, mit der YPG koordinierten und letztlich hilfreichen Luftangriffe der US-geführten Anti-IS-Koalition auf die damals von den Dschihadisten kontrollierten Teile der Stadt (u. a. zwischen Minute 2:50 und 3:25), die diese (zusammen mit den Dauerbombardierungen der Dschihadisten selbst) allerdings auch weitgehend in einen Trümmerhaufen verwandelt haben. Die im Film zu sehenden Opfer und Verletzten haben übrigens nichts mit den Luftangriffen zu tun, sondern gehen wie die im Şengal-Gebirge Hungernden auf das Konto der IS-Terroristen. Hunderttausende Kurd*innen aus allen Teilen des damals komplett von den Dschihadisten kontrollierten kurdischen Kantons Kobanê (seit Sommer diesen Jahres endlich weitgehend befreit) mussten zur angrenzenden türkischen Grenze fliehen (ebenfalls immer wieder im Bild), wo es durch Stacheldrahtzäune und Tränengaseinsätze des türkischen Militärs zu weiteren Verletzungen kam [über all diese traumatischen Ereignisse, aber auch über die hoffnungsvollen Ansätze, die sich nach der Befreiung in diesem Jahr in Kobanê und Rojava entwickelt haben, habe ich seit November 2014 ausführlich berichtet (unten findet sich eine Auswahl an Blogartikeln zu diesen Themen)].

Herbst 2014: Kurd*innen durchbrechen einen türkischen Grenzzaun
(noch beeindruckender in Bewegung, siehe Video ca. in Minute 5:10),
aus dem Musikvideo zu Cüneyt Demirs: Mirina Sar Rojava Şengal Kobanê (Nov. 2014)
Screenshot by STYLE! IT! TAKES! Blog Berlin



CÜNEYT DEMİR
Mirina Sar (Rojava Şengal Kobanê)
(November 2014)

Gotîn û Mûzîk (Text & Musik / Words & Music): Cüneyt Demir
Yönetmen (Regisseur / Director): Cüneyt Demir
https://www.youtube.com/watch?v=da7OAYsYR2w

Auch dieses mich sehr berührende Video kann das reale Leid natürlich nicht wirklich wiedergeben, ich glaube, es will es auch gar nicht (sonst würde ich das Video hier übrigens gar nicht posten, weil der reale Krieg so brutal ist, dass ich mir die Bilder davon nicht ansehen kann und sie auch anderen nicht zumuten will, die nicht ausdrücklich ihr Einverständnis gegeben haben oder darauf bestehen). Ich glaube, es geht darum zu zeigen, dass andere Menschen – nicht nur in und aus Kurdistan – zutiefst mit den Betroffenen mitfühlen. Und das wird mehr als deutlich und damit sprechen die mir vollkommen unbekannten Sänger*innen auch für mich und mein seit mehr als einem Jahr zutiefst empfundendes Leid (nicht Mitleid, Leid!) und meine (oft hilflose) Solidarität. Abgesehen davon finde ich das Lied, die schöne Mischung aus traditionellen und modernen (E-Gitarre etc.) Elementen bestehende Musik, die empathischen Gesichter und beeindruckenden Stimmen der Sänger*innen und die zu hörende kurdische Sprache wunderschön. Es macht mir Mut. Was meint Ihr?


Musik für Flüchtlinge

"Speechless."
Popsimonova 2015

Crisis Music - An international digital compilation assembled to help the refugees in need
Flüchtlings-Soli-Sampler (online seit Montag, 5. Oktober 2015)


All the proceeds from downloads will go to
Happy.thankyou.moreplease / www.thankyoumoreplease.at
donate + download at
http://crisismusicmmxv.bandcamp.com/releases

Solche fast schon authentischen musikalischen und visuellen Beschreibungen machen klassische Formen der Solidaritätsarbeit aber keinesfalls überflüssig oder hinfällig. Im Gegenteil: ich finde es etwa höchst erfreulich, dass sich über den letzten Winter nicht unbedeutende Teile der Musik- und Clubszene (nicht nur in Berlin) zu einem Projekt wie "Nachtleben für Rojava" zusammen getan haben (Spenden und meine laufende Berichterstattung sind Teil des Beitrages vom STYLE! IT! TAKES! Projekt) oder auf Festivals wie der "Fusion" im Sommer an jeder Ecke Spenden für Rojava gesammelt wurden. Beides ging (und geht) ganz direkt an die Menschen vor Ort, ohne Bevormundung durch 'westliche' Hilfsorganisationen und im Sinne von praktischer, basisdemokratischer Solidarität im Sinne der Selbstbestimmung.

Die Zahl der Soli-Projekte für Refugees allein in Berlin könnte ich noch nicht einmal mehr zählen, geschweige denn aufzählen. Sogar die in solchen Dingen traditionell leider recht untätige schwarze Gothic-Szene scheint langsam aus dem jahrelangen Dornröschenschlaf aufgewacht zu sein. Bei der vom notorischen 'Nazi-Wellen-Gotik-Treffen' unabhängigen, großartigen "Gothic Pogo Party" an Pfingsten in Leipzig waren im Werk II die "Refugees Welcome"-Screenings nicht zu übersehen (vom entsprechend angenehmen Publikum abgesehen) und kürzlich veranstaltete die umtriebige Berliner DJ TerrorWave eine Refugee-Soliparty im SUBVERSIV e.V. (Mitte). Das ist großartig!

Ein weiterer musikalischer Beitrag zur Flüchtlingssolidarität aus dieser musikalischen Richtung kommt nun auch frisch aus Österreichs Underground eingeflogen. Besonders gefreut (wenn auch nicht überrascht) hat mich, dass meine Freundin, die kroatische Electro-Diva und Queen of Cold Electro, Popsimonova (bekannt aus diesem Blog und live auch von zwei unserer STYLE! IT! TAKES! Events) sich an dem Projekt beteiligt hat und es allen anderen Beteiligten voran auf für sie ungewöhnliche, aber passende und gewohnt stylische Art eröffnet: 'Sprachlos'. Schließlich gehört ihre markante Stimme sonst zu den Charakteristika ihrer düsteren-treibenden, elektronischen Musik. Mutig und einfach großartig!

Die vielfältige, offensichtlich sorgsam ausgewählte Musik möchte ich hier insgesamt trotzdem gar nicht im einzelnen besprechen, dazu ist die Compilation auch noch zu neu für mich und auch für mich gibt es da noch vieles zu entdecken. Hört sie Euch einfach selbst an (Player oben). Und vergesst bitte die beabsichtigte (wenn auch ggf. nur symbolische) Spende nicht, um die geht es ja schließlich! Das Geld geht dann an eine rührige kleine österreichische Initiative für Flüchtlinge in Traiskirchen bei Wien mit dem smarten Namen "happy. thank you. more please!!", was für uns nicht-österreichischen Spender*innen aber egal sein sollte, schließlich spielt es letztlich keine Rolle, wo Flüchtlinge ein neues zu Hause finden, sondern ob sie, dort wo sie 'gelandet' sind oder gar hinwollten, ein menschenwürdiges neues zu Hause finden, und darum bemüht sich diese Initiative wie so viele anderen auch. :-) Denn:

"It's the spirit that counts, isn't it?"
Punk / Hardcore-Sänger und Autor Lee Hollis
(Spermbirds / Walter Elf / Steakknife / Zap magazine etc.)

Ganz in diesem Sinne möchte ich Euch den kleinen Begleittext zum Traiskirchener Sampler nicht vorenthalten, der dazu aufruft, sich selbst zu informieren (meiner Meinung nach am besten vor Ort, im Gespräch mit den Betroffenen selbst), anstatt sich von manchmal manipulativen Medien informieren zu lassen, einen Schwerpunkt auf das kritische Bewusstsein legt und sich gleichzeitig konsequenterweise explizit gegen Verschwörungstheorien wendet. Der Text plädiert dafür zu akzeptieren, dass die Welt heute ein riesiges Durcheinander ist (ein "Ball of Confusion", was eine kundige popkulturelle Anspielung und Referenz der sympathischen Macher*innen ist, auf die ich ein anderes Mal noch einmal zurückkommen möchte *note to self*), aber letztlich alles gut gehen wird, wenn wir es nur versuchen und die Welt selbst gestalten. Wow!


EDUCATE YOURSELF ABOUT THE REFUGEE CRISIS!
STAY RATIONAL AND CONTRIBUTE FOR A NOBLE CAUSE.

Avoid the media sources that abuse and misuse information in order to cause mayhem. It may not be easy though, as there are traps to easily fall into by believing what's on the surface. Have an objective opinion, free of paranoia and unnecessary conspiracy theories.

Ball of confusion, that's what the world is today - and that's what the world will sadly be tomorrow.. and the day after.

But things have a habit of working out - as long as we try and make them.


Da kann ich auch nur noch in Richtung der Traiskirchener Aktivist*innen,
Crisis Music-Macher*innen und internationalen Künstler*innen winken und sagen:
yes! happy. thank you. more please!!

OUT NOW // Crisis Music // http://crisismusicmmxv.bandcamp.com


Musik von Flüchtlingen

"Let’s make some noise / When kingdoms fall / And dance to the rhythm / Of a devil’s call / We know what we want / We’ve been there before / When we get there again / We will stop no more"
Laibach - "Eat Liver!" (2014)


Willkommen, Khebez Dawle (Indie-Rock-Band aus Damascus, Syrien)!
https://soundcloud.com/khebezdawle
http://facebook.com/khebez.dawle

Und schließlich, wenn wir von Musik und Flüchtlingen sprechen: sie sind da, vor unserer Haustüre! Also raus mit uns vor eben diese, wir brauchen nichts als unsere Neugier (und vielleicht ein paar helfende Hände). Verletzte sind unter ihnen, Alte, Mütter, Kinder, Familien, junge Frauen und Männer, und ja, auch Musiker*innen. So wie die 2010 in Damascus gegründete syrische Rock-Band Khebez Dawle (übersetzt: Regierungsbrot oder Staatsbrot), die sich in diesem kurzen Video bei einem Live-Konzert in Zagreb (Kroatien) mit folgenden schlichten, entwaffnenden Worten vorstellt:

"Hello, Zagreb. We are five musicians, five Syrian musicians. We came from a beautiful country that is governed and controlled by war criminals."

Nachdem ihr Schlagzeuger getötet wurde, machten sie sich wie Tausende andere auch in einem Flüchtlingsboot in Richtung der berühmten griechischen Insel mit dem sympathischen Namen "Lesbos". Dort angekommen, erzählt der Sänger, haben sie die Badegäste damit überrascht, ihnen ihre CD's zu schenken:

"So it was surreal for us and for them [tourists on the beach] and we wanted to make it more surreal, so we whipped out these copies of the CDs from the bags and we started distributing the CDs on the beach."

Das sind nicht mehr die von westlichen Popstars zu 'fütternden' afrikanischen Babies, das sind Subjekte, die ein menschenwürdiges Leben wollen wie jeder andere Mensch auch. Lasst sie uns unterstützen und willkommen heißen!

Heute, nach längerer Zeit, freue ich mich mal wieder so richtig!

Danke an alle Beteiligten, Aktiven, Leser*innen!
xxx
Magenta
♥


(*) Politisch waren im bisherigen, für mich irgendwie schönen Bloggerinnen-Jahr nicht nur meine ausführliche Berichterstattung zu Kurdistan in all seinen Facetten, sondern auch mehrere Artikel zu feministischen Themen im Frühjahr (♀ ♀ ♀♀) sowie zum 1. Mai. Auf Pegida und ähnlichen Dreck bin ich nur einmal im Februar eingegangen (mehr wird es für diese Volltrottel auch nimmermehr geben!), und das auch nur, weil Toyah Diebel ein so lustiges Video dazu gemacht hat und mir dazu noch was sinnvolles (im Nachhinein fast schon prophetisches) zum Refugee-Thema eingefallen war (und zur Fashion Week, zu Heiratsanträgen, Gästelisten und zu Herzpizzas für Toyah ^.^). Und ja, Fashion gab's auch, aber die muss ein bißchen (manchmal zwischen den anderen Posts, manchmal in den meist trotz alledem wie üblich hübschen Bildern, manchmal auch zwischen den Zeilen) gesucht werden (dafür umso glamouröser, siehe z. B. die den herrlichen Sommer vorwegnehmende Wassermelonen-Clutch, zauberhafte Hochzeitskleider, die wundervolle Vilorija-Sommerkollektion und allerlei mehr). Denn dann kam der Sommer! *come back!!!* Und mit ihm auch Blumen und die Musik! Die perfekt zu diesem wunderschönen Sommer passenden, fröhlich-ironischen 'Sommerhits' von Sonnenbrandt (in meinem Post zum Weißen See) haben das musikalische Eis gebrochen, und so habe ich im August das auch genderpolitisch spannende neue Video von Zarkoff und im September dann die ebenfalls immer wieder sehr politischen The Libertines 'vorgestellt' und damit die Fühler – für mich selbst höchst überraschend – wieder in Richtung Musik ausgestreckt. Puah. (und das ist noch keinesfalls ein Jahresrückblick, ich bin noch lange nicht fertig!) (^.^) Meooouwwww. ♥


Kleine Blog-Auswahl zu Rojava / Syrien / Kurdistan (inkl. Irak & Türkei):
Das Letzte Massaker der Dschihadisten (Juni 2015)
Befreiung & Wiederaufbau der Stadt Kobanê (Febr. 2015)
The Politics of the Future (deutsche Version) (Jan. 2015)
Hintergrundartikel zum kurdischen Kampf um Befreiung
[all Kurdistan / Syria / Iraq / Turkey related articles are completely translated by me into English]

Kleine Blog-Auswahl zum Thema Musik:
Time for Heroes! THE LIBERTINES @ Lollapalooza Festival (September 2015)
(deutsch w English lyrics & quotes)
ANITA performing a straitjacket by Schrüppe McIntosh to PATOKAI live (Juli 2014) (deutsch & English)
A new dawn with LAIBACH (April 2014) (deutsch, w English lyrics & quotes)
POPSIMONOVA conquers Europe (März 2014) (English)
Willkommen zurück, PUSSY RIOT! (Dezember 2013) (deutsch)
Re-Thinking PUNK! (Dezember 2013) (English)
Stylish records by POPSIMONOVA & ZARKOFF (Juli 2012) (deutsch, partly in English)
ANIKA: No One's There (Juni 2012) (deutsch & English)

Monday, September 21, 2015

Nacht über Tempelhof: Libertines, Refugees, Katie & Lolla

THE LIBERTINES 12. Sept. 2015 live @Lollapalooza Festival, Berlin-Tempelhof
Photo by Clemens Bilan (Lollapalooza Official)


Regenwolken aus England

"I am the rain, who's held in disdain
The truth is I'm ruthless, I can't be contained
Up in the sky, we've demand to supply
I am necessity, base of the recipe
I am the rain, am the rain"
PETER DOHERTY - I Am The Rain (2009)

Kurzzeitig schien es so, als sei der Auftritt der THE LIBERTINES beim Berliner Lollapalooza-Festival in Frage gestellt, nachdem direkt davor die Konzerte in London (Camden) und Manchester (Ritz) am 10. bzw. 11. September wegen gesundheitlichen Problemen von Peter Doherty ("medical situation" im offiziellen Statement) kurzfristig abgesagt wurden, darunter immerhin das offizielle Release-Konzert des ersten Libertines-Albums seit elf Jahren, "Anthems For Doomed Youth", im Londoner Electric Ballroom (zur Absage siehe auch den New Musical Express), was – auch wenn betont wurde, es handele sich nur um eine Vorsichtsmaßnahme – angesichts der bekannten Drogenprobleme von Doherty durchaus Schlimmstes befürchten ließ.
In London ließ man die Fans bis kurz vor Mitternacht warten, bevor die Absage kam (vermutlich wurde noch alles versucht; oder wollte man einen Riot provozieren? ^.^) und eine von Bierbechern übersäte Bühne und teils verärgerte, größtenteils jedoch verständnisvolle Fans hinterließ (die Konzerte werden natürlich nachgeholt). In den Fan-Foren vertraten erfreulich viele den Standpunkt "Fuck the gigs, health comes first!", was mir die Crowd gleich sympathisch machte.

Da ich fast ausschließlich wegen den Libertines auf das Lollapalooza-Festival wollte (was im Unterschied zu den Auftritten in UK ja auch nicht nachzuholen gewesen wäre) und schon seit Wochen im Freudestaumel war, war ich allerdings gelinde gesagt nicht unbedingt erpicht darauf, jetzt Zeugin eines jener legendären, in einer Absage oder im Chaos endenden Libertines-Konzerte zu werden, auch wenn ich das (zumindest wenn es nicht um die Gesundheit geht) prinzipiell ziemlich lustig finde und für mich einfach zur Band, zum Punk und zum echten Leben gehört...


Horrorshow

Aber es ist alles gut gegangen, und während Heerscharen der den Samstag deutlich dominierenden 'Deichkind-Fraktion' bereits anfingen, feiernd und glücklich das Festivalgelände vor dem alten Flughafen Tempelhof zu verlassen, betraten – nach der üblichen Einleitung mit Vera Lynn's weltberühmtem "We'll Meet Again" (1939) – die vier Libertines als letzter Live-Act des ersten Tages die vergleichsweise 'kleine' Alternative Stage (mit ohne Videoleinwänden und auch von Seiten der Band unter Verzicht auf jegliches Spektakel, wenn wir von dem schicken roten Banner mit der Riot-Police vom Cover ihrer ersten Platte "Up The Bracket" absehen) und es zeigte sich von den ersten Sekunden an, dass Peter Doherty sich gut erholt hatte und es der Band weder an Energie noch an der nötigen Aggression fehlte: kaum auf der Bühne, kickte Doherty zu den ersten Takten von "Horrorshow" mit einem beherzten Schuss einen Bierbecher zurück ins Publikum, kurz darauf trat er seinen Mikrophonständer um, da wusste ich sofort: es kann losgehen, das wird gut! Und so war es dann auch:

THE LIBERTINES "Horrorshow", 12. Sept. 2015 live @Lollapalooza Festival, Berlin-Tempelhof
Video from YouTube-Channel kronosprojekt
Turn up loud!

Da ich mit einer schwangeren Freundin unterwegs war, positionierten wir uns anfangs an einem sicheren 'Ehrenplatz' in der Mitte (in etwa die Sicht des gerade gesehenen Videos; herzlichen Dank nochmal an die Frauen von der Security dort!), aber mich hielt schnell nichts mehr und ich musste dringendst nach vorne. Da das Interesse an den Libertines vergleichsweise gering war (kein Wunder, da das Line-Up mit 'Headlinern' wie Deichkind, Seeed etc. oder den parallel zu den Libertines auftretenden Macklemore & Ryan Lewis und Fatboy Slim ja in eine ganz andere Richtung ging und die Libertines da eigentlich nicht so gut reinpassten), war es auch kein Problem ratzfatz nach ganz vorne zu kommen, um solche Doherty-typischen Diven-Szenen nicht mehr aus der Nahsicht zu verpassen. Für mich war es keine Frage, dass ich mich auf der linken Seite durchschlängeln würde, bis ich dann in lustiger Gesellschaft etwas links von Doherty (fast front row) ankam. Also nochmal "Horrorshow", diesmal mit Direktsicht auf Pete und die Mikrophon-Attacke (^.^) (interessant auch, wie unterschiedlich der Eindruck über zwei verschiedene Filmpositionen und klangliche Aufnahmequalitäten ist):

THE LIBERTINES "Horrorshow", 12. Sept. 2015 live @Lollapalooza Festival, Berlin-Tempelhof
Video from the YouTube-Channel Radio M
Turn up loud!

Dohertys etwaiger Unmut über den anfangs tatsächlich noch suboptimal abgemischten Gesang wurde auf alle Fälle schnell erhört, denn mit dem Sound gab es danach zumindest in den vorderen Reihen nix mehr zu meckern (außer dass es, wie Musik heutzutage so oft, zu leise war!!! *lach*)! Doch auch von Besucher*innen gab es Beschwerden über den Sound, wobei ich vermute, dass dies vor allem in den Reihen weiter hinten auch damit zusammenhing, dass dort ständig der Macklemore & Ryan Lewis-Auftritt störend herüberwehte, oder wie es jemand auf Facebook böse ausdrückte: "Libertines? Das war das Konzert mit dem Sound von Macklewieheißternoch auf der Main Stage, oder?" Ich hab das da vorne nicht mehr gehört. ;-) (^.^)

Und da Doherty das eigentlich sowieso fast immer macht, ist das wohl auch weniger eine Frage der 'individuellen Schuld der Mikrophone'... denn mit Mikrophonen, Kabeln und Technik stand die Band ja schon immer auf Kriegsfuß... während das Publikum – soviel sei schon vorweggenommen – die faulen Hintern auch schon einmal mehr dazu bewegt hatte als in Berlin... Daher "Horrorshow", die Dritte (nein, das ist nicht 1977, das ist von 2002!!!):

THE LIBERTINES "Horrorshow", Live at the Rhythm Factory, London, X'mas 2002.
Video via the YouTube-Channel of vanessa4886
Turn up loud!


The Good Old Days

"But if you've lost your faith in love and music the end wont be long
Because if its gone for you then i too may lose it and that would be wrong"
THE LIBERTINES - The Good Old Days (2002)

Nein, es war alles andere als eine Horrorshow. Aber eine Band, deren gesamte Geschichte vor der Reunion 2010, also von der Gründung 1997 bis zur (inoffiziellen) Auflösung 2004 auf Wikipedia charmanterweise in den beiden Kapiteln "Der Abstieg" und "Das Ende" zusammengefasst wird (ich hatte mich darüber schon in meiner Band-Vorstellung lustig gemacht) darf ihre Konzerte auch mit einem Song namens "Horrorshow" beginnen – und macht dies übrigens schon das ganze Jahr über. Und wie grandios die Band auch in dieser Berliner Nacht war, kommt gerade auch in einem soundtechnisch weniger perfekten Video zur Geltung, der wunderschön gedreht ist und das Kamera-Mikrophon von Filmer Mikey Clay fast zum Bersten brachte. Die 'Lolla'-Version von "The Good Old Days", meines Erachtens eines der besten Lieder der Gruppe, in einer atemberaubenden Version (hier wurde dann auch fleissig mitgesungen, aber es war auch schon das letzte Stück vor den Zugaben): Hören und sehen wir selbst, was Peter Doherty – noch Anfang des Jahres in einer Reha-Klinik in Thailand – zum Thema und zu seinem Zustand zu sagen hat, gepaart mit den besten 'Gitarrensolos', die ich seit den Butthole Surfers (einer der wenigen Bands, der ich überhaupt erlaube, Gitarrensolos zu spielen) gehört habe (zweimal nicht länger als ca. 20 Sekunden, das muss so!!!):

"Tried so hard to keep myself from falling
Back into my bad old ways
And it chars my heart to always hear you calling
Calling for the good old days
Cos there were no good old days
These are the good old days!"

THE LIBERTINES "The Good Old Days", 12. Sept. 2015 live @Lollapalooza Festival, Berlin-Tempelhof
filmed by YouTube-Channel MikeyClay who just has the right spirit:
"I sometimes wish I could bring a proper camera to gigs, but on the other hand it's great not having to worry too much about equipment and just being able to enjoy the gig. And this little camera might be old and battered, but it still does a good job."
Thanx so much, Mikey, this is amazing!!!
Love it!
♥

... denn:

"And its not about, tenements and needles
And all the evils in their eyes and the backs of their minds
Daisy chains and school yard games
A list of things we said we'd do tomorrow
List of things we said we'd do tomorrow!"

Auch das nochmal, diesmal in einer sehr 'sauberen' Version, professionell gefilmt vom französischen Fernsehen auf dem Rock en Seine-Festival zwei Wochen vorher, weil in diesen Aufnahmen endlich mal der geniale Drummer Gary Powell (von dem wir ohne Kameras und Leinwände ja leider fast nur akkustisch etwas mitbekommen) in Aktion zu sehen ist (wie auch der sich in seiner notorischen "Ich-bin-garnicht-da"-Attitüde dermaßen zurück haltende, tolle Bassist John Hassal, dessen 'britisches Understatement' so cool ist, dass ich immer Angst habe, er würde plötzlich im Bühnenboden versinken und nie mehr zurückkommen ^.^) und um zu verdeutlichen, wie 'dreckig' das Berlin-Konzert eigentlich im positivsten Sinne des Wortes war:

THE LIBERTINES "The Good Old Days", 29. Aug. 2015 live @Rock en Seine Festival, Saint-Cloud, France
Turn up loud!


THE LIBERTINES live @Rock en Seine (29. Aug. 2015)

Da keine der für die selbsternannte 'Kulturhauptstadt' Berlin peinlich wenigen bekannt gewordenen Aufnahmen des Berliner Konzertes (ich habe extra noch ein bißchen abgewartet, es scheint keinen Zuwachs mehr zu geben) auch nur im Geringsten an die Qualität herankommt, die das französische Fernsehen nur zwei Wochen vorher gemacht hat, und die Band dort ebenfalls einen wunderbaren Auftritt (vor deutlich größerem und fröhlicherem Publikum) gespielt hat, hier das Video vom kompletten Konzert dort, das eine musikalisch-klanglich-optische Freude und insgesamt sicherlich besser in der Lage zu transportieren ist, wie gut die Band tatsächlich immernoch bzw. gerade ist (die Setlist ist übrigens mit kleineren Abweichungen weitgehend ähnlich zum Auftritt beim Lollapalooza-Festival):

THE LIBERTINES live, 29. Aug. 2015 @Rock en Seine Festival, Parc de Saint-Cloud, France

0:00 We'll Meet Again
(Vera Lynn song)
1:40 - Horrorshow
4:55 - Vertigo
8:00 - The Delaney
10:40 - Can't Stand Me Now
14:35 - Time For Heroes
17:17 - Fame And Fortune
21:05 - Music When the Lights Go Out
25:20 - Begging
28:23 - What Katie Did
32:50 - Gunga Din
36:45 - Boys in the Band
41:05 - The Ha Ha Wall
44:38 - The Last Post on The Bugle
47:24 - Death on The Stairs
52:30 - Tell the King
55:55 - Anthem for Doomed Youth
1:01:55 - The Good Old Days
Encore
1:09:55 - Barbarians
1:13:25 - Up The Bracket
1:18:40 - France
1:21:02 - I Get Along
1:25:30 - Don't Look Back Into the Sun



♥ Welcome To The Free World! ♥

Peter Doherty, 12. Sept. 2015 @Lollapalooza Festival, Berlin-Tempelhof
Photo © by pitpony.photography (CC-BY-SA-3.0) pitponyphotography (Facebook)

Zwischen diesen beiden Eckpunkten des regulären Berliner Sets, dem fulminanten Einstieg mit "Horrowshow" und dem bombastischen "The Good Old Days" als Abschluss vor den Zugaben, fehlte es wahrlich nicht an weiteren Höhepunkten. Ganz besonders gefreut hat mich, dass die Band das schon recht früh gespielte Stück "Music When The Lights Go Out" (eigentlich eine Art Liebeslied) zu einer kurzen Begrüßung der Refugees nutzte und den so umgewidmeten Song dann mit dem nicht unklugen Zwischenruf ergänzte: "Hallo everyone, welcome to the free world!" (letzteres ist auch in einem Handy-Video festgehalten (0:26), das allerdings aufgrund der Aufnahmequalität wirklich keine Freude ist). Schon vorher wurde bekannt, dass die Band Tourerlöse an die Flüchtlingshilfsorganisation MOAS (Migrant Offshore Aid Station) (siehe dazu auch meinen letzten Libertines-Post) spenden will (auch Deichkind positionierten sich an diesem Abend übrigens erfreulich deutlich mit "Refugees Welcome"-Outfits). Fein! :-)

Ansonsten war die Band nicht so gesprächig oder gar zu Scherzen aufgelegt wie auf anderen Festivals gesehen (besonders augenfällig beim Rock en Seine-Auftritt, wo Peter Doherty – wie vor allem im Zugabenblock des Konzertvideos oben zu sehen – gar nicht genug von seinen (pseudo-)französischen Scherzchen und zwischen die Songs geschobenen 'Ständchen' bekommen konnte), aber für eine kurze augenzwinkernde deutschsprachige Ansage von Peter hat es gereicht, der uns irgendwann mal als "Lieblinge" und / oder "Schätzchen" ansprach (oh mein Gedächtnis!). Vielleicht war man zunächst tatsächlich nicht ganz so gut gelaunt (bandinterner Streit lag wohl schon in England in der Luft), was aber auch über das lange Zeit ziemlich steife und wenig kommunikative Berliner Publikum zu erklären wäre, denn je mehr mitgegangen wurde, umso ausgelassener wurde auch die Band (siehe den nächsten Abschnitt und vor allem die Videos zum Konzertende ganz unten).


Is Katie a better girl than you?

Carl Barâts Gesichtsausdrücke während "What Katie Did"...
THE LIBERTINES live, 12. Sept. 2015 @Lollapalooza Festival, Berlin-Tempelhof
Screenshots taken by STYLE! IT! TAKES! Blog Berlin from the YouTube-video filmed by MikeyClay

Wie gut sich auch die neuen Stücke in das Set einfügen, wurde in einem schönen, etwa in der Mitte des regulären Berliner Konzertes liegenden, etwas 'ruhigeren' Block deutlich, als der von Carl Barât gesungene, lustige Band-Klassiker "What Katie Did" (was das Mitsingen angeht, der absolute Publikumsrenner in Berlin, auch das hat Mikey Clay als Filmchen festgehalten) in einem wunderschönen Übergang perfekt in die im Juli erschienene, sehr persönliche, selbstkritisch-optimistische Single "Gunga Din" überging (dessen Zeile "You're a better man than I" auch literarisch-antikoloniale Referenzen enthält, aber das würde für heute zu weit führen...).
Auch dazu wurde immerhin (zumindest ein bißchen) mitgesungen, was Konzertbesucherin Mia Lia aufgenommen hat:

THE LIBERTINES "Gunga Din", 12. Sept. 2015 live @Lollapalooza Festival, Berlin-Tempelhof
Video filmed by YouTube-Channel Mia Lina


"Woke up again to my chagrin
Getting sick and tired of feeling sick and tired again
I tried to write, because I got the right
To make it look as if I'm doing something with my life
Got to find a vein, it's always the same
And a drink to ease the panic and the suffering
I woke up again
Dreamt of Gunga Din

Oh, the road is long
If you stay strong
You're a better man than I
You've been beaten and flayed
Probably betrayed
You're a better man than I


Woke up again to my evil twin
The mirror is fucking ugly and I'm sick and tired of looking at him
Been up all night, I'll probably pick a fight
'Coz I can't help it, I'm bastard in the morning
So I try to write, I think I have the right
A little drink-y now and then to help me just to see the light
Just another day, it feels like nothing's changed
Oh fuck it, oh here I go again...


Oh what are you doing, you stupid fucking idiot?
Wake up!
Hey!"

... und Peter Dohertys typische unsicher-fragende-oder-vorwurfsvoll-strafende-ja-was-eigentlich-Blicke in Richtung Carl... ;-)
THE LIBERTINES live during "Last Post on the Bugle", 12. Sept. 2015 @Lollapalooza Festival, Berlin-Tempelhof
From the video by Mikey Clay, screenshot by STYLE! IT! TAKES! Blog Berlin


Time For Heroes

"Did you see the stylish kids in the riot?"

A young 'Libertinista' dancing on top of the crowd @Reading Festival 2015, England
Screenshot by STYLE! IT! TAKES! Blog Berlin

Noch ein Szenenwechsel: um uns nicht unnötigerweise auf mehr oder weniger private Aufnahmen aus Berlin zu beschränken, und auch um zu zeigen, wie ein Festival-Auftritt der Libertines auch aussehen kann, springen wir mal kurz zum Reading-Festival. "Time For Heroes", noch so ein Lieblingslied von mir, haben sie natürlich auch auf dem Lollapalooza-Festival gespielt und es war keinen Deut schlechter, eher noch besser. Aber schauen wir uns doch dazu mal die englische Party-Crowd in diesem zweiten (in diesem Fall von der BBC gedrehten) kompletten Konzert-Mitschnitt an (falls folgende direkte Vorspul-Links nicht funktionieren sollten, bitte einfach manuell zu "Time For Heroes" in Minute 17:35 vorspringen, direkt im Anschluss folgt dort eine schöne Version des in Berlin den Refugees gewidmeten "Music When The Lights Go Out"):


THE LIBERTINES live @Reading Festival (2015)

THE LIBERTINES live @Reading Festival 2015 (full concert by BBC)

2:12 Horrorshow 5:24 Vertigo 8:25 The Delaney 11:00 Can't Stand Me Now 14:53 Campaign Of Hate 17:35 Time For Heroes 21:15 Music When The Lights Go Out 24:37 Gary Drum Solo - Begging 28:43 What Katie Did 33:08 Gunga Din 36:00 The Boys in The Band 40:24 The Ha Ha Wall 43:42 You're My Waterloo 48:54 The Last Post On The Bugle 51:36 Death On The Stairs 56:22 Tell The King 1:00:02 Anthem For Doomed Youth 1:04:45 The Good Old Days 1:11:43 Fame And Fortune 1:14:41 Up The Bracket 1:17:36 What A Waster 1:20:36 Don't Look Back Into The Sun 1:25:00 I Get Along




Red flames & skies over Reading Festival during "Time For Heroes" by THE LIBERTINES
Screenshots from the BBC concert movie by STYLE! IT! TAKES! Blog Berlin


Cheers! A 'Libertinista' making party @Reading Festival 2015
Collage of screenshots by STYLE! IT! TAKES! Blog Berlin


Barbarians - Anthems For Doomed Berlin Youth

"Nowhere in the institutions
Did they teach that revolution
Was something that could ever come to pass
Oh we tried one, once before
Was the king's head on the floor
And we got booted out the boozer
Cause someone smashed the glass"
THE LIBERTINES - Anthem For Doomed Youth (2015)

Peter Doherty & Carl Barât from THE LIBERTINES, 12. Sept. 2015 live @Lollapalooza Festival, Berlin-Tempelhof
Photo © by pitpony.photography (pitponyphotography (Facebook)) (CC-BY-SA-3.0)

THE LIBERTINES "Last Post On The Bugle", 12. Sept. 2015 live @Lollapalooza Festival, Berlin-Tempelhof
Video filmed by YouTube-Channel MikeyClay

Das Argument, in Reading seien ja auch viel mehr Leute gewesen, lasse ich übrigens nicht gelten: auch beim Berliner Festival waren Zehntausende, von denen sich eben nur ein Bruchteil überhaupt für das Konzert interessiert hat. Und Stimmung ist auch keine Frage der Masse, wie schon das dritte "Horrorshow"-Video (von 2002) oben gezeigt hat.

Für meinen Geschmack viel zu wenig goutierte Highlights des Berliner Konzertes waren auch das unglaublich aufgedrehte "Last Post On The Bugle" (auch das hat Mikey Clay als beeindruckendes Video mit deutlich überdrehtem Sound festgehalten und weil wir dort mal mehr von Peter Doherty zu sehen bekommen, habe ich es hier oben quasi 'trotzdem' hinterlassen) und "The Ha Ha Wall", zwei meiner – 'nebenberuflichen' Hörer*innen (*Scherz auf meine Kosten*) vielleicht weniger bekannten – Favoriten vom zweiten Album, aber auch das großartige "Barbarians" von der neuen Platte (zu hören in dem phantastischen und äußerst witzigen Zugabenblock des Videos vom Auftritt bei Rock en Seine weiter oben), ein Stück, welches für mich bereits jetzt zu den neuen Klassikern zählt, das wir hoffentlich noch oft live zu hören bekommen:

"This one's for your heart and for your mind
The melodies in 4/4 time
You get it right and it rings true

And now they're coming out in droves
Out of the burrows to the shows
(There's nothing else to do)

All I want is to scream out loud
And have it up with a mental crowd
Cause I believe somehow
The world's fucked but it won't get me down"
THE LIBERTINES - Barbarians (2015)


Don't Look Back Into The Sun

Das eigentliche Manko des Berliner Konzertes war nicht die Band, sondern das insgesamt über weite Strecken lahme Publikum. Nur bei großen Hits wie "Can't Stand Me Now" und gegen Ende tauten die Leute richtig auf (es war derweil tatsächlich auch kühl und windig geworden), das war ein bißchen schade. Eine wirkliche Party, ein fröhlicher Riot, wie auf den Festivals in Frankreich oder England, kam so nicht zustande, wobei Ausnahmen natürlich die Regel bestätigen. In meinem Umfeld waren es zum Beispiel meine lustigen Tanz-Nachbarinnen, die wirkliche Party-Laune verbreitet haben, sich ihre reingeschmuggelten eleganten Weingläser aus Glas (!) vollschütteten und so Subversion, Style & Party springend und hüpfend verbunden haben...
Und zu guter Letzt kam auch die restliche Berliner Crowd noch in Bewegung, und dann wurde doch noch richtig abgetanzt und gesungen:

THE LIBERTINES "Don't Look Back Into The Sun", 12. Sept. 2015 live @Lollapalooza Festival, Berlin-Tempelhof
from the YouTube-Channel of Eduard Ilie
Turn up loud!

Eine teils schärfere und klanglich sogar bessere Aufnahme, die auch das schöne Intro und den Schluss enthält, hat Mia Lina gemacht, aber wegen ihres ungünstigeren Kamerawinkels und da ich schon einen Video von ihr gepostet habe, habe ich mich schließlich für den obigen entschieden, auch weil dort das hüpfende und mitsingende Publikum besser raus kommt. Ihre Version ist hier:

... und dann, als quasi alles vorbei war, Unmengen von Gitarrenplektren, Drumsticks & eine für eine bloß vierköpfige Band exorbitant große Anzahl von Setlists ins Publikum geworfen wurde, die Band sich mit ihren fast schon zum Markenzeichen gewordenen albernen bunten Bad-Taste-Sonnenbrillen und Arm in Arm strahlend und lachend verabschiedete (begleitet von Peters abschließenden Attacken auf alles, was sich für einen Mikrophonständer hält und den üblichen Abschieds-Scherzchen von Gary Powell) war dann doch noch zu hören, worauf ich das ganze Konzert über weitgehend vergeblich gewartet hatte:

♥ Hysterie! Kreisch! Yeah!!! ♥

"the last moments of the libertines' performance at lollapalooza berlin"
THE LIBERTINES, 12. Sept. 2015 @Lollapalooza Festival, Berlin-Tempelhof
from the YouTube-Channel of deevuch
(^.^) Turn up very loud! (^.^)


Balloons & Ballerinas

Mönsch, Börliners, geht doch!!! (^.^) Warum braucht ihr denn so lange, um aufzutauen? Auch wenn auf dem 'Lolla-Dingens-Festival' (wie es schnell scherzhaft genannt wurde) zumindest beim Libertines-Auftritt kein fröhliches Meer aus fliegenden Luftballons zu sehen war wie beim Rock en Seine-Festival (in Berlin hat es nur für einen überdimensionalen Fußball gereicht, der dann wenigstens auch mal auf die Bühne hoppelte und anschließend wieder dem Publikum übergeben wurde ♥), auch wenn es keine Bengalo-Orgien gab wie beim Reading-Festival, auch wenn ich die pogenden Massen genauso vermisst habe wie die lachenden Gesichter, die tanzenden, jede Textzeile kennenden und kreischenden 'Girls', eines hatten die Besucher*innen dieser großartigen Konzerte mit Sicherheit nicht: eine Heißluftballon-Akrobatin, eine über unsere Köpfe in die Nacht fliegende Ballerina! ♥♥♥

Fliegende Ballon-Ballerina (LollArt Closing Ceremony), 12. Sept. 2015 @Lollapalooza Festival, Berlin-Tempelhof
Photo by Matias Altbach (Lollapalooza Official)


In die Nacht und darüber hinaus...

"I am the rain
Held in disdain
Lotions and potions just add to my fame...

My friend the wind
To breath he is twinned
Blow high or low high
Tornadoes to spin...

Up in the sky, we've demand to supply
I am necessity, base of the recipe
I'm the rain"
PETER DOHERTY - I Am The Rain (2009)

Fazit: tolles Libertines-Konzert, Band in super Verfassung, Berliner Publikum aber sehr mau. Für die Zukunft dann vielleicht doch in einer kleineren Halle, wenn die Band hier nicht so viele Fans wie in Frankreich oder England hat, die das auch zu würdigen und zu befeiern wissen. Immerhin – ich möchte zum Abschluss schon noch einmal daran erinnern – ist das Berlin-Konzert durch die Absage in London letztlich zum globalen Record-Release-Konzert ihrer ersten Platte seit 11 Jahren geworden!

Vielleicht lag's auch am Line-Up des Lollapalooza, denn auch wenn ich persönlich Vielfalt sehr schätze, ist es halt trotzdem die Frage, wer eine Festival-Karte kauft, falls nur ein kleiner Teil der Bands pro Geschmack von Interesse ist. Aus Sicht vieler Libertines-Fans stimmte so vermutlich einfach nicht das Verhältnis von Eintrittspreis und restlichem Line-Up (mir ging's jedenfalls so). Oder andersherum ausgedrückt: für das Gros der Besucher*innen waren die Libertines sicherlich nicht der Headliner des Samstags und das war dann leider auch in vielerlei Hinsicht zu spüren. Und so musste ich mir auf der Rückfahrt in der S-Bahn ein bißchen die Ohren zuhalten, um die Libertines-Hymnen in mir nicht von den für meinen Geschmack schrecklichen Liedern der überglücklichen Deichkind-Fans übertönen zu lassen... *lach*. Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten – und wenigstens deren Fans haben Party gemacht (und nicht nur das muss ich ihnen zu Gute halten)! :-)

Überglücklich, ein geniales Konzert einer der in meinen Augen besten aktiven Indie- / Alternative- / (Post-)Punk-Bands gesehen zu haben, wäre ich allerdings trotzdem weitaus lieber in einem Abteil voller 'Libertinistas' gesessen, die zusammen mit Chaîne de RoUquInaSse aus Frankreich auf dem Heimweg zum Beispiel das gesungen hätten:

PETER DOHERTY - I Am The Rain
(from his solo album "Grace / Wastelands" (2009), written by Peter Doherty & John Robinson),
interpreted by Chaîne de RoUquInaSse
♥♥♥

Berliner*innen, das üben wir noch!
Wir haben jetzt bis Februar Zeit, dann kommen die Libertines in die Columbiahalle!
Ich bin auf alle Fälle wieder höchst gerne dabei!
Es war wunderschön.
xxx
Eure Magenta
STYLE! IT! TAKES! Berlin
♥

Special thanx to Berlin concert visitors kronosprojekt, Radio M, MikeyClay, Mia Lina, Eduard Ilie, Andrea Biczó, deevuch & fldot as well as vanessa4886 (Rhythm Factory video) & Chaîne de RoUquInaSse (lovely Doherty Cover) for their amazing movies (same goes to the photographers and to the French & British TV stations).

Mein Rückblick auf das auch in vielerlei anderer Hinsicht sehr schöne Lollapalooza-Festival findet sich in meinem Artikel "Der NS-Tempel wird zum bunten Lolla-Schmetterling", wo es auch wunderschöne Photos und Impressionen vom vielfältigen Programm und anderen Highlights zu sehen gibt. ♥


Weiteres zum Thema / Related articles*
*mostly in German, but all with beautiful pics & videos:
(Introduction into The Libertines)*
Der NS-Tempel wird zum bunten Lolla-Schmetterling
(Lollapalooza Festival Review, Sept. 2015)*
Song of the Day: You're My Waterloo
(The Libertines song & various beautiful versions)