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Sunday, December 16, 2018

Merry Xmas Charity Pin-up Calendar III/V

Gil Elvgren - SheerDelight (This Soots Me)
1948, Öl auf Leinwand / Oil on canvas, 76 x 61 cm
Art from the archives of Brown & Bigelow, St. Paul, Minnesota / USA

Nachdem wir unsere Geschenke an die Initiative Make Rojava Green Again und die drei Hilfsorganisationen der Seenotrettung schon in Form von Spendenüberweisungen überbracht haben, dreht sich in unserem kleinen Kalender heute alles um Licht in all seinen Aspekten und Metaphoriken, eine weitere schöne Facette dieser Jahreszeit.

Licht spielt nicht nur in der dunklen Jahreszeit eine große Rolle, sondern natürlich auch für Maler*innen und Photograph*innen. Heute möchte ich Euch ein bißchen was über die Entstehung der hübschen Illustrationen erzählen, aus denen unser Kalender gemacht ist. Eine Art 'Making Of'.
Außerdem gibt es in diesem recht lang gewordenen III. Kalenderblatt wie jedes Mal etwas zu meiner – heute zum Licht-Thema passenden – Deko, zu meiner Spende und natürlich Musik.


Im Scheinwerferlicht - Die Elvgren-Models
Eine kleine Beleuchtung der Produktionsbedingungen & ihrer Protagonistinnen

Nach einem sehr erfolgreichen Studium an der American Academy of Art in Chicago begann der Künstler und Werbemaler Gil Elvgren im Jahre 1937 Pin-up-Bilder für die bekannte Louis F Dow Calendar Company zu malen.
Nach finanziell zunächst eher mageren Anfangsjahren wechselte er 1944 als mittlerweile erfolgreicher und von vielen Verlagen und Auftraggebern begehrter Künstler zum ebenfalls in St. Paul, Minnesota ansässigen großen Verlagshaus Brown & Bigelow, für das er die nächsten knapp 30 Jahre bis 1972 arbeitete (der 1914 geborene Elvgren starb 1980). Zudem produzierte Elvgren während seiner großen Zeit bei Brown & Bigelow auch Kunstwerke und Illustrationen für Konzerne wie Coca-Cola, Ovaltine oder General Electric. Manche seiner Bilder wurden so populär, dass sie nicht nur als Werbung genutzt, sondern darüber hinaus in immer wieder neuen Zusammenhängen, auf Kalender, Spielkarten und allerlei Alltagsgegenstände von Brieföffnern bis hin zu sich drehenden Lampenschirmen gedruckt wurden.

Der ursprüngliche Deal mit Brown & Bigelow waren $1,000 pro fertiger Leinwand, was angesichts der heutigen Verkaufspreise der Gemälde nicht viel erscheinen mag, aber 1944 eine Menge Geld war und Elvgren mit einem zu erwartenden Einkommen von $24,000 allein im ersten Jahr zu einem der bestbezahlten Illustratoren der USA machte. Informationen zu den Vereinbarungen mit und zur Entlohnung der Models liegen mir bisher leider nicht vor, aber ich gehe davon aus, dass aufgrund des Deals dafür dann nicht mehr der Verlag, sondern Elvgren selbst zuständig war.
Auch sollten wir bedenken, dass das Verlagshaus ein gekauftes Bild immer wieder benutzen oder als Veröffentlichungslizenzen verkaufen konnte. So wurde zum Beispiel das beliebte Motiv Pot Luck! von 1961, welches das häufig portraitierte Model Janet Rae (die eine Nachbarin Elvgrens war) dabei zeigt, wie sie mit ihren Händen den Rocksaum ihres schwarzen Kleides nach vorne reisst, um damit aus einem Spielautomaten herauspurzelnde Münzen aufzufangen, immer wieder benutzt, es erschien unter anderem in einem Kalender von Neely Enterprises, als gedruckte Werbung für die Clayton Refrigeration Inc., einer zu General Electric gehörenden Heizungs- und Air Conditioning-Firma (!), aber auch als "Kreuz 6" in dem Gil Elvgren-Spielkarten-Set 52 American Beauties. Und das sind nur die Verwendungszwecke, zu denen mir Bildmaterial vorliegt.

Ob es dafür von Brown & Bigelow dann quasi noch einmal einen finanziellen 'Nachschlag' gab, ist mir nicht bekannt, aber zumindest während seiner Zeit bei Louis F Dow war Elvgren anscheinend noch nicht klar gewesen, dass die Firma jedes Bild zigfach ausschlachten würde, ohne dass er davon finanziell etwas hatte. Nachdem er Louis F Dow dann in Richtung Brown & Bigelow verlassen hatte, stellte sein ehemaliger Verlag sogar einen extra Maler ein, der die im Besitz befindlichen Elvgren-Gemälde verändernd übermalen sollte, um sie noch einmal neu vermarkten zu können. Glück im Unglück: der dafür angestellte Vaughan Alden Bass hatte großen Respekt für das künstlerische Talent von Elvgren und beschränkte sich darauf, etwas an der Kleidung oder den Hintergründen zu verändern, ließ aber Gesichter, Körper, Hände und Füße unangetastet.
(ein sehr detailreicher Text zu Biographie, Werk, Verlagsgeschichte, Aufträgen und künstlerischer Entwicklung ist The Art & Life of Gil Elvgren von Charles G. Martignette, dem ich die Informationen in diesem Abschnitt und zu den Löhnen entnommen habe)

Tatsache ist, dass der bis heute existente Traditionsverlag Brown & Bigelow ein gutes Geschäft mit ihrem Künstler gemacht haben dürfte, und zwar bis heute. Schon in den späten 1940ern, einer Phase, in der einige der in meinem Kalender gezeigten Gemälde entstanden sind (so unser heutiges Titelbild und auch das aus Teil II), war Brown & Bigelow einer der weltweit größen Herausgeber von Kalendern, die schätzungsweise 50 Millionen Haushalte erreichten.


Die Elvgren-Models

Die Entstehungsgeschichte und Produktion der Gemälde war vergleichsweise aufwändig, da – für viele überraschend, die nur die Bilder kennen – Elvgren mit echten Modellen arbeitete, und da Elvgren recht anspruchsvolle Vorstellungen von seinen Models hatte, mussten die normalerweise erst in sein bereits 1936 eröffnetes Studio in St. Paul, Minnesota anreisen, der 285.068 Einwohner*innen-Stadt (Stand von 2010), in der er lebte und arbeitete (auch seine Verlage Louis F Dow und Brown & Bigelow waren ja dort ansässig) und die auch damals nicht unbedingt der 'Nabel der Welt' war, während seine aufstrebenden oder auch schon bekannten Models oft im weit entfernten Los Angeles (Stichwort: Hollywood) lebten. Und so begann ein reger Zugverkehr zwischen Kalifornien und Elvgren's Studio in Minnesota und ab 1940 auch in Chicago, Illinois (wohin die Familie Gil und Janet Elvgren mit der ersten, frisch geborenen Tochter Karen zwischenzeitlich gezogen war), denn für viele junge Models, Schauspielerinnen und Starlets war die Zusammenarbeit mit dem aufstrebenden und dann in Windeseile extrem populär gewordenen Elvgren ein Karrieresprung:

"In the 1950s and 1960s, it was even seen as a career boost for an aspiring actress or starlet to be painted and published on an Elvgren calendar and the train ride from Los Angeles to the artist's home in St Paul, Minnesota, was a regular route for hopeful models."
(Luisa Metcalfe: "Pin-up queens! The REAL women behind saucy 1950s 'cheesecake' paintings", via www.express.co.uk; auch alle weiteren englischen Zitate und ein paar Infos aus diesem Aufsatz)

Zu den Elvgren-Models gehörten teils berühmt gewordene Namen wie Myrna Hansen, die 1953/4 Miss USA war und 1954 zweitplatzierte Miss Universum, die besonders häufig portraitierten Arlene Dahl, Barbara Hale und die schon kurz erwähnte Janet Rae, aber auch Schauspielerinnen wie etwa Donna ReedLola Albright, Kim Novak und sogar die damals schon sehr berühmte und erfolgreiche, spätere Ehrenoscar-Trägerin Myrna Loy (1905-1993).

Die wunderschöne Myrna Loy (geboren als Myrna Adele Williams, den Künstlerinnen-Namen Loy nahm sie 1925 an) war übrigens neben ihrer langen, sehr vielschichtigen und erfolgreichen Karriere als Schauspielerin auch zeitlebens politisch aktiv, unter anderem im II. Weltkrieg für das Rote Kreuz, für das sie in dieser Zeit sogar ihre Filmkarriere vorübergehend auf Eis legte.
Myrna Loy war eine so direkte, unverblümt-heftige Hitler-Gegnerin, dass sie auf eine schwarze Liste gesetzt und ihre vielen Filme in Nazi-Deutschland verboten wurden (siehe dazu auch: Leider, Emily W. (2011): Myrna Loy: The Only Good Girl in HollywoodBerkeley, California: University of California Press). Sie war lebenslang Unterstützerin der Demokratischen Partei und schon 1948 der erste Hollywood-Celebrity für die UNESCO, engagierte sich in den 1950ern als einflussreiche Co-Vorsitzende des "Advisory Council" der bürgerrechtlichen Anti-Diskriminierungsorganisation "National Committee Against Discrimination in Housing", die sich recht erfolgreich gegen Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt und in der Stadtentwicklung einsetzte.

Dies nur exemplarisch, denn selbstverständlich ist es interessant, sich mit den spannenden Lebensgeschichten und dem Werk aller genannten Frauen auseinanderzusetzen. In vielerlei Hinsicht brachen all diese Frauen aus den für sie vorgesehenen, vorgegebenen Geschlechterrollen aus und nahmen ihre Leben und ihre Karrieren in die eigenen Hände.


Die Photo-Sessions

Und so fuhren sie in Elvgen's Studio, der nichts dem Zufall überließ. Schon lange bevor sie eintrafen entstanden die Bild- und Motivideen und dafür benötigte Kulissen, Ausstattungen und Requisiten. Die benötigten Aufbauten, Möbel oder Utensilien mussten besorgt und aufgebaut, manchmal gebastelt und oft auch ideenreich improvisiert werden (Elvgren stellte dafür später einen Assistenten an) und erste Versuche mit verschiedenen Beleuchtungen der Settings gemacht werden, denn der Maler war auch ein leidenschaftlicher Photograph. Auch vor dem Hintergrund der oft langen Anreise der Models, und um daraus schließlich ein perfektes Gemälde zu machen, sollten auch die bei den Photosessions entstandenen Photographien perfekt sein. Perfekt allerdings nicht als zu veröffentlichendes Photo, sondern perfekt als Vorlage für das Gemälde.

Links eine etwas beschädigte Originalphotographie eines leider noch nicht verifizierten Models (via oldhollywoodglamour.blogspot.com),
rechts das daraus resultierende fertige Gemälde:
Gil Elvgren - A Neat Package
1961, Öl auf Leinwand / Oil on canvas
Art from the archives of Brown & Bigelow, St. Paul, Minnesota / USA

So ging es bei den Requisiten meist eher um Formen, Größen und die daraus resultierenden Körperhaltungen der Models, aber auch um die daraus entstehenden, in den Werken stets liebevoll detailliert wiedergegebenen Schatten auf Körper, Kleidung und Umgebung (während sich Elvgren bei der Wiedergabe der Umgebungsschatten ein bisschen freie Hand ließ, können wir bei genauer Betrachtung sehen, wie wichtig ihm die akkurate, sogar noch herausgearbeitete Wiedergabe von Licht und Schatten auf dem Körper der Models und auf der Bekleidung war) und die Verwerfungen in den Textilien, während es zum Beispiel keine Rolle spielte, ob für bunte Geschenkbänder und einen zur Schuhfarbe passenden olivgrünen Geschenkkarton ein schlichter brauner Pappkarton benutzt wurde (> siehe oben), denn die Farben und Hintergründe entstanden dann ganz nach dem ästhetischen Geschmack und den Ideen des Malers erst auf der Leinwand (wenn wir die Kleidungsstücke oben vergleichen, sehen wir einerseits eine sehr exakte, stark herausgearbeitete Abbildung der vielleicht ein wenig durchsichtiger gemachten weißen Bluse, der glänzenden schwarzen Nylon-Strapsstrümpfe und der Schuhe, allerdings auch eine deutliche Abweichung in der Darstellung des Rockes. Auch die Position des roten Geschenkbandes wurde verändert und etwas näher an das Pin-up geschoben als auf dem Photo).

So reichten dem Maler, wie wir weiter unten sehen, auch improvisierte und schlichte Unter- und Hintergründe (Plastikplanen, Bettlaken oder alte Matratzen, kahle Wand) und manchmal wurden die Posen der Models mit einfachen Hilfsmitteln im Studio festgehalten (etwa ein von Hand oder einem Gegenstand angehobener Rock), das ganze Gemälde aber schließlich ins Freie auf ein Sommerfeld verlegt (!), so dass der Rock zum Beispiel an einem Zaun festhängt, über den die Dargestellte scheinbar geklettert ist (es gibt in diesem Genre bekanntlich erstaunlich viele Gründe, die dazu führen, dass ein Kleid oder Rock angehoben wird *lach* Oooops!).
Eine Art "Bluescreen"-Prinzip also, der Rest wurde dann auf der Leinwand mit viel Phantasie im wahrsten Sinne des Wortes 'ausgemalt', so dass es ausreichen konnte, ein Model auf der Kante einer schlichten Holzkiste beim Posieren zu photographieren, nur um sie dann im fertigen Bild in die luftigen Höhen eines Häuserdaches zu befördern, wo sie – wie üblich bestens, wenn auch vielleicht für den Zweck nicht wirklich ganz praktisch gekleidet – an einer Fernsehantenne herumdreht.

Aber Elvgren-Models wechseln auch Autoreifen in Highheels und hauchzarten Strapsstrümpfen ohne jemals eine Laufmasche zu bekommen. Andererseits: die "Elvgren-Girls" machen überhaupt ganz schön viel, ja, es gibt eigentlich fast nichts, was sie nicht machen (was heutzutage vielleicht selbstverständlich ist, für die 1930er, 40er, 50er und 60er aber keineswegs). Sie sind Hexen, Zauberinnen und Schlangenbeschwörerinnen, Reisende und Malerinnen, kümmern sich um Haus und Garten, steigen über Zäune, auf Leitern und Häuserdächer, fahren Fahrrad, Motorrad und Autos, betreiben alle möglichen Sportarten und Hobbies, spielen mit Tieren, hämmern, telefonieren und tanzen. Und weit und breit kein Mann in Sicht*. Eigentlich ziemlich cool. (hier spricht die Strapsstrümpfe, schicke Schuhe & Selbstständigkeit liebende Femme-Lesbe)

* Anmerkung: Die Männer waren nämlich – darauf bin ich bereits beim letzten Mal eingegangen – größtenteils im Krieg und guckten sich die Bilder von dort aus an oder malten sie gar als "Nose Art" auf die 'Nasen' (daher der Name) der im Kampf gegen die Nazis befindlichen Flugzeuge (Elvgren war damals quasi wirklich überall).
Aber, darauf habe ich schon im zweiten Teil meines Kalenders hingewiesen, eben nicht nur die Männer, sondern auch die amerikanischen Frauen, die die Bilder, die letztlich ja ihre (idealisierten) Leben darstellen sollten, nicht weniger liebten.


Über Posen & Moden

Trotz des geschilderten "Bluescreen"-Prinzips waren die bei den Sessions mit den Modellen entstandenen Photographien von entscheidender Bedeutung. Denn die Models, ihr Ausdruck, ihre Posen und Gestiken, Licht und Schatten, Faltenbildungen in den Kleidern, Glanzpunkte der Nylonstrümpfe – all diese für die Glamourösität der Bilder entscheidenden, großen und scheinbar kleinen Dinge wurden über die Photographien dokumentiert und ermittelt. Aber damit nicht genug, wählte Elvgren auch die Moden, also die Kleidungsstücke und Garderoben aus (da er meines Wissens nicht direkt für Modelabels arbeitete, ging es neben seinen eigenen Vorstellungen wohl weniger um die Vermarktung konkreter, distinktiver oder gar 'gelabelter' Kleidungsstücke, sondern eher um eine gewisse Popularität der Moden, schließlich, wir erinnern uns, sollten die Bilder ja auch verkauft werden und auch das "Girl next door" oder "All American Girl" und ihre Outfits widerspiegeln).

Sobald Bildidee und Requisiten geklärt waren, suchte sich Elvgren für jedes Motiv das seiner Meinung nach passendste Model, schlug ihnen die exakten Posen vor und musste bei allem auch noch etwas anderes im Kopf behalten, nämlich eine möglichst große Zeitlosigkeit der resultierenden Gemälde, denn es dauerte manchmal bis zu zwei Jahre, bis die Bilder veröffentlicht wurden, und dann sollten die dargestellten Kleidungsstücke und Frisuren nicht schon wieder möglicherweise aus der Mode sein.

"He also had to consider a model's hair as it could take up to two years for a painting to be published and a girl's style had to be one that wouldn't date." (Luisa Metcalfe, a. a. O.)

Auch bei diesem Gemälde hat Elvgren in der Umsetzung der Photo-Vorlage noch einmal ein bisschen nachgeholfen.
So wurde der Fußboden deutlich mit Steinfliesen und Teppich aufgehübscht, aus einem eher improvisierten Matratzenstapel wurde ein schicker, runder grüner Sessel, die Beinhaltung des Models wurde stark verändert (vermutlich gab es auch einfach mehrere Photos aus der Session) und auch die Frisur wurde noch ein bisschen 'geglättet'. Die Kleidung und deren Fall bleiben nahezu identisch, wobei sich Elvgren wieder beim Rock von der Vorlage befreit und – möglicherweise aus den soeben geschilderten Gründen der angestrebten Zeitlosigkeit der Gemälde – auch hier für einen Verzicht auf das Originalmuster entschieden hat. Aber wenn wir z. B. wieder auf die Schatten in Gesicht, auf Hals, Schultern, Oberkörper und an den Beinen achten, ist das Gemälde sehr nahe am Photo geblieben.
Hier habe ich leider weder Model noch Titel und Jahr des Gemäldes herausgefunden, dass eine der Schönheiten dabei zeigt, wie sie (vermutlich in einem im Studio gar nicht vorhandenen und auch in dem Gemälde nur über das warme, von links kommende Licht angedeuteten Kamin) Popcorn erhitzt, welches natürlich wir kennen das alle – vor lauter Freude und Wärme aus dem Topf heraushüpft. Ooops!
(^.^)
Photo via express.co.uk, Painting pinupsnylon.net

Wenn also alles vorbereitet war, photographierte Elvgren Model und Szenerie mit einer 2 1/4 Rollei, um dann daraus das Gemälde zu machen.

"Elvgren would minutely pose his models in the exact position he wanted them, photograph them and use the black and white shots as references for the technicolour, larger-than-life paintings that resulted." (Luisa Metcalfe , a. a. O.)

Es ist also anzunehmen, dass die Models das Studio in St. Paul oder Chicago schon längst wieder verlassen hatten, bevor das Gemälde auch nur annähernd fertig war und nicht, wie das unten zu sehende Photo suggeriert, den ganzen Malprozess über gegenwärtig waren. Genau dafür gab es ja die gemachten Photos. Möglich ist allerdings, dass Models das Studio erneut besuchten (vielleicht auch weil ohnehin ein neues Projekt und eine weitere Photo-Session anstanden) und vielleicht für den 'letzten Schliff' noch einmal für ein bereits photographiertes Motiv Modell saßen.

Ein seltenes, freilich gestelltes Photo von Gil Elvgren und einem seiner Models bei der Arbeit (mit Autogramm)
"An Elvgren model & a rare picture of the artist at work." (via pettipond.com)


Hyper-feminine Göttinnen und idealisierende Emanzipation

Und schließlich machte Elvgren im Malprozess aus den ohnehin schon wunderschönen Frauen durch Verstärkungen und dem Zeitgeist entsprechende idealisierende Übertreibungen hyper-feminine Göttinnen, ähnlich der heute in der Model-Photographie üblichen, nachträglichen digitalen Bildbearbeitung und Retusche, nur eben auf der Leinwand.

"Then like a retoucher today working with a photograph of a model, he used his paintbrush to enlarge cleavage, lengthen legs, nip in the waist, make lips fuller, enlarge eyes and emphasise curves."
(Luisa Metcalfe: "Pin-up queens! The REAL women behind saucy 1950s 'cheesecake' paintings")

Doch letztlich vermittelten die Bilder ein Bild zwar scheinbar manchmal ein bisschen sympathisch-tolpatschiger (Stichwort: "Oooops!"), aber insgesamt außerordentlich aktiver, lebenslustiger, selbstständiger, manchmal abenteuerlustiger Frauen, die in wirklich jeder Lebenssphäre 'ihre Frau standen'. Wo das Model im Studio meist nur simulierte, auf ein Dach geklettert zu sein oder auf einer Schaukel zu stehen, waren die Frauen in Elvgren's Gemälden schon längst oben oder schwingten mit einem strahlenden Lächeln stehend auf der Schaukel. Wie viele Frauen werden es ihnen davon ermutigt nachgemacht haben? So gesehen waren nicht nur die viel (zu viel) diskutierten 'Schönheitsideale' künstlerisch ikonisiert und 'übertrieben', auch in den realen Tätigkeiten der Dargestellten waren die Gemälde eine idealisierende Emanzipation. Während es immer noch US-Bundesstaaten gab, in denen Frauen noch nicht einmal wählen durften, malte Gil Elvgren schon Pin-ups die – parteineutral – zum Wählen gehen aufriefen.

Da er auch immer mit der Zeit ging, wäre es interessant gewesen zu sehen, wie sich sein Werk in den 1980ern und danach weiter entwickelt hätte.
Vielleicht hätte er dann auch Gemälde mit Modellen wie der von Elvgens Zeitgenossen, dem Pop-Art-Künstler Andy Warhol (1928-1987) photographierten und gemalten US-Punk-Ikone Debbie Harry (Blondie) oder später mit Madonna gemacht? Schwarze, Latinas, Asiatinnen oder auch – wie z. B. der 1953 gegründete und seine Lebenszeit überdauernde Playboysich küssende, lesbische Frauen dargestellt? Die Chancen stehen – erst recht, wenn wir die sich mit den gesellschaftlichen Verhältnissen verändernden 'Moden' und kommerziellen Nachfragen berücksichtigen – grundsätzlich gar nicht so schlecht. Aber wir werden es leider nie erfahren.


Bewegung & Licht - Der Schwibbogen

Licht und Beleuchtung spielte nicht nur bei der Arbeit von Elvgren eine große Rolle, sondern für die gesamte arbeitende Bevölkerung, ganz besonders die, die ohnehin im Dunklen arbeiten mussten:

"Als Relikt erzgebirgischer Bergarbeitertradition findet sich während der Advents- und Weihnachtszeit ab Einbruch der Dunkelheit in vielen Fenstern ein mit Kerzen beleuchteter Schwibbogen. In der dunklen Jahreszeit brachte er die Sehnsucht der Bergleute nach dem Sonnenlicht zum Ausdruck, die während der Wintermonate noch bei Dunkelheit in den Stollen einrückten und erst nachts wieder auf dem Heimweg waren. Jedes Licht stellte ursprünglich eine aus dem Berg zurückgebrachte Grubenlaterne dar. Ein vollständiger Lichtbogen am Haus bedeutet, dass alle Arbeiter dieses Hauses wohlbehalten aus der Grube zurückgekommen sind."
(aus dem Abschnitt Lichterbögen in: https://de.wikipedia.org/wiki/Advent)


Und weil ich das eine so schöne und solidarische Tradition in düsteren Zeiten finde, habe auch ich einen, wie immer stilsicher und auf persönliche Befindlichkeiten achtend von meiner lieben Mutter für mich ausgesuchten, kleinen süßen Schwibbogen, der ebenfalls ohne religiöse Andeutungen auskommt und sich auf den Kern, das sich gegenseitig kümmernde Beisammensein, beschränkt.
Ein Hirte mit seinen Tieren, schneebedeckten Bäumen, Vögeln und anderen Wildtieren, ein von Kerzen beleuchtetes und angetriebenes 'Windrad' – und ganz viel stimmungsvoller Zauberglanz!

 
Ich mag, wie die verschiedenen Tiere im Baum sichtbar werden, wenn sich der Schwibbogen dreht:
Eulen & Eichhörnchen, Greifvögel & Tauben... ♥


Arbeit, Aufklärung & Solidarität

Jenseits aller viel zu oft verklärten arbeitsgeschichtlichen Nostalgie und damit verbundenen, auch schönen kulturellen Traditionen wie dem Schwibbogen ist es in Zeiten der Klimakrise höchste Zeit, dass die nach Stein- & Braunkohle buddelnden Berg- und Tagebauarbeiter*innen – analog zu denen der Atomindustrie (2019 geht das nächste deutsche Atomkraftwerk vom Netz, 2022 ist endlich endgültig Schluss) – ihre tödlichen Arbeitsstätten für immer verlassen (in diesen Tagen wurde zum Jahresende 2018 endlich der Steinkohlenbergbau in Deutschland endgültig eingestellt, was leider nicht bedeutet, dass nicht weiter importierte Steinkohle verbrannt wird) und sich entweder in erneuerbaren Energien verdingen, umschulen oder der Arbeitslosigkeit frönen, was nicht das Schlechteste sein muss. Denn ich bin ohnehin der Meinung, dass ein viel zu großer Teil der kapitalistischen Arbeit nichts Gutes ist, sondern nur Schaden anrichtet (denken wir nur an die Rüstungsindustrie, die Autoproduktion oder all die so genannten, komplett überflüssigen "Bullshitjobs" (David Graeber)) und es besser wäre, manche Leute würden einfach gar nicht arbeiten! Das werden die blind arbeitsfetischistischen SPD und DGB zwar nie verstehen, aber es wäre manchmal sinnvoller, die Nicht-Arbeit zu subventionieren, dann hätten auch Deich- und Dammbauer, ehrenwerte Feuerwehr- und Rettungsleute und alle anderen, die die Klimakatastrophe in Atem halten wird, weniger zu tun, um die Schäden der Arbeit ihrer 'Kolleg*innen' in der Kohleindustrie zu bekämpfen. Insofern muss die "Sehnsucht der Bergleute nach dem Sonnenlicht" (aus dem Wikipedia-Zitat von oben) eine ganz neue Bedeutung bekommen.

Die Sehnsucht nach Licht kann also auch als Metapher für die Sehnsucht nach einem besseren Leben verstanden werden, und auch als Metapher für das Licht der Aufklärung.
In wenigen Tagen geht endlich wieder die Sonne auf, die Zeit der größten Finsternis ist vorbei und so hat sich Eure fleißige und doch arbeitsmuffelnde und auch traditionell ein wenig wintermuffelnde Magenta dazu entschlossen, meiner (keineswegs arbeitsfetischistischen) "Lieblingsgewerkschaft" (wie ich sie immer liebevoll nenne), der Freien Arbeiter*innen Union FAU Berlin, zumindest eine kleine aufmunternde Aufmerksamkeit zukommen zu lassen (mehr wird aktuell noch nicht verraten). Deren selbstorganisierte Arbeiter*innen-Solidarität erstreckt sich im Unterschied zu den DGB-Gewerkschaften nicht nur auch auf Illegale, Flüchtlinge und andere migrantische Arbeiter*innen, sondern auch auf alle Arten von arbeitenden 'Selbstständigen' und Prekären, auf Nicht-Arbeitende ("Erwerbslose") und sie ist auch nicht von den Inhalten der Arbeit entkoppelt (einen Streik für mehr Kohleabbau oder noch mehr Panzer würde sie nicht unterstützen, wohl aber die Arbeiter*innen selbst). Mehr dazu ein anderes Mal wieder in einem eigenen Blog-Post.

Passend dazu habe ich mir bei meinem Besuch im Buchladen zur schwankenden Weltkugel (siehe den Post "Make Rojava Green Again") die letzte Ausgabe meiner linken Lieblingszeitung wildcat gekauft, ein Zeitungskollektiv, das die Welt des globalen Kapitalismus aus der Perspektive der globalen Kämpfe von #unten beleuchtet und wie die FAU darin interveniert. Viele Texte, darunter hochwertige Übersetzungen von Texten aus aller Welt, sind auch online auf www.wildcat-www.de zugänglich. Aber nur in der Printform kommt die stets hübsch gelayoutete Zeitung mit ihren oft genialen Covern zu ihrer vollen Pracht!

Und schließlich habe ich im Sinne einer unabhängigen Presse und Bildung noch eine Kleinspende an Wikipedia in Höhe von 5 € angefügt, da ich das größte Lexikon der Welt doch recht oft benutze und auch hier immer wieder verlinke (auch die FAU und wildcat haben übrigens eigene Lexikoneinträge, wobei ich über beide dann doch lieber selbst berichte).
Das Geld wird für die Aufrechterhaltung der technischen Infrastruktur verwendet und dafür, dass Wikipedia werbefrei bleiben kann.
Damit mal der nervig aufpoppende Spendenaufruf auf Wikipedia verschwinden kann, könnt Ihr gerne auch noch ne symbolisch-praktische 'Tasse Kaffee' überweisen an:
Wikimedia Foerdergesellschaft
IBAN DE33 1002 0500 0001 1947 00


Frosty the Snowman

Damit ich vor lauter Solidarität nicht erfriere (ich war immer noch nicht für mich selbst shoppen, suche unter anderem einen neuen Wintermantel und neue Wäsche) mache ich für heute Schluss mit dem zuckersüßen "Frosty The Snowman" von The Ronettes, wie immer aus Phil Spectors legendärem Christmas Album (1963/1972):

☆♪♪ thumpetty thump thump ♪♪☆


Magenta the Snowgirl

Magenta the Snowgirl
had to hurry on her way,
but she waved goodbye,
saying "Don't you cry
I'll be back again some day"

Auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Alexanderplatz (2013)
Videofilmstill © Näd Mika / Gramke / Hecht & Magenta Netzwerk / Style! It! Takes! Berlin
(this indeed is a bit complicated, maybe you just leave this pic to our lovely all-girl-team who worked so hard to make this possible without earning any money from anybody)

Das auf dem Videoscreenshot oben bin übrigens ich, Ende 2013 frierend videodrehend neben vielen anderen Drehorten auch auf dem an jenem Abend von stürmendem, eiskaltem Schneeregen begossenen Weihnachtsmarkt am Berliner Alexanderplatz (daher, trotz aller Bemühungen auch die nass gewordenen Haare). Der wärmende Pelzmantel aber gehört mir leider nicht, weil Magenta ein armes Mädchen ist. Aber unser wundervolles All-Girl-Team (Sängerin & Musikerin Näd Mika, das Filmteam Gramke & Hecht, unsere Make-up-Künstlerin, ich als Hauptdarstellerin und eine weitere schauspielende Freundin) haben gemeinsam tolle, unvergessliche Kunst geschaffen!

Und, um noch einmal einen Gesamtbogen zu schlagen, wenn auch die Kohlearbeiter*innen aufhören zu arbeiten, haben sie mehr Zeit, um mit Kindern und Freund*innen lustige Schneefiguren zu bauen und auch unserem ersten Pin-up und ihren Pinguinen schmilzt nicht das Eis davon! Und wir sitzen trotzdem weiter im Warmen, denn auch diesmal gehen nicht "die Lichter aus" (wie es uns die Atommafia jahrelang weiß machen wollte).

Schließlich, und daran erinnern sowohl die Lebenslust der Elvgren-Models als auch die Fröhlichkeit der Musik der The Ronettes, aber auch unser gemeinsames All-Girl-Video-Team und viele andere schöne Projekte, geht es im Leben vielleicht letztlich darum, dem angeblichen wie dem realen 'Ernst des Lebens' möglichst aufmüpfig aus dem Wege zu gehen:

Le problème est que nous recherchons quelqu'un avec qui "vieillir ensemble" alors que le secret est de trouver quelqu'un avec qui "rester des enfants".
[Das Problem ist, dass wir jemanden suchen, mit dem wir "gemeinsam altern" können, während das Geheimnis darin besteht, jemanden zu finden, mit dem man "Kinder bleiben" kann.]
Originalquelle unbekannt, via auf Twitter 15 Dec 2018

In diesem Sinne mit gar nicht frostigen, sondern sehr optimistisch-warmherzigen Grüßen

Eure Magenta


Die ersten beiden Teile meines fünfteiligen

Merry Xmas Charity Pin-up Calendar 2018


   

I ~ II

Wednesday, May 3, 2017

Klassenkampf in Berlin #MallOfShame 1.Mai #deliverunion

~ Mall of Shame: PAY THE WORKERS! Against the exploitation of migrant workers* ~
Kurz vor dem 1. Mai 2017 -- Short before 1st of May 2017:
"Von der heutigen Kundgebung bei der #MallofShame -- From the rally today at #MallofBerlin
Prozess: 03.05, 11 Uhr @ Arbeitsgericht, Berlin"
@FAU_Berlin 29 April 2017

Noch immer haben die ehemaligen (2014!) rumänischen Bauarbeiter der ausbeuterischen Shopping-"Mall of Shame" (offiziell: Mall of Berlin) ihre Löhne nicht bekommen!!! Seit nunmehr Jahren kämpfen sie zusammen mit der anarcho-syndikalistischen Basisgewerkschaft FAU (Freie Arbeiter*innen Union) in der Öffentlichkeit, auf der Straße und vor Arbeitsgerichten für ihr Recht (ich berichtete bereits mehrmals, zuletzt im Herbst 2016). Der Fall ist nur ein (dank des zähen und engagierten Kampfes der Beteiligten) besonders prominentes und ärgerliches Beispiel für die miese Situation vieler Beschäftigter in der pseudo-progressiven Hauptstadt [15 % AfD sind nur sichtbarster Ausdruck dieses, viel zu oft und von viel zu vielen schöngeredeten Trauerspiels], nicht nur auf dem Bau, sondern in vielen Lebens- und Arbeitsbereichen.

Da ich mich schon lange und immer wieder über die hartnäckige, oft innovative und kreative Arbeit meiner (nicht nur Berliner) 'Lieblingsgewerkschaft' freue, habe ich mich entschlossen, den dritten Teil meiner Serie zum 1. Mai 2017 den jüngsten Initiativen der FAU (und nahestehender Initiativen) zu widmen, auch wenn ich heute nur ein paar Bildchen und nützliche Links beizutragen habe und einfach ein bißchen Interesse wecken und weitere Öffentlichkeit für diese wichtigen Kämpfe schaffen will. Denn wie im ersten Teil angekündigt, soll diese Serie auch "über den Moment hinaus" brauchbar sein und bleiben, ein paar Anregungen und Impulse geben, vernetzen, vielleicht auch weitergehen... Für alles andere, Updates, aktuelle Nachrichten, Veranstaltungen und Aktionen verweise ich auf die Initiativen und ihre (im Falle der FAU sogar mehrsprachigen) Webseiten & Kontaktmöglichkeiten (weiter unten).

Kundgebung vor der #MallofShame -- 29 April 2017 -- Rally in front of the #MallofBerlin
Photo, text & logos by @FAU_Berlin, Collage made by STYLE! IT! TAKES! Blog Berlin

Der vermutlich so langsam längste Arbeitskampf der Berliner Geschichte (???) geht also weiter,
vor dem Ort des (im wahrsten Sinne des Wortes) Kapitalverbrechens "Mall of Shame",
vor dem Arbeitsgericht und
für alle Konsument*innen in der ohne jeglichen Aufwand umzusetzenden Maßnahme:

Boykottiert die "Mall of Berlin"!
(und sagt es all Euren Freund*innen, Berlin-Neulingen, Tourist*innen & Verwandten!)
[Dieser Aufruf des STYLE! IT! TAKES! Blogs gilt ausnahmslos für alle Pächter*innen, Shops, Restaurants, Cafés usw. in der Mall, so lange der uneinsichtige 'Boss' nicht endlich einlenkt!]


Photo by STYLE! IT! TAKES! Blog


Klassenkämpferischer Block
auf der DGB-Demo
1. Mai 2017 Berlin-Mitte

Der Klassenkämpferische Block am Morgen des 1. Mai 2017:
die zentralen Transpis des Revolutionären 1. Mai 2017 (auch später am Tag in Kreuzberg & Neukölln),
dahinter die markanten schwarz-roten Fahnen der FAU.
Im Hintergrund der Alexanderplatz mit Rotem Rathaus, Fernsehturm und Park Inn-Hotel.

(Nicht nur) Auf den Großbaustellen Berlins geht die Ausbeutung weiter...

Eines der 'frechen' Cover der immer lesenswerten
antikapitalistisch-operaistischen Zeitschrift wildcat 

Die FAU hat eine Reihe von Syndikaten gegründet, in denen sich Arbeiter*innen
verschiedener Branchen und Arbeitsbereiche organisiert haben.
Das schwarze Seitentransparent stammt vom "Bildungssyndikat", darauf ist zu lesen:
"Organisiert Euch! Gegen Vereinzelung und Ausbeutung im Bildungsbetrieb!"
[an den farblichen Abstimmungen könnte hier vielleicht noch gearbeitet werden, oder ist blau-rot-weiß-pink-schwarz-magenta-olivgrün-himmelblau jetzt Mode und ich hab' schon wieder was verpasst? (^.^)]

Und wieder Protest vor der "Mall of Berlin Shame":
Klassenkämpferischer Block auf der Gewerkschaftsdemo, 2017.05.01
#1mai #1may #mayday #1mayo #berlin #1maiberlin #mallofshame #deliverunion
Alle drei Photos: @FAU_Berlin 1 Mai 2017

[Photos von der Revolutionären 1. Mai Demo in Kreuzberg & Neukölln einige Stunden später gibt es im 4. Teil dieser Serie]


Die Gewerkschaft der Fahrradkuriere

 
Invite your local rider*! #deliverunion
Der wunderhübsche Flyer für die | The xtra beautiful flyer for the
"Deliverunion launch night"
25.04.2017 | @ Zukunft (Ostkreuz)
@FAU_Berlin 20-25 April 2017

Bekanntlich gibt es keinen Arbeits- und Lebensbereich, in dem sich Menschen nicht selbstbestimmt organisieren können. Aktuellstes Beispiel im Kontext der FAU ist der vielversprechende Aufbau eines 'Syndikats' von Fahrradkurieren / Beschäftigten von Lieferdiensten wie etwa "Foodora" oder "Deliveroo", der auch bereits einiges Echo in verschiedenen Medien erhalten hat. Wer also jemand in dieser Branche kennt: psssst, klingel, tröt, bitte weitersagen!!!
:-)

"Fahrradkuriere von Deliveroo und Foodora stellen Forderungen":
#deliverunion #fauberlin
via @FAU_Berlin 26 April 2017

Erste Forderungen | First Demands
neues Flugblatt | new leaflet
"25.04 over 100 riders and activists met at @ZukunftOstkreuz for the first public event of the campaign
#deliverunion (#foodora #deliveroo et al.)
@FAU_Berlin 28 April 2017

Es geht also weiter 'mit Karacho'!
(offizielle Autor*in eines der Flugblätter war "Pablo Fastened",
eine niedliche Anspielung der Fahrer*innen / Arbeiter*innen / FAU)
(^.^)

Ich wünsche Euch und uns allen viel Power & alles Glück dieser Welt!

So everything continues 'in full tilt'!
(official author* of one of the leaflets was "Pablo Fastened",
a cute innuendo by the drivers* / workers* / FAU)
(^.^)

I wish you and all of us lots of power & all the luck of this world!

xxx
Magenta

Kontakte & Links:

FAU (Freie Arbeiter*innen Union | Free Workers* Union)
Die FAU Berlin ist eine un­abhängige Basis­gewerkschaft
The FAU Berlin is an independent grassroots union
+49 (0) 30 287 008 04 | faub-kontakt @ fau . org | Grüntaler Str. 24, 13359 Berlin
Blog: berlin.fau.org | Twitter @FAU_Berlin: http://twitter.com/FAU_Berlin
#Deliverunion: deliverunion.fau.org

Klassenkampfblock
LabourNet Germany
LabourNet TV
http://twitter.com/labournettv
wildcat (Zeitschrift & Gruppe)
http://www.wildcat-www.de/

Die große oder kleine
STYLE! IT! TAKES! - Serie zum 1. Mai 2017

Die Themen:

I

Demo "Solidarität mit Rojava & Sengal - Stoppt Waffenlieferungen an Erdogan!"
Berlin-Reinickendorf
#NoFlyZone4Rojava * Deutsche Rüstungsexporte in die Türkei * Vorschlag für Kampagnen gegen die Rheinmetall AG, Sigmar Gabriel & die Bundeswehr * YPG/YPJ-Fahnenverbot * Opfer der türkischen Luftangriffe

Demo "Organize! Gegen Rassismus und soziale Ausgrenzung!"
Berlin-Wedding
Gentrifizierung, Verdrängung, Rassismus, Kapitalismus * Faschisten & Graue Wölfe in Berlin/Wedding * Solidarität im Stadtteil * Initiativen, Ankündigungen & (bedrohte) Projekte * Stadt von unten * U-Bahn-Graffiti-Video...


Ankündigungen & Karte für den 1. Mai * Exkurse zu den Themen #Klassenkampf & #Bolle *
30 Jahre Revolutionärer 1. Mai in Berlin * 'Rot-rot-grüner' Senat * Ermittlungsausschuss (EA) * Redebeiträge * Schwarzfahren & Agitation * Gegen Deutschlands Deals mit Erdogan (Aktions- & Kampagnenvorschläge)...

III

"Klassenkampfblock" auf der Gewerkschaftsdemo
Berlin-Mitte
Mall of Berlin Shame * FAU * Klassenkampfblock auf der DGB-Demo (1 Mai 2017) * Gewerkschaft der Fahrradkuriere #deliverunion * Links zum Kampf gegen die Arbeit

IV
Revolutionärer 1. Mai 2017

Berlin-Kreuzberg & Neukölln
Eine Menge Photos von der revolutionären Demo & ein paar vom MyFest * Ausblick

Saturday, May 24, 2014

... just like a love song in Spring! ♥

"Lebendig müssen die Märchen werden, lebendig und wirklich"
(Alexander von Zemlinsky – Der Traumgörge)

So many beautiful things happened in April that quite unusually I post a kind of mixed diary of some highlights here!

Wondergirls in Spring

To me it started having wonderful guests at my home for a little Spring-Party on 29th of March. We preferred to chat, eat salads & antipasti, drink & smoke, listening to nice music and dance instead of making pictures - keeping it calm like my beautiful fish - but two photographic memories are existing of that lovely night and sunny morning...

Recipe by Jenny for the Wondergirl-Cocktail we made with my self-made Woodruff syrup

"...it was like in a time capsule and suddenly appeared NINE O‘CLOCK hahahaha"
(comment of one of my lovely guests)

My Origasmi (a present by a very good friend) photographed by Thea


En vogue

Third of April, just on the day I picked up my new Degenerotika dress in Berlin-Friedrichshain at the designers' residence, we received the message that they have been published online by famous VOGUE Italia magazine! So definitely time to raise champagne glasses again... (^.^) ...



A new dawn

On Monday, 7th of April I was with Thea & Jasa from Degenerotika fashion label at the Laibach concert in the Volksbühne at Rosa-Luxemburg-Platz. I already reported about that in a long review and photo story here. But even after all those "Late night tales" (Laibach's great merch guy Bojan Vrlič) in the backstage area and in the tour bus (see my post for this) the night has not been over. After that we met fashion designer Patrick Mohr in the morning street in front of a Döner, which had such a beautiful painting I just had to take a picture from...

Top! Painting of beautiful lesbians in a Döner


Abschied

April has also been a month of sad good-byes to closing bars and clubs in Berlin-Mitte. First has been the farewell of beloved King Kong Klub at Easter on 19th of April, where I have seen many great concerts by many great artists (first to come to my mind are Nora Below, Bloody CartoonLe Chocolat Noir, Popsimonova, Monozid, Nine Circles, Umrijeti za strojem...) and had many many nights of pleasure and fun with lovely barkeepers and guests... So sad the closing is, it has been a bombastic last night and we stayed till about the very very end when daylight was shining bright already... Many of the clubs DJs gave their last stand there and it has been also the birthday of our DJ Steve Morell (from the last STYLE! IT! TAKES! event). It was a great mix of people and it seemed, during the long night everybody came along to say bye, so audience has always been floating till the very very end... ... lots of people, lots of dance, nice flirts, many huge compliments for my Degenerotika dress, lots of drinks, big chaos, big big fun that night! ♥


(Club closing is...) NO FUN! (8 times) (^.^)

Me & Aurica keep a close watch and have lots of fun! ;-)
(selfie by Aurica)

Even @ King Kong Klub there's a time to leave... or not... ;-)

A gorgeous ending and still definitely big big tears for King Kong Klub... we will miss you!!!


Funny Easter

Easter Monday I spent with Laura (SCHEN). Beside sharing time in Prenzlauer Berg together, we were invited to eat in Moabit later and had a super funny evening with music and dance. Actually, it was so funny that I don't really feel allowed to post the pics of this evening... ;-)
So here only the serious ones! (^.^) ...

 
Laura trying to look serious... ;-)

Did I say only the serious ones? What? (^.^)


Modeling for BAAL       


Just the next day I've been modeling for a fashion video of Berlin transgender fashion label BAAL at Berlin-Alexanderplatz. It was big fun! Surprisingly I got an outfit with trousers, which was funny, because I nearly never wear trousers but about only skirts... and it was grey, though I nearly never wear grey... but interesting and I liked the shape of the top! So, after Näd Mika's gorgeous Cassandra video, this is already the second video published this year with me modeling / acting. You can watch the finished video in an extra post about BAAL's Start wearing plastic.
Here some screenshots. Later we had to sprinkle ourselves with champagne... ;-)




Dark, darker, Popsimonova

While some clubs are closing, others start new beginnings. Just around the corner of KingKongKlub the a bit forgotten ACUD club in Veteranenstraße has new plans and ideas. A beergarden, a gallery (Kunsthaus), a theatre and a cinema belong to this place, too. Here our great artist, Croatian Electro Diva Lana POPSIMONOVA, stopped for one Berlin night on her Europe Tour together with JESSICA 93 and DORCELSIUS on 24th of April. I wrote about her and this tour already lately. It was such a pleasure to meet and see her live again, all the concerts were great and many friends and nice people came around, so it was really full & fun even in the middle of the week. :-)

             
POPSIMONOVA loves it...                 very dark ♥

... and has the sexiest voice in electronic music! ♥

After a short visit at White Trash Fast Food's very last night in Prenzlauer Berg / Mitte (the next club which had to close there!!!), we did let the night end in 8mm Bar... and when we came out the sun... ok., we had that several times before! ;-)


All of the day, all of the night in Alt-Berlin's Mitte

Me wearing a pink outfit @ the RAMONES Museum

26th of April has been Mitte day again. First I went to the RAMONES Museum for meeting friends and a lecture by Tom Laimer-Read from Norwich / England, who wrote a just published punk novel called Needles & Pins. It was a very relaxed and nice atmosphere in the museum's café.

Later we went to say goodbye again - this time Berlin's maybe oldest bar, the legendary ALT BERLIN, had to close after 121 years in Münzstraße 23 at U Weinmeisterstraße. So sad. Gentrification crawls all through the district... :-( Brilliant German communist author, poet, playwright, theatre & film director Bertolt Brecht (* 1898 in Augsburg; † 1956 in Ost-Berlin) had it's own chair in this legendary place during the 1950's, drinking his beer there in the breaks of his work at Berliner Ensemble nearby.

Pics from Bierstube Alt Berlin's Facebook page

Alt-Berliner Legenden

Folgendes wurde 2008 anonym auf Yelp gepostet:
"Die Kneipe hieß im Volksmund bis zum Krieg zu den drei Ritzen, weil sie von drei Frauen geführt wurde und der Berliner Straßenstrich direkt vor der Haustür lag. Sie war mehr als doppelt so groß, links daneben der Laden gehörte dazu. Gekocht wurde über dem Laden in der Wohnung der Damen, es gab Tischdecken, man wollte etwas feiner sein. Eine der Damen lebte bis vor 5 Jahren noch.
1945 hat eine Luftmine über der Kreuzung die Eckhäuser gegenüber abgeräumt. Die Druckwelle hat die Fenster zerstört, das Lokal wurde ausgeplündert, das Rückbuffet geklaut.
Dann nahm sich die Unterweltgröße Fahrradmüller als alter Stammgast den Laden (er hatte mehrmals das 6-Tagerennen gewonnen). Zwei Armeespinde und einige Bretter wurden das neue Buffet, die Zapfanlage war noch da. Er war einer der ersten, die 45 wieder eine Kneipe führten, offensichtlich hatte er gut Kontakte zu den Russen. Zumal er auch einer der ersten war, die im zerbombten Berlin ein eigenes Cabrio fuhren. Wegen bewaffneter Raubüberfälle ging seine Kariere 1949 dann zu Ende. Heinz erzählte, er bekam die erste Todesstrafe der DDR.
Dann übernahm der Vater der Musikerklause in der Torstraße die Kneipe, wurde aber wegen Unregelmäßigkeiten finanzieller Art in die Klause versetzt. Die HO
(DDR-Handelsorganisation) übernahm, Heinz war Wirt, Inge die Kellnerin. Viele Gäste gingen, wenn Inge kam oder umgekehrt - jeder hatte SEIN Publikum. Die Tänzerinnen vom Friedrichstadtpalast, die Leute vom Gorki oder BE (Berliner Ensemble), ach eigentlich alle, weil der Laden als einer der wenigen bis nach 2 Uhr aufhaben durfte. Brecht war Stammgast, hatte seinen eigenen Hocker vom BE mitgebracht. Dann haben Heinz und Inge geheiratet und den Laden 1982 von der HO abgekauft. Das Holz an den Wänden stammt zum Teil von Ihnen, zum Teil ist es alt. Hinter den Verkleidungen sind noch alte Wandmalereien aus der Zeit des Häuserbaus."
 
Alt Berlin crew protesting. Yes, you belong here!!! ♥ Our barkeeper that night had been Berlin Burlesque dancer Tallulah Freeway

Of course both myself and our STYLE! IT! TAKES! project supported the protest campaign against the closing of ALT BERLIN, but, unfortunately, it was too late and there was nothing more to do against the sell-out by Hamburg Investor Harm Müller-Spreer... :-(

The closing reminded my of my very first blog post Berlin - Du bist so hässlich geworden about gentrification in Berlin (April 2012), which unfortunately even has it's sad prophetic sides...

So, like the great anarchist BAIZ bar ("Kein Bex, kein Latte, kein Bullshit" / "No Beck's beer, no latte macchiato, no bullshit") which recently also had to leave nearby Torstraße for similar reasons (BAIZ relocated at Schönhauser Allee 26 a), the ALT BERLIN crew is looking for a new place to go now, using the old interior... But: „Das schönste aller Dinge, ein schneller Schluck bei Heinz und Inge“ (The most beautiful of all things, a quick sip at Heinz und Inge (the long year runners of the bar))... so, yes, we had many!!!!!!!!!! ;-)

They got to close, but they want to come back at another place - stay tuned via their Facebook page!

Long past midnight, I finally went to notorious ESCHSCHLORAQUE nearby, where I met Laura, our DJ Steve Morell and some other friends again...


Return to daylight

April the 28th it was time for a walk around sunny Prenzlauer Berg and Mitte, staying in the Volkspark am Weinbergsweg and taking a rest at nice Max Fish beer garden with it's lovely pink Photoautomat.



Tu Wat!!!

On 1st of May me and some friends joined the revolutionary demonstration against war, crisis and capitalism in Berlin-Kreuzberg (I reported about that ahead of the demonstration in my pre-post La Beauté est dans la Rue). And it was a huge revolutionary May Day march this year, with 25.000 people attending!!! :-) At Zossener Straße somebody left a sign saying "Tu Wat" (Do something in Berlin dialect), which I had to photograph of course since it made me smile and gave the day an optimistic tone! :-) So, the next days I put & kept my red & black revolution flag on the balcony (it says: "Abolish class society - Revolution Now!"), as a sign of continued resistance in the daily life and in the neighborhood...


Apropos balcony: as a huge fan of city gardening I spent lots of time on the balcony, sowing new seeds for herbs, flowers and beans to make it green & blooming soon. Actually, many plants survived the mild winter or came back... and first things were blooming already... :-)

Blühender Schnittlauch & blühende Erdbeere * Blossoms of chives & strawberry

In the meantime of the last weeks I started with preparations for STYLE! IT! TAKES! # 5 during Berlin Fashion Week in July and prepared a lot of new posts for that! So stay tuned to not miss amazing news in the next days... Love & Kisses! ♥♥♥

Update, 27th of May:

... and I made it! STYLE! IT! TAKES! # 5 will be a summer dream of fashion, performances, arts & music and just like BERLIN FASHION WEEK in general move this year to Wedding!!! :-)

It will happen on Saturday, the 12th of July 2014 at the lovely venue PANKE, located in Gerichtsstraße 23, directly at the river Panke! We will even have a beautiful little garden there!!!

♥♥♥