Sunday, March 20, 2016

Alle faschistischen Deutschen (AfD)…

"So sieht sie aus- die neue Einmauerung eines Kriegsgebietes (Syrien) auf Geheiß der Europäischen Union."
AfD-Wähler*innen wollen mehr davon.
Photo & Zitat: Zentrum für politische Schönheit via Twitter @politicalbeauty 3 Feb 16


Alle faschistischen Deutschen...

... haben bei den Landtagswahlen am letzten Sonntag – gänzlich ungehindert von "Lügenpresse" und "Volksverrätern", von Polizei oder Wahlbetrug – in aller Ruhe ‚ihre Partei’, die AfD, wählen können. Jetzt kennen wir also das rechte, rassistische, restlos empathielose, hemmunglos inhumane, menschenverachtende, erzkonservative, neoliberal-großkapitalistische, Arbeiter*innen- & Arbeitslosen-feindliche, Frauen- & LGBTQ-feindliche, völkisch-faschistische Potential in Deutschland.

Vermutlich verstecken sich immer noch überdurchschnittlich viele in den Reihen der Nichtwähler*innen, so dass wir nach den Wahlen in diesen drei exemplarischen Bundesländern sicherheitshalber von bis zu 15 % im Westen und bis zu 30 % im Osten ausgehen sollten (wobei ich in einigen Bundesländern, etwa den Stadtstaaten oder Bayern, von etwas niedrigeren, in anderen, etwa Nordrhein-Westfalen oder Sachsen, von potentiell höheren Ergebnissen als in den westlichen bzw. östlichen Referenzländern dieser Wahlen ausgehe). Das wäre etwa jede/r Sechste im Westen bzw. jede/r Dritte in Ostdeutschland (wobei der Frauenanteil erfahrungsgemäß weit unter dem Anteil der männlichen Wähler liegt)! Das ist eine Menge.

Ich überlasse es Politikwissenschaftler*innen, ob sie die AfD nun als „wirtschaftsliberal“, „antifeministisch“, „ultrakonservativ-christlich“, „rechtspopulistisch“, „nationalkonservativ“, „nationalistisch“, „völkisch“ oder „rechtsextrem“ einordnen und welcher Person und / oder Parteiströmung sie jeweils welche Ideologie zuordnen. Aber letztlich spielt die Partei selbst gar nicht die entscheidende Rolle (was tatsächlich einen wesentlichen Unterschied zu allen anderen Parteien darstellt). Denn vermutlich haben ohnehin die wenigsten ihrer Wähler*innen ihr ziemlich ‚diffuses’ (in meinen Augen: hanebüchendes) Parteiprogramm gelesen – ganz abgesehen davon, dass sich die AfD-Repräsentant*innen permanent von den diesbezüglichen Aussagen, denen ihrer Kolleg*innen, ja selbst von ihren eigenen Aussagen distanzieren, oder eben aus Versehen auf der „Computermaus abgerutscht“ (Beatrix von Storch, Parteivize und AfD-Landesvorsitzende Berlin) sind.

Es spielt alles keine Rolle, denn niemand hat sie wegen oder trotz all dem gewählt:
Alle faschistischen Deutschen haben sie auf Grundlage ihrer tiefliegenden Ressentiments gegen alles ‚Fremde’ und ‚Andersartige’ gewählt und aus Angst, dass ihnen ein aus Not und Elend Geflüchteter etwas vom meist gut geschmierten Butterbrot nehmen, ein Schwuler Lehrer ihrer Tochter werden oder eine Kurdin ihre neue Chefin statt ihre Niedriglohn-Putzfrau werden könnte. Punkt. Aus. Ohne Komma. Niemand kann mir etwas anderes erzählen.

Das sind keine „Protestwähler“, das sind – und zwar alle – mindestens Rassisten und Rassistinnen. Ausnahmslos, und „Protestwähler“ ist ein Unwort, war es immer schon und ist hiermit von mir zum Unwort des jungen Jahres 2016 gekürt. Es gibt keine Protestwähler, nur volljährige, nicht-entmündigte Wähler*innen, die Entscheidungen treffen und (glücklicherweise) unbeeinflusst von jeglicher Repression zu einer freien, friedlichen und demokratischen Wahl in Deutschland gehen. Währenddessen werden Brandsätze auf Flüchtlingsheime geworfen oder Kinder von Migrant*innen von Rassisten in der Berliner S-Bahn angepinkelt. Und alle wissen das, alle haben das in der Zeitung gelesen und jede/r Dritte bis Sechste wählt danach die AfD. Trotzdem oder deswegen. Und anschließend dürfen sie ohne jegliche Repression ‚friedlich und demokratisch’ in die Parlamente einziehen und bekommen jetzt Millionen vom Staat als Belohnung.
Das ist die Realität, alles andere ist ‚Lügenprogaganda’ von faschistisch-tickenden Deutschen.

"Denk ich an Deutschland in der Nacht...

"Eine Gemeinde in #Bayern. Deutsche Vernichtungsfantasien als Gag beim #Karneval. Es ist unfassbar,
was hier abgeht"
Photo & Text via Twitter @robert_fietzke 7 Feb 2016


Eiertänze

Entsetzt? Nicht jetzt, nicht nach dem unglaublichen medialen und publizistischen Erfolg des Rassen- und Selektionswahns von Immer-noch-SPD-Mitglied Thilo Sarrazin, nicht nach meinen Erlebnissen in einem herbstlichen baden-württembergischen Moor, nicht nach Nazi-Aufmärschen selbst in meinem Berliner Kiez, nicht nach all den zahllosen widerlichen rassistischen Ausbrüchen und Gewaltexzessen der letzten Jahre. Es ist schlicht keine Überraschung. Nicht nur, dass die Wahlprognosen mittlerweile den Wahlergebnissen so nahe kommen, dass diese ohnehin nur noch selten wirkliche Überraschungen bieten. Das rechte Potential dieses Volkes wurde ja auch in zahlreichen Studien untersucht – mit ähnlichen Ergebnissen.

Wenn mich etwas geschockt hat, waren es die Eiertänze, die die ‚bürgerliche Gesellschaft’ und die meisten ihrer Politiker*innen und medialen Vertreter*innen in den letzten Monaten aufgeführt haben, wenn es darum ging, allen rassistischen und / oder faschistischen Deutschen von AfD, ‚Pegida’ & Konsorten klar und deutlich entgegen zu treten. Nun ja, SPD-Parteichef Sigmar Gabriel wollte ja schon früh gerne mit ihnen diskutieren, die CSU hat sich längst als ‚Alternative für Deutschland’ zurechtgemacht, im tiefbraunen Sachsen sieht man traditionell kein rechtes Problem und weder Volksverhetzung noch Brandstiftung und Mordversuche werden in adäquater Weise von Polizei, Justiz und Politik geahndet oder gar von staatlich beauftragten / finanzierten Kräften durchgeführt und / oder vertuscht (wir kennen das schon vom ‚NSU-Komplex’, siehe hierzu einen lesenswerten Artikel in der auch sonst empfehlenswerten Zeitschrift wildcat).

Selbst die sonst so regierungsfreundlichen staatsnahen Medien (etwa die ARD und die tagesschau) wie auch Teile der angeblich kritischen, linksliberalen oder 'alternativen' Presse hacken seit Monaten auf Kanzlerin Merkel und ihrem vollkommen richtigen "Wir schaffen das" herum (wenn sie das mal beim Thema ihrer skandalösen Türkei-Deals und ihrem beredten Schweigen über die brutalen Menschenrechtsverletzungen dort machen würden, wäre ich zufrieden!) und scheinen mit ihrem 'Dauerbeschuss' regelrecht bemüht, einen ‚Kurswechsel’ im Sinne der AfD heraufzubeschwören oder herbeizuschreiben – als wollten sie das "Lügenpresse"-Geschrei der Faschisten durch Appeasement zum Verstummen bringen.

Während uns diese Medien anscheinend daran gewöhnen wollen, Faschisten als Dauergäste in ihre Talkshows einzuladen, zeigt sich, dass sie selbst keinesfalls auf eine sich bürgerlich gebende ‚Neue Rechte’ eingestellt sind und mit rechtsextremem Gedankengut nicht umzugehen wissen, wenn es nicht das Klischee des ‚Nazis mit der Baseballkeule’ bedient, sondern in biedermeier-förmiger 'Verpackung' dargereicht wird.

Insofern bin ich nicht im Geringsten überrascht.

"... bin ich um den Schlaf gebracht"
(Heinrich Heine)

"Rosenmontag in Altenberg-Erzgebirge - Dunkeldeutschland"
Photo & Text via Twitter @AntikSammlerin 8 Feb 16


Wie bunt, wie braun wird Deutschland?

Im Westen ist der angerichtete Schaden noch relativ gering. Die AfD-Erfolge führen entweder zu neuen Ampelbündnissen oder es entstehen weitere große Koalitionen (wobei in Ba-Wü die Grünen mit über 30 % als Wahlsieger zur neuen ‚Volkspartei’ aufgestiegen sind). Die bisherigen grün-roten bzw. rot-grünen Bündnisse in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben zwar ihre Mehrheiten verloren, aber ihre stärkeren Parts (Grüne in Baden-Württemberg, SPD in Rheinland-Pfalz) werden als Wahlsieger wohl weiter regieren, so dass sich an der Landespolitik vergleichsweise wenig ändern könnte – was in diesen Zeiten fast schon ein Gewinn wäre...

Nachdem die auf schwachem Niveau allerorten leicht erstarkte FDP einer 'Ampelkoalition' (Grüne + SPD + FDP; Angaben jeweils nach abnehmender Fraktionsgröße geordnet) in Baden-Württemberg eine Absage erteilt hat, muss sich der (angesichts der Situation für meinen Geschmack etwas zuviel) strahlende grüne Ministerpräsident Kretschmann von seinem bisherigen Koalitionspartner, der stark gerupften SPD, trennen. Er wird die Chance ergreifen, die extrem degradierte CDU (- 12 %!) als Juniorpartner einer ersten grün-schwarzen Regierung anzuführen und sie damit in gewisser Weise noch einmal zu degradieren – und damit eine Koalitionsoption (üblicherweise freilich andersherum als schwarz-grüne Koalition) umsetzen, mit der einige Grüne ohnehin schon länger kokettieren. Andernfalls gibt es vielleicht Neuwahlen.

In einem Bundesland, das seit kurz nach seiner Gründung (1952) von 1953 bis 2011 durchgehend unter (meist Allein-)Herrschaft der CDU stand und davon allein 20 Jahre von NS-Verbrechern als Ministerpräsidenten regiert worden ist [1958-1966 von NSDAP-/SA-Mitglied und NS-Blockwart Kurt Georg Kiesinger, der danach auch noch Bundeskanzler wurde; von 1966-1978 von SA-Mitglied und NS-Marinerichter Hans Filbinger (verantwortlich u. a. für Todesurteile, Rücktritt im Rahmen der Filbinger-Affäre)], ist das zwar nicht erfreulich, aber es gab auch schon Schlimmeres.

Baden-Württemberg nach der Wahl:
abgesehen von den zwei braunen AfD-Flecken (Mannheim im Nordwesten, der andere ist Pforzheim)
eine interessante, immer grüner werdende Perspektive auf das ehemalige "CDU-Ländle"
(alle Graphiken via tagesschau, rechtschaffende AfD-Umfärbung von mir)

Unappetitliche Kuchen und Ähnliches...

Wahlergebnisse LTW 2016 Baden-Württemberg

Wahlergebnisse LTW 2016 Rheinland-Pfalz

Sollte es in Rheinland-Pfalz zu einer Ampelkoalition kommen (SPD + FDP + Grüne) würde sie damit das in beiden Ländern extrem starke konservative und rechtsnationale Lager (CDU & AfD) in die Opposition verbannen, in Rheinland-Pfalz auch noch mit der 'flüchtlingskritischen' Julia Klöckner als Oppositionsführerin. Als Strafe für die Rechtswähler*innen eigentlich nicht uncharmant.

[In diesem Modell wird interessant, wie sich die FDP, die einst mal als ‚Menschenrechtspartei’ galt, aber auch bekannt dafür ist, gerne kräftig nach rechts zu schielen, in der praktischen Flüchtlingspolitik dann positionieren wird. Auch das Verhältnis der CDU zur AfD auf den Oppositionsbänken bleibt kritisch zu beobachten.]

Oder aber Wahlsiegerin und SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer trennt sich von ihrem stark geschwächten grünen Juniorpartner und holt stattdessen ebenfalls die CDU von den Oppositionsbänken zurück in die Landesregierung, womit sie letztlich indirekt Merkel stärken würde. Malu Dreyer und ihre Widersacherin im Wahlkampf, Julia Klöckner von der CDU, schienen sich am Wahlabend irreführenderweise für ein rot-schwarzes Frauenduo entschieden zu haben, oder war es doch ein modischer Zufall? Aber warum nicht, eine 'Doppelfrauenspitze' wäre meines Wissens zumindest ein Novum in Deutschland, wo es noch garnicht sooo lange her ist (1993), dass schon eine Ministerpräsidentin ein Novum war, und eine ironische 'Spitze' gegen die AfD, in diesem Fall bezüglich ihres reaktionären Frauenbildes. Zwar stehen auch bei der AfD derzeit einige Frauen im Vordergrund, aber das ändert rein garnichts an ihrem Parteiprogramm und den gerade von ihren Sprecherinnen verfochtenen 'Heim und Herd'-Parolen.

Not amused...

Partnerinnenlook?:
Wahlsiegerin Malu Dreyer (SPD) & Verliererin Julia Klöckner (CDU) am Wahlabend LTW Rheinland-Pfalz 2016
Schick schick, aber Momentchen: diese Farben gehören dem Anarchosyndikalismus!
Hierfür müssten beide noch üben... (^.^)
Photo: © Uwe Anspach/dpa (via Zeit.de)


Dunkeldeutschland:
Schlimmer geht's immer!

Sachsen-Anhalt nach der Wahl:
die Landeshauptstadt Magdeburg (Mitte oben) und fast der gesamte Süden des Bundeslandes
wurden zur 'nationalen No-Go-Area'
(die Magenta-farbene 'Oase' hat die Linkspartei gewonnen).

Im Osten sind bisher unbekannte Modelle nötig, um die AfD in Schach zu halten. Oder gab es schon einmal eine schwarz-rot-grüne Koalition? Die latente Schwäche der Linkspartei wirkt dort vor dem Hintergrund der rechten Wahlerfolge besonders verheerend, da Optionen für eine Regierungsübernahme des sog. ‚linken’ Lagers (rot-rot-grün) inzwischen selbst im Osten verbaut sind (erinnert sei daran, dass dieses ‚Lager’ theoretisch immernoch die Mehrheit im Bundestag hätte und jederzeit die Regierung stellen könnte!). Dafür steht CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff vor der leichtesten Entscheidung, er hat nämlich im Grunde keine. Eine CDU / Die Linke - Koalition wäre zwar fast schon witzig gewesen, ist aber ausgeschlossen. Und so wird er als relativ unbeschädigt aus der Wahl hervorgegangener ‚Gewinner’ die schwachen Grünen noch mit ins Boot seiner Schwarz-Roten-Koalition holen, dafür ist sein Koalitionspartner deutlich ‚gerupft’ und auch er steht dann einer zahlenmäßig starken, aber zutiefst gegensätzlichen, d. h. gespaltenen, Opposition aus AfD und Die Linke gegenüber, die er bei der Gelegenheit auch noch als ‚Demokratiefeinde von links und rechts’ labeln und sich damit bequem ‚in der Mitte’ positionieren kann. Auch um die ‚Koalitionsdisziplin’ muss er sich in diesem Modell wohl recht wenig Sorgen machen...

Es bleibt erneut die schauderliche Erkenntnis, dass ausgerechnet in Ostdeutschland das Potential derer, die sich gegen die Aufnahme von Schutzsuchenden und für neue Mauern aussprechen, am Größten ist. Die, die am lautesten geschrien haben, Teil des westdeutschen Systems und der EU werden zu wollen, ausgerechnet die, die in den letzten 25 Jahren mit Milliardenbeträgen, Solidarbeiträgen und Hochwasserhilfen unterstützt wurden, kennen kein Erbarmen mit Menschen in Not. Erbärmlich, einfach erbärmlich.

Wahlergebnisse LTW 2016 Sachsen-Anhalt


#Saxit #STxit ...

"Diese Politik der Ressentiments gegen andere Menschen wird (...) unser Land spalten. Sie wird ein Land zurücklassen, in dem sich die Menschen hassen, weil sie unterschiedliche politische Vorstellungen haben"

US-Präsidentschaftskandidat Marco Rubio (Republikaner) nach seiner Niederlage gegen den rassistischen Immobilien-Milliardär Donald Trump
(Republikaner)

Ich habe schon damals geahnt, dass die sog. 'Wiedervereinigung' keine gute Idee war. Schade, dass es keinen Volksentscheid darüber gibt, Länder wie Sachsen und Sachsen-Anhalt aus dem föderalen System Deutschlands und der EU auszuschließen (sollten sich die Berliner*innen bei der Wahl im September nicht als würdevoller erweisen, erweitere ich meine Forderung auch auf die Hauptstadt). Aber das nächste Hochwasser kommt bestimmt... vielleicht ist dann das Rettungsboot schon voll...?


Heimliche Wahlsiegerin Merkel?

So oder so, aus dem rechtsnational ambitionierten Ruf "Merkel muss weg!" ist ironischerweise eher das Gegenteil geworden: in Sachsen-Anhalt bleibt die CDU an der Regierung, in ein bis zwei westdeutschen Bundesländern kehrt sie sogar aus der Opposition zurück. Und die neuen alten grün-roten Regierungschefs Kretschmann und Dreyer haben Merkels vergleichsweise 'offene' Flüchtlingspolitik unterstützt und sind damit Wahlsieger geworden. War wohl nix! (^.^)

Das Problem an der Merkel-Regierung ist sicherlich nicht, dass sie Flüchtlingen Schutz in Deutschland gewährt (hat). Das Problem ist, dass sie sich von den rassistischen Schreihälsen ohne Not in die Arme der staatsterroristischen und faschistischen AKP-Regierung der Türkei treiben lassen hat (das gilt selbstverständlich auch für die SPD). Und so ist der einzige Grund für einen Rücktritt der gesamten Bundesregierung (inklusive SPD) – wie ich noch einmal betonen möchte – deren skandalöse, ursächlich von den "Das Boot ist voll"- Parolen der Flüchtlingsfeinde von 'AfD', 'Pegida' & Co. angetriebene Türkei-Politik in dem schäbigen Bestreben, Schutzsuchende künftig an den Grenzen der EU abzuweisen (sprich: dem Terrorstaat Türkei zu überlassen) und als Belohnung vollkommenes Stillschweigen über die täglichen, übelsten Menschenrechtsverletzungen in der wieder aufgewerteten Türkei zu wahren, ja, sie sogar auf den Weg in die EU zu führen, also in eine Staatengemeinschaft, in die sie nach all den menschenverachtenden Kapriolen der EU-Staaten mittlerweile auch gehört.
Alle faschistischen Europäer*innen wollten es ja so.

Ich möchte in diesem Zusammenhang auch noch einmal daran erinnern, dass sich z. B. 'Pegida' im Protest gegen eine Kurdistan-Solidaritätsdemonstration gegründet hat, also von Anfang an genau gegen die Menschen vorgegangen ist, die in den Hauptfluchtländern Syrien und Irak gegen einen der Hauptfluchtgründe, den dschihadistischen Terror des 'IS' (Daesh) kämpfen.
Ironie der Geschichte: AfD und 'Pegida' stehen objektiv auf Seiten des 'IS' und der Türkei.


Antirassismus bleibt Handarbeit

Die bürgerliche Demokratie in Deutschland wird die neuen Koalitionsoptionen überstehen, und die Werte für die AfD – da bin ich mir sicher – werden mittelfristig auch wieder sinken. Im September wird noch in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gewählt, da wird die AfD sicher noch einmal zulegen, aber der Zenit dürfte mit dem Ergebnis in Sachsen-Anhalt erreicht sein (im braunen Sachsen wurde ja glücklicherweise schon gewählt). Angesichts der Zugespitztheit dieser Wahlen sollten wir uns daran erinnern, dass ca. 75 % der Wähler*innen sich trotz aller kursierenden Hetze gegen eine rabiate Abschottung von Fluchtsuchenden ausgesprochen haben. Und daran, wieviele Menschen hier und in vielen anderen (nicht nur europäischen) Ländern sich engagiert für Refugees einsetzen.

Für die ca. 75 % demokratisch und antirassistisch eingestellten Menschen in Deutschland stellt sich nur die Frage, wie viel Schaden das rassistische Lager in den nächsten Monaten und Jahren anrichten kann (und was ggf. dagegen unternommen werden muss). Wird es eine Verlagerung der aggressiven Anti-Flüchtlingsproteste von der Straße in die (Landes-)Parlamente geben? Für die Betroffenen des Rassismus könnte das sogar eine Verbesserung darstellen, zumindest, wenn die 'demokratischen Parteien' den rechten Schreihälsen aus der Opposition konsequent stand halten. Oder werden sich Biedermeier, Mob und Brandstifter wie bisher gegenseitig antreiben und weiter gegenseitig verstärken? Vielleicht, aber der Gegenwind auch von bürgerlicher Seite könnte größer werden, denn nun geht es für die anderen Parteien auch um ihr eigenes Überleben. Zumindest ist im Moment noch ein weitgehender (vor allem bei FDP und CSU allerdings fragwürdiger) Konsens erkennbar, sich von der AfD abgrenzen zu wollen und keine parlamentarischen Koalitionen einzugehen. Fragt sich nur, wie lange dieser hält.

Die Hauptgefahr lauert nicht bei der AfD, sondern bei den bürgerlichen Parteien:
so sehr sie rhetorisch an Humanität, ‚Aufnahmebereitschaft’ und ‚Menschenrechten’ festhalten, werden sie letztlich samt und sonders dennoch alles tun, um die Aufnahmezahlen zu senken (und gleichzeitig die Zahl der Abschiebungen erhöhen), sprich: der AfD entgegen kommen. Das ganze irreführende Gerede von einer 'europäischen Lösung' und einer diesbezüglichen Kooperation mit der staatsterroristischen Türkei fußt ja letztlich auf dem von CDU/CSU, SPD und Grünen getragenen Konsens, die Flüchtlingszahlen entschieden zu reduzieren (also genau das, was die AfD will). Eine nennenswerte parlamentarische Kraft, die sich wirklich für offene Grenzen ausspricht, sehe ich schon länger nicht (mehr). Doch glücklicherweise liegt bei weitem nicht alles in den Händen der parlamentarischen Politik...

Flüchtlinge, Helfer*innen und Journalist*innen beim Versuch, gemeinsam von Griechenland aus über einen Fluss nach Mazedonien zu kommen (14 März 2016)

Für Antirassist*innen bleibt die Hoffnung, dass es noch möglichst viele Menschen nach Deutschland schaffen, bevor die Abschottung weiter verstärkt wird (und das wird sie, da brauchen wir uns keinen Illusionen hingeben, ganz ungeachtet der Frage, auf welchem Wege). Doch wo Not ist, werden sich Menschen auch weiter auf die Flucht machen und Wege finden. Unsere Aufgabe ist, sie dabei zu unterstützen und weiterhin deutlich zu machen, dass sie uns auch willkommen sind. Den Rest schaffen wir schon.

Refugees Welcome!


Nachfolgeartikel dieser zweiteiligen Miniserie:
"Merkel & die EU zwischen AfD und AKP"

Weiteres zum Thema (Auswahl):

Photo des Jahres 2015 ...und andere Auszeichnungen (Jan 2016)

#TurkeysWarOnKurds (Jan 2016)

K(l)eine Lehren aus Paris (Nov 2015)

Herbst im Moor (Nov 2015)

Pop & Elend (Okt 2015)

Keine Feiertage: 3. Oktober, 9. November (Okt 2015)

Der kürzeste Weg nach Tall Abyad (Juni 2015)

Die Rückkehr des zivilen Lebens in Kobanê (Mai 2015)

Wie Toyah Diebel in 3 Minuten Pegida abschminkte (Febr 2015)

Sunday, March 6, 2016

Global resistance against Turkey's state terror

Calling for peace since such a long time...
Kurdish women demonstrating for peace in Dallas, Texas (archive pic, ca. 2013)

[English translation below]

Globaler Widerstand gegen den Staatsterror der Türkei

In meinem Post #TurkeysWarOnKurds habe ich Euch – nach langem Zögern, ob dies in diesem schönen Blog überhaupt zumutbar ist – anhand schrecklicher Bilder, kurzen Texten und Informationen von dem erbarmungslosen Krieg des 'EU-Beitrittskandidaten' und 'NATO-Partners' Türkei gegen die Kurd*innen und andere demokratische Kräfte dort berichtet. Angesichts der seit Sommer 2015 täglich neu eintreffenden Horrormeldungen und Horrorbilder stellt sich natürlich die Frage, ob es denn keinen Widerstand dagegen gibt. Oh ja, den gibt es, und zwar nicht nur in der Türkei, sondern weltweit! Und er schließt alle Formen des Protestes ein, auf allen Ebenen, von allen Seiten.

Schließen wir uns an...

(allein dieser Aufruf könnte mich in der Türkei übrigens für Jahre in Haft bringen,
aber das heute nur am Rande)

Fangen wir auf der von uns in Berlin aus gesehen anderen Seite
unseres eigentlich wunderschönen blauen Planeten an:

Global resistance against Turkey's state terror

After hesitating for a long time, if it is appropriate in this beautiful blog at all, in my post #TurkeysWarOnKurds I have reported to you from the brutal war of the 'EU pre-accession country' and 'NATO partner' Turkey against the Kurds and other democratic parts of society there, based on horrible photos, short texts and informations. In the light of the horror news and horror pictures arriving every day since summer 2015, of course the question arises if there is no resistance against it. Oh yes, there is, and actually not only in Turkey, but worldwide! And it includes all forms of protest, at all levels, from all sides.

Let's join and link...

(this call alone could bring me into jail in Turkey for years by the way)

Let's start on the (as seen from us in Berlin, Germany) other side


OZEANIEN ★ OCEANIA

Canberra (Australia)

"TURKEY: STOP SUPPORTING IS - MURDERER ERDOGAN"
"Türkei: Hört auf den IS zu unterstützen - Mörder Erdogan"
Canberra, capital of Australia (~ 10 Feb 2016)

Situation in Australien:
Die populäre Arbeiterpartei Kurdistans PKK wird dort zwar (seit einem Staatsbesuch des aktuellen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan 2006!) staatlicherseits als 'Terrororganisation' geführt (wie übrigens auch in Neuseeland), doch die öffentliche Sympathie liegt schon länger auf Seiten der Kurd*innen, insbesondere aufgrund ihres Kampfes gegen die Daesh-Dschihadisten (IS). Einige Australier haben sich sogar dem Kampf der PKK-Schwesterorganisation YPG in Syrien angeschlossen, darunter die mittlerweile traurigerweise gefallenen internationalistischen Freiheitskämpfer Ashley Kent Johnston (RIP Februar 2015) und Reece Harding (RIP 27. Juni 2015), dessen Mutter nach seinem Tod sogar seine Genoss*innen in Rojava (Syrien) besuchte, was nicht nur in Australien viel mediale Beachtung gefunden hat. Zu seiner Beerdigung in Melbourne kamen Hunderte Kurd*innen, um ihm ihre Ehre zu erweisen.
In Australien leben etwa 15.000 Menschen kurdischer Herkunft. Etwa die Hälfte von ihnen ist aus der Türkei geflohen.

Open letter to the Australian government: Lift the ban on the PKK

Situation in Australia:
Though on the part of the state the popular Kurdistan Workers' Party PKK is listed there since 2006 (after a state visit by Turkey's current president Recep Tayyip Erdoğan!) as a "terrorist organization" (same, by the way, in New Zealand), but the public sympathy is on the side of the Kurds since a longer time, especially because of their fight against the Daesh jihadists (IS). Some Australians even have joined the struggle of the PKK sister organization YPG in Syria, among them the by this time sadly fallen internationalist freedom fighters Ashley Kent Johnston (RIP Febuary 2015) and Reece Harding (RIP 27 June 2015), whose mother even visited his comrades in Rojava (Syria) after his death, what found a lot of media coverage not only in Australia. Hundreds of Kurds came to his funeral in Melbourne to honour him.
There are about 15,000 people of Kurdish origin in Australia. Roughly half of them have fled Turkey.

RIP Reece Harding (nom de guerre Heval Bagok Australi) † 27 June 2015
His mother & family visiting his #YPG & #YPJ comrades in Rojava (Syria)
Reece Harding died during a combat following the horrible jihadist massacre in Kobanê on 25th of June 2015 which deliberately killed more than 230 civilians when stepping on a mine laid out by the jihadist Daesh terrorists near Suluk, Ayn Issa.
RIP brave Australian freedom fighters Ashley Kent Johnston & Reece Harding who died for humanity


AMERIKA ★ AMERICA

Washington D. C. (USA)

"STOP THE GENOCIDE IN KURDISTAN - USA HELP KURDS - TURKEY OUT OF KURDISTAN"
"Stoppt den Völkermord in Kurdistan - USA, helft den Kurd*innen - Türkei raus aus Kurdistan"
In the middle the flag of (Iraqi) Kurdistan, to the right the pennant of the Syrian-Kurdish
People's Defense Units YPG (both known for their brave fight against Daesh (Islamic State) terrorists)
White House, Washington D. C., capital of the United States of America (~ 10 Jan 2016)

Rolle der USA:
Die USA unterstützen sowohl die irakischen (Peschmerga) als auch die syrischen Kurd*innen (YPG/YPJ) militärisch im Kampf gegen Daesh (IS), teils hinter vorgehaltener Hand auch politisch. Allerdings macht die Obama-Administration (wie die EU) haarsträubende Zugeständnisse an den 'NATO-Partner' Türkei, indem sie über die türkischen Bombardierungen tatsächlicher und angeblicher PKK-Kämpfer*innen im Nordirak und sogar über wiederholte Grenzverletzungen und türkische Angriffe auf das selbstverwaltete Rojava (also die mit Unterstützung der USA von den Kurd*innen der YPG/YPJ befreite Region in Nordsyrien) hinwegsieht und auch zum Staatsterror gegen die Kurd*innen in der Türkei selbst schweigt. Von daher sind Proteste in den USA gegen die widerliche Rolle der Türkei sehr bedeutsam. Erstes Ziel muss sein, dass die USA das beleidigt-chauvinistisch-arrogante Dauergejammer der türkischen AKP-Führung weiterhin vollkommen ignorieren (bisher tun sie das glücklicherweise meistens ;-)...).
Aber auch in den USA ist die PKK immernoch als terroristische Vereinigung gelistet, auch das muss sich ändern, um den Weg für einen Friedensprozess zu öffnen.

Role of the USA:
The USA support both the Iraqi (Peshmerga) as well as the Syrian Kurds (YPG/YPJ) militarily in the fight against Daesh (IS), partly on the quiet also politically. However, the Obama administration (like the EU) makes outrageous concessions to 'NATO partner' Turkey in overlooking the Turkish bombardments of actual and alleged PKK fighters in Northern Iraq and even ignoring permanent border violations and Turkish attacks on the self-governed Rojava (which means the region liberated by the Kurds of the YPG/YPJ with the support of the USA in Northern Syria) and also stays silent about the state terror against the Kurds in Turkey itself. Considering that, protests in the USA against the ugly role of Turkey are very important. First goal has to be that the USA further on completely ignore the steady butthurt-chauvinist-arrogant lamentation of Turkey's AKP leadership (fortunately, so far that's what they do most of the time ;-)...).
But also in the USA the PKK still is listed as a terrorist organization, this got to change, too, in order to open the way for a peace process.

Academics for Peace

...dass wir nicht Teil dieser Verbrechen sein werden...
...that we will not be a part of this crime...

US intellectuals against #TurkeysWarOnKurds:
Judith Butler, Noam Chomsky, Cynthia Enloe, David Graeber

„Der Türkische Staat verurteilt seine Bürger_innen in Sur, Silvan, Nusaybin, Cizre und in vielen weiteren Orten mit wochenlangen Ausgangssperren zum Verhungern und Ausdursten. Unter kriegsartigen Zuständen werden ganze Viertel und Stadtteile mit schweren Waffen angegriffen. Das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit, auf Freiheit und Sicherheit vor Übergriffen, insbesondere das Verbot von Folter und Misshandlung, praktisch alle Freiheitsrechte, die durch die Verfassung und durch von der Türkei unterzeichnete internationale Abkommen unter Schutz stehen, werden verletzt und außer Kraft gesetzt.

Diese gezielt und systematisch umgesetzte gewaltsame Vorgehensweise entbehrt jeglicher rechtlichen Grundlage. Sie ist nicht nur ein schwerwiegender Eingriff in die Rechtsordnung, sondern verletzt internationale Rechtsnormen wie das Völkerrecht, an die die Türkei gebunden ist.

Wir fordern den Staat auf, diese Vernichtungs- und Vertreibungspolitik gegenüber der gesamten Bevölkerung der Region, die jedoch hauptsächlich gegen die kurdische Bevölkerung gerichtet ist,
sofort einzustellen. (...)"

Aus dem Aufruf der Academics for Peace,
der vollständige Text kann hier eingesehen werden

Seit Januar haben sich eine ganze Reihe der großartigsten linken Intellektuellen der USA einem von 1.128 Akademiker*innen an 89 türkischen Universitäten ausgehenden Appell angeschlossen, der die brutalen Angriffe des türkischen Staates auf kurdische Städte scharf verurteilt und eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche zwischen der Türkei und der PKK einfordert (Auszug oben). Darunter so große Namen wie die Philosophin und Philologin Judith Butler (University of California, Berkeley; bekannt geworden durch ihre Genderstudien und fundamentalen Beiträge zur Queer-Theorie), der weltberühmte anarcho-syndikalistische Linguist Noam Chomsky, die feministische Autorin & Professorin Cynthia Enloe (University of California, Berkeley), der anarchistische Aktivist, Ethnologe und Wirtschaftsprofessor David Graeber (derzeit London School of Economics and Political Science, vorher u. a. Yale University), der "meistzitierte Geograph der Welt" und marxistische Sozialtheoretiker David Harvey (New York City, davor Baltimore; Stichwort: "Recht auf Stadt") und der Sozialwissenschaftler und Sozialhistoriker Immanuel Wallerstein, Begründer der "Weltsystemanalyse" (* 1930 in New York City). Unter den über 355 Akademiker*innen außerhalb der Türkei befinden sich weitere Berühmtheiten wie der sozialistische britische Autor, Filmemacher und Historiker Tariq Ali (geboren in Pakistan), Alessandra Mezzadri (School of Oriental and African Studies, London), der marxistische Philosoph Étienne Balibar (Frankreich), der psychoanalytische Philosoph und Kulturkritiker Slavoj Žižek (Slowenien) und der Autor und autonome Aktivist Franco Berardi (Italien).

Die Reaktion der türkischen Führung war erwartungsgemäß hysterisch und brutal: umgehende Zensur, Verhaftungen, Anklagen, übelste Drohungen und Verleumdungen. Die Betroffenen haben erklärt, sich nicht mundtot machen zu lassen und weiterzumachen. Mittlerweile haben etwa 5000 Akademiker*innen den Aufruf unterzeichnet, davon mindestens 2.212 in der Türkei und 2.220 aus dem Ausland. Gegen die Repression der Unterzeichner*innen haben sich inzwischen international zahlreiche neue Initiativen gebildet, darunter in der Türkei selbst Solidaritätserklärungen und Initiativen von 138 Theaterschauspieler*innen, von 433 Filmemacher*innen, mehr als 164 Schriftsteller*innen, von über 150 Journalist*innen und zahlreichen Student*innen.

Unterzeichnen: Der Originalaufruf der Academics for Peace kann unterzeichnet werden, indem Ihr Euren Namen, akademischen Titel und den Namen Eurer Universität per Mail an info@barisicinakademisyenler.net und an barisicingazeteciler@gmail.com (beide als CC) schickt.

Weitere internationale Solidaritätsinitiativen finden sich hier.

"The Turkish state has effectively condemned its citizens in Sur, Silvan, Nusaybin, Cizre, Silopi, and many other towns and neighbourhoods in the Kurdish provinces to hunger through its use of curfews that have been ongoing for weeks. It has attacked these settlements with heavy weapons and equipment that would only be mobilized in wartime. As a result, the right to life, liberty, and security, and in particular the prohibition of torture and ill-treatment protected by the constitution and international conventions have been violated.

This deliberate and planned massacre is in serious violation of Turkey’s own laws and international treaties to which Turkey is a party. These actions are in serious violation of international law.

We demand the state to abandon its deliberate massacre and deportation of Kurdish and other peoples in the region. (...)"

From the call of the Academics for Peace,
the complete text can be read here (also in Turkish)

Since January, a whole range of the greatest left-wing intellectuals of the USA followed an appeal started by 1,128 academics from 89 universities in Turkey, strongly condemning the brutal Turkish state attacks on Kurdish cities and towns and calling for peace talks between Turkey and the PKK to resume (extract above). Among them such big names as philosopher and philologist Judith Butler (University of California, Berkeley; known for her gender studies and her fundamental contributions to queer theory), world-famous anarcho-syndicalist linguist Noam Chomsky, feminist writer & professor Cynthia Enloe (University of California, Berkeley), anarchist activist, ethnologist and professor of economics David Graeber (currently London School of Economics and Political Science, prior among others Yale University), "most frequently quoted geographer of the world" and Marxist social theorist David Harvey (New York City, prior Baltimore, Oxford etc.; keyword: "Right to the city") and sociologist, historical social scientist and founder of the "World-System Theory" Immanuel Wallerstein (* 1930 in New York City). Among the over 355 academics from outside of Turkey are further luminaries like socialist British author, filmmaker and historian Tariq Ali (born in Pakistan), Alessandra Mezzadri (UK), Étienne Balibar (France), psychoanalyst philosopher and cultural critic Slavoj Žižek (Ljubljana, Slovenia; New York University (NYU)) and author and autonomist activist Franco Berardi (Italy).

The reaction by the Turkish leadership expectably was hysteric and brutal: immediate censorship, arrests, charges, disgusting threats and defamations. All signers have declared to not let them gag and continue. By now about 5000 academics have signed the petition, among them at least 2,212 in Turkey and 2,220 from abroad. Meanwhile, many new initiatives have been started internationally against the repression of the signers of the petition, among them in Turkey itself solidarity calls & initiatives from 138 theater actors & actresses, by 433 film makers, more than 164 authors & writers, over 150 journalists and many students.

You can sign the original petition of the Academics for Peace by sending your signature, name of your university and your academic title both to (as CC)
info@barisicinakademisyenler.net and to barisicingazeteciler@gmail.com

Further international solidarity initiatives can be found here.

International intellectuals against #TurkeysWarOnKurds:
David Harvey (USA), Immanuel Wallerstein (USA), Alessandra Mezzadri (UK), Franco Berardi (Italy)

“We are face to face with the treachery of so-called intellectuals (...)
I am inviting them to Turkey, we are ready to tell them what is going on.”
Recep Tayyip Erdoğan (AKP), president of Turkey, partner of Germany & EU

“So-called intellectuals the bell is going to toll for you first. Your blood is going to flow in streams and we are going to shower in that blood.”
Well-known fascist-jihadist Turkish organised crime boss Sedat Peker
who has close ties to the AKP government
(while large parts of the elected parliaments are in jail, he is free in #TerroristTurkey)

Judith Butler responded in style:

"The world needs to know why Turkey ended the peace process and laid siege to Kurdish towns, declaring war on civilians. The coupling of censorship and military control is a great danger to democracy. The labelling of critical discussion as treachery is an old and indefensible tactic of governments that want to broaden their power at the expense of democracy.”
Judith Butler: Academics Around The World Are Horrified At Erdoğan’s Threats
(all three quotes from there)


ASIEN ★ ASIA

Tokyo (Japan)

A student's die-in saying "KURDISTAN NOT ALONE" & "KILLER ERDOGAN",
along with flags of the Kurdistan Workers Party PKK & its in Turkey imprisoned founder Abdullah Ocalan
in front of the United Nations University in Tokyo (Japan) (~ 11 Feb 2016)


Girkê Legê, Rojava (Syria)

Endlos... * Endless...
People march in solidarity with Kurds in #Bakur #Sur #Cizre #Silopi
Girkê Legê, 7 Jan 2016
located in Cizîre Canton of Rojava, 35 km from the Iraqi border, 15 km from the Turkish border

Im gewohnt farbenfrohen kurdisch-syrischen Frauenblock der Demonstration
In the female bloc of the Kurdish-Syrian rally, colourful as usual
Girkê Legê, 7 Jan 2016

Entwicklungen in Rojava:
Hierüber habe ich schon viel berichtet. Ich verweise auf folgende Artikel-Auswahl:

Zur schrittweisen Befreiung von Rojava:

Gesellschaft & ziviles Leben:
The Politics of the Future (Jan. 2015, Überblicksartikel)

Developments in Rojava:
I have already written a lot about that and recommend the following articles:

About the stepwise liberation of Rojava:

Society & civil life:
The Politics of the Future (English) (Jan 2015, overview article)


Nähern wir uns dem Kern des Problems einer möglichen Beendigung des Staatsterrors der Türkei:
Let's get closer to the heart of the problem of a possible cessation of Turkey's state terror:

EUROPA ★ EUROPE

Bern (Schweiz/Switzerland/CH)

PKK-Fahne am türkischen Konsulat (^.^) PKK flag at the Turkish consulate
"Wow: love these laid-back Swiss cops in Bern, Switzerland ... youths hung a PKK flag on the Turkish consulate" (original title on Twitter)
Bern, de facto capital of Switzerland (8 Feb 2016)

Situation in der Schweiz:
Im Unterschied zu Deutschland und der EU ist die PKK in der Schweiz nicht verboten. Man merkt's *lach*. Vorbildlich! Auch die Vereinten Nationen (UN), Russland und China führen die PKK übrigens nicht auf ihren 'Terrorlisten'.

Situation in Switzerland:
In difference to Germany and the EU, the PKK is not banned in Switzerland. As we can see *lol*. Commendable! Also the United Nations (UN), Russia and China btw do not list the PKK on their 'terror lists'.


PKK - Na klar! Weg mit dem PKK-Verbot!

Doch die Stimmen, dem Schweizer Vorbild zu folgen und die PKK endlich von der EU-'Terrorliste' zu streichen, werden häufiger und lauter. Nachdem in Deutschland letztes Jahr die entsprechende Initiative der Partei Die Linke an der mit haarsträubenden Argumenten begründeten Ablehnung der CDU/CSU-SPD-Regierung wie auch der diesbezüglich peinlicherweise gespaltenen Grünen gescheitert war, gibt es Bewegung in anderen EU-Ländern (wenngleich die meisten Mitgliedsstaaten die PKK ohnehin nicht selbst als Terrorgruppe einstufen, dies sind neben Deutschland nur Österreich, Frankreich, Spanien, die Niederlande und das Vereinigte Königreich) und auf EU-Ebene:

Aufruf aus dem Europäischen Parlament:
Mehr als 100 MdEPs rufen die Mitgliedsstaaten zum Handeln auf (15.02.2016)

Auch in Großbritannien wird gegen das PKK-Verbot mobilisiert:
Lift the ban on the PKK!
To the UK government, the European Union and the Turkish Government

PKK - Of course! Delist the PKK!

But the calls to follow the Swiss model and to finally remove the PKK from the EU 'terror list' are getting more frequent and louder. After in Germany last year the corresponding initiative of the left-wing party Die Linke failed due to the rejection by the conservative-socialdemocrat government (CDU/CSU & SPD) as well as by the Green Party (all three parties had incredible, hair-raising arguments for that; the latter embarrassingly is split regarding that topic), there is some movement in other EU countries (though most of its member states have not individually listed the PKK as a terrorist group anyway, these are beside Germany only Austria, France, Spain, the Netherlands and the UK) and at EU level:

Call from the European Parliament:
(15.02.2016)

In the United Kingdom there is also a campaign to "Lift the ban on the PKK!".
You can sign here:
To the UK government, the European Union and the Turkish Government


In Frankreich werden derweil Fakten geschaffen, auch eine charmante Variante:
In France people meanwhile are creating precedents, also a charming option:

Bordeaux (France)

Demonstrant*innen hissen die Flagge der Koma Civakên Kurdistan (KCK) (Union der Gemeinschaften Kurdistans) auf dem Balkon des türkischen Konsulats.
Demonstrators raise the flag of Koma Civakên Kurdistan (KCK) (Group of Communities in Kurdistan)
on the balcony of the Turkish consulate.
Bordeaux (France) ca 8 Feb 16

Koma Civakên Kurdistan (KCK)
Die KCK (Union der Gemeinschaften Kurdistans) wurde 2005 von der PKK gegründet und soll die Keimzelle der im "Demokratischen Konföderalismus" anvisierten nichtstaatlichen Gemeinschaft bilden.
Sie ist eine Art Dachorganisation assoziierter Kurd*innen in der Türkei, Syrien, Irak und Iran.
*
The KCK (Group of Communities in Kurdistan) was founded in 2005 by the PKK as a nucleus of the non-state community under the principles of "Democratic Confederalism".
It's a kind of umbrella organization of associated Kurds in Turkey, Syria, Iraq and Iran.


Paris (France)


PKK flag & Eiffel Tower
@ Rally in remembrance of Sakine Cansiz, Fidan Dogan & Leyla Saylemez
murdered in Paris (!!!) on 9 Jan 2013 by #TerroristTurkey
Paris 9 Jan 2016

 
"VÉRITÉ ET JUSTICE!" * Wahrheit & Gerechtigkeit! * Truth & Justice!
Rally in remembrance of Sakine Cansiz, Fidan Dogan & Leyla Saylemez
Paris 9 Jan 2016

Aber in Paris werden nicht nur die schicksten Photos gemacht, es werden auch die richtigen Fragen gestellt:

But in Paris not only the most stylish photos are made, they also raise the right questions:

"Did #EU give #Turkey 3 Billion Euros to kill #Kurds?"
Paris 9-10 Jan 2016


Barcelona (Catalonia, Spain)

- "STOPPT DAS BLUTBAD - Amed Sur Silopi Cizre Nusaybin" -
Katalonien ist traditionell das Terrain anarchistischer Gruppen.
Hier Schweizer*innen und Deutsche bei einer großen Demonstration gegen die Massaker in der Türkei.
*
- STOP THE BLOODBATH - Amed Sur Silopi Cizre Nusaybin -
Catalonia traditionally is the terrain of anarchist groups.
Here Swiss and Germans at a huge rally against the massacres in Turkey.
Barcelona ca 10 Jan 2016


"Kürt halkinin özerklik kararini destekliyoruz
Katliamlari durdurun!"
AUTONOMY / SELF-GOVERNMENT FOR THE KURDISH TERRITORIES! - STOP THE MASSACRE! -
INTERNATIONAL SOLIDARITY WITH THE RESISTANCE
Anarchist groups in Catalonia march in solidarity with Kurds against Turkish state terror.
Barcelona ca 10 Jan 2016


Livorno (Toscana, Italy)


"KINDER SOLLTEN NICHT STERBEN, SONDERN ZUM SPIEL GEHEN -
BIJI BERXWEDANA SURÊ ("Lang lebe der Widerstand in Sur" auf Kurdisch)"
Während des Fußballspiels zwischen Livorno und Crotone (italienische 2. Liga) entfalteten Fans diese großen Transparente in dem toskanischen Stadium als Protest gegen die völkermörderischen Angriffe der Türkei gegen die Kurd*innen. Toll! Und eine schöne Parole!
*
"CHILDREN SHOULDN'T DIE BUT COME TO STADIUMS -
BIJI BERXWEDANA SURÊ ("Long Live Sur Resistance" in Kurdish)"
During the soccer match between Livorno and Crotone (Italian Serie B) fans unfurled these huge banners in the Tuscany Stadium in protest at the Turkish state's genocidal attacks against the Kurdish people.
Great! And a wonderful slogan!

There's also a short silent video of this situation.
Pic via www.kurdishinfo.com
Livorno 2 Mar 2016


Situation in Italien:
Aus Italien kommen ohnehin oft die besten Nachrichten bezüglich des Themas. So hat Rom die kurdisch-nordsyrische Stadt Kobanê in Rojava offiziell zur Partnerstadt gemacht.
Und erst vor kurzem hat die Stadt Neapel (Napoli) den in der Türkei seit über 15 Jahren in Isolationshaft eingesperrten PKK-Gründer Abdullah Öcalan am 17. Februar 2016 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Wow! Viele Städte (zum Beispiel Berlin oder xxx (trage Deine Stadt selbst ein)...) sollten diesen Beispielen folgen!!!

Situation in Italy:
The best news regarding the topic often come from Italy anyway. For example, Rome has made the Kurdish Northern Syrian town of Kobanî in Rojava officially to its sister city (twin city).
And just recently, on the 17th of February 2016, the city of Naples (Napoli) made PKK founder Abdullah Ocalan who is imprisoned in Turkey since more than 15 years held incommunicado a honorary citizen of the town. Wow! Many cities (for example Berlin or xxx (fill in your town yourself)...) should follow these examples!!!


Sweden

"#Solidarity With KURDISTAN"
Six women protest with a performance in a Swedish city centre against Turkish state's terror attack that
killed the three female Kurdish activists Pakize Nayir (back), Fatma Uyar (front left) & Sevê Demir (right) in #Silopi (Turkey) on 5th of January 2016. Each activist, each photo & each sign reminds one of them.
It's a good example that even a few people can develop great activities!
Sweden 7 Jan 2016

Demo against Turkey's ongoing genocide in #Bakur:
March 6, 13 h: Norrmalmstorg, Stockholm (by PJAK Stockholm)


London (United Kingdom)

Today! 6th of MARCH 2016!
LONDON International Rally against #TurkeysWarOnKurds
12 pm BBC (Portland Place, W1A), departs 13 pm. 14 pm rally at Trafalgar Square.
London


Germany

Das größte Problem einer Lösung in der Türkei ist in meinen Augen definitiv (neben der türkischen AKP-Regierung natürlich) Deutschland (ich sag das als 'Deutsche', auch wenn ich mich als kosmopolitischer Mensch nicht als solche betrachte). Die Unterstützung der faschistischen türkischen Regierung durch unsere Regierung, um Flüchtlinge abzuhalten (tatsächlich hat Deutschland die Türkei immer schon unterstützt, auch vor der sogenannten 'Flüchtlingskrise') und die schockierende Stille über die Kriegsverbrechen der Türkei in Kurdistan schreien nach einem antirassistischen Aufstand in Deutschland selbst. Aber im Moment sind es - wie anderswo - die deutschen Rassist*innen und Faschisten, die den Ton angeben. Horror! Natürlich gibt es auch in Deutschland eine Menge Widerstand und Solidarität mit den Kurd*innen (und mit den Flüchtlingen). :-) Es gibt laufend, teilweise große, Demonstrationen und Aktionen. Ich werde darüber vielleicht in einem anderen Post berichten.

(on 19th of March 2016 will be a huge Newroz (Kurdish New Year / Spring Feast) rally in Hannover)

In my eyes, the biggest problem of a solution in Turkey definitely is (beside the Turkish AKP government of course) Germany (I say that as a 'German', even though as a cosmopolitan person I don't consider myself as one). Our government's support for Turkey's fascist government in order to keep away refugees (actually, Germany has always supported Turkey, even before the so called 'refugee crisis') and the shocking silence about Turkey's war crimes in Kurdistan cry for a non-racist uprising in Germany itself. But right now, like elsewhere, its the German racists and fascists who 'call the shots'. Horror! Of course, there is a lot of resistance and solidarity with the Kurds (as well as with the refugees) in Germany, too. :-) There are ongoing, partly huge demonstrations and activities. Maybe I will report about all that in an extra post.

We stay tuned!

STOP #TurkeysWarOnKurds

Refugees Welcome

... und natürlich:
... and of course:

BOYKOTTIEREN SIE DIE TÜRKEI ALS URLAUBSLAND
Ihr Geld wird dazu benutzt, Kriegsverbrechen zu finanzieren
'Urlaubsparadies' #TerroristTurkey - 'Holiday Paradise' #TerroristTurkey

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