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Saturday, September 19, 2015

Der NS-Tempel wird zum bunten Lolla-Schmetterling

Wunderschön beleuchteter Eingang von Ernst Sagebiels NS-Bau während des Lollapalooza-Festivals
so sieht's doch gleich sehr viel einladender aus! :-)
Der ehemalige Zentralflughafen Tempelhof @Lollapalooza Festival, Berlin 2015
Photo by FB Lollapalooza Official

Auf einer meiner U-Bahn-Fahrten zum Lollapalooza-Festival auf dem alten Flughafen Tempelhof sprach mich ein fröhliches, buntbemaltes Mädchen an, die mit ihrer netten Mutter neben mir auf der Bank saß und fragte mich: "Was bin ich?". Während ich noch ihre Gesichtsbemalung bemusterte, half sie mir schon auf die Sprünge: "Erst ist es ne Raupe und dann...". Sie kamen in umgekehrter Richtung vom wahrscheinlich buntesten Festival, das der olle Flughafen mit dem abscheulichen Monumentalbau von Nazi-Architekt Ernst Sagebiel (siehe Kasten weiter unten) bisher erlebt haben dürfte. Und dem jungen Mädchen gelang, womit selbst viele Erwachsene ihre Schwierigkeiten hatten (und sich mit Ausflüchten wie Lolladingens-Festival zu retten versuchten) - die beinahe korrekte Aussprache des etwas sperrigen Festival-Namens! Als sie ein Plakat in der U-Bahn entdeckte, genügten ihr drei Anläufe: "Lo-la, Lolla-pa, Lollapa-lozza!" – mit nach getaner und bravourös verrichteter Lesearbeit entschiedener und sichtlich erleichterter Betonung auf ein kurzes und knackiges o. Lozza, jawoll! Ich hätte ihr natürlich noch erklären können, dass die im comichaften Logo übereinander gestapelten oo im Englischen wie ein u gesprochen werden, aber es hätte die Gefahr bestanden, dass ich gesagt hätte: "Wie in Goofy!" und sie mich gefragt hätte, wer Goofy sei und damit eventuell schon wieder in eine verlegene Situation gebracht hätte... ;-) (kleine Umfrage unter meinen unter 15-jährigen Blog-Leser*innen: "Kennt Ihr noch Goofy???" Nun ja, vielleicht doch... über Kingdom Hearts...? ^.^ ).


[Bald kommt mein 'Ausleih-Baby' zur Welt, dann bin ich künftig hoffentlich wieder besser auf dem Laufenden über die fabelhafte Welt der 'unter 15-jährigen'...]

Mit dem Festival jedenfalls verhielt es sich ein bißchen wie mit der Geschichte von dem Mädchen: "Erst ist es ne Raupe, und dann ist es..." ein bunter Schmetterling (wie ich dann mit Blick auf die blau-goldenen, geschwungenen Flügel auf ihren Backen, den über ihre Nase verlaufenden Schmetterlingskörper und die auf ihrer Stirn befindlichen Fühler geschwind und wenig schlagfertig, aber immerhin zu beiderlei Zufriedenheit, ergänzte)!. Oder, da ich nicht beim Aufbau, sondern beim Abbau dabei war und so das imposante Meer von sich über die ehemaligen Landebahnen grabenden Lastwagen, Gabelstaplern, Kränen und, teils fast schon an polizeiliche oder militärische Räumpanzer erinnernden, Spezialfahrzeugen und die damit verbundene, ganz schnöde, proletarische Schwerstarbeit von einer ganzen Bau- und Kultur-Fabrik Hunderter mehr oder weniger prekärer Arbeiter*innen 'bewundern' konnte, vielleicht auch umgekehrt...

Dennoch und gerade deshalb, für das kleine Mädchen und die vielen tollen Menschen, die das alles ermöglicht, aufgebaut, bespielt und anschließend wieder abgebaut haben:

Impressionen eines wunderschönen Festivals.


Ein Festival für alle

StreetArt @Lollapalooza Festival, Berlin 2015
Photo by Clemens Bilan

Sweet, aber noch komplizierter auszusprechen: der-die-das Kidzapalooza @Lollapalooza Festival, Berlin 2015
Photo by Alexander Koerner


... ganz ohne Schlamm

Aufgrund der aus großen Asphalt-Platten bestehenden, vergleichsweise High-Heel-freundlichen Landebahnen verlief das Lollapalooza-Festival auch ganz ohne Schlammschlachten, wie sie von anderen Festivals bekannt sind, etwa in diesem legendären Photo vom Glastonbury-Festival:

Peter Doherty (THE LIBERTINES) und seine damalige Freundin, Model Kate Moss, waten durch den Schlamm des Glastonbury-Festivals 2005
Paparazzo-Photo, u. a. auf Virginmedia.com

Absurdes Detail am Rande: beim Abbau erzählte jemand, dass nicht nur das Flughafen-Gebäude, sondern auch diese Asphaltplatten unter Denkmalschutz stünden, was konkret bedeutet, dass sie nach dem Festival wieder von den hübschen Streetartmalereien gereinigt werden mussten, damit der Nazi-Beton wieder schön glänzt... verrückte Welt! Da hoffe ich doch schwer, dass ich mit meinen Absätzen wenigstens ein paar Steinchen gelockert habe...


Architekten des Lichts - Im Luminarium

Im Luminarium auf der LollaFunFair @Lollapalooza Festival, Berlin 2015
Photo by Alexander Koerner

Ähnlich wie in einer Moschee oder in einem Zelt zieht mensch in einem Luminarium die Schuhe aus.
Islamische und gotische Architektur (Kathedralen) sind neben der Natur Inspirationen für die Luminarien der Architekt*innen. Zwei Besucher*innen haben es sich gemütlich gemacht.
Cut-out (Ausschnitt) from a Photo by Alexander Koerner

 
Nicht auf der oder dem Lollapalooza, aber weil ich das Outfit der Performerin vorne so schön finde:
eine Performance (2012) im Luminarium Mirazozo (noch so ein seltsames Wort... passt gut in die Wortfamilie Lollapalooza & Kidzapalooza... ^.^), das auch in Berlin aufgebaut war
Photo by John Aho
(original title: Mirazozo-with-Transfix-Mesa via http://www.architects-of-air.com)

Schöner Film über die Luminarien (ich hoffe, das ist der richtige Plural, oder heißt es Luminarii?) von www.architects-of-air.com

Luminarium Situation

Photo by beeftink via www.architects-of-air.com

Wunderschöne, von der Natur inspirierte Details
Photo by Geoffrey Fielding ("levity-ii-centre-dome-hi-res")


Kunst & Lustiges - Art & funny things

LollArt @Lollapalooza Festival, Berlin 2015
Photo by Alexander Koerner

... und alle Sorten von das Gelände überqueerenden lustigen Vehikeln...
Photo by Stephan Flad (Ausschnitt / Cut-out by me)


Flower Power - Make fashion, not war!

Blumenkränze machen @Lollapalooza Festival, Berlin 2015
Photo by Clemens Bilan

Taschen machen auf der Fashionpalooza @Lollapalooza Festival, Berlin 2015
Photo by Clemens Bilan

Best Festival Bag: "Fuck Forever" ist ein Song der Babyshambles,
der Band von Peter Doherty (THE LIBERTINES)
Photo by Clemens Bilan (Ausschnitt / Cut-out)

Best Dressed Couple: Etty Lau Farrell (Tänzerin & Sängerin bei Satellite Party) & Perry Farrell (Gründer des Lollapalooza Festivals, Frontmann von Jane's Addiction, Porno for Pyros und Satellite Party)
@Lollapalooza Festival, Berlin 2015
Photo by Patrick & Elisa Essex

   
Riot Grrrls in Golden Skirts:
Best Dressed Kid (links) &
Most Stylish Musician: die tolle Gitarristin Ellie Rowsell von Wolf Alice (rechts)
Photo of Kidzapalooza by Zwergstadt UG (Cut-out, Ausschnitt), Photo of Ellie Rowsell (Wolf Alice) by Frank Hoensch


Den Nazi-Ungeist austreiben

Der ehemalige Flughafen Tempelhof @Lollapalooza-Festival Berlin 2015:
Ein riesiger Zirkus vagabundierender 'Zigeuner*innen' ♥
Wenn das 'der Führer', NS-Architekt Ernst Sagebiel oder der Generalbauinspektor und Reichsminister für Bewaffnung und Munition Albert Speer wüßten würden sie vermutlich und hoffentlich gleich wieder sterben... wie schön! (^.^)
Text by me (STYLE! IT! TAKES! Blog Berlin)
Photo by Stephan Flad


Kleine Geschichtsstunde zum Flughafen Tempelhof

Der 1923 eröffnete ehemalige Flughafen Tempelhof hatte keinen guten Start, denn just an dem Tag, an dem die Baugenehmigung erteilt wurde, stürzte bei der anschließenden Vor-Ort-Besichtigung ein Flugzeug über der Hasenheide ab, wobei zwei Magistratsmitglieder tödlich verunglückten. Der trotzdem gebaute und in verschiedenen Bauabschnitten 1924-1928 ausgebaute Flughafen entwickelte sich dann in der Weimarer Republik zum europäischen Spitzenreiter in Bezug auf das Verkehrsaufkommen, dessen Grenzen bald erreicht waren, so dass schon 1930 ein Neubau geplant wurde.

Nach der Machtübernahme der Nazis wurde das Flughafengebäude von dem NSDAP-Architekten und SA-Mitglied Ernst Sagebiel (1892-1970) in seiner heute bekannten strengen Form für die geplante 'Reichshauptstadt Germania' (so sollte Berlin heißen!) umgebaut (Planung ab 1934, Bau ab 1936, unvollständige 'Fertigstellung' 1941) und war kurzzeitig das flächenmäßig betrachtet größte Gebäude der Welt, bevor es 1943 vom Pentagon (bis heute Hauptsitz des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums) in Arlington bei Washington abgelöst wurde.

Sagebiel war zuvor mit dem Bau zahlreicher Kasernen befasst (an die mich auch seine Flughafen-Architektur erinnert) und wurde berühmt durch seinen (noch scheusslicheren) Bau des von Hermann Göring geleiteten Reichsluftfahrtministeriums (RLM) in der Wilhelmstraße / Leipziger Straße, das heute - vielleicht nicht unpassend - das Bundesministerium der Finanzen beherbergt und unangefochten Platz 1 meiner 'Liste der noch abzureissenden oder zu sprengenden Gebäude Berlins' belegt (noch vor dem Brandenburger Tor, siehe dazu meinen Artikel "Keine Feiertage: 3. Oktober, 9. November"). Mit diesem Ungetüm von 1934/35 gab Sagebiel noch vor Albert Speer die strenge Richtung der NS-Architektur, die so genannte "Luftwaffenmoderne", vor.

Hitler's 'Stararchitekt', der Kriegsverbrecher, Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt (GBI) und ab 1942 Reichsminister für Bewaffnung und Munition Albert Speer (1905-1981) lies für die anvisierte 'Nord-Süd-Achse' der geplanten "Welthauptstadt Germania" ab 1938 Häuser und Siedlungen in Berlin-Tempelhof abreissen, obwohl (auch) damals mehr als 100.000 Wohnungen in der Stadt fehlten. Wären die Pläne nicht durch den Krieg gegen Polen (1939) und die Sowjetunion (ab 1941) gestört worden, wären für diesen Großmachtwahn 150.000 bis 200.000 Berliner*innen wohnungslos geworden. Auch wenn es nicht ganz dazu kam, wurden 15.000 bis 18.000 Wohnungen jüdischer Menschen durch Zwangsräumungen und 'Arisierungen' enteignet, die Mieter*innen vertrieben und / oder in "Judenhäuser" (NS-Jargon, auch Ghettohaus genannt) gesperrt. (Quellen zu diesem Absatz und Näheres zu Albert Speer im 'schlauesten Lexikon der Welt' Wikipedia).

Der Flughafen Tempelhof sollte ein Aushängeschild des NS-Regimes werden, und neben dem Reiseverkehr auch speziell für Flug- oder besser Luftwaffenschauen und andere NS-Massenveranstaltungen ausgebaut werden (daher auch die großen Dachtribünen, die für mehr als 100.000 Zuschauer ausgerichtet waren, aber nicht mehr in Benutzung kamen). Sagebiels Flughafen wurde niemals wirklich fertiggestellt, denn nach dem deutschen Einmarsch in die Sowjetunion 1941 kamen die Arbeiten nicht mehr so recht voran, das Gelände wurde immer mehr zur Rüstungsfabrik. Der heute bekannte Bau wurde erst nach Ende der Berliner Luftbrücke (1948/49) provisorisch 'fertig', die Eingangshalle wurde sogar erst 1962 eingeweiht und es galt – mehr als zu Recht – als geboten, die Deckenhöhe dieses albernen Monstrums durch Einbau einer Zwischendecke um sage und schreibe 10 Meter abzusenken...

Das Tempelhofer Feld – schon seit dem 18. Jahrhundert ein Paradeplatz, Exerzier- und Manövergelände für das preußische Militär – war Ort der ersten NS-Massenaufmärsche (zum Beispiel am 1. Mai 1933 am „Tag der nationalen Arbeit“, wie die Nazis den internationalen Arbeiter*innen-Kampftag perverserweise nannten). Nach Kriegsbeginn 1939 wurde aus der Baustelle Neuer Flughafen eines der weltweit größten Endmontagewerke für Bombenflugzeuge mit Tausenden von vor allem osteuropäischen Zwangsarbeiter*innen, nachdem Teile des großen Weserflug-Werkes Lemwerder (bei Bremen) nach Tempelhof verlagert wurden und auch die Lufthansa dort verschiedene Zwangarbeits-Lager und Baracken für ihre (Kriegs-)Produktion errichtete. Die überlebenden Zwangsarbeiter*innen konnten erst Ende April 1945 von der Roten Armee im Zuge der Schlacht um Berlin befreit werden. Schon im Juli 1945 übergab die Sowjetunion dann den stark zerstörten Flughafen den allierten US-Truppen, die parallel zur zivilen Nutzung des Flughafens noch bis zu ihrem Abzug nach der 'Wiedervereinigung' 1990 auch die militärische Nutzung fortsetzten.

Der Flughafen wurde nach dem glücklicherweise gescheiterten Volksentscheid für einen Weiterbetrieb 2008 endgültig geschlossen und nach dem erfolgreichen Volksentscheid 2014 gegen eine neue Bebauung endlich (hoffentlich!) den Händen der 'großen Politik' entrissen und den Berliner Bürger*innen 'übergeben' (falls es dabei bleibt, was wiederum eine Aufgabe der so genannten Zivilgesellschaft ist).

(Quellen aus den verlinkten Wikipedia-Einträgen, ausführlichere Informationen zur interessanten Geschichte des ehemaligen Flughafens im entsprechenden Wikipedia-Eintrag)

Eine persönliche Geschichte zum Abschluss:

Vor vielen vielen Jahren, als ich noch nicht in Berlin wohnte und mich auch noch nicht so mit der Stadt (oder solchen Aspekten der Stadt) beschäftigt hatte, schaute ich bei einer nächtlichen Fahrt neugierig aus einem Auto, das den (was ich damals nicht wusste) Columbiadamm entlang des nicht enden wollenden Sagebiel-Gebäudes fuhr und fragte Fahrer und Mitfahrerinnen, was das denn für ein Gebäude sei. Noch bevor die Antwort kam, ergänzte ich: "Sowas können doch nur die Nazis gebaut haben!"...
Kurz darauf sah ich dann einen dieser Adler... und diese machistisch-kraftstrotzenden, hässlichen Dinger kleben da bis heute! Wie wäre es damit, sie ins Deutsche Historische Museum oder die Topografie des Terrors zu verfrachten und stattdessen zwei bunte Schmetterlinge anzubringen? Ach, wäre ich nur Berliner Kultursenatorin oder Bundesbauministerin!

Da schaut er aber ganz schön blöd aus, der Reichsadler am Flughafengebäude Tempelhof... (photographiert von Sir James, Berlin 24. April 2008, CC BY-SA 2.0 de), denn jetzt übernehmen die Schmetterlinge! Der in Südamerika beheimatete Blaue Morphofalter kommt aus der Biologie-Abteilung der Uni-Erlangen geflattert, der Rosa Schmetterling aus der virtuellen Welt der www.tierbildergalerie.com.
Die Collage ist vom STYLE! IT! TAKES! Blog Berlin, weil frau sich ja um alles selbst kümmern muss! Bei der Gelegenheit habe ich auch die Tempelhof-Fassade ein bißchen umgemauert, um ihr etwas mehr Struktur zu geben. ;-)


Nacht über Tempelhof @Lollapalooza Festival, Berlin 2015
Der hübsche, organisch-moderne und fast schon filigrane, 1982 erbaute Radarturm links im Bild hat übrigens nichts mit der Nazi-Architektur zu tun (auch das wusste ich vor meiner Beschäftigung nicht, aber er hat mir schon immer besser gefallen als das erschlagende Sagebiel-Gebäudeich hab halt auch instinktiv einen guten Geschmack...^.^). Leider wurde auch der Radartum immer militärisch genutzt, bis Beginn der 1990er Jahre von der US Air Force, heute von der Bundeswehr. :-( Noch so ein Spuk, den es zu vertreiben gilt... ;-)
Text by me (STYLE! IT! TAKES! Blog Berlin)
Lollapalooza-Night-Photo by Alexander Koerner


Music When The Lights Go Out*
* Titel eines auf dem Festival den Refugees gewidmeten Songs von THE LIBERTINES

Most bombastic show: Deichkind @Lollapalooza Berlin 2015
Photo by Frank Hoensch

Refugees Welcome! Neben dem Libertines positionierten sich auch Deichkind in ihrer Show für die Flüchtlinge @Lollapalooza Berlin 2015
Photo by Jakubaszek

Noch mehr schicke Muster... Robin Schulz, Martin Garrix und Fatboy Slim on stage @Lollapalooza 2015
Photos by: Jakubaszek (Robin Schulz), Clemens Bilan (Martin Garrix), Frank Hoensch (Fatboy Slim)

A Front Row Pic (btw nice shirt in the middle!) @Lollapalooza Berlin 2015
Photo by Clemens Bilan


...und das Beste zum Schluss!

Diese Schaukeln waren toll... und hätten auch gerne über das Festival hinaus dort bleiben können... ;-) LollaFunFair @Lollapalooza Berlin 2015
Photo by Clemens Bilan

Best Concert: Peter Doherty from THE LIBERTINES @Lollapalooza Berlin 2015
(hier ist meine ausführliche Besprechung dieses großartigen Konzertes / my concert review)
Photo by pitpony.photography (CC-BY-SA-3.0)

Best Stage Look: Lauren Mayberry von den CHVRCHΞS
Photo by Frank Hoensch

Best Performance: Heißluftballon-Akrobatin @Lollapalooza Festival Berlin 2015
Photo by Matze Hielscher / Mit Vergnügen


Tempelhof - der alte Nazi-Flughafen wird endlich herrlich spacig-bunt!
Weiter so, bis die Reichsadler vom Sockel stürzen!
(^.^)


Lesetips / Reading recommendations (partly in English, w lots of pics & videos):

Pop & Elend. Elend Macht Pop (über Musik und Refugees) (Okt. 2015)
★ Keine Feiertage: 3. Oktober, 9. November (ein historisch-politisch-kultureller Streifzug durch Berlin und andere Gefilde) (Okt. 2015)
Nacht über Tempelhof: Libertines, Refugees, Katie & Lolla (Libertines Lollapalooza Konzert Review) (Sept. 2015)
Time for Heroes! THE LIBERTINES @ Lollapalooza Festival (Bandvorstellung) (Sept. 2015)
Am Weißen See in Weißensee (Sommerfeelings und eine Vorstellung der großartigen Synthie-Wave / Minimal-Pop-Band Sonnenbrandt aus Hamburg) (Aug. 2015)
(the last one is completely in English, too)


Info for photographers: I got most of these pics from the official Lollapalooza Festival pages (Lollapalooza website, official Lollapalooza Facebook) or other festival- or artist-related pages so I assume they are ok. to share. If you want me to give any other or further kind of credit / link or to remove one of your works, just let me know. In any case: thanx so much for your wonderful & great work!!! ♥

Photo info for my dearest readers: Please check out the amazing photographers, they all have their own webpages, Facebook, Flickr, Twitter etc. pages and they all spend so much (often unpaid or poorly paid) work and passion into covering all these wonderful scenes. If you share anything from them in social media, please don't forget to give them credits (at least their names, better combined with links to their pages) as I do. They all deserve it! ♥

Photographers Links (alphabetical order & what I could find):

Clemens Bilan
www.clemensbilan.de

Stephan Flad
www.stephanflad.de

Matze Hielscher
http://matzehielscher.tumblr.com/

Frank Hönsch
www.hoensch-foto.de

Jakubaszek
www.jakubaszek.com

Alexander Koerner
www.ak-oerner.de

pitpony.photography
www.facebook.com/pitponyphotography



Weiteres zum Thema / Related articles*
*mostly in German, but all with beautiful pics & videos:
Time for Heroes! THE LIBERTINES @Lollapalooza Festival
(Introduction into The Libertines)*
(The Libertines Concert Review, Sept. 2015)*
Song of the Day: You're My Waterloo
(The Libertines song & various beautiful versions)

Wednesday, September 9, 2015

Time for Heroes! THE LIBERTINES @ Lollapalooza Festival

Die zweite, unbetitelte The Libertines-LP von 2004
Pic via fameimages.com


"If you've lost your faith in love and music
Oh the end won't be long
Because if it's gone for you – then I too may lose it
And that would be wrong"
THE LIBERTINES - The Good Old Days (2004)

Ich freue mich schon wie Bolle auf die The Libertines am Samstag. Über eine Freundin bin ich noch kurzfristig in ein Lollapalooza-Team gerutscht und kann jetzt erst feiern und dann am Montag beim Festival-Abbau mithelfen. Ich freue mich auf beides und tanze schon seit Tagen vor Vorfreude auf die Libertines in der Wohnung herum... :-)

Zur Einstimmung schon mal eine kleine Auswahl meiner Lieblingszitate, Lieblingstextstücke, Lieblingssongs, Lieblingsphotos und Lieblingsvideos:


Bound together

"... it's a deep love. Deep love does funny things to people"
Carl Barât 2010 über seine Beziehung zu Pete Doherty

THE LIBERTINES - Up The Bracket (2002),
Titelsong des Debut-Albums und zweite Single der Band

Im Video von links nach rechts:



1997-2004 | seit 2010

♥ Gary Armstrong Powell (* 11. November 1969 in New York, USA)
ist seit 2001 Drummer bei den Libertines. Er spielte auch mit der guyanesischen Reggae-Legende Eddy Grant, war Schlagzeuger der legendären US-amerikanischen Punkband New York Dolls bei deren Reunion Shows 2004 (und damit Nachfolger von Billy Murcia, Jerry Nolan und Tony Machine) und nach der Auflösung der Libertines mit Carl Barât bei den Dirty Pretty Things (2005-2008). Sein Beitrag zur Band wird (wie der von John Hassall) gemeinhin unterschätzt, dabei ist er nach Pete mein Lieblings-Libertine! Seine ältere Schwester Hope Powell ist übrigens Trainerin der englischen Fußballnationalmannschaft der Frauen.

♥ John Hassall (* 17. Februar 1981 in Westminster, London)
spielt Bass und gründete nach dem Ende der Libertines die Psychadelic-Folk-Rock-Band Yeti (bis 2009), die 2006 Teil einer Anzeigenkampagne des italienischen Jeans-Modelabels "Energie" war und mit ihrer schönen Debut-Single "Never Lose Your Sense Of Wonder" 2005 einen Hit hatte, der auch bei Konzerten der wiedervereinigten Libertines gespielt wird.

♥ Pete® Doherty (* 12. März 1979 in Hexham, England)
ist mit Carl Frontmann, Sänger und Gitarrist der Libertines (1997-2004, seit 2010) und Kopf der Babyshambles (ab 2004). Ihm – bzw. seiner tragischen Drogensucht – ist es zu verdanken, dass die Bandgeschichte auf Wikipedia aus genau zwei Kapiteln besteht: "Der Abstieg" und "Das Ende". Irgendwie auch charmant.
Er unterhält eine tiefe 'Hass-Liebe' mit Carl Barât, bei dem er 2003 in die Wohnung eingebrochen war, um seine Sucht zu finanzieren – oder sich dafür zu rächen, dass die Band ohne ihn nach Japan gefahren war (Carl Barât hatte stets mit solchen 'erzieherischen Maßnahmen' versucht, seinen Freund und langjährigen Mitbewohner von den harten Drogen abzubringen).
2005 wurde Doherty Lebensgefährte von Top-Model und Mode-Designerin Kate Moss (bis 2007), die auch an vier Babyshambles-Stücken mitschrieb und auf "La Belle et la Bête" (2005) sang.
'Natürlich' mein absoluter Bandliebling!

♥ Carl Ashley Raphael Barât (* 6. Juni 1978 in Basingstoke, England), ebenfalls Sänger und Gitarrist, gründete nach dem Ende der Libertines 2005 die Dirty Pretty Things (bis 2008) und veröffentlichte zwei Solo-Alben (2010 / 2015 mit The Jackals). Er löste die Libertines 2004 auf, nachdem er Doherty schon 2003 aus der Band geworfen, dann aber wieder aufgenommen hatte. Seine Mutter war aktiv in der Friedens- und Anti-Atom-Bewegung, Barât wuchs teilweise in einer Kommune auf und hat heute zwei kleine Söhne.

Die ersten beiden Alben wurden von Mick Jones, dem ehemaligen Gitarristen der legendären Punkband The Clash produziert.

Weitere Bandmitglieder aus der Frühzeit der Band waren kurzzeitig ihr Nachbar Steve "Scarborough Steve" Bedlow (Gesang), Paul Dufour (Drums), Johnny Borrell (Bass, heute Leadsänger und Gitarrist der 2002 gegründeten Band Razorlight) und Vicky Chapman (Cello).
Als Ersatz für den wegen seinen Drogenproblemen ausgefallenen Doherty spielte 2004 auch Anthony Rossomando kurzzeitig auf Live-Konzerten mit.

So cute! ♥ Pete Doherty

The Libertines, die sich natürlich nach Marquis de Sades "Die 120 Tage von Sodom oder die Schule der Libertinage (Les 120 Journées de Sodome ou L'Ecole du Libertinage)" benannt hatten und in guter Punk-Tradition zu ihrer ersten Phase nur zwei offizielle Studioalben, aber immerhin sieben Singles veröffentlichten, waren ja immer für einen Skandal gut und haben bekanntlich nicht nur mit ihrer Musik für Schlagzeilen gesorgt. Nachdem die Band an der Drogenabhängigkeit von Pete Doherty 2004 zerbrochen war, freue ich mich umso mehr, dass es 2010 zu einer Reunion kam und die Band wieder aktiv ist.


We beat the Nazis

"We're not professing a policy of Britishness. The aim of our music is not to be British or American, but we do write about the world. We like all sorts. We like Django Reinhardt. Maybe it was an accident at birth. I mean, I could have been a Russian folk musician."

Pete Doherty auf die Frage nach dem "britischen Aspekt" ihrer Musik
[das Interview mit Doherty und Barâk von 2002 wurde erst im Jahre 2012 im Guardian veröffentlicht, der sich trotzdem noch eine Dekade später daran erinnerte, dass "it was clear the duo had not encountered their friends Mr Deodorant and Ms Toothpaste for quite some time"! *lol*]


Schön auch, dass sich die Band trotz aller augenzwinkernden Spielerei mit britischen Symboliken (neben der auch mal als Torero-Tuch benutzen britischen Fahne (im Babyshambles-Video "Fuck Forever") denke ich auch an die roten britischen Uniformen aus der "Up The Bracket"-Phase, die mich immer ein wenig an die Beatles der "Sgt. Pepper"-Zeit erinnerten, berühmt wurde auch die Zeile "there's fewer more distressing sights than that of an Englishman in a baseball cap" aus "Time For Heroes") immer wieder deutlich gegen rechts ausgesprochen hat. So steuerten Carl und Gary mit den Dirty Pretty Things 2007 einen Song für die CD der Kampagne Love Music - Hate Racism (LMHR) bei, 2009 war dann Doherty Headliner auf dem Love Music - Hate Racism - Festival, immer wieder dissten sie die British National Party und thematisierten auf dem zweiten Album in ihrem klassischen Punk-Song mit dem provokanten Titel "Arbeit macht frei" (2004) sowohl die historischen Nazis als auch den gegenwärtigen Rassismus in England:

Roll a gasper
The guard said he could stay alive
But he shoveled and burned his friends to die
People to die, oh the gate read:
Arbeit macht frei

In her rollers
And a gasper
She's cleaning the steps in a mean street
Where no policemen walk the beat
Her old man, he don't like blacks or queers
Yet he's proud we beat the Nazis
How queer

Arbeit macht frei

Frisch eingetroffen ist die Nachricht, dass The Libertines Erlöse ihrer nächsten Auftritte an die Flüchtlingshilfsorganisation "Migrant Offshore Aid Station" (MOAS) spenden werden, "to help prevent further catastrophes at sea. They (MOAS) are passionate about the plight of those seeking a better life, free of violence, despite the dangers they face." (The Libertines via Gary Powell's Facebook). ♥

There Are No Innocent Bystanders
(Titel einer Dokumentation über The Libertines)


How queer

"Yeah. It's in this magazine (gestures to a copy of a glossy gay magazine with their faces on the cover). It was always my ambition to be on the cover of a free gay magazine."

Pete Doherty 2002 auf die Frage, ob es stimmt, dass sie als Stricher gearbeitet haben,
zit. nach The Guardian

   
Carl Barâk & Pete Doherty
Pix via fanpop.com

"I love him. Wouldn't go, um - certainly not on Radio 1 - go into too much detail, but... we had lots of wonderful times together, yeah."
Pete Doherty im Interview mit Radio 1 (BBC) auf die Frage, wie weit seine Beziehung zu Carl Barâk geht (natürlich behauptet Carl in etwa das Gegenteil... ^.^)

The Libertines: Gary Powell, Carl Barâk, Pete Doherty & John Hassall
Photo via independent.co.uk


A Class of our own

Auf ihrer dritten Single "Time For Heroes" – eins meiner absoluten Lieblingslieder der Band – , die auf Pete Doherty's Erfahrungen mit der Polizeibrutalität bei den Londoner May Day Riots 2001 Bezug nahm, heißt es:

Did you see the stylish kids in the riot?
Shovelled up like muck
Set the night on fire
Wombles bleed, truncheons and shields
You know I cherish you my love

(...)
It's not right for young lungs to be coughing up blood
And it's all
It's all in my hands
And its all up the walls

Well the stale chips are up and the hopes stakes are down
It's all these ignorant faces that bring this town down
And I sighed and sunken with pride
Well I passed myself down on my knees
Yes I passed myself down on my knees

(...)

And we'll die in the class we were born
But that's a class of our own my love
A class of our own my love!

The Libertines - Time for Heroes (2003),
Die dritte Single der Band,
ebenfalls vom Debut-Album.
Das Video wurde in Madrid gedreht.

"Time For Heroes" wurde vom New Musical Express auf Platz 6 der "50 Greatest Indie Anthems Ever" gewählt (Mai 2007) und 2011 auf Platz 10 auf der Liste der "150 Best Tracks of the Past 15 Years". Auf der vom NME Magazin erstellten Liste der 50 besten Songs der vorangegangenen Dekade kam das Stück sogar auf Platz 2 (hinter "Last Nite" von The Strokes).

Die Arbeiterklasse ist auch Thema in dem nie offiziell veröffentlichten Stück "Hooray for the 21st Century” (Teil der frühen Odessa Studio Recordings), wo gefragt wird: „What became of the working class? Nike, Reebok, Adidas, scratch cards, pimples, ecstasy – Hooray for the 21st Century!”. In "Campaign of Hate" (2004) vom zweiten Album singen sie:

Poor kids dressing like they're rich
(mods)
Rich kids dressing like they're poor
(Oh my God)
(...)
I don’t believe them when they say
That you don’t get nothing for free
(It's all for free)

Das Album-Cover von "Up The Bracket" zeigt ein Photo eines Riots während der schweren Wirtschaftskrise in Argentinien 1999–2002, die nicht nur von Krawallen begleitet war, sondern auch von beeindruckenden Beispielen von Selbstorganisation, Betriebsbesetzungen und Arbeiter*innenselbstverwaltung.
  
Das Cover des Debut-Albums "Up the Bracket" (2002) und ein anarchistisch-geprägtes Flaggen-Poster zur ersten LP
Pics via Wikipedia (links) & www.panicposters.com (rechts)

Zwei Platten für die Ewigkeit die 'Discographie' der The Libertines 1997-2004:

Up the Bracket (2002), Rough Trade (Cover-Photo links)
The Libertines (2004), Rough Trade (Cover-Photo ganz oben (Aufmacherphoto des Posts))

... und eine Überraschung (The Libertines seit 2010):

Anthems For Doomed Youth (2015) (erscheint übermorgen!)


Die elende Rolle der Sozialdemokratie (New Labour) wird in dem Babyshambles-Song "Fuck Forever" (vom Debutalbum "Down in Albion", 2005) kritisiert, der vom NME zur Single des Jahres gekürt wurde:

Happy endings, no, they never bored me
Happy endings, they still don't bore me
But they, they have a way
They have a way to make you pay
And to make you toe the line
Sever the ties
Because I'm so clever
But clever ain't wise  (...)

Oh whats the use between death and glory?
I can’t tell between death and glory?
New labour and Tory
Purgatory and no happy families

Its one and the same, one and the same
No, its not the same
Its not supposed to be the same
You know about that way
The way they make you pay
And the way they make you toe the line
I've severed my ties
Oh, you're so clever, you're so clever
But you're not very nice
So fuck forever
If you don't mind

Ein The Libertines-Film von Anne McCloy, der einen der Guerilla Gigs für die die Band seit den Anfangstagen berühmt ist (auch um den engen und wichtig genommenen Kontakt zu den Fans nicht zu verlieren) und die einhergehende Polizeirazzia dokumentiert, trägt den Titel "Fuck the Police" (2003), im "Don't Look Back Into The Sun" Video von 2003 sehen wir Pete und Carl in einem Geschäft beim CDs-Klauen, in "Time for Heroes" sind sie beim Schwarzfahren und Überspringen der Fahrscheindrehkreuze der U-Bahn zu sehen (aber auch dabei, wie sie dort einer Mutter beim Hochtragen eines Kinderwagens helfen)... alles wie gehabt: Anarchy In The UK! ♥ ;-)


Ballerinas & Bootlegs

“If you still love me, by morning, oh you’ll find me waiting in the garden by the cherry-blossom tree. Bring tin cups of wine and cigarettes, come to me in pirouettes oh my darling, save all your love for me.”
THE LIBERTINES - Seven Deadly Frenchmen

 
This version shows the crossed legs of ballerina Darcey Bussell, the "most famous legs in England."

Two innofficial covers of
THE LIBERTINES - Legs XI
Left cover via allnowamanda.tumblr.com
Right cover via http://upthealbion.com

"Legs XI" war eine Demo-Session, die in den frühen Tagen (2000) von The Libertines aufgenommen wurde. Sie wurde nie offiziell veröffentlicht, aber die großartige Session mit 8 Tracks steht erfreulicherweise seit spätestens 2009 im Internet zum freien Download zur Verfügung (zum Beispiel auf Andrew Kendalls tollem Fan-Blog: http://version2.andrewkendall.com/pages/misc/babyshambles2.php, der auch weitere Perlen zum legalen Download anbietet). ♥ Mit dabei war auch die damalige Libertines-Cellistin Vicky Chapman. ♥
"The session... had a distinctive swing feel to it with Doherty feigning a Sinatra-esque vocal style." (http://indiemusicfinds.com)


Mindestens ebenso interessant wie die offiziellen Veröffentlichungen sind die zahlreichen irregulären Veröffentlichungen, die sympathischerweise von der Band unterstützt oder sogar in Umlauf gebracht werden und oft legal und kostenlos downzuloaden sind. ♥
Viele ihrer besten Arbeiten sind so nie offiziell erschienen und bleiben den wirklichen Fans vorbehalten. Hier einer der weniger bekannten, frühen Songs der Band. Noch so ein Favorit:

THE LIBERTINES - Bucket Shop
Noch mit dem ersten Schlagzeuger Paul Dufour.



Anthems for doomed youth

Please don't get me wrong
See I forgive you in a song
We'll call The Likely Lads
But if it's left to you
I know exactly what you'd do
With all the dreams we had
Just blood runs thicker, oh
We're thick as thieves, you know
If that's important to you
It's important to me
I tried to make you see
But you don't want to know!

(...)

Oh what became of the likely lads
What became of the dreams we had?
What became of forever?
What became of forever?
We'll never know

THE LIBERTINES - What Became Of The Likely Lads

THE LIBERTINES - The Good Old Days (2002)

Was ich neben solchen grandiosen Songs wie "The Good Old Days" – einem weiteren absoluten Lieblingslied von mir auch immer an den Libertines geliebt habe, waren die Bilder der durch nichts zu erschütternden Freundschaft von Pete und Carl. Besonders wurde das Freundschaftsthema in "What Became Of The Likely Lads" aufgegriffen, dessen niedliches Video mich stark an meine eigene Kindheit erinnert und zu meinen Video-Favoriten zählt:

THE LIBERTINES - What Became Of The Likely Lads (2004)
 
Nach vielen Dramen und sage und schreibe 11 Jahren veröffentlichen die Libertines jetzt ihr drittes offizielles Studioalbum mit dem schönen Namen "Anthems For Doomed Youth" und was bisher schon zu hören ist, ist mehr als vielversprechend: die Single "Gunga Din" mit dem in Thailand gedrehten Video (dort hatte Doherty auch seine jüngste Entziehungskur gemacht), der Titelsong "Anthem For Doomed Youth" (ursprünglich ein Song von Pete Doherty, der in Form von Roh-Versionen mit dessen Einverständnis schon seit 2006 im Internet herumgeistert; der Titel stammt übrigens von dem berühmten gleichnamigen Antikriegsgedicht von Wilfred Owen von 1917) und der "Glasgow Coma Scale Blues" (was für ein grandioser Titel!). Zwar sind natürlich auch die Libertines älter geworden (Barât und Doherty sehen im Video im Vergleich zu früher ein bißchen aufgedunsen aus – wen wundert's...), aber beim Rock en Seine - Festival am 29. August in Frankreich war die Band (und besonders auch Peter und der einfach unglaubliche Gary Powell) in Top-Verfassung (hier ist der komplette, bombastische Konzert-Mitschnitt). Auch die neue Musik ist großartig und fügt sich live wunderbar in die alten Songs ein – und auch im Gunga Din - Video wird wie eh und je geraucht, gefeiert, gekumpelt und mit den Mädchen getanzt... ♥

Peter Doherty of the Libertines about his drug addiction.
Pic & text via iadorelyrics.tumblr.com


THE LIBERTINES - the singles & EPs



· What a Waster (2002)
· Up the Bracket (2002)
· Time for Heroes (2003)
· Don't Look Back into the Sun (2003)
· I Get Along (2003)
· Can't Stand Me Now (2004)
· What Became of the Likely Lads (2004)
· Gunga Din (2015)



· Time for Heroes (2003) · I Get Along (2003) · Don't Look Back into the Sun / Death on the Stairs (2003) · What Became of the Likely Lads (2005)


  
Single covers of Can't Stand Me Now (2004) & the new single Gunga Din (2015)


Dancing with Kat(i)e

"Safety pins are non too strong, Katie, they hold my life together"


Pete Doherty & Kate Moss






Style Icons: Kate Moss & Pete Doherty
Photos via fashiongrunge.com

Boulevard-Schlagzeilen von damals...
Gutter press headlines (Dailymail & Celebrity Gossip),
cut out by Style! It!Takes! Blog Berlin


Aber was hat Kat(i)e nun eigentlich wirklich gemacht?
Schau'n wir mal "What Kat(i)e Did":

THE LIBERTINES - What Katie Did (2004)
Der Song handelt übrigens nicht von Kate Moss, obwohl sie in diesem wunderschönen inoffiziellen Video von 2007 beim Tanzen zu sehen ist, sondern von Pete's früherer Freundin Katie Lewis (oder auch, nach anderen Interpretationen, von Heroin). Lustigerweise schenkte Doherty später Kate Moss das Original-Textblatt. ;-)
Die Babyshambles veröffentlichten später einen Song namens "What Katy Did Next", der handelt tatsächlich von Kate Moss.


Ein bißchen muss ich noch zu Hause mit Kat(i)e tanzen, dann ist es endlich soweit:
am Freitag erscheint die neue Platte und am Samstag spielen
– ♪ shoop shoop, shoop de lang de lang ♪ –
THE LIBERTINES live in Berlin!!!!!!!

Mit speziellem Dank an Dany, das Melt-Booking-Team und das Lollapalooza-Festival (dickes Lob an dieser Stelle übrigens für die nett gemachte Webseite!):

Sa. & So. 12. & 13. September 2015
Flughafen Tempelhof
(das Festival ist übrigens schon lange ausverkauft,
mit Glück gibt's noch irgendwo Karten zu gewinnen)



Weiteres zum Thema / Related articles*
*mostly in German, but all with beautiful pics & videos:
Der NS-Tempel wird zum bunten Lolla-Schmetterling
(Lollapalooza Festival Review, Sept. 2015)*
(The Libertines Concert Review, Sept. 2015)*
Song of the Day: You're My Waterloo
(The Libertines song & various beautiful versions)