Saturday, October 3, 2015

Keine Feiertage: 3. Oktober, 9. November

Ein historisch-politisch-kultureller Streifzug durch Berlin und andere Gefilde

"Passt bloß auf, Ihr Polen!" - "Danzig her! - Und dann Österreich!" - "Deutschland einig Groß-Vaterland!"
... und beim 'Imbiss-Paule' gibt's jetzt "Brandenburger", "Stasi-Boreng" und "Kohl-Rouladen in brauner Soße"...
im Hintergrund unter anderem ein 'NATO-Tower'.
Berlin im 'Wiedervereinigungsjahr' 1990 war auch real nicht unbedingt ein gastlicher Ort:
Szene aus Gerhard Seyfrieds im gleichen Jahr erschienenem Comic "Flucht aus Berlin"

3. Oktober 1990 - Tag der deutschen Gemeinheit

Heute vor 25 Jahren, am 3. Oktober 1990, wurde die ehemalige DDR an die 'siegreiche', damalige Bundesrepublik Deutschland angeschlossen. Von einer 'Vereinigung' kann kaum die Rede sein, da dies zwei gleichberechtigte 'Partner' voraussetzen würde, die es nicht gab, da die DDR damit schlicht und ersatzlos 'aufgelöst' und vollständig in das ehemals westdeutsche System eingegliedert wurde. Es gab weder irgendeine positive Form der Neudefinition der beiden Seiten (etwa einen 'west'deutschen Austritt aus der NATO) noch eine gesellschaftliche oder politische Diskussion über eine neue Verfassung (zum Beispiel mit mehr sozialen Rechten). Weniger als ein Jahr nach dem 'Mauerfall' am 9. / 10. November 1989 wurde am 3. Oktober 1990 lediglich das Kapitel der ostdeutschen Bürgerrechtsbewegung abgewickelt, was eigentlich kein Grund zum Feiern ist. Ich möchte dieses Datum, den 'Tag der Einheit', zum Anlass nehmen daran zu erinnern, wie traurig die Entwicklung nach dem Mauerfall eigentlich verlaufen ist – bevor uns die selbstherrliche 'Berliner Republik' im Rahmen ihrer nächsten 'Jubelfeiern' erneut das Gehirn verschwurbelt. Schauen wir also noch einmal zurück in die deutsche Geschichte und auf das auch symbolische Ende der 80er Jahre.


Der 9. November - ein zwiespältiges Datum in der deutschen Geschichte


9. / 10. November 1938Reichspogromnacht in Berlin
Von deutschen Faschisten in Brand gesteckte Synagoge an der Fasanenstraße 79 / 80 in Berlin-Charlottenburg. 1912 eingeweiht, standen am 10. November 1938 die drei Kuppeln in Flammen. Die anrückenden Löschzüge der Feuerwehr durften lediglich das Übergreifen der Flammen auf Nachbargebäude verhindern. Die ausgebrannte Synagoge war noch 1956 weithin in Berlin-West sichtbar, dann wurde die Ruine bis 1958 abgerissen. Fassadenteile wurden in den 1959 eröffneten Neubau des Jüdischen Gemeindezentrums integriert.
Die Synagoge in der Fasanenstraße war schon zu Beginn der dreißiger Jahre Ziel antisemitischer Attacken u. a. durch die SA gewesen [siehe 1 u. 2].
Photo: Bayerische Staatsbibliothek München

"Nur sehr wenige Fälle von Zivilcourage sind dokumentiert: So rettete Wilhelm Krützfeld, Vorsteher des zuständigen Polizeireviers in Berlin-Mitte, die Neue Synagoge an der Oranienburger Straße, indem er auf den Denkmalschutz des Gebäudes verwies, mit einigen Beamten die SA-Brandstifter verjagte und die Feuerwehr holte, die den Brand löschte. Außer einer Rüge seines Vorgesetzten geschah ihm nichts." [3]


Auch die 1903/04 erbaute Synagoge in der Rykestrasse 53 (Prenzlauer Berg) wurde in der Pogromnacht zerstört, aber wegen der umliegenden Wohnhäuser (im Gegensatz zur selbstbewusst platzierten Synagoge in der Fasanenstraße lag die Synagoge in der Rykestraße versteckt im Hinterhof) nicht in Brand gesteckt.
Rabbiner und Gemeindemitglieder wurden in das KZ Sachsenhausen deportiert.
1953 wurde sie in der DDR wieder eingeweiht und ist seither mit dem 2000 Plätze fassenden Betraum die größte Synagoge Deutschlands. Nach verschiedenen Renovierungen in der DDR wurde sie 2000-2007 erneut umfassend restauriert. Links ein Becken im Vorraum, in der Mitte der Eingang, rechts eins der Fenster nach der Restaurierung durch die Architekten Ruth Golan und Kay Zahreh [siehe auch 4]
Photos von Renate Israel (weitere Photos hier)

Schon die geschichtsvergessenen Berliner Friede-Freude-Eierkuchen-Feierlichkeiten letztes Jahr zum 25. Jahrestag des Mauerfalls konnten den Eindruck bescheren, der 9. November sei in der deutschen Geschichte ein Jubeltag. Es gab eine Zeit, da wurde am 9. November im noch nicht expandierten Westdeutschland den (fast ausschließlich jüdischen) Opfern der Reichspogromnacht 1938 gedacht und in Ostdeutschland auch der Novemberrevolution 1918, dem einzigen Ereignis an diesem Datum, das wirklich eine Feier wert wäre, da es uns das Ende der Monarchie, die Errichtung der ersten deutschen Demokratie und die sogenannten 'Goldenen Zwanziger' bescherte.

Danach ging es stetig abwärts, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Revolution 1918/19 sofort von der deutschen Sozialdemokratie abgewürgt und von Scharfmachern wie dem "Bluthund" und Reichswehrminister Gustav Noske (SPD) und rechtsextremen Freicorps immer wieder blutig zurückgeschlagen wurde. Die Niederschlagung des Berliner Spartakusaufstandes im Januar 1919 und die von der SPD gedeckte Ermordung der Revolutionärin und Antimilitaristin Rosa Luxemburg an der Nürnberger Straße/Kurfürstendamm (heute Budapester Straße; ihre Leiche wurde anschließend in den Landwehrkanal bei der Lichtensteinbrücke in Tiergarten geworfen) und ihres Genossen Karl Liebknecht im Tiergarten am 15. Januar 1919 sind dabei nur die bekanntesten Beispiele. Damit war den militaristischen, nationalistischen und faschistischen Kräften in Deutschland der Weg geebnet (siehe zu diesem Themenkomplex das lesenswerte und erhellende Buch von Sebastian Haffner: "Der Verrat – Deutschland 1918/19"), der dann schließlich 1933 zur Nazi-Herrschaft, 1938 zur Reichspogromnacht und davon ausgehend zum Holocaust führte.

9. / 10. Nov. 1918   Novemberrevolution (Abdankung des Kaisers am 9. Nov.)
8. / 9. Nov. 1923   Hitler-Putsch (gescheitert; 9. Nov. ab 1939 Nationalfeiertag im NS!)
9. / 10. Nov. 1938   Reichspogromnacht (erste Pogrome ab 7. November)
9. / 10. Nov. 1989   Öffnung der Berliner Mauer durch die DDR-Führung

Auch wenn dann zumindest der 9. November 1989 fröhlich endete, war der 'Mauerfall' eher das Ende einer positiven Entwicklung in der DDR denn deren Anfang. Der 3. Oktober 1990 markiert dann nur den offiziellen Endpunkt der vertanen Chancen.


Der 9. November 1989 markiert den Anfang vom Ende der DDR-Bürgerrechtsbewegung

Sommer 1989
Fall des Eisernen Vorhangs

Als Linke freue ich mich immer, wenn trennende Mauern zum Einsturz gebracht werden (ich warte noch auf den Fall der tödlichen Festung Europa!) und sich Menschen erfolgreich gegen Unterdrückung wehren. Daher ist auch der Fall des 'Eisernen Vorhangs' grundsätzlich ein erfreuliches Ereignis. Aber der begann viel früher... und nicht in Deutschland.

Februar 1986 Auf dem XXVII. Parteitag der KPdSU läutet der Generalsekretär und spätere Präsident Michail Sergejewitsch Gorbatschow mit den Konzepten Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umstrukturierung) das Ende des Kalten Krieges und des Warschauer Paktes ein.

27. Juni 1989 Symbolische Öffnung der Grenze von Ungarn zu Österreich

19. August 1989 Im Rahmen des "Paneuropäischen Picknicks" wird das Grenztor für drei Stunden geöffnet. Mehr als 800 Bürger*innen der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) nutzen die Gelegenheit zur Flucht, ungarische Grenzsoldaten greifen trotz offiziellen Schießbefehls nicht ein.
Als Ungarn am 11. September die Grenze für Staatsangehörige der DDR öffnet, reisen binnen drei Tagen 15.000 DDR-Bürger*innen über Österreich in die Bundesrepublik, bis Monatsende noch einmal fast 20.000 weitere. [5]

        

"Auf die Völkerfreundschaft!" eine russisch-ostdeutsche Soljanka [6] aus der Dose, hergestellt in Westdeutschland! Aufgrund der aktuell widerlichen rassistisch-antisemitischen Politik Ungarns fehlen zugehörige Zutaten: der Schuss ungarischer Sauerrahm (ungarisch: tejföl), aber auch die ebenfalls passende bittere Zitrone. Stattdessen obendrauf: ein grüner Trabant, die Fahne vom XXVII. Parteitag der KPdSU, der 1986 das Ende des Kalten Krieges einläutete und eine Plakette aus der DDR.
In Vergessenheit geraten: die zu Zeiten des 'Warschauer Paktes' etwas 'liberalere' Politik Ungarns und die (DDR-) Deutsch-Ungarische Freundschaft.
Photos by STYLE! IT! TAKES! Blog Berlin


Oktober 1989 - 4. November 1989
Tage der Zivilcourage

Nicht immer so 'friedlich':
Ausgebrannter Streifenwagen der DDR-'Volkspolizei' am 4. Oktober 1989 vor dem Dresdener Hauptbahnhof, wo es auch massive Steinwürfe und Zerstörungen gab. ;-)
Photo des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS, "Stasi"), jetzt auf der bundesdeutschen Webseite des BStU

Sturm auf die Berliner Stasi-Zentrale in der Normannenstraße am 15. Januar 1990:
"Die Mehrzahl der vielen Tausenden ließ sich zu einem Akt des Vandalismus hinreißen. Demonstranten stürmten den Gebäudekomplex, drangen in Büroräume ein und verwüsteten sie. Nach Augenzeugenberichten zerfledderten sie Unterlagen und warfen Mobiliar aus dem Fenster." (aus der Original-Bildunterschrift)
Photo von Peter Zimmermann, aus: Bundesarchiv Bild 183-1990-0115-034, Berlin, Stürmung Stasi-Zentrale

Das DDR-Regime hinkte den Entwicklungen also gegenüber der "Glasnost"-Sowjetunion Gorbatschows und den Entwicklungen in Ungarn hinterher. Die Ehre, die unsägliche diktatorisch-repressive Einheit von SED und Stasi (MfS) zu Veränderungen zu bewegen, gebührt nicht Berlin, sondern der Bewegung in Leipzig im Oktober 1989 (Montagsdemos am 9. und 16. Oktober 1989 mit jeweils ca. 120 000 Teilnehmer*innen, danach bis zum 'Mauerfall' bis zu 500 000).
Erst am 4. November 1989 kam es dann in Berlin (Alexanderplatz) zur (offiziell genehmigten) größten regierungskritischen Demo der DDR-Geschichte mit ca. 500 000 Teilnehmer*innen, die in einem bürgerlichen Verständnis auch von 'Beamtenbeleidigungen' und 'Sachbeschädigungen' begleitet war (z. B. Graffiti, wildes Plakatieren der Volkskammer).

Nicht immer lief die 'friedliche Revolution' so 'friedlich' ab, wie oft behauptet, sondern war teils auch von Auseinandersetzungen zwischen Demonstrant*innen und 'Sicherheitskräften' der DDR begleitet, am 4. Okt. 1989 am Dresdener Hauptbahnhof auch von Steinwürfen, massiven Zerstörungen und einem in Brand gesteckten Streifenwagen der 'Volkspolizei' (siehe oben, weitere Photos davon und sogar ein Original-Video der Stasi-Überwachungskameras finden sich 'ironischerweise' jetzt auf der offiziellen Webseite des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik). Am 4. Dezember 1989 gab es Besetzungen der Stasi-Zentralen in Erfurt, Leipzig, Rostock und anderen Städten (kaum vorzustellen, was hier los wäre, wenn zum Beispiel kurdische Jugendliche ähnliches beim heutigen Bundesamt für Verfassungsschutz versuchen würden, etwa um gegen das anachronistische Verbot der kurdischen Arbeiterpartei PKK zu protestieren...), beim Sturm auf die Zentrale der Staatssicherheit in der Normannenstraße in Ostberlin (Lichtenberg) am 15. Januar 1990 kam es zu erheblichen Sachbeschädigungen und tätlichen Angriffen auf Stasi-Mitarbeiter. Dennoch (oder deshalb) waren alle zentralen Forderungen (Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit, Ende des politischen SED-Monopols und freie Wahlen, Reisefreiheit, Auflösung des MfS) bereits wenige Monate nach der Alexanderplatz-Demo erfüllt.

Sogar die im Untergang begriffene DDR selbst würdigte bereits im Februar 1990 den Mut der Leipziger Bewegung noch auf einer Briefmarke. Zu diesem Zeitpunkt ertönte auf den ostdeutschen Straßen allerdings bereits der großdeutsche Ruf "Wir sind ein Volk" (siehe Kapitel "Es wird deutsch in Kaltland" unten).

Auf den Mut und die Entschlossenheit der DDR-Bürgerrechtler*innen und vor allem der
DDR-Punks (die eine ganz entscheidende Rolle beim Umsturz spielten) ein Danziger Goldwasser!
Denn: ACAB!

     
'Ostalgie'-Photos mit Frau Rica (rechts) und mir bei einer schönen Geburtstagsfeier mit 'Ost- und West-Punks'
in Prenzlauer Berg (2013)

Danziger Goldwasser
Der polnische Likör aus Gdańsk (Danzig) hat den Untergang der DDR überlebt... während die damals herrschende Klasse Polens die erstmals 1980 von Gdańsk ausgehenden wilden Streiks und Kämpfe der polnischen Arbeiter*innenklasse und ihrer unabhängigen - wenn auch von ihrer korrupten 'Führung' verratenen - Gewerkschaftsbewegung Solidarność
(1981 unter Kriegsrecht verboten, erst 1989 wieder zugelassen)
letztlich nicht überleben sollte... ;-)
#FlashbackFriday
... und den haben wir dann auch getrunken (das 40 %ige Zeugs mit dem Flitter aus Blattgold scheint exorbitant große Arme und Hände, aber auch sehr gute Laune zu machen!) ^.^

Photo von Danziger Goldwasser der Originalmarke "Der Lachs" (aus der Likörfabrik Der Lachs zu Danzig) by Marie-Lan Nguyen (CC BY 2.5)

Rechts 'unsere' Goldwasser-Version aus der DDR via fotocommunity


9. / 10. November 1989
"Wahnsinn" - Die DDR öffnet die Grenzen einen Tag früher als geplant

"Wir fluten jetzt!"
(der stellvertretende Leiter der Passkontrolleinheiten (PKE), Stasi-Oberstleutnant Edwin Görlitz, zum diensthabenden NVA-Grenztruppen-Major Manfred Sens am Grenzübergang Bornholmer Straße / Prenzlauer Berg, nachdem der Oberstleutnant der Passkontrollstelle Harald Jäger mit den Worten "Macht den Schlagbaum auf" den Befehl gab, die Grenze aufzumachen,
9. Nov. 1989, 23.30 h) [7]

Ein 'Trabbi' durchbricht die Mauer.
Ausschnitt des auf die Berliner Mauer gemalten Bildes von Birgit Kindler unter dem Titel "Test the Best" (1990, erneuert 2009) auf der noch von der DDR initiierten East Side Gallery in der Mühlenstrasse entlang der Spree in Berlin-Friedrichshain

Unter dem Druck der Ereignisse beschließen ZK und Politbüro der SED und der Ministerrat (DDR-Regierung) am 9. November 1989 eine neue, freizügigere "Reiseregelung", die eigentlich am 10. November 1989 in Kraft treten sollte. Schon am 1. November war das visafreie Ausreisen über die ČSSR zugelassen worden, seit 3. November die tschechoslowakische Grenze zur Bundesrepublik ganz geöffnet, so dass eine Ausreise über den Umweg der ČSSR auch schon vor dem 'Mauerfall' möglich war (!). Damit ist eines der Hauptziele der Bürgerrechtsbewegung erfüllt.

Oft heißt es, der 9. / 10. November 1989 sei "Wahnsinn" gewesen. Von den durchdringenden, auch im DDR-Fernsehen übermittelten Nachrichten der neuen, freizügigeren "Reiseregelung" beflügelt sammeln sich gegen Abend die ersten Menschen an der Sonnenallee in Neukölln und vor allem am Grenzübergang Bornholmer Straße in Prenzlauer Berg, wo noch keine Anzeichen für eine Änderung zu sehen sind. Da die frisch zusammengezimmerte Regelung ja auch erst am nächsten Tag in Kraft treten soll, haben die irritierten, diensthabenden Grenzer auch noch keine Anweisungen. Die Menge wächst im Laufe des Abends von ca. 1000 (21.20 h) bis auf ca. 20 000 Menschen an. Schon ab 21.30 h werden besonders aufmüpfige DDR-Bürger*innen einzeln durchgelassen und ausgebürgert! Aber natürlich spornte das den großen Rest eher noch an, auch durch zu wollen, bis die Grenze um 23.30 h vollständig geöffnet wurde. Der Rest ist Geschichte [im Detail nachzulesen z. B. hier [8]].

Zu den schönen, positiven und fröhlichen Momenten danach gehörten defintiv die 'Mauerspechte', also die Menschen, die vollkommen illegalerweise den Abbau der tödlichen Mauer mit Hammer und Stecheisen in ihre eigenen Hände nahmen, die feiernden Menschen auf der Mauer am Brandenburger Tor, aber auch die friedlichen Momente zwischen den Feiernden und den teils sichtlich erleichterten DDR-Grenzern. Es gab ja auch unendlich viel zu feiern: die Mauer war gefallen, der Mut und das Engagement hatten sich gelohnt.

"... und Trabbis knattern durch die Stadt"
Yok Quetschenpaua: 9. November - 3. Oktober (Video weiter unten)

Allerdings waren schon damals Transparente mit nationalistischen Parolen wie "Deutschland einig Vaterland" präsent und es ist ohnehin schade, dass DDR-Grenzer und Demonstrant*innen sich nicht noch eine Ketwurst aus der Schönhauser Allee geholt oder ein Gläschen Rotkäppchen Sekt getrunken und eine Cabinet Zigarette geraucht haben, denn dann wäre der 10. November 1989 (wie von der DDR-Führung geplant) der 'Tag des Mauerfalls' und die Erinnerung an die Reichspogromnacht wäre vielleicht weniger von der Erinnerung an den 'Mauerfall' überlagert und verdrängt worden. Auch der ein oder andere Mythos bezüglich einer 'Revolution', die eher eine Implosion eines am Abgrund stehenden, bankrotten Systems war (mit anschließender 'feindlicher Übernahme'), wäre uns dann vielleicht erspart geblieben.

In diesem Sinne:
"Erstmal eine Ketwurst und eine DDR-Fluppe!"

  
Beim Alain Snack Imbiss in der Schönhauser Allee 116 gab es schon in der DDR und bis heute die typisch ostdeutsche Ketwurst (benannt nach dem leckeren Ketchup) – auch wenn sie Prenzlauer Berger Kinder heutzutage wahrscheinlich aus Ernährungsgründen nicht mehr essen dürfen. (^.^)
Und zur Verdauung des freudigen Ereignisses eine Cabinet Zigarette, die ab 1972 vom VEB Tabak Nordhausen und den Vereinigten Zigarettenfabriken Dresden produziert wurde. 1989 lag der Marktanteil der besonders in Ostberlin verbreiteten Sorte DDR-weit bei 33 Prozent (im Rest der Republik war f6 die verbreiteste Marke).
Am preiswertesten war die kräftige, filterlose KARO Zigarette, die frei von Zusatzstoffen, aber als "Lungentorpedo" Gegenstand zahlreicher Witze war und nach der Wende mit dem Slogan warb, sie sei ein "Anschlag auf den Einheitsgeschmack"! ;-) (alle drei Sorten gibt es noch!)
Pics via Qype User Danielle (leicht von mir bearbeitet), yelp (Ausschnitt), www.ddrtechnik.de & www.markenmuseum.de


Für einen Toast mit Sekt "Auf die Reisefreiheit!" hat das Geld leider nicht mehr gereicht, schließlich kann der ärmere Teil der Bevölkerung auch heutzutage nicht oder nicht besonders oft oder weit verreisen... die bei der großen Demo auf dem Alexanderplatz am 4. Nov. 1989 aufgestellte Forderung "Visafrei bis Hawaii" löst auch heute bei mir höchstens ein müdes Schmunzeln aus. Mit Blick auf die Tatsache, dass sich insbesondere große Teile der Bevölkerungen der ehemaligen 'Ostblock'-Staaten (z. B. Ungarns) und der ostdeutschen Bundesländer mit ihren rassistischen Mobilisierungen seit einiger Zeit alle Mühe geben, sogar noch die 'Freizügigkeit' innerhalb der EU und die Reisefreiheit in die EU weiter einzuschränken (Stichwort: Festung Europa), verursacht die Erinnerung an die einstige Parole hingegen nur noch Hass- und Ekelgefühle gegenüber diesem undankbaren und geschichtsvergessenen Pack!


Stasi weg - dem Verfassungsschutz geht's prächtig

DDR 8. Januar 1990

Es wurde zunächst aber sogar noch besser: Nicht nur die 'Reisefreiheit' wurde bereits in der alten DDR durchgesetzt, auch die Eroberung der Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit und die Auflösung des verhassten Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) im Februar 1990 (es befand sich in der Ruschestraße 103 (Haus 1) und ist heute ein (politisch allerdings höchst fragwürdiges) "Stasi-Museum"). Damit hatte sich die DDR-Opposition schon im Frühjahr 1990 im Grunde aller spezifischen repressiven Mittel der DDR-Oberen entledigt (mit Ausnahme natürlich der in Ost wie West notorisch-berüchtigten "Pop Stolizei" (Gerhard Seyfried)) und eine experimentierfreudige, freiheitlich gesinnte Bewegung entwickelte sich – erinnert sei etwa an die vielen Hausbesetzungen, an große und kämpferische Streiks und unzählige neue kulturelle Projekte.

Gänzlich in Vergessenheit geraten ist die kritische Haltung der DDR-Opposition gegenüber dem westdeutschen Verfassungsschutz (dessen Berliner Abteilung heute in der Klosterstraße 47 sitzt). Auf dessen Auflösung warten wir trotz (bis heute unaufgearbeiteter) tiefster Verstrickungen in den rechten Terror von der Wehrsportgruppe Hoffmann (Stichwort: Oktoberfestattentat 1980) bis zum NSU-Komplex (siehe dazu exemplarisch den offiziellen Bericht deThüringer Untersuchungsausschusses sowie [9]) bis heute vergeblich.

Denn leider ging es nicht so fröhlich weiter. Ich würde (mit Grüßen an die spätestens jetzt vermutlich mitlesenden Beamt*innen) beide Orte meiden und Stadtrundgänger*innen angesichts dessen, was dann kam, lieber vorschlagen, sich in einer linken Berliner 'Besetzer*innenkneipe' zu besaufen und den ein oder anderen Euro in eine der dort meist vorhandenen Spendenbüchsen zu werfen... ;-)

Gegen den Kater helfen in diesem Fall aber noch nicht einmal Spreewaldgurken, denn:

Photo: www.spreewald-info.de


Es wird deutsch in Kaltland

Eine Erinnerung an die rassistischen Pogrome in Rostock-Lichtenhagen 1992 und an den Holocaust

Ich erinnere mich noch gut, wie in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 ein später Gast strahlend-grinsend auf eine Party kam und von den feiernden Menschen in Berlin berichtete (wir hatten damals ja noch keine portablen Geräte). Und daran, wie ich mich zwar einerseits für die DDR-Bürger*innen (und meine Verwandtschaft dort!!!) freute, andererseits aber auch skeptisch war, was die weiteren Entwicklungen anbelangt, was der Gast nun so garnicht verstehen konnte ("Typisch Antifa"). Ich sollte leider Recht behalten, denn es dauerte nicht lang, bis aus der (basis)demokratischen Parole "Wir sind das Volk" der nationalistische Ruf "Wir sind ein Volk" wurde und aus einer mutigen, zunächst recht kleinen DDR-Bürgerrechtsbewegung ein widerlicher nationaler Konsens, der schon früh wunderbar vom West-Berliner Akkordeon-Spieler Yok Quetschenpaua besungen wurde:

"Die Freiheit, die du meinst, ist die Freiheit der Deutschen Bank - Kein Kohl, kein Reich, kein Vaterland!"
Yok Quetschenpaua: 9. November - 3. Oktober (1990)

Die Masse der DDR-Bürger*innen war weniger an den in der bunten Opposition diskutierten gesellschaftlichen Veränderungen interessiert, sondern lief mit offenen Armen Helmut Kohls zügig in Angriff genommenen 'Wiedervereinigung'splänen in die Arme, ein kleinerer Teil positionierte sich gar noch deutlich rechts davon (DSU, Republikaner, Neonazis...). Damals verbreitete sich, womit wir bis heute zu kämpfen haben: von der Gründung terroristischer "Anti-Antifas" über den "Thüringer Heimatschutz" (THS) zum noch mindestens bis 2006 unschuldige Migrant*innen ermordenden "NSU" (2007 gab es den noch immer unaufgeklärten Mord an der Polizistin Michéle Kiesewetter), von einer ins Kraut schießenden, reaktionären Zeitungs- und Onlinelandschaft von 'Neuen' Rechten zu antisemitischen Verschwörungstheoretiker*innen, von städtisch geförderten 'subkulturellen' Großevents wie dem sogenannten "Wave-Gotik-Treffen" in Leipzig (das in Westdeutschland noch 'Wave-Gothic-Festival' geheißen hätte), das offensiv jeglichen Bezug zur 'anglo-amerikanischen Popkultur' verneint, sich stattdessen unverblümt 'neu'rechter Termini, Symboliken und Argumentationsmuster bedient und in der Folge von 'Neuen' Rechten überrannt wurde (und wird) bis hin zu den zu Bürgerrechtszeiten auffallend untätigen Spießbürger*innen aus der Jammer- und Opferstadt Dresden (anscheinend immer noch ein "Tal der Ahnungslosen"), die plötzlich ganz umtriebig mit ihrer rassistischen "Pegida" auf die Straße gehen und deren Ablegern im ehemaligen Ostdeutschland ("Legida", "Bärgida" etc.) und davon ausgehend auch in anderen Teilen der Republik, von zutiefst rassistischen Mediendiskursen bis zur öffentlichen Hetze gegen Flüchtlinge seitens 'demokratischer' Politiker*innen.

Schon Anfang 1990 kam es zu Hausbesetzungen militanter Neonazis (Nationale Alternative) in Berlin-Lichtenberg. Auch in vielen westdeutschen Städten nahmen Probleme mit Neonazis und Nazi-Skins zu. Eine wiederkehrende Erfahrung dieser Zeit war, dass Nazis von der Polizei geduldet werden, während auf Antifaschist*innen eingeprügelt wird. Etwa in der Uni-Stadt Göttingen, wo schon kurz nach dem Mauerfall am 17. November 1989 die Antifaschistin Kornelia 'Conny' Wessmann nach Auseinandersetzungen mit Neonazis von der Polizei vor ein fahrendes Auto und damit in den Tod getrieben wurde. Ein Jahr später, in der Silvesternacht 1990/91, wird dort der 'Gruftie' (Gothic) Alexander Selchow von Nazi-Skins ermordet. Auch in unserer süddeutschen Kleinstadt wurde es zum Teil sehr ungemütlich: marodierende Nazi-Skinheads, mit denen es immer wieder gewalttätige Auseinandersetzungen gab, im Fußball-WM-Sommer 1990 wie im ganzen Lande ein Meer von Deutschland-Fahnen und Reichskriegsflaggen inmitten der Feiernden, Übergriffe auf Asyl-Unterkünfte und so weiter. Glücklicherweise waren wir dort damals genug, um den rechten Mob nach und nach und gemeinsam mit anderen Jugendlichen und Flüchtlingen zurückzudrängen. Andernorts lief das weniger erfolgreich. In Hoyerswerda (1991), Mannheim-Schönau (1992) und Rostock-Lichtenhagen (1992) kam es zu tagelangen Pogromen gegen Flüchtlingsunterkünfte, in Mölln, Solingen und zahlreichen weiteren Städten zu tödlichen Brandanschlägen auf Migrant*innen. In Berlin-Friedrichshain wurde am 21. November 1992 der schon in der DDR-Bürgerrechtsbewegung aktive linke Hausbesetzer Silvio Meier im U-Bahnhof Samariterstraße von Neonazis getötet. In einigen west- und vor allem ostdeutschen Regionen entwickelten sich 'National befreite Zonen'. Insgesamt gab es seit dem Mauerfall nach Zählung der Amadeu Antonio Stiftung (benannt nach dem im Dezember 1990 in Eberswalde von Neonazis ermordeten, aus Angola stammenden Arbeiter Amadeu Antonio Kiowa, dem ersten bekannten Nazi-Opfer nach der 'Wiedervereinigung') allein von 1990 bis 2011 mindestens 184 Todesopfer rechtsextremer Gewalt, also mehr als Mauertote zwischen 1961 und 1989 (!!!) (auch hier variieren die Zahlen je nach Untersuchung und Zählweise, als seriös können nach derzeitigem Forschungsstand (mindestens) 138 Mauertote gelten)! Die allermeisten Todesopfer rechtsextremer Gewalt waren Menschen anderer Hautfarbe, Migrant*innen, Linke, Punks und Obdachlose.

Als 'Reaktion' auf die rassistischen Pogrome von Hoyerswerda, Mannheim und Rostock wurde 1993 (aus heutiger Sicht also 'kurz' nach der 'Wiedervereinigung') mit den Stimmen von CDU / CSU, FDP und natürlich auch von der damals noch nicht einmal mitregierenden SPD das bis dato als Lehre aus dem NS im Grundgesetz verankerte Grundrecht auf Asyl de facto abgeschafft.

Gedenktafel aus dem Jahr 2007 für Silvio Meier auf dem U-Bahnhof Samariterstraße in Berlin-Friedrichshain
Memorial plaque from 2007 for Silvio Meier, murdered in 1992 by neonazis on subway station Samariterstraße in Berlin
Photo by Oliver Wolters, Berlin (CC-Lizenz 2.0 D)

Das 'wiedervereinigte' Deutschland entwickelte sich also exakt in die gegenteilige Richtung der Werte und Utopien, für die mutige Aktivist*innen wie Silvio Meier schon in der DDR gekämpft hatten:


video
Interview mit Silvio Meier im Sommer 1992
Autoren: unbekanntes dänisches Filmteam
Bearbeitung: Umbruch Bildarchiv

Seit 2013 erinnert die Silvio-Meier-Straße in Berlin - Friedrichshain an die Ermordung des linken Aktivisten durch Neonazis
Photo by Cyzen (CC-Lizenz 3.0)


25 Jahre Räumung der Mainzer Straße

Szene aus Gerhard Seyfrieds legendärem Comic "Flucht aus Berlin" (1990)

Doch nicht nur Rechte, auch der Staat selbst holte aus zur 'Konterrevolution', in dem er die eroberten oppositionellen Spiel- und Freiräume angriff. In Berlin wurde bald der besonders nach dem Mauerfall aufgeblühten linken Hausbesetzungs-Bewegung der Garaus gemacht, was am 14. November 1990 in der (mal wieder) von der SPD veranlassten brutalen Räumung der Mainzer Straße in Friedrichshain gipfelte.

Auch dazu ein kleines Video mit einem weiteren Lied von Yok Quetschenpaua:

Yok Quetschenpaua: Mainzerstraßenlied (1990)

Auch wenn andere Projekte (zunächst) überlebt haben oder neu entstanden sind, wurde mit der Räumung der Mainzer Straße nur wenige Wochen nach der 'Wiedervereinigung' unmissverständlich klar gemacht, dass die 'Zeit der Experimente' und der der untergehenden DDR abgetrotzten 'neuen Toleranz' ein für alle Mal vorbei sein sollte (nicht ist!) – was Aktivist*innen wie Silvio Meier schon früh vorhergesehen hatten (vgl. Video-Interview oben). Guten Morgen, Großdeutschland!


Re-Militarisierung & Neo-Imperialismus

"Für ein Berlin ohne Mauer in einem Deutschland ohne Panzer in einem Europa ohne Grenzen"
(Ein berühmt gewordenes Transparent am Brandenburger Tor, 10. November 1989)

Auch andere Hoffnungen wurden schnell desillusioniert, vor allem die Hoffnung auf ein 'friedliches Deutschland' "ohne Panzer", wie es auf einem berühmt gewordenen Transparent vom 10. November hieß.

Die Armeen beider deutschen Staaten galten seit ihrer Gründung 1955 in der BRD (Bundeswehr; paramilitärischer Vorläufer ab 1951: Bundesgrenzschutz (BGS)) bzw. 1956 in der DDR (Nationale Volksarmee (NVA); paramilitärischer Vorläufer ab 1952: Kasernierte Volkspolizei (KVP)) als 'Verteidigungsarmeen' (Territorialarmeen) im Falle eines Angriffs von außen, der dann so glücklicherweise 40 Jahre lang nicht eingetroffen ist (der NATO-Bündnisfall wurde z. B. erstmals nach dem 11. Sept. 2001 erklärt), so dass es auf beiden Seiten zu keinen direkten kriegerischen Auseinandersetzungen kam ('Kalter Krieg').

Als 'Verteidigung' wurde in beiden Staaten grundsätzlich auch ein 'innerer' Einsatz im Falle eines selbsterklärten Notstands verstanden, in der DDR etwa der Einsatz von Kasernierter Volkspolizei am 17. Juni 1953 bei der Niederschlagung des Aufstandes streikender (Bau-)Arbeiter (gefolgt von breiten Teilen der DDR-Gesellschaft, siehe dazu Benno Sarel: "Arbeiter gegen den 'Kommunismus'", Paris 1958). In der Zeit der 'Wende' stand die NVA im Oktober 1989 in 'erhöhter Gefechtsbereitschaft' (was wie einige Monate zuvor in China in einem Massaker hätte enden können). In 'Westdeutschland' / der BRD sind wir den Einsatz des Bundesgrenzschutzes bei Demonstrationen gewohnt, aber auch Bundeswehreinsätze im Inneren sind als Teil der vollkommen zu Recht entschieden von der APO (Außerparlamentarische Opposition) bekämpften, seit 1968 geltenden Notstandsgesetze möglich.

Die NVA hatte zwar zudem auch eine hohe Auslandspräsenz vor allem in Afrika und dem Mittleren Osten, konzentrierte sich dort aber auf Beratungs- und Ausbildungsmissionen (oft für Befreiungsbewegungen) und war keine Armee im Kampfeinsatz. Auch am sowjetischen Einmarsch in die Tschechoslowakei (ČSSR) zur Niederschlagung des 'Prager Frühlings' 1968 und bei der sowjetischen Intervention in Polen 1981 beteiligte sich die NVA nicht (zumindest nicht direkt) und so kam es (glücklicherweise) nicht zu einer Auslandsintervention mit ostdeutschen Soldaten.
Auch die Bundeswehr (immerhin seit ihrer Gründung 1955 Mitglied der NATO) hielt sich von vereinzelten Auslandseinsätzen im Rahmen der Katastrophenhilfe an die Ausrichtung als 'Verteidigungsarmee', womit es seit 1945 / 1949 zu keinen (direkten) Kampfhandlungen deutscher Soldaten im Ausland kam.














Berühmt gewordenes Photo eines DDR-Soldaten
mit Blume im Gewehrlauf (Berlin, 10. November 1989)

Auslandseinsätze der Bundeswehr 2013 (via Froschgrafik)

Doch im 'wiedervereinigten' Deutschland begann sofort die sogenannte "Out-of-area"-Debatte über Auslandseinsätze der Bundeswehr außerhalb des NATO-Gebietes (also die Umwandlung der Territorialarmee in eine Interventionsarmee ähnlich wie nach dem Ersten Weltkrieg die Entwicklung zur Wehrmacht), zunächst unterstützt von CDU und FDP, ab 1992 auch von der SPD, ab 1998 auch von den Grünen. Es dauerte nicht lange, bis die Bundeswehr auf erste Auslandseinsätze geschickt wurde. 'Testballon' waren bereits ab August 1990 (also noch kurz vor der 'Wiedervereinigung') ein Marine-Einsatz u. a. am Persischen Golf und Anfang 1991 der Einsatz von Flugabwehrraketengeschwadern in der Türkei, beides in Zusammenhang mit dem Zweiten Golfkrieg. Ab 1992 ging es in Zusammenhang mit dem jugoslawischen Bürgerkrieg erstmals Richtung Adria und Balkan, 1993 bis 1994 nach Somalia. Es folgten die IFOR- (ab 1995) und SFOR- (ab 1998) Einsätze in Bosnien-Herzegowina, ab 1999 KFOR - Einsätze im Kosovo und die deutsche Beteiligung an der völkerrechtswidrigen Bombardierung Belgrads und anderer Städte im ehemaligen Jugoslawien (1999) unter der rot-grünen Bundesregierung Schröder-Scharping-Fischer.

Heute sind Bundeswehr-Einheiten über die ganze Welt verteilt, von Afghanistan bis zur Türkei, vom Kosovo bis nach Somalia, vom Baltikum bis zum Libanon, von Island über Mali bis zum Südsudan und ist an Kriegen in zahlreichen weiteren Ländern beteiligt (u. a. Irak). Auch international bedeutete das Ende des Kalten Krieges nicht das Ende von Krieg oder Gewalt, sondern eher dessen Anstieg: der Zweite Golfkrieg 1991 die größte militärische Mobilisierung seit dem 2. Weltkrieg war das erste offenkundige Zeichen davon, der von Deutschland mit angefachte Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien ab 1991 und der Völkermord in Ruanda 1993 weitere.

Nichts von den pazifistischen Hoffnungen der DDR-Opposition und sympathisierender 'Wessis' hat sich leider bewahrheitet – das Gegenteil ist der Fall. Auch daher hasse ich dieses verdammte Brandenburger Tor, das schon immer ein Symbol des deutschen Imperialismus war. Auch der angrenzende Platz mit dem schönen Namen "Pariser Platz" ist übrigens leider kein Zeichen der Völkerfreundschaft, sondern soll nur an die preußische Eroberung der Stadt 1814 erinnern...


Feiertage?

"Nur weil ich zufällig hier geboren bin, auf diesem Fleck zwischen all dem Zwist,
weiß ich dennoch, dass ich mich nicht deutsch fühl', dass das nicht meine Freiheit ist"
Yok Quetschenpaua: 9. November - 3. Oktober

Muriel Raoux / Kani Alavi - ohne Titel (Afrikanische Weisheit) &
Ines Bayer / Raik Hönemann: Es gilt viele Mauern abzubauen
Photos via blog.inberlin.de & holidaycheck.de
East-Side-Gallery, Mühlenstraße, Berlin-Friedrichshain

Aus diesen und weiteren Gründen sind weder der 3. Oktober und (aufgrund der Reichspogromnacht) schon gar nicht der 9. November als 'Feiertage' geeignet. Vorstellbar wäre – wenn schon unbedingt gefeiert werden muss – ein "Tag der Zivilcourage" am 9. oder 16. Oktober (Leipzig, 1989) oder auch am 4. November (Berlin, 1989). Lieber nicht. Ansonsten könnten entweder der 11. September (Fall des 'Eisernen Vorhangs' in Ungarn) oder meinethalben auch der 10. November als "Tag der Offenen Grenzen" gefeiert werden. Ersteres könnte zumindest theoretisch daran erinnern, dass Zivilcourage eine Daueraufgabe ist, zweiteres daran, dass es im Zuge von Gorbatschows 'Perestroika' und unter dem wachsenden Druck der Bürger*innenbewegungen letztlich die Staaten des Ostblocks waren, die die Grenzen geöffnet haben. Eine Tatsache, die ihnen seltsamerweise niemand gedankt hat – im Gegenteil, selbst die 'reformorientierteren' unter ihnen ernteten nur Spott, Häme, Anklagen und genau den westlichen Imperialismus, vor dem sie immer gewarnt hatten.


Engel der Geschichte

"Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm."
Walter Benjamin: Über den Begriff der Geschichte (1940), These IX

Paul Klee: Angelus Novus (1. Januar 1920)
Aquarellierte Zeichnung aus Tusche und Ölkreide auf bräunlichem Papier (31,8 × 24,2 Zentimeter)
Der deutsche Philosoph und Kulturkritiker Walter Benjamin kaufte das Bild und es begleitete ihn auf der Flucht vor den Nazis von Berlin nach Paris. Nachdem die Wehrmacht 1940 auch in Paris einmarschierte, musste Benjamin erneut fliehen. Der französische Schriftsteller Georges Bataille versteckte Paul Klees Bild dann zusammen mit Benjamins Nachlass in der französischen Nationalbibliothek. Nach dem tragischen Tod Benjamins 1940 gelangte es gegen Ende des Krieges an Theodor W. Adorno in New York. Seit 1989 befindet es sich im Israel-Museum in Jerusalem.

Viel sinnvoller aber wäre es, mit durch den Blick auf den 'Steinbruch der Geschichte' geschärftem Geschichtsbewusstsein nach vorne zu schauen und sich gemeinsam daran zu machen, etwa die unsägliche Geschichte und Rolle der deutschen Sozialdemokratie zu kritisieren, bereits gewonnene, aber wieder niedergeschlagene und verdrängte Freiheiten und Spielräume zurückzuerobern und neu zu schaffen, alle Arten von extremen Rechten und ihre staatlichen Helfershelfer*innen konsequent zu bekämpfen, wachsam zu sein gegenüber allen Spielarten von Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Islamophobie, Homophobie und Sexismus und last but not least die noch weitaus tödlichere Mauer um Europa einzureissen und die in Berlin und anderswo ankommenden Flüchtlinge zu begrüßen und zu unterstützen!

Es bleibt dabei:
Deutschland? Nie wieder!
(Marlene Dietrich)

Nieder mit Antisemitismus & allen Formen von Rassismus!

Nieder mit dem deutschen Militarismus & Neo-Imperialismus!

Nieder mit der 'Festung Europa'!

Gegen die Spaltungs- und Entsolidarisierungspolitik und alle Formen rassistischer Sondergesetze unter immer neuen Nützlichkeits- und Leistungskriterien, die Menschenrechte unter Finanzierungs- und Sparvorbehalte stellen!

Refugees Welcome!

1,2,3,4, - alle Roma bleiben hier!


Auf viele Kommentare, Rückmeldungen, schlaue Gedanken & produktive Auseinandersetzungen!
xxx

Weitere Verweise:

Filme:

Als die Synagogen brannten - Die Novemberpogrome 1938
(sehenswerte Dokumentation von Michael Kloft, Spiegel TV Media in Zusammenarbeit mit The History Channel UK im Auftrag des NDR, gesendet auf phoenix, jetzt auf YouTube)

The Truth lies in Rostock - Die Wahrheit liegt (lügt) in Rostock.
BRD, Großbritannien 1993, 78 min, deutsche Originalfassung, auch in englischer Fassung
Die Reaktion des wiedervereinigten Deutschlands auf die tagelangen Pogrome 1992 in Rostock-Lichtenhagen; wer den Film nicht kennt, muss ihn gesehen haben!
Eine Montage von Videomaterial, gedreht aus den angegriffenen Häusern heraus, Interviews mit Anti-FaschistInnen, den vietnamesischen VertragsarbeiterInnen, der Polizei, mit Bürokraten, Neonazis und Anwohnern. Eine Dokumentation über das heimliche Einverständnis der Politik und über die verbreitete Angst.
Produktion: Spectacle London, JAKO videocoop, Rostock
Realisation: Mark Saunders, S. Cleary


Lesetips:


Bericht des Thüringer Untersuchungsausschusses 5/1 "Rechtsterrorismus und Behördenhandeln" (2014) (hier ohne Abbildung, komplett als PDF)
Überraschend entlarvender Bericht des Untersuchungsausschusses des Thüringer Landtags zum
"Mögliche(n) Fehlverhalten der Thüringer Sicherheits- und Justizbehörden, einschließlich der zuständigen Ministerien unter Einschluss der politischen Leitungen, sowie der mit den Sicherheitsbehörden zusammenarbeitenden Personen (so genannte menschliche Quellen) im Zusammenhang mit Aktivitäten rechtsextremer Strukturen, insbesondere des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) und des "Thüringer Heimatschutzes" (THS) und seiner Mitglieder sowie mögliche Fehler der Thüringer Sicherheits- und Justizbehörden bei der Aufklärung und Verfolgung der dem NSU und ihm verbundener Netzwerke zugerechneten Straftaten" (Hervorhebungen von mir).

Anmerkung:
Auch Christian Kapke, ehemals u. a. beim THS und im mittlerweile verbotenen Blood & Honour-Netzwerk, um das Millenium herum ein Teilveranstalter ("Lichttaufe") des oben im Text kurz erwähnten 'Wave-Gotik-Treffens' in Leipzig, findet dort mehrmals seine verdiente, mir allerdings nicht weit genug gehende Erwähnung. Die Aufarbeitung solcher – ins 'neu'rechte Lager übergreifenden – Strukturen sollte aber auch wie erwähnt nicht dem Verfassungsschutz oder anderen Geheimdiensten überlassen werden, sondern ist eine gesellschaftliche Aufgabe.
Interessant an dem 1896 Seiten (!!!) umfassenden Dokument ist aber, dass offensichtlich selbst dem Untersuchungsausschuss angesichts der offenkundigen staatlichen Verstrickungen mit dem Nazi-Terror 'die Haare zu Berge standen'... [ich positioniere diese Anmerkung nicht unbewusst auch mit Blick auf die hoffentlich immernoch mitlesenden Beamt*innen der entsprechenden Behörden (ich rufe da so ungern an ^.^...), denn schließlich und letztlich sind auch staatliche Beamt*innen Teil der Gesellschaft!]

Sebastian Haffner: "Der Verrat – Deutschland 1918/19"
Historisches Buch von 1968/69 (auch mit dem Titel "Die verratene Revolution" oder unter dem Unterttitel "Als Deutschland wurde, wie es ist" erschienen).
u. a. Verlag 1900 Berlin. Es kann auch als Hörbuch auf YouTube angehört werden: Teil 1, Teil 2... (in insgesamt 8 Teilen online).

Benno Sarel: "Arbeiter gegen den 'Kommunismus'. Zur Geschichte des proletarischen Widerstandes in der DDR (1945-1958)",
Trikont-Verlag (Reihe: Schriften zum Klassenkampf 43), München 1975, Original: Paris 1958

Gerhard Seyfried: Flucht aus Berlin (Comic von 1990, Rotbuch Verlag).
Kann hoffentlich noch über die netten Comic-Läden "Grober Unfug" (Torstraße 75 in Mitte und Zossener Str. 33 in Kreuzberg) bestellt werden, sonst antiquarisch versuchen.

In diesem Blog:

Die Rückkehr des zivilen Lebens in Kobanê (Mai 2015)
Bilder vom 1. Mai in Berlin (Mai 2015)
Wie Toyah Diebel in 3 Minuten Pegida abschminkte (Februar 2015)
Je suis Charlie... je suis Ahmed... je suis juif... (Januar 2015)
Ein Minderheiten-Quartett (3. Okt. 2014) Ein Kartenspiel gegen die 'Leitkultur'.
STYLE! IT! TAKES! Manifesto (März 2013)
Rosa-Luxemburg-Platz (Januar 2013)
Am Ende des Posts befindet sich eine Art Nachruf auf die Revolutionärin und die Novemberrevolution.
Croatian Diaries # V: Postcards from Sisak (Oktober 2012)
Stadtbesichtigung der kroatischen Kleinstadt Sisak, u. a. mit Photos eines KZ-Denkmals, Referenzen auf den antifaschistischen Partisanenkampf und den jugoslawischen Bürgerkrieg.
Berlin - Du bist so hässlich geworden... (April 2012)
Noch mehr zeitloses Geschimpfe über die Berliner Stadtentwicklung. ;-)


Ansonsten lieber raus auf die Straße als Heim ins Reich!

xxx

5 comments:

  1. Samstag, 3. Oktober

    Europäische und deutsche Grenzen schrotten!

    Verlogenheit enttarnen - Nationalismus und Rassismus bekämpfen!

    Für Gleichberechtigung, Gleichbehandlung und Solidarität!

    Gegen Nationalismus, Rassismus und soziale Ausgrenzung!

    Demo gegen die staatliche Flüchtlingspolitik und einen rassistischen Aufmarsch aus dem Umfeld von "Wir für Berlin & Deutschland", Bärgida, Hooligans und Neonazis

    vom Washingtonplatz über den Pariser Platz bis nach Berlin-Mitte.

    Es wird zu Protesten entlang der gesamten Route aufgerufen!

    Details:

    http://www.facebook.com/events/1645885542328712/

    siehe auch:

    03.10.2015 - BERLIN NAZIFREI - Ob Ost, ob West: Nieder mit der Nazipest!

    http://www.facebook.com/events/459960590829043/

    Allgemeiner Treffpunkt:

    Washingtonplatz, 10557 Berlin, 15 Uhr (bis ca. 18 h)


    Mittwoch, 7. Oktober

    For Refugee Rights - Against Discrimination and Racism

    Kundgebung // Theatre // Concerts // Performances // Statements

    http://www.facebook.com/events/909804815781149/

    Landesamt für Gesundheit und Soziales

    Turmstraße 21, 10559 Berlin

    15:00 - 20:00 h

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    1. [Hinweis] Diese Veranstaltungshinweise befanden sich ursprünglich am Ende des Artikels und wurden nach Ablauf von mir in die Kommentarspalte hier verschoben.

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  2. Ich persönlich sehe aufgrund der heutigen internationalen Gefahren( Terrorismus, Verbreitung von Massenvernichtungswaffen etc.) den Linksextremismus als wesentlich größere Gefahr an als den Rechtsextremismus. Falls die AFD jemals eine regierende Funktion erreichen sollte würde auch der Letzte erkennen das diese Partei nicht in der Lage ist ein Land zu regieren und paar Jahre später wäre wieder eine andere Partei dran, sollte jemals die Linke etwas zusagen haben, Gott schütze uns vor diesem Alptraum, würde wohl nur noch Auswandern helfen.
    Es ist wichtig Flüchtlingen zu helfen, aber bevor man zahlreiche Menschen in Europa einreisen lässt sollte man erst einmal überprüfen, wer Hilfe benötigt und wer ISIS Unterstützer oder andersweitig kriminell ist(und von letztern sind mehr dabei als Sie denken).
    Nur die gemäßigten Parteien sind in der Lage das Beste für uns und den Rest der Welt zuerreichen!
    Ich kann deshalb, als jemand der sich seit längerer Zeit intensiv mit Politik sowie Geschichte auseinader setzt, sagen, dass ich diese Seite nicht Ernst nehmen kann. Die Quellenlage sowie ganz offensichtlicher "Schwachsinn", z.B. Feiertag am 11.9 sowie Sätze wie ""Pariser Platz" ist übrigens leider kein Zeichen der Völkerfreundschaft, sondern soll nur an die preußische Eroberung der Stadt 1814 erinnern...", wobei sie mit preußische Eroberung wohl die Befreiung Europas von der Besetztung Napoleons meinen, welcher für den Tod zahlreicher Menschen verantwortlich war, um nur eines von sehr sehr vielen Beispielen zu nennen. Wenn ich mir solche Artikel durchlese wird mir immer klarer, warum es in Europa und speziell in Deutschland seit den 90er Jahren bergab geht.
    Gruß von der Mitte
    #Nein zu Links/Rechtsextremismus

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  3. Eigentlich hatten wir uns dazu entschlossen, auf diesen haarsträubenden, von rechtem Gedankengut triefenden Kommentar nicht zu antworten, zumal wir unsere eigentlichen Leser*innen und unsere Zielgruppe für intelligent genug halten, diesen Quatsch selbst zu durchschauen. Wir wollten ihn auch nicht löschen, weil wir uns nicht dem zu erwartenden ‚Zensur’-Geschrei aussetzen wollten und Sie sich ja zumindest die Mühe gemacht haben, den Artikel zu Ende zu lesen, wenn Sie seinen Sinn offenbar auch nicht verstanden haben oder verstehen wollten.

    Aus Anlass der Neubewerbung dieses Artikels am 3. Okt. 2016, vor dem Hintergrund der immer weiteren Verbreitung solch 'neu'rechter und AfD-naher, kruder Ideologien und Ansichten und insbesondere mit Blick auf den immer tödlicher werdenden Rassismus und Nationalismus nun doch noch zu ein paar Anmerkungen dazu:

    1. Ihre politische Selbstverortung als in der "Mitte" stehend entspricht höchstens Ihrem Wunschdenken, tatsächlich stehen Sie ganz weit rechts davon (Ihr Hauptfeind steht erklärtermaßen links, nicht rechts; Sie wollen Einwanderung begrenzen; verklären die Preußen-Kriege als "Befreiung"; verbreiten die falsche Totalitarismus-Theorie (links=rechts) und gehen mit Ihrem „Alptraum“ sogar noch über diese hinaus (was u. a. einer Verharmlosung des Holocaust gleich kommt!) etc.).

    2. „Falls die AFD jemals eine regierende Funktion erreichen sollte“ würde sie die Demokratie schrittweise abschaffen. Sie arbeitet auch jetzt aus der Opposition heraus schon kräftig daran – und Sie selbst arbeiten, ob aus Überzeugung oder Blindheit wollen wir hier mal offen lassen, kräftig daran mit. Nichts aus der Geschichte gelernt! Oder Überzeugungstäter (wir sind uns recht sicher, dass es sich um einen männlichen Anonymous handelt, ist aber letztlich egal).

    3. „sollte jemals die Linke etwas zusagen (Sie sollten – wie viele Ihrer national gesinnten Gesinnungsgenoss*innen – dringend an Ihrem Deutsch arbeiten!) haben, (…) würde wohl nur noch Auswandern helfen“:

    Wir hoffen, Sie haben die Koffer schon gepackt, denn zumindest die Partei „Die Linke“ ist in Thüringen, wahrscheinlich bald auch in Berlin sowie in weiteren Bundesländern bereits an der Regierung oder stellt sogar den Ministerpräsidenten.
    Die ist zwar nicht ‚linksextrem’, dürfte aber für Ihren „Alptraum“ genügen. Und tschüss! Sollte das von Ihnen unterstützte Gedankengut weiter um sich greifen, könnte es Ihnen allerdings passieren, dass Sie Schwierigkeiten mit der Einreise in immer mehr Länder bekommen (Stichwort: Brexit, Trump in den USA etc.).

    4. Wenn Sie Flüchtlinge und Migrant*innen bereits vor der Einreise überprüfen wollen, sprechen Sie sich a) für die Abschaffung der Reisefreiheit in der EU und b) für die Abschaffung rechtsstaatlicher Verfahrensweisen aus. Wir sind wahrlich keine Freund*innen des bürgerlich-kapitalistischen Staates, aber Sie können sich darauf verlassen, dass in Deutschland alles seinen geordneten, ‚rechtsstaatlichen’ Gang geht. Sprich: die Überprüfungen finden im Rahmen der Gesetze und Verfahrensregelungen statt, das dauert seine Zeit und das ist der Existenzialität des Themas auch angemessen. Auch nach möglichen IS-Unterstützer*innen wird Ausschau gehalten (es sind weniger als Sie denken!), daher kommt es ab und an zu diesbezüglichen Verhaftungen und Prozessen, wobei es sich dabei bereits wiederholt um deutsche Staatsbürger*innen handelte und nicht um Flüchtlinge.

    P. S.: Wir werden uns dafür einsetzen, dass Sie schon vor Ihrer „Auswanderung“ auf der Flucht vor einer von Ihnen phantasierten linken ‚Machtübernahme’ in Deutschland darauf überprüft werden, ob Sie wirklich „Hilfe“ benötigen und ob Sie eventuell „andersweitig (sic!) kriminell“ sind.

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  4. 5. „das Beste für uns und den Rest der Welt“?
    Ihre nationalistische Trennung in ‚wir’ und den „Rest der Welt“ offenbart erneut Ihre politische Verortung. Soll schon wieder am ‚deutschen Wesen die Welt genesen’? Lieber nicht. Die letzten Male führte dies zum Völkermord (in Namibia), zu zwei Weltkriegen und zum Holocaust.

    Stattdessen setzen wir uns z. B. lieber für einen Stop von Rüstungsexporten, eine Beendigung der Bundeswehr-Einsätze und eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung ein, die die brutale Ausbeutung von Menschen und die zerstörerische Schöpfung von Rohstoffen in weiten Teilen dieser Welt durch die mächtigen Staaten und Konzerne beendet und die ungerechten, einseitigen Handelsbeziehungen auf Kosten der ärmeren Länder abschafft.

    6. Aufgrund Ihrer Ausführungen wollen wir lieber nicht so genau wissen, mit Hilfe welcher Quellen Sie sich „seit längerer Zeit intensiv mit Politik sowie Geschichte auseinader (sic!)“ setzen.
    Es kann sich nur um ziemlich bräunlich-gefärbtes Material handeln.

    7. Dass Sie die Reichspogromnacht und die NS-Verbrechen, aber auch den heutigen tödlichen Rassismus, mit keinem Wort erwähnen, verwundert nicht, zeigt aber ebenfalls Ihre völkisch-getränkte Empathielosigkeit.

    8. Wir finden es also keinesfalls schlimm, wenn Sie unseren schönen Blog „nicht Ernst nehmen“ können, sondern schlagen Ihnen vor, künftig einfach einen weiten Bogen um diesen zu machen. Er ist nicht für Sie und Ihresgleichen gemacht, sondern hat eine sympathischere Zielgruppe, nämlich Menschen, die ganz ohne chauvinistisches Gedankengut auskommen und sich für eine bessere, schönere Welt einsetzen, nicht eine, die noch schlimmer ist als die jetzige Situation.

    In diesem Sinne,
    entweder auf ‚Gute Besserung’ (die Hoffnung stirbt zuletzt…) –
    oder auf ‚Nimmerwiedersehen’!

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